Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. II
1. Einleitung 1
2. Demografischer Wandel und Gesellschaftsstrukturen 2
2.1 Demografischer Wandel 2
2.2 Wandel der Familienstrukturen 3
2.3 Veränderungen des Krankheitspanoramas 4
3. Herausforderungen pflegender Angehöriger. 6
3.1 Pflegende Angehörige 6
3.2 Vereinbarkeit von häuslicher Pflege und Beruf 7
3.3 Opportunitätskosten 8
4. Prognose für die häusliche Pflege 10
4.1 Pflegemix 10
4.2 Pflege-Case-Management 13
4.3 Pflegende Angehörige in der Zukunft 14
5. Schluss / Fazit 16
Literaturverzeichnis 18
I
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Abhängig Beschäftigte mit Pflegetätigkeit nach Deutschland 2003
Abbildung 2: Zahl der Pflegefälle nach Pflegearrangement - steigende
Professionalisierung der Pflege
II
1 Einleitung
Das deutsche Gesundheitssystem steht kontinuierlich vor Herausforderungen einer sich wandelnden Landschaft im Pflegebereich. Einen großen Anteil an der Pflege haben die pflegenden Angehörigen. Sie sind oftmals primäre Träger der Versorgung von Hilfs- und Pflegebedürftigen.
Diese Arbeit analysiert die Perspektiven der häuslichen Pflege älterer Menschen. Im Zeitalter des demografischen Wandels sind Veränderungen der
Bevölkerungsstrukturen zu berücksichtigen. Die Betrachtung, in welchem Maße diese Auswirkungen auf die Ressource pflegender Angehöriger haben leitet hin zu der Betrachtung von Familienstrukturen. Hier stellt sich die Frage, inwieweit die Struktur des familiären Netzwerks Einfluss auf die Pflege nimmt. Die Verfügbarkeit und das Zeitmanagement entscheiden über eine Inanspruchnahme professioneller Pflege. Ein weiteres Kriterium ist der Wandel des Krankheitspanoramas. Eine Veränderung dessen stellt die Pflege vor neue Aufgaben. Je nach Krankheit kommt es zu verschiedenen Stufen der Aufwendungen und Bewältigungsstrategien der Pflege. Pflegende Angehörige sehen sich ihrerseits Anforderungen bei der Vereinbarkeit von Pflege und ihrer eigenen beruflichen und privaten Lebenslage gegenüber. Die Pflege nimmt einen hohen Einfluss auf diese Faktoren und es folgen zahlreiche Opfer, die erbracht werden müssen, es entstehen Opportunitätskosten.
Zu analysieren gilt es, welche Möglichkeiten es gibt, die pflegenden Angehörigen bei ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Wie kann häusliche Pflege in Zukunft erhalten werden, wenn die Herausforderungen durch die Gesellschaftsstrukturen und der Vereinbarkeit sich weiter verdichten. Die Bewertung des Pflegemixes und dessen Bedeutsamkeit für die Zukunft stellt die Arrangements aus informeller und formeller Pflege dar. Hier werden Angehörige, Professionelle und bürgerschaftlich Engagierte mit einbezogen. Jedoch gibt es auch hier Vor- und Nachteile dieser Entwicklung. Es steht zur Diskussion, ob sich ein Pflegemix zum Modell der Zukunft erweist und inwieweit ein gezieltes Case Management in der Pflege zu einer besseren Bewältigung häuslicher Pflege durch pflegende Angehörige in der Zukunft beitragen kann.
