INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung 4
1. Die Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie 8
1.1. Die Anfänge der Forschung in den USA 8
1.1.1 Erste Überlegungen zu Auswahl-Kriterien 8
1.1.2. Erste Überlegungen zum Rezipienten 11
1.2. Die europäische Forschungstradition 12
1.2.1. Einar Östgaard 13
1.2.2. Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge 16
2.„News Bias“- und „Gatekeeper“-Forschung 23
2.1. „News Bias“ 23
2.1.1. Erste Forschungsansätze in den USA 23
2.1.2. „News-Bias“- Forschung in Deutschland 26
2.2. Die „Gatekeeper“ - Forschung 29
2.2.1. Der lokale „Gatekeeper“ 31
3. Über das Medium 34
3.1. Der Sender 34
3.2. Die Redaktion 36
4. Praktische Untersuchung 39
4.1. Die Nachrichtenauswahl 40
4.2. Fazit der Untersuchung 48
5. Weiterentwicklung der Nachrichtenwerttheorie nach 1965 55
5.1. Karl Eric Rosengren 55
2
5.2. Winfried Schulz 57
5.3. Joachim Friedrich Staab 64
5.4. Christiane Eilders 67
5.5. Die Radio-Nachrichtenselektion in journalistischen Praxisbüchern 71
6. Zusammenfassung 75
Literaturverzeichnis 90
Weiterf ührende Literatur zum Thema Nachrichten im Rundfunk: 92
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Einleitung
Nur ein Bruchteil der unzähligen Ereignisse, die täglich auf der Erde geschehen, kann von den Medien berücksichtigt werden. Aufgrund des begrenzten Platzes, der den Printmedien zur Verfügung steht, und der weit mehr eingeschränkten Sendekapazität von Rundfunk und Fernsehen, müssen die für das Publikum (Leser, Zuschauer, Hörer) interessantesten Meldungen aus einer Flut von Ereignissen ausgewählt werden. Hörfunk, Presse und Fernsehen in Deutschland werden täglich von mehreren Informationslieferanten mit Ereignissen ´versorgt`. Allein die Deutsche Presseagentur (dpa) liefert täglich zwischen 300 und 500 Meldungen an die Redaktionen. Eine weitere Agentur (Reuters) schickt täglich etwa 450 Meldungen. 0 Über vorwiegend internationale Ereignisse informiert die amerikanischen Associated Press und die Agence France Press. Zu diesen Meldungen kommen noch die Nachrichten von ddp und von kleineren Agenturen, sowie Meldungen aus den Themendiensten für Sport, Religion und Wirtschaft, und Faxe von Polizeileitstellen und Feuerwachen, die selbst über diverse Ereignisse in der Region informieren.. Diese Fülle an Nachrichten, die deutsche Journalisten über Presseagenturen erreicht, ist bereits vorselektiert. Schon an dieser Stelle handelt es sich um eine Auswahl und nicht um das Abbild des Weltgeschehens. Die Redakteure bei den Tageszeitungen, Rundfunk- und Fernsehsendern reduzieren das Material erneut, mit dem Unterschied, dass sie den Geschmack ihrer jeweiligen Zielgruppe treffen müssen.
Doch nach welchen Gesichtspunkten wählen Journalisten Nachrichten aus? Was macht ein Ereignis für eine Masse unterschiedlicher Rezipienten so interessant, dass es auch ´berichtenswert` ist? Welche Ereignisse erwecken unsere individuellen Gefühle und Empfindungen (Trauer, Entsetzen, Angst, Hoffnung, Mitleid) und wann ist der Grad eines befriedigenden ´Informiertseins` erreicht?
Die Nachrichtenredakteure haben die Aufgabe, dies zu entscheiden. Dabei müssen sie als Journalisten objektiv aussuchen, welches Ereignis sie zu einer Nachricht machen und welches
0 Vgl.: Wilke, Jürgen (Hrg.): Von der Agentur zur Redaktion, Wie Nachrichten gemacht, bewertet und
verwendet werden, 2000,S.11.
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Ereignis ´irrelevanter` ist als ein anderes, unbeachtet bleibt und der breiten Masse verborgen bleibt.
Friedrich Staab (siehe 5.3.), zum Beispiel, vermutete, dass Journalisten einigen Ereignissen Nachrichtenwert zuschreiben, um ihre subjektive Auswahl zu legitimieren. Inwieweit Journalisten objektiv handeln und welche subjektiven Kriterien bei der Nachrichtenselektion eine Rolle spielen, wird in der „News-Bias“-Forschung (siehe 2.1.) diskutiert. Aus der Nachrichtenwert-Forschung hat sich im Allgemeinen ergeben, dass die Selektionsentscheidung der Nachrichtenredakteure in erster Linie auf bestimmte Eigenschaften der Ereignisse basieren soll. Nur wenn ein Ereignis spezifische Qualitäten aufweisen kann, wird es zur Nachricht ´erklärt` und an die Rezipienten weitergegeben. Diese sogenannten Nachrichtenfaktoren sind Bestandteile der Nachrichtenwerttheorie, die als Konzept zur Erklärung der Nachrichtenauswahl und Nachrichtengestaltung in den Massenmedien dient.
