Inhaltsverzeichnis I
Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI VI
1 Einleitung 1
2 Begriffliche Grundlagen 4
2.1 Definition Krise 4
2.2 Der Begriff Krisenmanagement 6
2.3 Abgrenzung der Begriffe Sanierung und Insolvenz 11
2.4 Definition Mittelstand 14
3 Entwicklung und Auswirkungen von Unternehmenskrisen 17
3.1 Allgemeine Eigenschaften von Krisen 17
3.2 Der Krisenverlauf als mehrstufiger Prozess 18
3.3 Krisenursachen 24
3.4 Krisenfrüherkennung 26
3.5 Auswirkungen von Unternehmenskrisen 28
4 Krisenmanagement bei Unternehmenskrisen 29
4.1 Das Krisenmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen 29
4.1.1 Die Verbindung von Risikomanagement und Krisenmanagement 32
4.1.2 Das funktionale Krisenmanagement 35
4.1.3 Das institutionelle Krisenmanagement 36
4.2 Der Prozess des Krisenmanagements im Unternehmen 39
4.2.1 Die Konzeptphase 41
4.2.1.1 Die Einleitung von kurzfristigen Sofortmaßnahmen 42
4.2.1.2 Bestandsaufnahme und Ursachenanalyse 44
4.2.1.3 Die Erstellung eines Konsolidierungskonzeptes 47
4.2.1.4 Die Beurteilung der Erfolgsaussichten des Konzeptes 50
4.2.2 Die Umsetzungsphase 52
4.2.2.1 Die Durchführung des Konsolidierungskonzeptes 52
4.2.2.2 Das Umsetzungscontrolling 53
4.3 Das Scheitern der Konsolidierung 55
5 Die Rolle der Banken bei Unternehmenskrisen 56
5.1 Das Hausbankprinzip der kleinen und mittleren Unternehmen 56
5.2 Das Verhalten der Banken im Prozess des Krisenmanagements 57
5.2.1 Der Interessenkonflikt zwischen Unternehmen und Banken 60
5.2.2 Maßnahmen der Banken zur Konsolidierung von Unternehmen 61
5.2.2.1 Kurzfristige Überbrückungsmaßnahmen 63
5.2.2.2 Unterstützungsmaßnahmen im Rahmen der Konsolidierung 64
5.3 Zusammenfassung der Handlungsoptionen von Banken und Unternehmen 68
6 Fallbeispiel: Konsolidierung eines Dachdeckereibetriebes 69
7 Schlussbemerkung 73
Anhang 74
Literatur und Quellenverzeichnis 80
III
Abkürzungsverzeichnis
abz. abzüglich
AFA Absetzung für Abnutzung
AG Aktiengesellschaft
Aktiengesetz AktG
a.o. außerordentlich(e)
Aufwen. Aufwendungen
AV Anlagevermögen
BMWA Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
Deutscher Sparkassen- und Giroverband DSGV
DSWR Datenverarbeitung/Steuer/Wirtschaft/Recht
EK Eigenkapital
FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung
FK Fremdkapital
Fremdleist. Fremdle istungen
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GmbHG GmbH-Gesetz
GuV Gewinn- und Verlustrechnung
HGB Handelsgesetzbuch
in der Regel i.d.R.
i.e.S. im engeren Sinne
IHK Industrie- und Handelskammer
InsO Insolvenzordnung
i.w.S. im weiteren Sinne
IV
Abkürzungsverzeichnis
KFW Kreditanstalt für Wiederaufbau
KG Kommanditgesellschaft
KM Krisenmanagement
kleine und mittlere Unternehmen KMU
KonTraG Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
KPMG Abkürzung für die Repräsentanten der Gründungsfirmen (Piet
Klynfeld, William Barclay Peat, James Marwick, Roger Mitchell und
Dr. Dr. h.c. Reinhard Goerdeler).
