nicht das erwartete Paradies vorfinden, sondern eine lasterhafte Gesellschaft, deren Bodensatz die Neuankömmlinge, die sich nicht schnell genug anpassen können, bilden. Tod sieht eine Gefahr in diesen Grauen, die sich erheben und alles zerstören könnten, was sie im einen Moment noch verehren. Sie werden nur toleriert, weil sie die Arbeit machen, die nötig ist, die keiner der Stars jetzt noch machen würde, wenn es nicht um eine Rolle in einem Film geht. Hollywood als Mikrokosmos, der hier den Negativ -Pol Amerikas, schlechthin der gesamten Welt bildet. Es gibt dort keine Ideale, wie man glauben gemacht wird, alles ist Schein. Zwar vermischt sich die Welt der filmschaffenden Personen im Ansatz mit der der nicht Filmschaffenden, ist aber trotzdem immer in sich abgeschlossen durch den allgegenwärtigen Wunsch der Charaktere, endlich der grauen Masse zu entfliehen und selbst in den Stand der Götzen erhoben zu werden, der Schauspieler und Regisseure, deren Namen überall bekannt sind.
Alle Filmschaffenden in Wests Roman sind fiktive Personen, die im wirklichen Leben nicht existieren. Das mag den einfachen Grund haben, das man so nicht an Tatsachen gebunden ist, sondern seine Figuren auch wirklich so stilisiert darstellen kann, wie West dies mit seinen Typen gelingt. Auch wenn der Erzähler allwissend ist, fehlt dem Leser doch ein Einblick in die Sichtweisen der Figuren um Tod herum. Denn der Fokus des Erzählers ist eindeutig auf Tod gerichtet, dessen Gedanken und Motive auch dargestellt werden, während die anderen Figuren in sich selbst verschlossen bleiben und nur indirekte Einblicke in ihr Inneres ermöglichen. Um das Bild des Künstlers in diesem Roman zu analysieren müsste man zuerst den Begriff der Kunst definieren:
Zum Einen gäbe es dann die Kunst als das Schaffenswerk, das ohne Anregung oder Eingebung von Außen entsteht, der Künstler als Genie; zum Anderen die Kunst als das Werk, das durch Inspiration der Umwelt oder göttliche Eingebung erschaffen wird, der Künstler als Werkzeug. Die dritte Art stellt eigentlich eine Unterart der zweiten Definition dar, der Künstler als Reflektor der Gesellschaft, sein Werk als Spiegel oder Abbild der Realität. Unter Berücksichtigung dieser Einteilung gehört Tod der zweiten Art Künstler an, da er seine Inspiration aus seiner Umgebung fasst und einen Spiegel erschafft, der sozusagen die andere Seite der Stadt darstellt. So wie oft in Literatur und Film der Spiegel die wahre Identität preisgibt, beziehungsweise in eine Paralleldimension führt, indem der Schein umgekehrt ist, zeigt uns Tods Gemälde die „Identität“ Hollywoods, beziehungsweise die Stadt, so wie sie unter der Oberfläche brodelt, die Verdorbenheit der Gesellschaft unter dem schönen Schein und Glanz der Filmindustrie.
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Harry, der gescheiterte Komiker, bietet ein eindrucksvolles Bild des Künstlers, der nicht unterscheiden kann zwischen Realität und Kunst. Seine Komik zeigt uns gleichzeitig auch die Tragik seines Seins, da er sogar im Streit nicht aus seiner Rolle des Clowns herausschlüpfen kann. Dieses Verhalten bringt Faye, seine Tochter, zwar zur Weißglut, lässt sie jedoch nicht erkennen, das ihre Kunst auch kein Ergebnis vorzuweisen hat. Immer im Schatten der Familie, die, wie sie behauptet, im Showbuisness, beziehungsweise „seit Urzeiten beim Theater“, zu Hause ist (West „Tag der Heuschrecke“, S.202, Z.10), verfolgt sie den Traum, einmal ein großer Star zu werden. Alle um sie herum scheinen zwar zu wissen, wie albern dieser Traum ist, aber sie lassen sich alle von ihrer aufgesetzten Kindlichkeit bezaubern. Faye sieht sich selbst auch als Geschichtenerfinder, obwohl sie weder in der Lage ist, sich originelle Geschichten auszudenken, noch sie umzusetzen oder gar erst zu Ende zu denken. Sie vertritt eher das Bild des „Anti- Künstlers“, eines Künstlers, dessen Inspirationen schon vorhandene Werke sind und dessen Kunst erst von Anderen geschaffen und beendet werden muss, um einen Sinn zu ergeben.