Die Nachrichtenfaktoren wurden vor allem mit Blick auf die nationale und internationale Berichterstattung in den Printmedien entwickelt. Bezogen auf den Radio-Lokaljournalismus stellten sich den Forschern also noch zusätzliche Fragen: Wie viele Ereignisse mit Nachrichtenwert hat eine Region letztlich vorzuweisen?
Wie ausgeprägt muss ein Nachrichtenwert sein, um ein lokales Ereignis interessant zu machen?
Muss eine Region ein ´Minimum` an Ereignissen bieten, damit der Lokaljournalist ein interessantes Programm gestalten kann?
Inwieweit die Nachrichtenfaktoren für eine Analyse der Hörfunk-Lokalberichterstattung überhaupt geeignet sind galt lange als umstritten. In einem ersten Schritt zur Lösung dieser Unklarheiten haben Vergleiche der Berichterstattung des Lokalhörfunks mit der Berichterstattung von örtlichen Tageszeitungen ergeben, dass im Lokalradio kein grundsätzlich anderer Typ von Journalismus bezüglich der Auswahl von Ereignissen praktiziert wird 1a . Verschiedene Beobachtungen haben zwar zu verschiedenen Thesen geführt (dass etwa beim privaten Rundfunk eine Verschiebung der
1a Vgl.: Weiß, Ralph/Rudolph, Werner: Die lokale Welt im Radio. Information und Unterhaltung im Lokalradio
als Beiträge zur kommunalen Kommunikation, 1993, S.73.
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Selektionskriterien 1b zu einer größeren Sensationsorientierung hin stattfinde), ein allgemeingültiger Nachrichtenwertkatalog, der den privaten Lokalhörfunk ausreichend mitberücksichtigt ist bisher jedoch nicht erstellt worden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu untersuchen, welcher Kriterien der Nachrichtenwertforschung sich der Radio-Lokalredakteur in der Praxis bedient, um den Anspruch auf Information seiner Hörer zu erfüllen. Es stellt sich die Frage, inwiefern die bisher ausgearbeiteten Kataloge von Nachrichtenfaktoren eine sinnvolle und nützliche ´Gebrauchsanweisung` für das Aussuchen und Erstellen der Hörfunk-Lokalnachrichten darstellt.
Als Neuling in der Nachrichtenredaktion des Lokalsenders Radio Neandertal mache ich die Erfahrung, dass es gar nicht so einfach ist, Ereignisse herauszusuchen, die den Hörer wirklich interessieren, oder ihn zumindest nicht abschalten lassen - nicht nur geistig, sondern auch bildlich gesprochen. Das ´Dranbleiben` des Hörers ist im Falle eines privaten Lokalsenders wohl der viel wesentlichere Faktor, da die Hörerquoten über die Sendelizenz, sprich über die Existenz des Senders entscheiden können. Wie wählt man also aus vielen „brandheissen“ Ereignissen, die im „besten“ Fall, an einem Tag geschehen die drei, höchstens fünf, interessantesten und ´meldenswertesten` Ereignisse aus ? Oder: Wie füllt man eine drei- bis fünfminütige Nachrichtensendung , wenn das interessanteste Ereignis der letzten drei Tage die Jahreshauptversammlung des ortsansässigen Kaninchenzüchtervereins ist? - was tatsächlich mal vorkommt.
Der Radio-Hörer hört den Nachrichten aufmerksamer zu als dem übrigen Programm, kann aber dennoch, das haben Untersuchungen ergeben, durchschnittlich höchstens dreieinhalb bis fünf Minuten lang die Meldungen konzentriert aufnehmen. Auch würde er bei einer zu hohen Anzahl an Meldungen, die möglicherweise auch noch recht komplex sind, viel weniger Informationen behalten.
Nachdem ich eine Woche, von Montag bis Freitag, die Nachrichtenauswahl Nachrichten beim Lokalsender Radio Neandertal (Sendegebiet Kreis Mettmann und Teile des Düsseldorfer Südens) verfolgt habe, möchte ich in der vorliegenden Arbeit darstellen, welche Nachrichtenfaktoren in der Berichterstattung des Regionalsenders Radio Neandertal für die 1b Selektionskriterien und Nachrichtenfaktoren werden von Hans Mathias Kepplinger unterschieden. Sie
verleihen den Nachrichtenfaktoren erst ihren Wert. (Vgl.: H.M. Kepplinger, 1998.: In: Holtz-Bacha, Christina
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Redakteure ausschlaggebend sind. Als Grundlage habe ich den Nachrichtenwertkatalog von Galtung und Ruge (Kapitel 1.2.) ausgewählt.
Er bietet für mich eine Basis, die im Gegensatz zu den späteren, weiter ausgereifteren Theorien (etwa die von Winfried Schulz) noch ´unberührt` ist. Auf ihr kann man, meiner Meinung nach, am besten eigene Gedanken und Beobachtungen aufbauen, in denen sich natürlich die teilweise fundierten Erkenntnisse und die Kritiken späterer Forscher wiederfinden werden.