Kst. Kosten
Mitarbeiter MA
max. maximal
OHG offene Handelsgesellschaft
SES Senior Experten Service
sonst. sonstige
Umlaufvermögen UV
zzgl. zuzüglich
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Unterscheidung des Krisenmanagements im
engeren und im weiteren Sinne 7
Abbildung 2: Die vier Phasen des Krisenprozesses 18
Abbildung 3: Der typische Verlauf einer Krise nach Krisenarten 21
Abbildung 4: Der Zusammenhang zwischen Krisenarten
und Frühwarnsystemen 27
Abbildung 5: Der Prozess des Krisenmanagements im Unternehmen 40
Abbildung 6: Bestandsaufnahme und Analyse der aktuellen
Abbildung 7: Operative Maßnahmen in einem Konsolidierungskonzept 48
Abbildung 8: Handlungsoptionen und Unterstützungsleistungen der Banken 67
Abbildung 9: Handlungsoptionen von Banken und Unternehmen
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Exogene und Endogene Krisenursachen 24
Tabelle 2: Auswirkungen der Liquiditätsverknappung für Unternehmen 61
Tabelle 3: Kurzfristige finanzielle Überbrückungsmaßnahmen der Banken 64
1
1 Einleitung
Das Jahr 2003 ist für die Unternehmen in Deutschland gekennzeichnet durch eine Vielzahl von Problemen. Deutsche Unternehmen sind von der stetig steigenden An- zahl der Unternehmenspleiten besonders betroffen. Diese negative Entwicklung wird durch die Tatsache gekennzeichnet, dass in Deutschland alle 46 Sekunden ein Unter- nehmen vom Markt eliminiert wird. 1 Eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unter- nehmen stecken in einer ökonomischen Krise und suchen nach einer Lösung, um diese Krisensituation zu bewältigen und um einen möglichen Exitus zu verhindern. Im Jahr 2002 summierte sich dieser Exitus auf insgesamt 37.579 Unternehmens- insolvenzen und 46.849 Insolvenzanträge von überschuldeten Privatpersonen, ehe- mals Selbständigen, Gesellschaftern zahlungsunfähiger Unternehmen und aufgrund von Nachlassinsolvenzen. Die Höhe der offenen Forderungen aller Insolvenzgläubi- ger im Jahr 2002 wurde durch die zuständigen Gerichte auf 61,5 Mrd. Euro, darunter 51,8 Mrd. Euro gegen Unternehmen, beziffert. Damit hatten sich die offenen Forde- rungen im Jahr 2002 gegenüber dem Jahr 2001 in etwa verdoppelt. 2
In einer Auflistung der größten Unternehmenszusammenbrüche des Jahres 2002 in Europa kamen sieben der zehn umsatzstärksten Pleitefirmen aus Deutschland. Auf den Plätzen eins bis vier befinden sich in dieser Auflistung bekannte Namen wie der Baukonzern Philipp Holzmann, der Anlagenbauer Babcock Borsig, das Medien- unternehmen Kirch und die Gontard Metallbank. Mit leichtem Abstand folgen der Autozulieferer Peguform, der Baustoffhändler Mühl und der Flugzeugbauer Fairchild Dornier. 3 Eine Untersuchung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) mit dem Namen „Diagnose Mittelstand“ im November/Dezember 2002 kam aber zu dem Ergebnis, dass besonders die kle inen und mittleren Unternehmen hart von der Insolvenz- und Pleitenwelle betroffen sind. Nach Angaben von CREDITREFORM,
1 Vgl. Roselieb (2003), S. 130.
2 Vgl. Statistisches Bundesamt (2003), Pressemitteilung vom 21.03.2003. Im Internet unter: http://
www.destatis.de/presse/deutsch/pm2003/p1150132.htm.
