Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. GRUNDLAGEN DES SPRACHKONTAKTS 4
2.1. Substrat, Adstrat und Superstrat 4
2.2. Interlinguale vs. Interethnische Phänomene. 5
2.3. Direkte vs. indirekte Entlehnung 5
2.4. Internationalismen 5
3. SPRACHKONTAKTE DES RUSSISCHEN BIS ZUM ENDE DES 17. JHDTS.
(VORPETRINISCHE LEHNBEZIEHUNGEN) 6
3.1. Gemeinslawische Lehnwörter aus dem Germanischen 6
3.2. Nordgermanische (skandinavische) Lehnwörter. 7
3.3. Iranische Lehnwörter. 8
3.4. Entlehnungen aus den Türksprachen (Türkismen) 8
3.4.1 Verschiedene türksprachige Völker 9
3.4.2 Die Tataren 9
3.4.3 Türksprachige Lehnwörter 10
3.5. Kirchenslavische Lehnwörter. 11
3.6. Griechische Lehnwörter 11
3.7. Entlehnungen aus finno-ugrischen Sprachen 12
3.8. Baltische Lehnwörter 13
3.9. Vorpetrinische deutsche Lehnwörter 14
3.10. Polnische Lehnwörter 14
3.11. Zusammenfassung 16
1
4. SPRACHKONTAKTE DES RUSSISCHEN SEIT DEM ENDE DES 17. JHDTS.
(PETRINISCHE UND NACHPETRINISCHE LEHNBEZIEHUNGEN) 17
4.1. Die Refomen Peters des Großen. 17
4.2. Auswirkungen auf die Sprache 18
4.3. Holländische Lehnwörter 19
4.4. Italienische Lehnwörter 19
4.5. Englische Lehnwörter 20
4.6. Deutsche Lehnwörter 21
4.7. Französische Lehnwörter 22
4.8. Ukrainische Lehnwörter 23
5. ZUSAMMENFASSUNG: DER LEHNWORTSCHATZ IM HEUTIGEN RUSSISCHEN. 24
6. LITERATURVERZEICHNIS. 25
7. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 26
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1. Einleitung
Wenn zwei Sprachen über längere Zeit miteinander in Kontakt treten, so findet in der Regel eine gegenseitige Beeinflussung statt. Zum heutigen Zustand des Russischen hat eine solche jahrhundertelange wechselseitige Einwirkung in einem nicht unwesentlichen Ausmaß beigetragen. Das Russische hat als dominante Sprache viele Spuren in den diversen Kontaktsprachen hinterlassen, genauso hat es aus diesen aber auch viele Elemente aufgenommen. In dieser Arbeit möchte ich das Russische als Nehmersprache von Entlehnungen betrachten, dabei werde ich mich hauptsächlich auf die Einflüsse in der Lexik beziehen, die am Aufnahmefähigsten für Veränderungen und neue Einflüsse ist. Es sind jedoch durchaus auch Spuren im Lautsystem, in der Morphologie und der Syntax zu finden.
Ziel dieser Arbeit ist es, eine Übersicht über die Elemente zu geben, die das Russische im Verlauf der Jahrhunderte aus den verschiedenen Kontaktsprachen entlehnt hat.
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Nach einem einleitenden Kapitel über allgemeine Grundlagen des Sprachkontakts möchte ich beleuchten, wie die Sprachkontakte zustande kamen und wie sie sich auf das Russische auswirkten.
Die Entlehnungen werden in der Literatur in vorpetrinische und nachpetrinische unterteilt. Das resultiert daraus, dass mit dem Beginn der Regierungszeit Peters des Großen (1689-1725) zahlreiche einschneidende Veränderungen in vielen Bereichen der russischen Gesellschaft vor sich gingen, was direkten Einfluss auch auf die Sprache hatte. Die Grenze wird dabei von Haarmann etwa mit dem Jahre 1700 angegeben (vgl. Haarmann 1984: 484). Das Russische tritt nun verstärkt mit anderen (vor allem westlichen) Sprachen in Kontakt, während bisher wichtige Kontaktsprachen ihre Bedeutung verlieren. Während sich die vorpetrinischen Entlehnungen (Ausnahmen: Kirchenslavisch und Griechisch) auf das Lexikon beschränkten, findet man danach verstärkt auch Einflüsse auf wortbildende Elemente, das phonetische System und die Syntax.
