Universität Hannover Fachbereich Wirtschaftswissenschaften Institut für Versicherungsbetriebslehre
„Zukunftsfragen der Gesellschaft: Die Absicherung des Risikos, krank zu werden“
Die Zukunft der privaten
Eisenberger, Philipp
Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung. 1
2 Grundlagen der privaten Krankenversicherung 2
2.1 Geschichtliche Entwicklung. 2
2.2 Charakteristika der PKV im Vergleich zur GKV 4
3 Derzeitige Situation und Probleme der PKV. 6
3.1 Systemwettbewerb mit der GKV 6
3.2 Demographischer Wandel und Kostensteigerungen 7
4 Entwicklungsmöglichkeiten der privaten Krankenversicherung. 9
4.1 Szenario 1: Freier Wettbewerb durch Aufhebung der Pflichtgrenze 10
4.2 Szenario 2: „Bürgerversicherung“ durch Auflösung der PKV 12
4.3 Szenario 3: Nebeneinander der Systeme. 13
5 Nebeneinander der Systeme - Diskutierte Reformoptionen. 14
5.1 Anhebung der Krankenversicherungspflichtgrenze. 14
5.2 Mehr Wettbewerb in der PKV durch Mitnahme der Altersrückstellungen 16
6 Aktueller Ausblick: Vorschläge der „Rürup-Kommission“ 20
7 Fazit 21
Literaturverzeichnis 23
Abkürzungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis
Abs. Absatz
AG Aktiengesellschaft
Bd. Band
BGBl Bundesgesetzblatt
ca. circa
d. h. das heißt
e. V. eingetragener Verein
ff. fortfolgend
GKV Gesetzliche Krankenversicherung
Hrsg. Herausgeber
Kap. Kapitel
Mio. Millionen
Mrd. Milliarden
Nr. Nummer
O. V. Ohne Verfasser
PKV Private Krankenversicherung
S. Seite
SGB Sozialgesetzbuch
u. U. unter Umständen
URL uniform resource locator
Vgl. Vergleiche
z. B. zum Beispiel
Einführung S. 1
1 Einführung
Kaum ein Thema bewegt die Menschen heutzutage mehr als die Frage nach der sozialen Sicherheit. Dabei rückt die Absicherung des Risikos krank zu werden immer mehr in den Lebensmittelpunkt vieler Leute. Denn die Gesundheit wird heute oft als das höchste Gut empfunden. Viele Jahrzehnte funktionierte das heutige Gesundheitssystem aus einem Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung (PKV und GKV) ohne größere Probleme. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen aber verändert. Demographischer Wandel und erhebliche Kostensteigerungen haben das heutige System an seine Grenzen gebracht. Drastische Strukturreformen des Krankenversicherungssystems werden sich deshalb in der näheren Zukunft kaum vermeiden lassen. 1 Diese Arbeit stellt mögliche Modelle und Reformoptionen für die Zukunft aus der Sicht der PKV dar, wobei auch kurz auf die GKV eingegangen wird. Eine isolierte Betrachtung der PKV ist nicht möglich, da PKV und GKV unweigerlich miteinander zusammenhängen.
Zum Gang der Arbeit: Zunächst werden in Kapitel 2 die theoretischen Grundlagen der PKV dargelegt. Dabei werden schwerpunktmäßig die geschichtliche Entwicklung und die Besonderheiten der PKV im Vergleich zur GKV betrachtet. Im dritten Kapitel werden die momentane Situation der PKV und die sich daraus ergebenden Herausforderungen beschrieben. Zuerst wird auf den Systemwettbewerb zwischen GKV und PKV und die sich daraus ergebenden Probleme eingegangen. Danach wird der Umgang der PKV mit Kostensteigerungen im Allgemeinen und dem demographischen Wandel im Speziellen dargestellt. Darauf aufbauend beschäftigt sich Kapitel 4 mit den verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten der PKV. In drei unterschiedlichen Szenarien werden mögliche Zukunftsmodelle des gesamten Krankenversicherungssystems gekennzeichnet und deren Vor- und Nachteile in Theorie und Praxis aufgezeigt. Dabei wird jeweils die Rolle der PKV in den Vordergrund gestellt. Das darauf folgende Kapitel 5 widmet sich dem aktuellen System eines Nebeneinanders von GKV und PKV. Hier wird speziell die immer wieder thematisierte und auch in jüngster Zeit praktizierte