3 Vgl. Creditreform (2003), S. 12; in: Insolvenzen in Europa im Jahr 2002/2003.
2
einer der führenden Wirtschaftsauskunfteien in Deutschland, hatten demnach fast zwei Drittel der im Jahre 2002 zahlungsunfähig gewordenen Unternehmen höchstens
5 Beschäftigte. 4 Auch die im Rahmen der durchgeführten Untersuchung „Diagnose
Mittelstand “ ermittelten Kennzahlen lassen nichts Gutes erahnen: Mehr als die Hälfte der Kleinbetriebe mit einem Jahresumsatz bis zu 500.0000 Euro wiesen im Bilanz- jahr 2001 kein Eigenkapital bzw. ein bilanzielles Unterkapital aus. Fast jedes dritte dieser Unternehmen arbeitete im Jahr 2001 ohne Gewinn. 5 Unterstützung und Hilfe durch die Kreditinstitute (z.B. Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Großbanken) suchen die Unternehmen meist vergeblich, da diese selbst durch eine stetig steigende Anzahl von Forderungsausfällen unter großem Druck stehen. Dies führt dazu, dass viele Kreditinstitute die Neukreditvergabe, vor dem Hintergrund der zukünftigen „Basel II“ Regelungen, zunehmend restriktiv handhaben und kleine und mittlere Unternehmen von spürbaren Problemen bei Kreditgesprächen berichten.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen daher vor allem die kleinen und mittleren Unter- nehmen, die besonders stark vo n der steigenden Anzahl der Unternehmensinsol- venzen in Deutschland betroffen sind. Vor diesem Hintergrund ergeben sich fast zwangsläufig folgende Fragestellungen: Welche Bedeutung hat eigentlich der Begriff „Krise“ für die Unternehmen? Welche Eigenschaften weisen Krisensituationen auf? Was sind die Ursachen für Unternehmenskrisen? Welche Auswirkungen haben Unternehmenskrisen? Wie gehen die Unternehmen mit Krisensituationen um? Sind die Unternehmen auf die Krisensituationen ausreichend vorbereitet? Mit welc hen Maßnahmen können Unternehmenskrisen überwunden werden? Welche Rolle spielt bei einer aktiven Krisenbewältigung das Unternehmen selbst? Welche Unterstützung und Hilfe bieten Banken oder andere Institutionen bei der Krisenbewältigung eines Unternehmens? Diese und weitere Fragen soll die nachfolgende Arbeit beantworten. Die stark steigende Anzahl von Unternehmensinsolvenzen bei den vielen kleinen und mittleren Unternehmen erfordert daher eine genaue Betrachtung und Analyse von Unternehmenskrisen und den Umgang mit kritischen Situationen im Unternehmen.
4
Vgl. Creditreform (2003), S. 15; in: Insolvenzen in Europa im Jahr 2002/2003.
5 Vgl. DSGV (2002), S. 12-14.
3
Aufbauend auf diesen Fragen entstand die Idee und die Zielsetzung aufzuzeigen, wie Krisen im Unternehmen entstehen, wie sich Krisen im weiteren zeitlichen Verlauf entwickeln, welche Bedeutung der Begriff „Krisenmanagement“ speziell für kleine und mittlere Unternehmen hat und wie die Unternehmen durch ein erfolgreiches und handlungsfähiges Krisenmanagement die Unternehmenskrise überwinden und eine Insolvenz vermeiden können. Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit der Krisen- unternehmen mit Banken dargestellt werden, die einen maßgeblichen Beitrag zu einem erfolgreichen Krisenmanagement leisten können. Die vorliegende Arbeit glie- dert sich daher wie folgt: Im folgenden Kapitel 2 dieser Arbeit werden vorrangig be- griffliche Grundlagen zu den Themenbereichen „Krise“ und „Krisenmanagement“ dargestellt. Dabei wird das Krisenmanagement in ein Krisenmanagement im engeren und im weiteren Sinne unterteilt. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt aber auf dem Krisenmanagement im engeren Sinne, d.h. es wird im weiteren Verlauf der Arbeit eine Unternehmenssituation nach dem Eintritt einer akuten Krise dargestellt. Darüber hinaus wird der Begriff „Sanierung“ näher definiert. Die Grundlage für die weiteren Ausführungen in den nachfolgenden Kapiteln bildet dabei das außergerichtliche Sa- nierungsverfahren vor der Insolvenz. Dazu wird der Begriff der „Konsolidierung“ verwendet. Das Kapitel 3 beschäftigt sich dann schwerpunktmäßig mit der Frage- stellung, welche Eigenschaften, Ursachen und Auswirkungen eine Unternehmens- krise aufweisen kann und welche verschiedenen Prozessphasen eine Unternehmens- krise durchläuft. Auf diese Überlegungen aufbauend, soll anschließend im Kapitel 4 die Bedeutung eines aktiven und handlungsfähigen Krisenmanagements in kleinen und mittleren Unternehmen skizziert werden. Dazu werden Maßnahmen und Hand- lungen im Rahmen einer Unternehmenskonsolidierung näher betrachtet und darge- stellt. Das Kapitel 5 beschäftigt sich dann mit der Rolle der Banken während einer Unternehmenskrise. In diesem Kapitel wird auf die verschiedenen Verhaltensweisen der Banken eingegangen und es werden einzelne Handlungsfelder und Maßnahmen von Banken während einer Konsolidierung näher betrachtet. Im Mittelpunkt dieser Betrachtungen stehen dabei vor allem die finanzwirtschaftlichen Maßnahmen der Banken im Fremdkapitalbereich der Unternehmen. Den Abschluss bildet die Dar- stellung eines Praxisbeispiels über die erfolgreiche und nachhaltige Konsolidierung eines Dachdeckereibetriebes.