Im ersten Kapitel dieser Arbeit werde ich zunächst die Anfänge der amerikanischen und der europäischen Entwicklung der Nachrichtenwertforschung skizzieren. Behandelt werden vor allem die Thesen von Einar Östgaard und der umfangreiche Nachrichtenwertkatalog von Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge.
Im zweiten Kapitel werde ich über die „News-Bias“- und die „Gatekeeper“- Forschung (siehe 2.2.) berichten, da diese Forschungsansätze mit der Nachrichtenwerttheorie verwoben sind und ihre Berücksichtigung eine sinnvolle Rezeption der Nachrichtenwerttheorie ermöglicht. Im dritten Teil möchte ich den Sender vorstellen, dessen Nachrichten ich im darauffolgenden Kapitel auf Ereigniskriterien hin untersucht habe. Das Kapitel teilt sich auf in einen informativen Abschnitt über die organisatorische Struktur und einen weiteren über die redaktionellen Strukturen.
Um den Rahmen nicht zu sprengen, möchte ich mich im praktischen Teil, den das vierte Kapitel beinhaltet, auf die Woche vom 25.06. bis zum 29.06.2001 beziehen, wobei ich mich jeweils auf die zweiten Regionalnachrichten - um 7 Uhr 30 des jeweiligen Morgens konzentrieren möchte.
Im fünften Kapitel möchte ich die wichtigsten Kritiker Galtungs und Ruges vorstellen, die mit eigenen Thesen die Weiterentwicklung der Nachrichtenwerttheorie nach 1965 beeinflusst haben. Darunter sind Wissenschaftler wie Karl Eric Rosengren, Winfried Schulz, Joachim Friedrich Staab sowie Christiane Eilders.
(Hrg.): Wie die Medien die Welt erschaffen und wie die Menschen darin leben, 1998, S. 20.
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Außerdem werde ich ergänzend auf aktuelle deutsche Lehrbücher für den Journalisten eingehen, die in der Praxis nützlich sein sollen. Ich möchte darlegen, inwieweit sich Nachrichtenwert-Kriterien i n ihnen wiederfinden, insbesondere bezogen auf Regional-Hörfunk-Nachrichten.
Ziel der Arbeit ist es, heraus zu finden, inwieweit ein allgemeingültiger Katalog von Kriterien- wie ihn eben Galtung und Ruge erarbeitet haben - sinnvoll ist, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Lokalnachrichten-Redakteur in der Auswahl seiner Themen wesentlich eingeschränkter ist, als andere Journalisten, und dennoch seine Hörer sowohl objektiv informieren sollte, als auch zur Meinungsbildung beitragen möchte.
1. Die Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie
1.1. Die Anfänge der Forschung in den USA
1.1.1 Erste Überlegungen zu Auswahl-Kriterien
Der Amerikaner Walter Lippmann stellt 1922 in seinem Buch „Public Opinion“ die These auf, dass die Wirklichkeit wegen ihrer Komplexität weder vollständig erkannt noch dargestellt werden kann. Auch die Nachrichten in den Tageszeitungen seien nicht mit der Realität identisch.
„All the reporters in the world working all the hours of the day could not witness all the
happenings in the world“ 2 ,
schreibt Lippmann. Aber selbst das, was die Reporter wahrnehmen, spiegele sich nicht komplett in den Nachrichten wieder. Vielmehr beruhten Nachrichten auf Selektion und Interpretation der Journalisten. Eine Zeitung bringe nur stereotypisierte Ausschnitte von Realität.
„Without standardization, without stereotypes, without routine judgements, without a fairly
ruthless disregard of subtilety, the editor would soon die of excitement.” 3
2 Lippmann, Walter: Public Opinion, S. 338. Zitiert nach: Staab, Friedrich: Nachrichtenwert-Theorie. Formale
Struktur und empirischer Gehalt, 1990/1, S.5.
3 ebenda, S. 352.
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Lippmann fragt sich, welche Kriterien Ereignisse erfüllen müssen, damit Journalisten sie aufgreifen und zu Nachrichten machen. Er verwendet für die Beantwortung seiner Frage den Begriff news value. Darunter versteht er Merkmale von Ereignissen, die ihre Wahrscheinlichkeit zur Veröffentlichung erhöhen. Anhand einzelner Beispiele nennt Lippmann einige Eigenschaften, die nach seiner Ansicht den Nachrichtenwert bestimmen. So führt er an: räumliche Nähe, Prominenz, Sensationalismus, Etablierung, Dauer, Relevanz, Schaden, Nutzen, Struktur sowie institutioneller Einfluss. Je mehr Kriterien auf ein Ereignis zutreffen und je ausgeprägter sie sind, desto größer ist nach Lippman die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Nachricht wird.
Charles Merz ermittelt 1925 den ´größten gemeinsamen Nenner` von Meldungen zu zehn verschiedene Themengebieten. Auf jede der Meldungen treffen vier Kriterien zu: 1. Konflikt. 2. Personalisierung, 3. Prominenz und 4. Spannung.