1 Vgl. Greisler, P. (2001), S. 992-994.
Grundlagen der privaten Krankenversicherung S. 2
Anhebung der Krankenversicherungspflichtgrenze diskutiert. Den Abschluss dieses Kapitels bildet die Debatte über die Einführung der Möglichkeit der Mitnahme von Altersrückstellungen bei einem Unternehmenswechsel innerhalb der PKV. Danach wird ein aktueller Ausblick unter Einbeziehung der Vorschläge der „Rürup-Kommission“ gegeben, und die Arbeit schließt in Kapitel 7 mit einem Fazit.
2 Grundlagen der privaten Krankenversicherung
Zunächst werden einige Grundlagen der PKV kurz erläutert: Dazu gehört die geschichtliche Entwicklung, die beschreibt, wie es überhaupt zu einer privaten Absicherung im Krankheitsfall kommen konnte, und ohne deren Kenntnis heutige Sachverhalte oft nur schwer zu verstehen wären. Daran anknüpfend folgen Charakteristika der PKV, besonders auch Unterschiede zur GKV, deren Verständnis notwendig ist, um spätere Darstellungen nachvollziehen zu können.
2.1 Geschichtliche Entwicklung
Die PKV zählt zu den ältesten Versicherungszweigen in Deutschland und hat ihren Ursprung bereits im Mittelalter. Damals unterstützten die Zünfte aus ihren Beiträgen die Mitglieder im Krankheitsfall. 2 Allerdings wurde „erst“ im Jahre 1883 zum ersten Mal zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung unterschieden. Als Folge der Industrialisierung kam Not und Elend über einen Teil der arbeitenden Bevölkerung und Bismarck war gezwungen, eine Krankenversicherung für die Arbeiter einzuführen. 3 Andere Personenkreise fragten darauf hin vereinzelt privaten Krankenversicherungsschutz nach. 4
Die daraufhin einsetzende günstige Entwicklung der PKV wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Die hohe Inflation und die Weltwirtschaftskrise führten dazu,
2 Vgl. Koch, P./Uleer, C. (1997), S. 22.
3 Vgl. Daumann, F./Thielbeer, M. (1999), S. 266.
4 Vgl. Thielbeer, M. (1999), S. 60.
Grundlagen der privaten Krankenversicherung S. 3
dass die Rücklagen der Versicherungen schnell aufgebraucht waren und der Mittelstand sein Vermögen einbüßte. 5 Doch gerade diese schwierige Situation führte zum Aufschwung der PKV ab dem Jahre 1924. Viele Leute hatten einfach nicht mehr die finanziellen Mittel, um ihren Arzt selbst zu bezahlen, und so gab es schließlich einen wahren Gründungsboom von privaten Krankenversicherungsunternehmen. Lange hielt diese günstige Entwicklung allerdings nicht an. Während des Zweiten Weltkrieges schrieben die meisten Versicherer rote Zahlen, da kaum noch jemand in der Lage war, die Prämien der PKV zu bezahlen und Beitragserhöhungen untersagt worden waren. Nach dem Krieg erfolgte der totale Zusammenbruch der PKV, so dass diese komplett neu aufgebaut werden musste. Aufgrund des allgemeinen Wirtschaftsaufschwungs war auch die Entwicklung der PKV positiv. 6
In den 70er-Jahren kamen neue Belastungen auf die PKV zu: Durch die Ausweitung der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht auf Rentner, Landwirte und Studenten und die Öffnung der gesetzlichen Krankenversicherung für Besserverdienende verlor die PKV alleine 2,2 Millionen Vollversicherte, immerhin ca. ein Drittel ihrer Mitglieder. In den 80er-Jahren ging es aber wieder bergauf. Die Politik strich Selbstbeteiligungen und bot den Versicherten einen 100-prozentigen Schutz in der GKV. Da dadurch natürlich die Kosten und die Beiträge in der GKV stiegen, wurde die PKV auch preislich wieder konkurrenzfähig. In den 80er- und 90er-Jahren gab es außerdem eine Vielzahl von Änderungen, die die PKV weiter vorangebracht haben. Erstens die Verpflichtung der Arbeitgeber, auch für privat Versicherte einen Zuschuss zum
Krankenversicherungsbeitrag zu zahlen. Zweitens die Einführung der „Friedensgrenze“, d. h. die Festsetzung der Pflicht- und Beitragsbemessungsgrenze 7 in der GKV auf 75 % der Bemessungsgrenze der Rentenversicherung, welche einen zentralen Grenzpfahl zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung darstellt. Drittens das Blüm’sche Gesundheitsreformgesetz von 1989, welches erstmalig Arbeitern mit Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze erlaubte, sich ausschließlich privat zu