4
2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Definition Krise
Der Begriff „Krise“ findet seinen Ursprung in dem griechischen Begriff „krisis“ und meinte ursprünglich den Bruch einer bis dahin kontinuierlichen Entwicklung. 6 Daher wird der Begriff „Krise“ nachstehend wie folgt definiert:
„Krise (von griechisch krisis: entscheidende Wendung einer Krankheit, Urteil),
Höhepunkt einer problematischen Entwicklung, die mit herkömmlichen Mitteln
nicht zu bewältigen ist und die als aufgezwungene Herausforderung den Weg offen
lässt für einen negativen wie positiven Ausgang.“ 7
In der chinesischen Sprache setzt sich das Schriftzeichen für Krise aus den zwei Elementen Gefahr und Chance zusammen. Anhand der Bedeutung der beiden Elemente lässt sich erkennen, dass die Krisentheorie zwei wesentliche Aspekte miteinander verbindet: Das Erkennen einer kritischen Entwicklung bietet gleichzeitig die Möglichkeit, diese kritische Entwicklung wieder in den Griff zu bekommen. 8
In der Ökonomie und in der Wirtschaftspresse wird sehr häufig und sehr schnell mit dem Begriff „Krise“ eine bestimmte unregelmäßige und fehlerhafte Entwicklung be- zeichnet. In der Volkswirtschaftslehre wird der Begriff Krise häufig im Zusammen- hang mit konjunkturellen Erscheinungen genannt und insbesondere die Phase des Konjunkturabschwunges oder der konjunkturelle Wendepunkt werden mit dem Begriff „Krise“ erläutert. Die Betriebswirtschaftslehre, die aufgrund der einzelwirt- schaftlich ausgerichteten Betrachtungsweise im Vordergrund dieser Arbeit steht, wendet den Begriff der Krise gezielt auf eine mikroökonomische Einheit, d.h. auf ein selbstständig wirtschaftendes Unternehmen an. Auch die negative Abweichung von vorab definierten Unternehmenszielen wird häufig als „Krise“ eines Unternehmens
6 Vgl. Krystek (1987), S. 3.
7 Habermeyer (2003), in: Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2003.
8 Vgl. Trauboth (2002), S. 13.
5
bezeichnet. Mittlerweile gibt es in der Betriebswirtschaftslehre eine Vielzahl von un- terschiedlichen Definitionen für den Begriff der „Unternehmenskrise“. 9 Stellvertre- tend für eine Vielzahl dieser Erläuterungen steht die Definition von KRYSTEK, die Eingang in zahlreiche Fachbücher, Fachlexika und Wörterbücher gefunden hat. Nach der Auffassung von Krystek sind Unternehmenskrisen
„…ungeplante und ungewollte Prozesse von begrenzter Dauer und Beeinflussbar- keit sowie mit ambivalenten Ausgang. Sie sind in der Lage, den Fortbestand der gesamten Unternehmung substantiell und nachhaltig zu gefährden oder sogar un- möglich zu machen. Dies geschieht durch die Beeinträchtigung bestimmter Ziele, deren Gefährdung oder Nichterreichung gleichbedeutend ist mit einer nachhalti- gen Existenzgefährdung oder Existenzvernichtung der Unternehmung.“ 10
Eine weitere Präzisierung des Krisenbegriffes erfolgt im dritten Kapitel dieser Arbeit durch Unterscheidung in unterschiedliche Krisenarten, deren Ursachenbeschreibung und der Beschreibung des Krisenverlaufes in verschiedenen zeitlichen Phasen.