„The great first-page story, as it is reflected in the news of 1925, is the story of a personal
fight between well identified antagonists which involves the element of suspence“ 4 . Daraufhin wird die Liste der Kriterien, die auf zahlreiche untersuchte Meldungen zutreffen, auf acht Nachrichtenfaktoren oder Nachrichtenelemente ( news factors) für sogenannte newsworthy (nachrichtenwerte) Ereignisse verlängert: 1.immediacy- Unmittelbarkeit eines Ereignisses; 2.proximity - räumliche Nähe; 3.prominence-Prominenz der beteiligten Personen; 4.oddity - Ungewöhnlichkeit; 5.conflict - Konflikt; 6.suspence - Spannung; 7.emotions - Emotionalisierung; 8.consequence - Konsequenzen.
Leo C.Rosten erweitert die bisherigen Hypothesen 1937 um die Ansicht, dass der Nachrichtenwert in Relation zu zwei Faktoren stehe:
Erstens zur jeweiligen Nachrichtenlage, und zweitens zur Publikationspraxis des jeweiligen Mediums.
Nach Rosten bestimmen Nachrichten-Standards den Nachrichtenwert je nach Nachrichtenlage und Medium, wobei sich einige Kriterien auf Ereignisse, andere auf Nachrichten beziehen. Ereigniskriterien sind:
4 Merz, Charles: Zitiert nach: a.a.O.: Staab, 1990/1, S.5.
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1. Konflikt, 2. Aggression, 3. Überraschung, 4.institutioneller Einfluss und Prominenz der Beteiligten, 6. Kurzfristigkeit. Als Nachrichtenkriterien bezeichnet Roston: 1.Simplifikation, 2. Personalisierung und 3. Stereotypisierung. 5 Wilbur Schramm greift 1949 eine psychologische Perspektive auf, die an Freuds Lust- und Realitätsprinzip und an lerntheoretischen Überlegungen orientiert ist. Nachrichten seien Stimuli, die Selektionsentscheidung der Rezipienten seien Responses. Diese Responses zielen darauf, die größtmögliche Belohnung für die rezipierte Nachricht zu bekommen. Er konstatiert zwei Arten von Belohnungen für die Auswahl von bestimmten Nachrichten: unmittelbare Belohnung > emotionale Erregung, erzeugt durch Verbrechen, Unglücke oder Sportereignisse > Lustprinzip
verzögerte Belohnung > Stärkung des Realitätsbewusstseins, durch politische Nachrichten, deren Konsum dem Rezipienten eine bessere Orientierung in der Realität beschere > Realitätsprinzip
Die Selektionsentscheidungen der Rezipienten seien die Folge von bestimmten Sozialisierungsprozessen (Lern- und Konditionalisierungsprozesse). Bestimmte Ereignisaspekte und Nachrichtenelemente werden subjektiv aus der Sicht des jeweiligen Rezipienten interpretiert. Die Bedeutung dieser Aspekte und Elemente bestimme zwar nicht den Wert einer Meldung, auf sie werde lediglich die Stärke der Belohnungen zurückgeführt. Diese Aspekte sind nach Schramm:
Nähe, Sensationalismus und Schaden wie zum Beispiel Verbrechen, Unglücke und sogenannte „Human Interest“- Ereignisse. 6
Anju Chaudhary untersucht 1974 die interkulturelle Bedeutung von Nachrichtenfaktoren., indem er 30 amerikanische und 30 indische Journalisten befragt. Chaudhary stellt neun Faktoren auf - Unmittelbarkeit, Nähe, „Human Interest“, Bedeutung, Konflikt, Prominenz,
5 Vgl.: a.a.O.: Staab, 1990/1, S.5.
6 Vgl.: ebenda
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Neuigkeit, Sensationalismus und Ungewöhnlichkeit - und weist in Experimenten nach, dass amerikanische und indische Journalisten die Publikationswürdigkeit von Nachrichten ähnlich beurteilen. Er kommt zu folgenden Schlüssen:
Die einzelnen Nachrichtenfaktoren wie Nähe, Konflikt und Ungewöhnlichkeit werden unterschiedlich eingestuft. Die Urteile der Amerikanischen Journalisten sind homogener und auch Persönlichkeitsvariablen haben keinen Einfluss auf die Selektionsentscheidungen. Die Publikationswürdigkeit der Ereignisse wird im Wesentlichen ähnlich beurteilt. Damit war die interkulturelle Bedeutung und Gültigkeit der Nachrichtenfaktoren für die Nachrichtenauswahl nachgewiesen.
Pamela J. Shoemaker untersucht 1987 den Einfluss von Ungewöhnlichkeit und Abweichung von internationalen Ereignissen auf die Nachrichtenauswahl amerikanischer Medien. Die Untersuchung wird in zwei Schritten durchgeführt.
Zunächst wird der Grad der Ungewöhnlichkeit anhand folgender Fragen bestimmt: a) Wie wahrscheinlich ist ein Ereignis im statistischen Sinne? b) Wie sehr bedroht ein Ereignis den Status quo im Ereignisland? c) Wie stark verstößt ein Ereignis gegen amerikanische Normen?