5 Vgl. Verband der privaten Krankenversicherung e. V. (Hrsg.) (2002a), S. 5.
6 Vgl. Surminski, A. (2001), S. 563-566.
7 Erläuterung der Begriffe erfolgt in Kapitel 2.2 Charakteristika der PKV.
Grundlagen der privaten Krankenversicherung S. 4
versichern. Und schließlich 1995 die Einbeziehung der PKV in die Pflegepflichtversicherung. 8
2.2 Charakteristika der PKV im Vergleich zur GKV
Zuerst stellt sich die Frage, wer sich überhaupt in der PKV versichern kann. Dabei ist zwischen Vollversicherung und Zusatzversicherung zu unterscheiden. Die private Vollversicherung kann nur von Personen abgeschlossen werden, die nicht in der GKV versicherungspflichtig sind. Dazu zählen Arbeiter und Angestellte mit einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze; 9 des Weiteren Gruppen, die sich unabhängig von der Höhe ihres Einkommens privat versichern können. Dies sind Beamte, Selbstständige, Freiberufler, nichterwerbstätige Personen, 10 Rentner 11 und Studenten. Darüber hinaus besteht für alle Pflichtversicherten die Möglichkeit zum Abschluss einer privaten Zusatzversicherung, um auch Leistungen, die über den gesetzlichen Grundschutz hinausgehen, zu erhalten. 12
Zur Beitragskalkulation wird in der PKV das Äquivalenzverfahren (Individualversicherungsprinzip) angewendet. „Es besagt, dass über die gesamte Vertragsdauer hinweg der Barwert aller Beitragszahlungen dem Barwert aller Leistungsausgaben entspricht, und zwar für jede Gruppe von Versicherten, die durch gemeinsame Risikomerkmale und Leistungsinhalte ein zusammengehörendes Kollektiv bilden.“ 13 Damit ist der Beitrag also abhängig vom Lebensalter und Gesundheitszustand bei Versicherungsbeginn, dem Geschlecht und dem Umfang des gewählten Versicherungsschutzes. Der Beitrag der
8 Vgl. Surminski, A. (2001), S. 563-566.
9 Diese macht 75 % der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung aus und liegt derzeit bei
monatlich für Personen, die zum 31.12.2002 gesetzlich versichert waren, Vgl. § 6 SGB V.
10 Nur, wenn keine Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung besteht.
11 Gilt für Rentner, die während ihres Erwerbslebens privat versichert waren. Seit 1.1.1994 sind nur die Rentner pflichtversichert, die während 90 % der zweiten Hälfte ihres Berufslebens gesetzlich pflichtversichert waren.
12 Vgl. Verband der privaten Krankenversicherung e. V. (Hrsg.) (2002a), S. 6.
13 Boetius, J. (2001), S. 662.
Arbeit zitieren:
Philipp Eisenberger, 2003, Die Zukunft der privaten Krankenversicherung, München, GRIN Verlag GmbH
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