Die Begriffe „Konflikt“, „Störung“ und „Katastrophe “ stehen dem Begriff der Unternehmenskrise sehr nahe und sind entsprechend abzugrenzen. Der Konflikt ist in der Regel die Vorstufe einer Krise und entsteht durch die unterschiedliche Wahrneh- mung und Vertretung von Interessen von mindestens zwei Konfliktparteien. Gekenn- zeichnet ist der Konflikt durch eine Unvereinbarkeit des Handelns und des Ver- haltens zwischen den jeweiligen Vertretern. Bestimmte Ereignisse können dann zu Konflikten zwischen den Vertretern der jeweiligen Anspruchgruppen führen und diese Konflikte können existenzbedrohliche Ausmaße annehmen, durch die ein Unternehmen in eine Krise gerät. Die Störung ist gegenüber dem personenorientier- ten Konflikt eher als sachorientiert zu bezeichnen. Störungen beziehen sich stärker auf sachliche Elemente, z.B. auf Maschinen und Gebäude und zielen eher auf die Effizienz eines Unternehmens ab. Auftretende Störungen können Unternehmensab- läufe und die Unternehmensführung negativ beeinflussen und zu einer Unterneh- menskrise führen, wenn sie nicht rechtzeitig bewältigt werden. In der Abgrenzung
9 Vgl. Fleege-Althoff (1930), S. 3; ähnlich bei: Weber (1980), S. 15; Müller, R. (1986), S. 33.
6
zur Unternehmenskrise bedeuteten Störungen nicht zwangsläufig die existenzielle Gefährdung eines Unternehmens. Die Abgrenzung zwischen der Krise und einer Katastrophe erweist sich als einfacher. Der Begriff „Krise“ beinhaltet eine starke Ambivalenz der Entwicklungsmöglichkeiten, dagegen wird die Katastrophe als eine entsche idende Wendung zum Schlimmen mit entsetzlichen Folgen verstanden. 11 Die Ursachen von Katastrophen lassen sich in zwei verschiedene Arten unterscheiden: In Naturkatastrophen (z.B. Erdbeben, Hochwasser) und in technische Katastrophen (z.B. technische Störfälle). Bezogen auf das Unternehmen können Katastrophen als Ereignisse betrachtet werden, deren zerstörerische Wirkungen sich gegen das Unter- nehmen richten und von ihr nicht mehr abgewendet werden können. Sie enden mit der Vernichtung der Unternehmung und schließen ihre Wiederherstellung in der alten Struktur, Ziel- und Zwecksetzung aus. Aus diesem Grund können Katastrophen als äußerste Ausprägung von Unternehmenskrisen verstanden werden, die häufig in Form von unvorhersehbaren und nicht abwendbaren Krisen den Fortbestand einer Unternehmung unmöglich machen. 12
2.2 Der Begriff Krisenmanagement
Nachdem die Begriffe „Krise“ und „Unternehmenskrise“ definiert und abgegrenzt wurden, stellt sich nun die Frage nach der organisatorischen Gestaltung des Um- gangs mit den vorgenannten Begriffen. Der Umgang mit Krisen wird allgemein mit dem Begriff „Krisenmanagement“ beschrieben und entstammt ursprünglich dem po- litischen Bereich (ist aber umstritten) und wird sowohl G. Washington, als auch John F. Kennedy, dem ehemaligen Präsidenten der USA, im Zusammenhang mit der sog. „Kuba-Krise“ von 1962, zugeschrieben. 13 In semantischer Hinsicht setzt sich der Be- griff „Krisenmanagement“ aus den Begriffen Krise und Management zusammen und
11 Vgl. Duden (2003), S. 700.
12 Vgl. Achilles (2000), S. 19-21; ähnlich bei: Weber (1980), S. 18-20; Krystek (1987), S. 7-9; Clasen
(1992), S. 75-77.
13 Vgl. Krystek (1987), S. 89; ebenso in: Gabler (2000), S. 1886.
7
kann daher als begriffliche Synthese aufgefasst werden. 14 In der betriebswirtschaft- lichen Literatur wird der Begriff „Management “ häufig synonym für den Begriff der Führung oder Leitung verwendet. Eine einheitliche Definition des Begriffs „Krisen- management“ stellt sich als eher schwierig dar, da es auch in der Fachliteratur unter- schiedliche Auffassungen über den Begriff Krisenmanagement gibt. Eine Reihe von Autoren beziehen die Krisenvorsorge, als präventive Maßnahme im Krisenmanage- ment, ausdrücklich in ihre Überlegungen mit ein, andere Autoren beschränken das Krisenmanagement auf den krisenbewältigenden Aspekt. Diese Tatsache führt zu einer Unterteilung in ein Krisenmanagement im engeren und im weiteren Sinne . Die nachfolgende Abbildung soll diese Unterteilung verdeutlichen:
Abbildung 1: Unterscheidung des Krisenmanagements im engeren und im weiteren Sinne. 15
Das Krisenmanagement im weiteren Sinne deckt demnach alle Aktivitäten eines Unternehmens in den Bereichen Krisenvorsorge, Krisenbewältigung und dem Lernen aus der Krise ab. Der Bereich der Krisenvorsorge wird dabei durch das Handeln in