Da mir diese Unterteilung als sehr sinnvoll erscheint, werde auch ich mich in meiner Arbeit daran orientieren. Demnach werden in Kapitel 3 die vorpetrinischen, in Kapitel 4 die nachpetrinischen Entlehnungen behandelt. Abschließend liste ich das Lehnwortinventar des heutigen Russischen auf.
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2. Grundlagen des Sprachkontakts
Haarmann nennt in seiner Arbeit zu den Sprachkontakten des Russischen einige Kriterien der Differenzierung von Sprachkontakten, die bei der Bearbeitung eines solchen Themas beachtet werden sollten (vgl. Haarmann 1984: 485-489).
2.1. Substrat, Adstrat und Superstrat
Entlehnungen können demnach prinzipiell auf drei verschiedenen Ebenen zustande kommen. Substrat [lat. sub- „unter“; stratum „Schicht] bezeichnet nach Bußmann
„[...] sowohl die bodenständige (ursprüngliche) Sprache eines unterlegenen Volkes, die von der
Sprache der Eroberer überlagert wurde, als auch ihr Einfluss auf die dominierende Sprache der
Eroberer.“ (Bußmann 1983: 519)
Sprecher einer Sprache lassen sich in einem Gebiet mit anderssprachiger Bevölkerung nieder, die neue Sprache setzt sich durch, jedoch werden einige Elemente aus der unterlegenen alteingesessenen Sprache übernommen. Dazu zählen im Russischen z.B. die germanischen Lehnwörter aus dem Gemeinslawischen, außerdem Lehnwörter baltischer, griechischer und finno-ugrischer Herkunft (vgl. Haarmann 1984: 485). Bei einem Superstrat handelt es sich
„[...] sowohl um die (untergehende) Sprache von Eroberern als auch ihr Einfluss auf die
bodenständige (urspr.) Sprache, die die Sprache der Eroberer überlagert bzw. verdrängt.“
(Bußmann 1983: 520)
Das betrifft im Russischen insbesondere das Kirchenslavische, das über Jahrhunderte eine wichtige Rolle im russischen Geistesleben spielte, aber kontinuierlich an Bedeutung verlor, trotzdem aber das russische Bezeichnungsgefüge tiefgreifend umgestaltete. Adstrateinflüsse definiert Bußmann folgendermaßen:
„[...] Während Superstrat und Substrat sich auf vertikale Beeinflussungen zwischen Eroberer-
und Besiegtensprache beziehen, bezeichnet Adstrat ein horizontales Nebeneinander von zwei
Sprachen durch langjährige Nachbarschaft.“ (Bußmann 1983: 8)
Im russischen Wortschatz kommt diese Art von Einfluss besonders oft vor, wie z.B. Skandinavismen, Türkismen, Entlehnungen deutscher, französischer, holländischer und englischer Herkunft. Auch der griechische Spracheinfluss seit dem 10. Jahrhundert ist ein Kulturadstrat (vgl. Haarmann 1984: 485).
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2.2. Interlinguale vs. Interethnische Phänomene
Eine weitere Differenzierung lässt sich hinsichtlich der Art des Kontaktes vornehmen. Interlinguale Phänomene bezeichnen den Kontakt zweier Sprachen auf rein sprachlicher Ebene, während interethnische Kontakte zwischen Sprachgemeinschaften einen direkten Kulturkontakt mit einschließen.
So resultieren die interlingualen Kontakte zwischen dem Russischen und Tatarischen im Wolgagebiet aus den interethnischen Kontakten. Dasselbe gilt für die russisch-ukrainischen Lehnbeziehungen. Kontakte zwischen dem Russischen und Französischen, Holländischen sowie Englischen konkretisieren sich in Form interlingualer Lehnbeziehungen (vgl. Haarmann 1984: 485f).