Es gibt klare Grenzen zwischen den einzelnen Figuren in Wests Roman. Erstens wäre die soziale Grenze zu nennen, die zum Beispiel Claude, den erfolgreichen Drehbuchautor, von Miguel, einem Mexikaner, der ähnlich wie Earle seiner Rolle nicht entfliehen kann, unterscheidet. Dennoch können diese Grenzen auch verschwimmen, wie zum Beispiel die Szene mit dem Hahnenkampf beweist, bei der die Männer, egal welcher Schicht Hollywoods sie angehören, durch das blutige Gefecht zwischen den beiden Hähnen zu einem einzigen neuen Klischee verschmelzen, dem des Spielers, beziehungsweise des Voyeurs, der eine grausame Perversität beobachtet und sich daran ergötzt.
Die „Insider“ der Filmindustrie bilden ihre eigene Kaste, können aber auch zeitweise auf das Niveau der „Grauen“ herabsteigen, wenn es zu Unterhaltung und Zeitvertreib dient, während die „Outsider“, all die möchtegern- Schauspieler und - Drehbuchautoren, nur höchst selten in den oberen Kreisen verkehren dürfen.
Im Gegensatz zu diesem Werk steht Christopher Isherwoods „Praterveilchen“, dessen Protagonisten auf tatsächlich existierenden Personen aufbauen und teils tatsächlich existieren, wie zum Beispiel der Erzähler und gleichzeitig Autor, Christopher Isherwood, selbst. Ob diese Figurendarstellung nun Biographisch oder Autobiographisch zu betrachten ist, bleibt eigentlich jedem selbst überlassen, denn Teile der Wirklichkeit fließen natürlich in den Stoff der Geschichte mit ein, während andere mit Sicherheit frei erfunden sind, wie auch die Dialoge, die nicht hundertprozentig übernommen sein können.
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Der Handlungsort dieses Romans, der in zwei große Abschnitte geteilt werden könnte, spielt in London, einerseits in Bergmanns Hotelappartement, und dort in der visionären Darstellung Wiens am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, und andererseits im Filmstudio der Imperial Bulldog Gesellschaft. Diese beiden Handlungsorte sind eigentlich in sich noch einmal aufgeteilt und stellen sozusagen die Bühne für die verschiedenen Visionen und Phantastereien Bergmanns und der anderen Filmschaffenden. Bergmanns Appartement bietet hierbei jedoch die notwendige Abgeschiedenheit des Künstlers um seiner Inspiration Willen und bildet sozusagen eine eigene kleine Einheit.
Im Gegensatz hierzu das Filmstudio der Imperial Bulldog, das aus so vielen verwinkelten Schächten und Treppen, kleinen Kämmerchen und riesigen Arealen, in denen die Schauplätze für die verschiedensten Filme auf- und abgebaut werden, besteht. Schnell entsteht der Eindruck eines Labyrinths, indem sich der Minotaurus irgendwo befinden muss, der nur darauf wartet, seine nächsten Opfer zu verschlingen.
Der Erzähler selbst beschreibt das Studio als ein Pompeji, dessen Ruinen unheimlich verlassen aussehen, wenn sie nicht gerade vom unwirklichen Licht erstrahlt werden wenn die Kamera läuft, die eine Szene zum Leben erweckt.
Während sich West in seinem Roman mit der „niederen“ Schicht Hollywoods beschäftigt und eher auf die Problematik der Idealisierung der Filmstars und anderen Filmschaffenden eingeht, gibt Isherwood uns Einblick in die eigentliche Welt des Films. Die Figuren, die er wählte sind Regisseure, Schriftsteller, Schauspieler und Schauspielerinnen, Produzenten und Schnittmeister, sowie viele andere, deren Tätigkeit sich mit dem Film an sich auseinandersetzt oder in direktem Verhältnis zu seinem Schaffensprozess stehen. Die Filmindustrie wird zwar von Bergmann oft beschimpft, nur Lügen zu verbreiten und der Gesellschaft nicht dienlich zu sein, und vom Schnittmeister Lawrence Dwight als Hersteller von Filmen, die die „Hurenromantik des letzten Jahrhunderts“ thematisieren(„Praterveilchen“, S.75, l.14) naserümpfend verachtet, doch trotzdem sind beide, wie auch Isherwood selbst, als Protagonist, von der Welt des Films besessen und opfern Stunde um Stunde dafür, ein, wie sie sich alle einig sind, überzeichnetes Bild einer Welt zu zeichnen , die so unmöglich existieren könnte.
Isherwood als Schriftsteller und angeheuerter Drehbuchautor kann anfangs auch nichts mit dem Stoff anfangen, da es ihm nicht behagt, die Kunst zu verraten und für ein Werk zu arbeiten, dessen bloße Existenz die der anderen Künste unterbindet. Denn ein Film lässt dem Betrachter keine Phantasie, der Regisseur entscheidet, was sie sehen, wann sie es sehen und wie lange sie es sehen werden. Farben, Formen, Gesichter, Gefühle, alles ist vorgeschrieben
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Arbeit zitieren:
Magistra Artium (M.A.) Laura Scheriau, 2005, Darstellung der Filmindustrie in Isherwoods „Praterveilchen“ und Wests „Tag der Heuschrecke, München, GRIN Verlag GmbH
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