Dann wird eine Analyse der Medienberichterstattung über die Ereignisse durchgeführt. Das Ergebnis lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Meldungen über ungewöhnliche und abweichende Ereignisse sind deutlich überrepräsentiert. Über gewöhnliche Ereignisse wird deutlich seltener berichtet. Der Nachrichtenfaktor Ungewöhnlichkeit und Abweichung besaß also einen wesentlichen Einfluss auf die Publikationswürdigkeit von Ereignissen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in amerikanischen Journalistenhandbücher sechs Nachrichtenfaktoren immer eine Rolle spielten:
1. Unmittelbarkeit, 2. Nähe, 3. Prominenz, 4. Ungewöhnlichkeit, 5. Konflikt, 6. Bedeutung.
1.1.2. Erste Überlegungen zum Rezipienten
Nachrichtenredakteure achten also auf bestimmte Aspekte und Eigenschaften eines Ereignisses, damit es als Nachricht für den Rezipienten (Leser, Hörer, Zuschauer) interessant ist. D och empfindet auch der Rezipient die nach diesen Eigenschaften ausgesuchten
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Nachrichten auch wirklich als interessant? Welche Rolle spielt das Interesse und die ´Beschaffenheit` des Publikums (der anzusprechenden Zielgruppe) für den Wert einer Nachricht? Diese Fragen wurden seit den Sechziger Jahren behandelt. Eine Untersuchung verschiedener Typen von Nachrichten mit inhaltlichen, formalen und institutionellen Aspekten brachte Chilton R. Bush (sowie Wilbur Schramm) 1965 zu dem Schluss, dass der Nachrichtenwert sich aus dem Publikumsinteresse ergibt. Die Nachrichtenauswahl in einer sozialen Gruppe der Gesellschaft ist auf bestimmte Elemente dieser Nachricht zurückzuführen. Erstmals werden explizit die zwei Nachrichtenelemente Bedeutung von Prominenz und Nähe an 38 Themen wie Krieg, Steuern, Kinder oder Wetter untersucht.
1.2. Die europäische Forschungstradition
Nach Walter Lippmann entwickelt sich die Nachrichtenwerttheorie unabhängig voneinander in einer amerikanischen und einer europäischen Forschungstraditionen weiter: ,,Beide Forschungstraditionen basieren auf einem Kausalmodell der Nachrichtenauswahl, in dem bestimmte Eigenschaften von Ereignissen (Nachrichtenfaktoren) als Ursache
journalistischer Selektionsentscheidungen angesehen werden." 8 Laut Lippmann ergibt sich der Nachrichtenwert aus der Kombination von verschiedenen Ereignisaspekten, „die das Interesse und die Emotionen der Rezipienten wecken sollen" 9 , indem sie ihnen Identifikationsmöglichkeiten bieten.
Das Grundkonzept der europäischen Nachrichtenwert-Theorie sind die von Lippmann aufgegriffenen zehn Aspekte, die den Nachrichtenwert von Ereignissen bestimmen: 1. Überraschung;
2. Sensationalismus (Ungewöhnlichkeit eines Ereignisses); 3. Bezug zu bereits angesprochenen Themen( Etablierung); 4. Zeitliche Begrenzung ( Dauer);
8 Lippmann, Walter: Public Opinion. Zitiert nach: Staab, Joachim Friedrich: Entwicklung der Nachrichtenwert -
Theorie .In: Wilke, Jürgen (Hrg.): Fortschritte der Publizistikwissenschaft, 1993, S. 171.
9 a.a. O: Lippmann, 1925. Zitiert nach: a.a.O.: Staab, 1990/1, S.41.
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5. Einfachheit (Struktur); 6. Relevanz; 7. Schaden; 8. Nutzen (Konsequenzen);
9.Institutioneller Einfluss, Prominenz (Beteiligung einflussreicher oder bekannter Personen); 10. räumliche Nähe (Entfernung des Ereignisortes zum Verbreitungsgebiet des Mediums).
1.2.1. Einar Östgaard
Einar Östgaard vom Friedensforschungsinstitut Oslo gilt als Begründer der Nachrichtenwerttheorie in Europa. Östgaard integriert 1965 zum ersten Mal verschiedene Nachrichtenfaktoren in ein komplexes theoretisches Konzept. 10 Östgaard fragt sich Mitte der sechziger Jahre, warum es im internationalen Nachrichtenwesen keinen free flow of news gibt. Er hatte zahlreiche Inhaltsanalysen gesammelt und war zu der Überzeugung gelangt, dass es im weltweiten Nachrichtenfluss zu Verzerrungen kommt. Er versucht, die Ursachen für diese Verzerrungen zu systematisieren. Neben externen Faktoren wie politischer Zensur oder ökonomischen Zwängen, stellt er auch drei interne Faktoren auf.