1
2 Demografischer Wandel und Gesellschaftsstrukturen
2.1 Demografischer Wandel
Die zunehmende Bedeutung der Pflege älterer Menschen gründet im demografischen 1 Altern der Gesellschaft. Das Sinken der Sterblichkeit im hohen Alter erklärt sich durch Einflüsse, die zudem zu einem Wandel des Krankheitspanoramas 2 und den damit verbundenen Anforderungen an die Pflege führen. 3
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrug die Lebenserwartung der Frauen 48 Jahre und ist zum Beginn des 21. Jahrhunderts auf 81 Jahre angestiegen, bei den Männern beläuft sich diese Zahl auf 45 Jahre zum Beginn des 20. Jahrhunderts und 75 Jahre zu Beginn des neuen Jahrtausends. 4 Im diesem Zusammenhang tauchen oftmals geschlechterspezifische Diskussionen, die sogenannten Gender Studies 5 , auf. 6 Die Unterschiede der Geschlechter und deren unterschiedlicher Lebenserwartungen lassen sich durch eine Kombination aus biologischen, sozialen und Verhalteneinflüssen analysieren. 7
In Folge der zunehmenden Lebenserwartung und des Rückgangs der Fertilitätsrate 8 ist die Alterung der Gesellschaft und die damit verbundene Zunahme der Zahl an Pflegebedürftigen unausweichlich. 9 Die Veränderung der Versorgungsstrukturen und der Netzwerke älterer und pflegebedürftiger Menschen besiegeln den demografischen Wandel. 10 Die Zahl der Hochaltrigen 11 nimmt durch die sinkende Sterblichkeit in höheren Altersgruppen stark zu.
1 Demografie versteht sich als Wissenschaft, die sich mit dem Leben, Werden und Vergehen der Bevölkerung beschäftigt. Vgl. Rittershofer (2005), S. 36 f.
2 Das Krankheitspanorama versteht sich auch unter dem Begriff Morbiditätsspektrum und erfasst die epidemiologische Entwicklung. Vgl. Badura (2006), S. 5 ff.
3 Vgl. Kapitel 2.3 und Siegrist (2005), S. 230.
4 Vgl. Siegrist (2005), S. 163.
5 Die Gender-Thematik beschäftigt sich mit den sozialen und psychologischen Geschlechterrollen. Als weitere Literatur empfiehlt sich Bußmann (2005).
6 Vgl. Morgan (1998), S. 82 f.
7 Die Analyse unterschiedlicher Lebenserwartungen wird in diesem Zusammenhang nicht näher getrachtet. Hierfür liefert weiterführende Literatur interessante Erkenntnisse Kolip (2002).
8 Zur weiteren Analyse der Entwicklung der Fertilität vgl. Schmassmann (2006), S. 66 f.
9 Verschiedene Studien sehen die Ursachen der rückläufigen Fertilitätsrate in der Weiterentwicklung von Empfängnisverhütung, Geschlechterrolle, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und dem „Armutsrisiko Kinder“. Vgl. Küchenhoff (1998).
10 Vgl. Klie u.a. (2003), S. 16.
11 Das Statistische Bundesamt definiert Personen ab 80 Jahre als Hochaltrige.
2
Für das Jahr 2010 wird mit einer Zahl von 4 Millionen Hochaltrigen gerechnet, von denen der überwiegende Teil Frauen sind. Dieses globale Phänomen stellt die Gesundheits- und Pflegesysteme vor Herausforderungen. 12
2.2 Wandel der Familienstrukturen
Soziologen und Historiker analysieren stets verschiedenste Formen von Familienstrukturen. Betrachtet werden in diesem Zusammenhang die Kern- oder Kleinfamilie und die Großfamilie. 13 In früher üblichen Großfamilien wurden Besitz gegen Pflege und Unterhalt im Alter getauscht. Die Generationenbeziehungen fielen Modernisierung und Industrialisierung zum Opfer. Diese sind der These nach ursächlich für den Wandel der Großfamilie, in der mehrere Altersklassen zusammenlebten, hin zur Kernfamilie. 14 In der Bevölkerung sind Kleinfamilien und Individualisierung heutzutage die Norm. 15 Die sinkende Bereitschaft der Fürsorge für ältere Familiengenerationen ist maßgeblich die Ursache für die Förderung eines bürokratisch und zentral organisierten Wohlfahrtsstaates 16 . Der Wohlfahrtsstaat ergreift Maßnahmen, welche die Bevölkerung im sozialen Wandel unterstützen und absichern sollen. 17
Ein entscheidender Einfluss auf die ökonomische Bedeutung von Familien ist den sozialen Sicherungssystemen 18 zuzuschreiben. 19
12 Vgl. Siegrist (2005), S. 164.
13 Vgl. Küchenhoff (1998), S. 28 f.
14 Beim Wandel der Familienstrukturen bleibt weiterhin zu diskutieren, ob sich dieser Wandel auch regional begründen lässt. So kommt es vermehrt in Städten zur Individualisierung, während in ländlichen Regionen weiterhin die Familie im Mittelpunkt steht. Diese Analyse bedarf einer eigenen Betrachtung. Vgl. Schmassmann (2006).