15 Vgl. Töpfer (1999), S. 18.
8
den Bereichen der Früherkennung und Krisenprävention repräsentiert. Eine passende Definition zum Krisenmanagement im weiteren Sinne liefert KRYSTEK, der schreibt, das Krisenmana gement soll
…,,verstanden werden als besondere Form der Führung von höchster Priorität,
deren Aufgabe es ist, alle jene Prozesse der Unternehmung zu vermeiden oder zu
bewältigen, die ansonsten in der Lage wären, den Fortbestand der Unternehmung
substantiell zu gefährden oder sogar unmöglich zu machen.“ 16
Krystek bezeichnet das Krisenmanagement im weiteren Sinne als „Aktives Krisen- management “, dass auf die Vermeidung von Unternehmenskrisen ausgerichtet ist. Aktives Krisenmanagement besitzt offensiven Charakter und konzentriert sich auf die Phasen des Krisenprozesses, in denen die Krise noch nicht manifest ist. Es wird dabei versucht, im Rahmen der Krisenvorsorge mögliche oder verdeckte Krisenpro- zesse gedanklich vorwegzunehmen, um mittels Früherkennung und präventiver Maß- nahmen, den Ausbruch einer Krise zu verhindern. 17
Der Bereich der Krisenprävention beinhaltet aber nicht nur den Ansatz der Krisen- vermeidung. Es geht vielmehr auch um die Vorbereitung auf den Eintritt nicht ver- miedener bzw. nicht vermeidbarer Krisen. Im Mittelpunkt steht dabei die Aufstellung eines Krisenplans, der sämtliche Aktivitäten und Maßnahmen zur Krisenbewältigung beinhaltet. 18 Der Sinn und Zweck des Krisenplans liegt aber nicht nur darin, die richtige Krisenlösung zu dokumentieren, sondern der Krisenplan soll eine organisa- torische und operative Anlaufhilfe im Krisenfall sein. 19
Im Gegensatz zum Krisenmanagement im weiteren Sinne beinhaltet das Krisen- management im engeren Sinne eine Vielzahl von unterschiedlichen Aktivitäten im Bereich der Krisenbewältigung einer akuten Krisensituation. Eine weitere Bezeich- nung für diese Form des Krisenmanagements ist die Krisenbewältigung oder nach
16 Krystek (1987), S. 90.
17 Vgl. Krystek (1987), S. 106.
18 Vgl. Töpfer (1999), S. 19.
19 Vgl. Trauboth (2002), S. 48.
9
Krystek, das „reaktive Krisenmanagement“ 20 , als Form der Bewältigung eingetre- tener und somit akuter Unternehmenskrisen. Beispielhaft für eine Definition des Krisenmanagements im engeren Sinne sei an dieser Stelle die Definition von R. MÜLLER genannt, der wie folgt definiert:
Krisenmanagement als Führungsaufgabe beinhaltet die Bewältigung betriebswirt-
schaftlicher Planungsaufgaben, die Steuerung des Vorgehens zur Krisenbewälti-
gung und die Lösung konfliktträchtiger und politischer Fragen. 21
Diese Form des Krisenmanagements besitzt im Bezug auf die Krisenvorsorge eher einen passiven Charakter und konzentriert sich stärker auf das aktive Gegensteuern, durch Einleitung entsprechender Maßnahmen zur Behebung der akuten Krisen- situation. Nachdem eine Krise aufgetreten ist liegt der Schwerpunkt der folgenden Tätigkeiten im Bereich der Krisenbewältigung. Zu diesen Tätigkeiten gehören alle Maßnahmen der Kriseneindämmung und damit Schadensbegrenzung, sowie des Recovery (Wiederherstellung) als Neustart. 22 Krystek differenziert beim „reaktiven Krisenmanagement “ in ein „repulsives“ und „liquidatives“ Krisenmanagement. Nach Auffassung von Krystek bezieht sich das repulsive Krisenmanagement auf die Krisen, die aus Sicht der Krisenakteure im Sinne einer unternehmenserhaltenden Krisenbewältigung beherrschbar sind. Hauptaufgaben sind demnach die Planung, Realisation und Kontrolle von Maßnahmen im Sinne einer Sanierungsstrategie zur Krisenbewältigung, sowohl außerhalb gerichtlicher Ordnungsverfahren, als auch die Bewältigung von Krisen im Rahmen von gerichtlichen Vergleichsverfahren. Im Gegensatz dazu bezieht sich das liquidative Krisenmanagement eher auf die letzte Phase einer Unternehmenskrise, in der eine Bewältigung aus Sicht der Krisenakteure auf keinen Fall mehr möglich ist. Die Zielsetzung des liquidativen Krisenmanage- ments liegt nach Auffassung von Krystek darin, eine planvolle Liquidation der Unternehmung zu gewährleisten und die Interessen der an der Unternehmung be- teiligten Gruppen (z.B. Lieferanten, Mitarbeiter, Banken usw.) so weit wie möglich
