Hausarbeit „Ethik“
Seminar „Spezielle Themen der Ethik“ (14005)
SS 2003 Von Cordula de Leeuw
(6.Semester Diplom Sozialpädagogik)
Hausarbeitsthema : „Homosexualität aus ethischer Sicht“
Perspektivischer Schwerpunkt ist die ethische Beurteilung aus sozialpädagogischer Sicht
Inhalt
Einleitung. 4
Hauptteil 1: Wozu brauchen wir eine Ethik? 5
a) Begriffsklärung Moral und Ethik 5
b) Das Menschenbild der theologischen Ethik. 6
c) Die Rolle der Ethik in der Sozialpädagogik. 7
Hauptteil 2: Ethische Bewertung der Homosexualität 7
a) Die theologische Sichtweise 7
a) Die gesellschaftliche Sichtweise 9
Hauptteil 3: Homosexualität und Sozialpädagogik 11
b) Der sozialpädagogische Klient. 11
c) Die Stigmatisierung Homosexueller. 13
d) Die Relevanz der ethischen Beurteilung von Homosexualität für die
Sozialp ädagogik/Soziale Arbeit 14
Schlussteil mit persönlichem Fazit. 16
Literaturliste 18
3
Einleitung
Eine diplomierte Sozialpädagogin, die in der Frühförderung einer Vielzahl von Kindern durch ihren Einsatz und ihre Kompetenz neue Chancen für ein besseres Leben bot, unterhält sich mit mir über ihre Pflegekinder. Die fünf Kinder im Alter von einigen Monaten bis 11 Jahren toben sichtlich zufrieden im Garten. Meine Frage, warum sie die Kinder denn nicht adoptiert habe, wird mit einem unsicheren „Das dürfen wir doch nicht. Das geht doch nur in Mann-Frau-Beziehungen“ beantwortet.
Das lässt uns an all die heterosexuellen Paare, die Kinder adoptiert haben, nachdem sie von den zuständigen Behörden als dafür geeignet befunden wurden, denken. Uns fallen dabei nicht wenige Situationen ein, in denen es vermeintlich geeigneten Adoptiveltern an mehr als an erzieherischem Einfühlungsvermögen und Zuwendung im Umgang mit ihren Adoptivkindern mangelte.
In diesem Kontext taucht unweigerlich die Frage auf, warum der Aspekt der geschlechtlichen Orientierung noch heute einer der wesentlichen, wenn nicht gar der ausschlaggebende Gesichtspunkt in der Beurteilung ist, wenn es um Fragen der Adoption oder auch des Sorgerechtes geht.
Warum geschehen in einer aufgeklärten Zeit, in einem freien Land noch heute Ungleichbehandlungen als Verletzung der in Art.1 Grundgesetz (GG) geschützten Menschenwürde oder als Beschränkung des in Art.2 GG geschützten allgemeinen Persönlichkeitsrechts? Im unlängst veröffentlichten Überblick von Amnesty international über „Menschenrechtsverletzungen aufgrund sexueller Orientierung“ werden eine Reihe von Misshandlungen, Vergewaltigungen, Inhaftierungen, Folterungen und Morde von Menschen, die sich als lesbisch, schwul oder bisexuell bezeichnen, aufgelistet.(vgl. Das Schweigen brechen, 2001)
Einer der entscheidenden Faktoren, die einen Menschen einem anderen gegenüber so und nicht anders handeln lassen, ist seine Moral. Es geht dabei um eine „Gesamtheit von Formen, Vorstellungen und Prinzipien“. (Stimmer 2000, S.437)
4
Da die Ethik auf methodisch-systematischem Wege allgemein gültige Aussagen über gutes und gerechtes Handeln anstrebt, begebe ich mich bei der Untersuchung der heutigen Sicht auf Homosexualität und des Umganges mit Homosexuellen auf die Ebene der Ethik. Hierzu werde ich im ersten Hauptteil die Grundbegriffe Ethik und Moral klären, sowie das Menschenbild der theologischen Ethik mit jenen drei beispielhaften Grundprinzipien Personalität, Solidarität und Subsidiarität, sowie die Rolle der Ethik in der Sozialpädagogik erläutern. Im zweiten Hauptteil werde ich die ethische Beurteilung von Homosexualität aus Sicht der Kirche und aus gesellschaftlicher Sicht in zusammengefasster Form darstellen. Im dritten Hauptteil beschäftige ich mich mit daraus entstehenden Konsequenzen für das Leben von Homosexuellen, insbesondere aus sozialpädagogischer Perspektive. Im Schlussteil verleihe ich meiner persönlichen Auffassung Ausdruck.