2.3. Direkte vs. indirekte Entlehnung
Entlehnungen können entweder direkt aus einer Sprache in eine andere übernommen werden (direkte Entlehnung), oder aber die Entlehnung verläuft über eine dritte Sprache, die eine Vermittlerrolle einnimmt (indirekte Entlehnung). So kamen zum Beispiel über Vermittlung des Polnischen zahlreiche Ausdrücke aus westeuropäischen Sprachen in das Russische, sind also indirekt entlehnt worden (vgl. Haarmann 1984: 486).
Weiter unten werde ich in enem gesonderten Abschnitt auf diese spezielle Funktion des Polnischen eingehen.
2.4. Internationalismen
Internationalismen sind Wörter, die in vielen Sprachen in leicht unterschiedlicher Form auftauchen. Hier kann man oft nicht hinreichend festlegen, welche die jeweilige Ausgangssprache war. So kann auch im Russischen eine Entlehnung zwar im allgemeinen eindeutig als solche bestimmt werden, jedoch ist in vielen Einzelfällen die Entlehnungsquelle nicht immer exakt zu ermitteln. Seit dem 18. Jahrhundert drangen besonders viele dieser Internationalismen aus westeuropäischen Sprachen ins Russische (vgl. Haarmann 1984: 487).
Nach dieser kurzen Darstellung der allgemeinen Grundlagen möchte ich im weiteren übergehen auf die konkret das Russische betreffenden Sprachkontakte und ihre Auswirkungen auf die Sprache.
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3. Sprachkontakte des Russischen bis zum Ende des 17. Jhdts.
(vorpetrinische Lehnbeziehungen)
Die Russen kamen bereits seit den Anfängen im Rahmen verschiedener räumlicher Veränderungen des eigenen Volkes und anderer Völker mit diversen Kulturen und Sprachen in Kontakt, woraus sich zum Teil enge Beziehungen ergaben, die sich auch auf sprachlicher Ebene manifestierten. In weiterer Folge möchte ich einige Beispiele für diese Entlehnungen, gegliedert nach Herkunftssprache, präsentieren.
3.1. Gemeinslawische Lehnwörter aus dem Germanischen
Kontakte mit dem Germanischen setzten schon in gemeinslavischer Zeit ein. Während der ersten nachchristlichen Jahrhunderte (5.-8. Jhdt.) wanderten slawische Stämme nach Westen, wodurch im 6.-7. Jhdt. Mitteleuropa bis zur Elbe slavisiert wurde und westgermanische Lehnwörter in die Sprache der Eroberer Eingang fanden. Mit Karl dem Großen (742-814) begann das Zurückrollen der Slawenwelle, aber schon seit der Errichtung des Bischofssitzes in Salzburg (696) drang im Rahmen der Slawenmission eine Reihe von Ausdrücken der christlichen Terminologie ins Slawische ein (vgl. Kiparsky 1975: 57). Eine weitere Basis für germanische Entlehnungen waren die Kontakte der Slaven zum Ostgotenreich in Südrussland bis zur zweiten Hälfte des 4. Jhdts (vgl. Haarmann 1984: 491f). Die germanischen Entlehnungen, in erster Linie „Kulturwörter“ und fast ausschließlich Substantive (vgl. Kiparsky 1975: 59), sind die ältesten noch feststellbaren Lehnwörter des Russischen. Folgende Gruppen lassen sich unter diesen Entlehnungen ausmachen (vgl. Kiparsky 1975: 55ff): die urgermanischen (vorgotischen), die gotischen, die balkangermanischen und die westgermanischen Lehnwörter.
Im folgenden gebe ich eine Reihe von Beispielen für die einzelnen Gruppen (vgl. Kiparsky 1975: 55-59):
Urgermanische Lehnwörter:
глаз
(Auge,
Gotische Lehnwörter:
блюдо
(Schüssel,
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Arbeit zitieren:
Barbara Eigner, 2003, Die Bereicherung des russischen Wortschatzes, München, GRIN Verlag GmbH
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