15 Vgl. Klie (1999), S. 88 ff.
16 Zur Analyse des Wohlfahrtsstaates empfiehlt sich Schulz-Nieswandt (1993).
17 Vgl. Schmassmann (2006), S. 138 ff.
18 Unter dem System der sozialen Sicherung verstehen sich staatliche Maßnahmen zum Schutz gegen Krankheit, Unfall, Alter, Tod des Ernährers oder Arbeitslosigkeit. In der Bundesrepublik Deutschland fallen hierunter die gesetzliche Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Unfall und Pflegeversicherung, die Beamtenversorgung sowie berufsständische Versorgungswerk. Neben diesen Bereichen gibt es zudem soziale Transferleistungen wie die Kriegsopferfürsorge oder die Sozialhilfe. Vgl. Schulz-Nieswandt (2006).
19 Auf rechtliche Aspekte und Einflüsse der häuslichen Pflege wird in diesem Zusammenhang nicht näher eingegangen. Hier empfiehlt es sich, die Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die Verordnung von „häuslicher Krankenpflege“ nach § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 und Abs. 7 SGB V näher zu betrachten.
3
Sie übernehmen traditionelle, der Familie zugesprochene Aufgaben, relativieren beispielsweise die gesellschaftlich verbindliche Aufgabe der Pflege im Krankheitsfall und die Alterssicherung. 20
Im Hinblick auf die häusliche Pflege spielt die Institution Familie weiterhin eine primäre Rolle. 21 Als soziale Gemeinschaft erfährt man hier Loyalität, Hilfestellungen, emotionale Unterstützung und Sicherheit zwischen den Generationen. 22 Gerade im Hinblick auf die Pflege sind die sozialen Netzwerke des Menschen eindeutig familienzentriert. 23
2.3 Veränderungen des Krankheitspanoramas
Die Zeiten, in denen große Epidemien 24 der Tuberkulose, der Cholera und des Typhus die Todesursachenstatistik Ende des 19. Jahrhunderts anführten, haben sich verändert. 25 Im Zentrum des heutigen und zukünftigen Krankheitspanoramas stehen chronische Erkrankungen, Multi-Morbidität, die Zunahme funktioneller
Beeinträchtigungen und im hier zu diskutierenden Fokus gerontopsychiatrische Erkrankungen. 26 Der englische Medizinhistoriker Thomas McKeown belegte, dass der Wandel der Mortalität auf eine Verbesserung der Ernährung, öffentlicher Hygiene und Schulbildung zurückzuführen ist. 27 In seinem Vortrag zum ärztlichen Handeln im Spannungsfeld von medizinischem Fortschritt, demografischer Entwicklung und Kostendynamik kam Professor Dr. med. Christoph Fuchs 28 zu der Theorie einer Fortschrittsfalle im deutschen System.
20 Vgl. Küchenhoff (1998), S.10.
21 Im Rahmen einer schweren Pflegebedürftigkeit, wie beispielsweise der fortgeschrittenen Alzheimer-Demenz, werden ältere Menschen meist aus ihrer eigenen Wohnung in die häusliche Umgebung der Pflegenden geholt, was eine enorme Veränderung für die Pflegebedürftigen nach sich zieht. Vgl. Morgan (1998).
22 Vgl. Morgan (1998), S. 215ff.
23 Vgl. Dallinger (1997), S. 30.
24 Im engeren Sinne bezieht sich der Begriff Epidemie auf Infektionskrankheiten, die eine zeitliche und örtliche Häufung innerhalb einer Population aufweisen. Vgl. Siegrist (2005).
25 Vgl. Siegrist (2005), S. 229 und Badura (2006), S. 5 ff.
26 Vgl. Schulz-Nieswandt (2008), S.148 und Gutzwiller (1989), S.23.
27 Vgl. Siegrist (2005), S. 230.
28 Dr. med. Christoph Fuchs ist Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages. Vgl. Fuchs (1991).
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Arbeit zitieren:
2009, Pflegende Angehörige, München, GRIN Verlag GmbH
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