,,Als interne Nachrichtenfaktoren bezeichnet er einzelne Aspekte von Nachrichten, die diese
für die Rezipienten interessant und beachtenswert machen." 11 Im Einzelnen unterscheidet Östgaard:
1. Externe Faktoren, die den Nachrichtenfluss von außen beeinflussen, wie zum Beispiel direkte oder indirekte Einflussnahme von Regierungen oder direkte oder indirekte Einflussnahme von Nachrichtenagenturen und Eigentümern von Massenmedien (Chefredakteure, Vorstand etc.) aus politischem und ökonomischem Interesse, wie zum Beispiel: Zensurmaßnahmen (wie in Russland und bis vor kurzem in Serbien), politisch motiviertes Nachrichten-Management (Helmut Kohl unterstützte Leo Kirch bei dem Erwerb des Axel Springer Verlages, im Gegenzug kam Kohl in der Berichterstattung in Kirchs Medien fast immer recht gut weg), und ökonomische Zwänge (hohe Einschaltquoten bei privaten Sendern werden durch Sensationshascherei angestrebt, um so viele Werbekunden wie möglich anzuwerben).
10 Vgl.:Einar Östgaard, Factors Influencing the Flow of News, in: Journal of Peace Research 2 (1965), S. 39-63.
In: Geißler Rolf: Die Nachrichtenwerttheorie, S.5. Online im Internet: http://www.grin.de/hausarbeiten.htm,
2000.
11 a.a.O.: Staab, 1990/1, S.56.
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2. Interne Faktoren, welche die Publikations- und Beachtungswürdigkeit von Meldungen determinieren und somit zwingend Kriterien für die Selektion und Rezeption von Nachrichten sind.
Östgaard glaubte, manche Ereignisse beinhalten bestimmte Aspekte, die das Interesse eines Journalisten wecken. Diese Aspekte seien:
A - Simplifikation -- Simplifikation beschreibe die Tendenz der Nachrichtenmedien, möglichst einfache, leicht verständliche Inhalte zu vermitteln. Diese Tendenz führe dazu, dass Journalisten einfache Nachrichten komplexen Nachrichten vorziehen und dass sie dazu neigen, komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen.
B - Identifikation - Unter dem Aspekt Identifikation fasst Östgaard die Tendenz der Nachrichtenmedien zusammen, bevorzugt über bereits bekannte Themen oder aus einem bekannten Umfeld zu berichten, um eine Identifikation des Rezipienten mit dem Medium herzustellen. Dies schlage sich nieder in der Berichterstattung aus zeitlicher oder räumlicher Nähe oder der Berichterstattung über prominente Staaten und Personen sowie in jeder Form der Personalisierung. Diese Kriterien dienen der Tendenz der Nachrichtenmedien, die Aufmerksamkeit der Rezipienten zu erlangen. Es wird über bereits bekannte Ereignisse, Sachverhalte und Themen berichtet.
C - Sensationalismus - Medien würden versuchen, über dramatische und emotional erregende Sachverhalte Aufmerksamkeit zu erregen. Dies betreffe sowohl die soft news über Kuriositäten, Unglücke und Gesellschaftsklatsch, als auch die hard news über Konflikte und Krisen - z.B. über Kriminalität und Krieg - auf nationaler und internationaler Ebene. Medien würden es verstehen, die Aufmerksamkeit der Rezipienten durch dramatische und emotional erregende Ereignisse zu erlangen. 12 Diese Faktoren beeinflussen laut Östgaard die Selektion:
,,Die Chancen einer Meldung, von den Massenmedien berichtet zu werden, sei um so größer, je einfacher die Meldung strukturiert sei, je mehr Identifikationsmöglichkeiten sie den
Rezipienten biete und je sensationalistischere Momente sie enthalte." 13 Als weitere, die Selektion beeinflussenden Faktoren nennt Östgaard Ereignisdauer und Etablierung des Themas. Darüber hinaus geht Östgaard davon aus, dass die Medien oft nur über das Tagesgeschehen oder über Ereignisse des Vortages berichten können. Dies führe dazu, dass nur Teilereignisse aufgegriffen werden können. Deswegen hätten es kurzfristige Ereignisse leichter zur Nachricht zu werden. Andererseits habe ein langfristiges Ereignis, das einmal die ´Nachrichtenbarriere` übersprungen habe, größere Chancen erneut aufgegriffen zu werden, da das Thema dann etabliert sei.
Aus seinen Überlegungen leitet Östgaard drei Hypothesen ab, die er empirisch aber nicht untersucht.
1. Massenmedien würden dazu tendieren das ´Status quo` von Elite-Nationen zu verstärken, indem sie die Bedeutung individueller Handlungen von dessen politischen Führern übertreiben.
2. Die Welt würde konfliktreicher dargestellt als sie tatsächlich ist, und die Effektivität gewaltsamer Konfliktlösungen wird betont.
3. Medien würden die Teilung der Welt in Staaten mit niedrigem und hohem Status aufrechterhalten, wenn nicht sogar verstärken. 14
Wie an allen Hypothesen wird auch an Östgaards Darstellung der Faktoren, die den Nachrichtenfluss hemmen, Kritik geübt.
Für Joachim Friedrich Staab zum Beispiel ist die Darstellung Östgaards unbefriedigend:
12 vgl.: Östgaard, Einar: Factors Influencing The Flow Of News, S.48-51. In: Geißler Rolf: Die
Nachrichtenwerttheorie, S.6. Online im Internet: http://www.grin.de/hausarbeiten.htm, 2000.