20 Vgl. Krystek (1987), S. 107.
21 Vgl. Müller, R. (1986), S. 2.
22 Vgl. Töpfer (1999), S. 19.
10
zu berücksichtigen. 23 Der Ansatz des liquidativen Krisenmanagements soll aber im weiteren Verlauf dieser Arbeit nicht weiter vertieft werden.
Das Lernen aus der Krise erfolgt bei der Krisenbewältigung auf der Basis real einge- tretener Phänomene und wird als faktisches Lernen bezeichnet. Die Krisenvorsorge bezeichnet das Lernen aus der Krise als prospektives Lernen. In beiden Formen wird das Lernen aus der Krise in alle Phasen des Krisenablaufs rückgekoppelt. Dadurch können im Rahmen der Krisenvorsorge die notwendigen Maßnahmen zur Krisen- prävention und Krisenfrüherkennung auf der Grundlage der analysierten Krisenpo- tentiale und -gefahren verbessert werden. Bei der Krisenbewältigung können auf- grund einer Analyse erkannte Defizite effizienter behoben werden. 24
Die Definition von Krystek zum Krisenmanagement im weiteren Sinne ist nicht ganz unproblematisch, da eine Unterscheidung in dem Verhältnis von Krisenmanagement und regulärer Managementaufgabe zu klären ist. Es wird in der Literatur gegen eine solche Begriffsdefinition eingewandt, dass die Krisenvorsorge ein Bestandteil der regulären Führungs- und Managementaufgabe ist. 25 Da die grundsätzlichen Aufgaben einer Unternehmensführung aber u.a. die Krisenvorsorge und das Beobachten von Chancen und Risiken auf den Märkten beinhalten, würde demnach ein permane ntes Krisenmanagement betrieben werden und der Begriff „Krisenmanagement“ würde dadurch ausgehöhlt werden. Auch aus semantisch- logischer Sichtweise kann die Einbeziehung der Krisenvermeidung in das Krisenmanagement nicht überzeugen, da der Begriff „Management“ im Sinne von „Krisen managen“ bedeutet, Aktivitäten des Krisenmanagements zu planen und zu steuern und die Erreichung der beabsichtigten Ziele zu kontrollieren. Es stellt sich an dieser Stelle die berechtigte Frage, wie etwas „gemanagt“ werden soll, dessen Eintritt noch vermieden werden kann und im Grunde überhaupt noch gar nicht existiert? Aus diesem Grunde soll im weiteren Fortgang der Arbeit der Begriff „Krisenmanagement “ deshalb die Krisenbewältigung
23
Vgl. Krytek (1987), S. 107.