Jeder einzelne der o. g. Punkte wäre ohne Frage eine wesentlich umfangreichere Reflexion wert. Ich stelle die unterschiedlichen Sichtweisen stark verkürzt, selektiert und zusammengefasst dar, und zwar in bestem Bemühen, jene von Emotionen geprägte Diskussion über das brennende Thema „Homosexualität“ so sachlich wie möglich und mit größtmöglichem Einfühlungsvermögen für die unterschiedlichsten Standpunkte widerzuspiegeln.
Hauptteil 1: Wozu brauchen wir eine Ethik?
a) Begriffsklärung Moral und Ethik
„Die Moral ist ein aus kultureller und religiöser Erfahrung gebildetes Regelsystem von Normen und Wertvorstellungen, die überindividuell als Maßstab des Verhaltens des Einzelnen gegenüber den Mitmenschen und sich selbst gelten.“ (Ethik-Seminar/Dr.Kroh 2003)
„Moral behandelt die gesellschaftliche Dimension im Gegensatz zu Ethos, das die Innenseite behandelt. Ethos ist die Eigenart der sittlichen Gesinnung und Haltung eines Einzelnen oder einer Gruppe in einer Gesellschaft.“ (Ethik-Seminar/Dr.Kroh 2003)
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Im Duden wird Ethos als „moralische Gesamthaltung,…, die die Grundlage des Wollens und Handelns bildet“ und als „Gesamtheit ethisch-moralischer Normen,… als Grundlage …innerer Maßstäbe“ definiert. (Duden 1982)
Die Ethik ist die Lehre vom „sittlichen Wollen und Handeln des Menschen in verschiedenen Lebenssituationen“. (Duden 1982)
b) Das Menschenbild der theologischen Ethik
Die folgende Darstellung des theologischen Menschenbildes entstammt einem Vortrag von Dr.Werner Kroh am 8.5.2003 im Rahmen des Seminars, für das diese Hausarbeit angefertigt wird.
Was die französische Revolution in den Grundrechten der meisten Staaten zu erreichen vermochte, spiegelt sich im Personalitätsprinzip wieder. Es besagt, dass der Mensch ein Individuum sei und seine „Einmaligkeit aus Materie und Geist“ bestehe, woraus sich seine Würde und Unantastbarkeit ergebe. Der Mensch sei mit Vernunft und freiem Willen ausgestattet. Unter allen Menschen gebe es Personen, nämlich jene Menschen, die ihre Anlagen realisiert hätten und daher individuell und sozial seien.
Der Mensch solle zur „Entfaltung seiner Persönlichkeit, allerdings nicht auf Kosten anderer“, gelangen. Jene zuweilen auftretende Diskrepanz zwischen den Rechten und Pflichten des Einzelnen und denen der Gesellschaft sollte durch das Solidaritätsprinzip geregelt werden. Hauptaspekt hierbei ist, dass jeder Einzelne solidarisch zu sein habe, weil man aufeinander angewiesen sei.
Da die Hilfeleistung eine wesentliche Rolle im funktionierenden Miteinander spielt, wird im Subsidiaritätsprinzip die Rangstellung der Helfenden geregelt. Es besagt, „dass der Stärkere dem Schwächeren dabei zu helfen habe, seine Rechte durchzusetzen“. Sofern jene in der Theorie so simpel anmutenden drei Grundprinzipien in die Praxis umgesetzt werden könnten, bestünde eine aus meiner Sicht durchaus erstrebenswerte Balance zwischen Individuum und Individuum und zwischen Individuum und Gesellschaft.
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Arbeit zitieren:
Cordula de Leeuw, 2003, Ethische Beurteilung von Homosexualität, München, GRIN Verlag GmbH
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