13 ebenda, S.57, zitiert nach: ebenda, S.6.
14 Vgl.: a.a.O.:Östgaard, S.55. In: a.a.O.: Geißler, 2000, S. 6.
15
„Zum einen bleibt das Verhältnis zwischen externen und internen Nachrichtenfaktoren ungeklärt, zum anderen gehen in die Explikation und Differenzierung der internen Nachrichtenfaktoren logisch verschiedene Dimensionen ein, die nicht voneinander abgegrenzt
werden.“ 15
Wesentlich umfassender, systematischer und differenzierter sei die Theorie über die Nachrichtenfaktoren von Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge. Auch sie befassten sich mit den Nachrichten der internationalen Politik und bauten die Grundidee Östgaards zu einem umfassenden theoretischen Gebäude aus.
1.2.2. Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge
Galtung und Ruge gehen wesentlich über Östgaards Ansatz hinaus. Auch sie stellen sich die Frage, nach welchen Kriterien ein Ereignis von Journalisten selektiert und zur Nachricht wird. Sie entwerfen einen Katalog von zwölf Nachrichtenfaktoren. Nach ihrer Einschätzung erregen acht wahrnehmungspsychologisch begründbare Faktoren von Nachrichten die Aufmerksamkeit von Journalisten. Diese betrachten sie als kulturunabhängig 16 : 1.Frequency (Frequenz)
Die Wahrscheinlichkeit, dass über ein Ereignis berichtet wird, hänge stark davon ab, ob die Dauer des Ereignisses mit der Erscheinungsfrequenz des Mediums korrespondiert. Kurze Ereignisse haben demnach bessere Chancen in der Tageszeitung zu stehen als langfristige, die eher für wöchentlich oder monatlich erscheinende Medien interessant sind. Ein Ereignis, das sich über einen langen Zeitraum erstreckt, werde kaum in der Tageszeitung veröffentlicht, außer es erreicht zwischendurch einen dramatischen Höhepunkt. Je größer die Übereinstimmung von Ereignis- und Erscheinungsfrequenz, desto eher wird über das Ereignis berichtet.
2.Threshold (Aufmerksamkeitsschwelle)> Schwellenwert.
Jedes Ereignis müsse eine Aufmerksamkeitshürde überwinden, um zur Nachricht zu werden. Je stärker die Intensität eines Ereignisses ist, desto leichter überwinde es die
15 a.a.O.: Staab, 1990/1, S. 58.
16 Vgl.: ebenda, S. 59.
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Aufmerksamkeitsschwelle. „The more violent the murder the bigger the headlines it will make.“ 17 Ein Thema muss sich etablieren bevor es in die Medien kommt. 3.Unambiguity (Eindeutigkeit)
Die Eindeutigkeit eines Ereignisses kann das Ereignis zur Nachricht machen. Je einfacher und klarer strukturiert ein Ereignis sei, um so eher werde es veröffentlicht. 4.Meaningfulness (Bedeutsamkeit)
Unterschieden werden zwei Aspekte der Bedeutsamkeit. Zum einen würden Massenmedien um so eher über ein Ereignis berichten, je relevanter es für das Leben des Rezipienten ist, unabhängig davon, wie weit entfernt das Ereignis passiert ist. Auf der anderen Seite werde ein Ereignis automatisch bedeutsam, je deutlicher die kulturelle Nähe zum Rezipienten zu erkennen ist. Der Rezipient sollte einen Bezug zu dem Geschehenden haben, z.B. wecken kulturelle Nähe oder direkte Betroffenheit sein Interesse. 5.Consonance (Konsonanz)
Dem fünften Faktor liegt die Annahme zu Grunde, dass Menschen Vorstellungen davon haben, was passieren könnte oder sollte. Geschieht tatsächlich das Erwartete oder Gewünschte, würde dies die Aufnahme und Verarbeitung des Ereignisses beim Rezipienten begünstigen. Deswegen würden Medien besonders über Ereignisse berichten, die den Erwartungen und Wünschen ihrer Rezipienten entsprechen. Nachrichten haben demnach eine gewisse Bestätigungsfunktion. In diesem Zusammenhang könne man auch sagen, „news are actually olds“. 18 6. Unexpectedness (Überraschung)
Medien würden dazu tendieren, besonders gern über Kurioses, Unvorhersehbares oder Seltenes zu berichten. Dieser Faktor sei ein Korrektiv für die Faktoren Bedeutsamkeit und Konsonanz. Es sei nicht ausreichend, dass eine Ereignis bedeutsam und absehbar ist. Es müsse auch überraschend und kurios sein. Etwas Überraschendes aber könne nur innerhalb von bedeutsamen und für den Rezipienten erwarteten Geschehnisabläufen erkannt werden.
Galtung & Ruge: The structure of foreign news, S. 263.Zitiert nach: a.a.O: Geißler 2000, S.6. 17
18 ebenda, S. 264, zitiert nach: ebenda, S.7.