24 Vgl. Töpfer (1999), S. 19.
25 Vgl. Müller, R. (1986), S. 15.
11
bzw. das „repulsive Krisenmanagement“ nach Krystek meinen. Aufgrund der Bedeu- tung einer frühzeitigen Krisenerkennung werden aber einige wichtige Aspekte der Krisenvorbeugung und der Krisenfrüherkennung im Kapitel 3.4 dieser Arbeit darge- stellt und erläutert. 26
2.3 Abgrenzung der Begriffe Sanierung und Insolvenz
Die Begriffe „Sanierung “ und „Insolvenz“ werden sowohl in der Literatur, als auch im normalen Sprachgebrauch sehr häufig im Zusammenhang mit Unternehmens- krisen genannt und sind daher entsprechend abzugrenzen. Das Ziel eines jeden Krisenmanagements ist die Überwindung der eingetretenen akuten Unternehmens- krise. Diese Überwindung der Unternehmenskrise wird als Sanierung bzw. Heilung eines Unternehmens bezeichnet. Entsprechend müssen alle Handlungen und Maß- nahmen auf dieses Ziel ausgerichtet sein, um die nachhaltige Existenzfähigkeit des Krisenunternehmens wiederherzustellen. 27
Der Begriff der „Sanierung“ geht auf den lateinischen Begriff „sanare“ zurück und steht in diesem Zusammenhang sinngemäß für die „Heilung“. 28 In der unterneh- merischen Praxis ist der Begriff der „Sanierung“ sehr häufig negativ belegt, da der allgemeine Sprachgebrauch und die Wirtschaftspresse den Begriff der Sanierung mit Misserfolgen und Insolvenzfällen in Verbindung bringen. Vor diesem Hintergrund werden neben dem Begriff „Krisenmanagement “ sehr häufig auch die Begriffe „Re- strukturierung “ oder „Turnaround“ für die Sanierung bevorzugt verwendet, die an dieser Stelle aber nicht weiter erläutert werden sollen. Das Sanierungsverfahren kann nach verschiedenen Kriterien unterschieden werden. Zum einen wird zwischen formeller und materieller Sanierung unterschieden. Die formelle Sanierung bein- haltet dabei interne Sanierungsmaßnahmen um die entstandenen Verluste lediglich
26 Vgl. dazu Kapitel 3.4, S. 26 dieser Arbeit.
27 Vgl. Grüber (2001), S. 77.
28 Vgl. Lützenrath/Peppmeier/Schuppener (2002), S. 31.
12
buchtechnisch zu beseitigen (z.B. durch die Auflösung von Rücklagen). Dagegen be- inhaltet die materielle Sanierung alle leistungswirtschaftlichen und finanzwirt- schaftlichen Maßnahmen zur Überwindung der Krise. 29 Analog zu der Unterteilung des Krisenmanagements wird die materielle Sanierung häufig auch als operative Sanierung bzw. Sanierung im engeren Sinne und als strategische Sanierung bzw. Sanierung im weiteren Sinne unterschieden. Die operative Sanierung meint die Sicherung des Unternehmensfortbestandes mittels finanzwirtschaftlicher Sofortmaß- nahmen zur Beseitigung einer zeitweiligen Liquiditätskrise (z.B. die Kapitalzufuhr im Eigenkapital oder beim Fremdkapital die Stundung von Verbindlichkeiten). Die strategische Sanierung dagegen kombiniert die finanzwirtschaftlichen Sofortmaß- nahmen mit weitergehenden leistungswirtschaftlichen, sozialwirtschaftlichen, organi- satorischen und führungsorientierten Maßnahmen (z.B. Sonderverkaufsaktionen, Sortimentsumgestaltung usw.) zur Beseitigung einer akuten Liquiditätskrise und zur Wiederherstellung der mittel- bis langfristigen Ertragskraft einer Unternehmung. Infolge ihrer Zielrichtung auf die Verbesserung der Liquidität oder Bilanzstruktur ist die operative Sanierung als Maßnahme in einer sehr weit fortgeschrittenen Phase des Krisenprozesses als nicht ausreichend für eine nachhaltige Krisenbewältigung anzu- sehen. Eine inhaltliche Differenzierung zwischen der strategischen Sanierung und dem Krisenmanagement kann im Hinblick auf die zeitliche Entwicklung einer Krise erfolgen. Im Gegensatz zum Krisenmanagement, das bereits bei der Wahrnehmung erster Krisenanzeichen eingeleitet werden kann, setzt in der Regel eine Sanierung im zeitlichen Ablauf erst relativ spät ein (in der Regel erst kurz vor der Illiquidität oder Überschuldung), da im Vergleich zum Krisenmanagement im weiteren Sinne der Bereich der Krisenvorsorge fehlt. 30
Der Begriff „Insolvenz“ findet weder im allgemeinen Sprachgebrauch, noch in der betriebswirtschaftlichen und in der juristischen Literatur eine einheitliche Verwen- dung. Es existiert auch keine einheitliche Legaldefinition. Die Betriebswirtschafts-
29 Vgl. Feldbauer-Durstmüller (2003), S. 136.
30 Vgl. Clasen (1992), S. 146-148; ähnlich bei: Böckenförde (1996), S. 7.
Arbeit zitieren:
Michael Döllner, 2003, Krisenmanagement im Mittelstand - Herausforderung für KMU und Banken, München, GRIN Verlag GmbH
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