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7.Continuity (Kontinuität)
Wenn ein Ereignis es erstmals geschafft hat, Schlagzeilen zu machen, dann hat es nach Galtung und Ruge gute Chancen, erneut von Journalisten aufgegriffen zu werden. Was einst unerwartet war und deshalb zur Nachricht wurde, ist nun bekannt und deshalb eindeutig. Der Faktor Kontinuität stehe deshalb in engen Zusammenhang mit den Faktoren Überraschung und Eindeutigkeit. Hat sich das Thema einmal in den Medien etabliert, so wird auch über das Folgegeschehen berichtet. 8.Composition (Variation)
Variation beschreibe die Tendenz der Medien, möglichst vielfältig zu berichten. Auch ein unbedeutendes innenpolitisches Ereignis könne veröffentlicht werden, wenn die innenpolitische Nachrichtenlage sehr dünn ist und derzeit außenpolitische Ereignisse überwiegen. Denn wenn einen Redakteur ständig außenpolitische Nachrichten erreichen, sei die Aufmerksamkeitsschwelle für unbedeutende innenpolitische Informationen wesentlich geringer. Dies bezeichnet die Tendenz der Medien, die Berichterstattung möglichst vielseitig zu gestalten. So kann z.B. ein relativ unbedeutendes innenpolitisches Thema behandelt werden, um einen Ausgleich zu den zahlreichen außenpolitischen Themen zu bilden. Nach Galtung und Ruge wirken diese acht Faktoren überall auf der Welt und deswegen auch in jedem Glied der Nachrichtenkette - vom Ereignis bis zur Schlagzeile. Ohne weitere Erläuterung gingen die Autoren davon aus, dass sie nur in der , nord-westlichen Ecke der Welt` wirksam seien. 19 - also Faktoren, die nur im nordwestlichen Kulturkreis zum Tragen kommen.
Die Wissenschaftler beschreiben die letzten vier Nachrichtenfaktoren als ,kulturanhängige Selektionsmechanismen` 20
9. Reference to elite nations (Bezug zu Elite-Nationen)
19 Christiane Eilders, Nachrichtenfaktoren und Rezeption. Eine empirische Analyse zur Auswahl und
Verarbeitung politischer Information, 1997, S.24.
20 Vgl.: a.a.O.: Staab, 1990/1, S. 60.
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Da die Handlungen von Eliten größere Konsequenzen haben als die Handlungen anderer, veranlasse das die Medien dazu, besonders über Elite-Staaten zu berichten. Je stärker eine Elite-Nation, d.h. ein mächtiger und einflussreicher Staat, in ein Geschehen involviert ist, desto eher wird darüber berichtet. 10. Reference to elite people (Bezug zu Elite-Personen)
Die Begründung des zehnten Faktors ist im Grunde ähnlich der des Faktors neun. Die Handlungen von Elite-Personen seien folgenreicher als von Durchschnittsbürgern. Außerdem böten Elite-Personen wie Elite-Nationen die Möglichkeit zur Identifikation. Ereignisse, in denen sie vorkommen, seien daher für Medien interessant. Wenn eine politisch wichtige oder eine prominente Person am Geschehen beteiligt oder von ihm betroffen ist, wächst die Publikationswürdigkeit des Ereignisses. 11. Reference to personification (Interesse an Personalisierung) Dieser Faktor beschreibt die Tendenz der Medien, über Ereignisse zu berichten, die sich eindeutig auf das Handeln einzelner Personen zurückführen lassen. Nach Galtung und Ruge habe diese Tendenz mehrere Ursachen. So sei Personalisierung Ausdruck des kulturellen Ideals vom Menschen als dem Gestalter des eigenen Schicksals. Außerdem erleichtere sie die Identifikation der Leser. Die Handlungen einer Personen ließen sich viel leichter erklären als komplexe, strukturell bedingte Ereignisse. Personalisierung könne als Ausdruck des Faktors Frequenz gewertet werden: Eine Person könne in bestimmten Zeitabschnitten handeln, die mit dem Erscheinungsrhythmus des Mediums übereinstimmten. Sie sei oft auch Ausdruck der Konzentration auf Eliten. Zu guter Letzt korrespondiere die Personalisierung gut mit der Nachrichtenpräsentation vor allem in Zeitungen, denn „it is easier to take a photo of a person than of a structure.“ 21 . Je eher ein Ereignis auf individuelles Handeln zurückgeführt werden kann, desto wahrscheinlicher wird eine Berichterstattung durch die Medien. 12. Reference to something negative (Interesse an Negativismus) Der letzte Faktor beschreibt die Tendenz der Medien, lieber über negative als positive Ereignisse zu berichten. Als Ursache nennen die Autoren die größere Übereinstimmung negativer Ereignisse mit der Erscheinungsfrequenz der Medien, da sie meist plötzlich und
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M.A. Tamara Olschewski, 2001, Hörsinnig gut? Die Anwendung der Nachrichtenwerttheorie im privaten Regionalhörfunk. Am Beispiel des Lokalsenders Radio Neandertal., München, GRIN Verlag GmbH
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