Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung (S. 1)
2. Die Handlungstheorie von Alfred Schütz (S. 2)
2.1. Sinnzusammenhang einer alleinigen Handlung (S. 2)
2.2. Motivzusammenhang einer alleinigen Handlung (S. 3)
2.3. Fremdverstehen und Typisierung (S. 4)
3. Die Handlungstheorie von G. H. Mead (S. 5)
3.1. Gesten und Signifikante Symbole (S. 6)
3.2. Sinn eines signifikanten Symbols (S. 6)
3.3. Universalität (S. 7)
3.4. verallgemeinerter Anderer (S. 7)
4. Vergleich und Kritik (S. 8)
5. Fazit (S. 10)
Literaturverzeichnis (S 11)
1. Einleitung
Gegenstand dieser Hausarbeit ist es, die Handlungstheorien von Alfred Schütz und George Herbert Mead zu vergleichen. Beide waren dem Verstehen von menschlichen Handlungen und deren Konstitution nachgegangen. Im Zentrum steht dabei bei beiden die Frage, wie intersubjektives Verstehen von Handlungen möglich ist, was die Grundvoraussetzung für gelingende Interaktion darstellt.
Obwohl davon auszugehen ist, dass sich die beiden nicht kannten und auch nicht voneinander gewusst haben (Mead hat zu Lebzeiten kaum publiziert, sein Hauptwerk „Geist, Identität und Gesellschaft“ wurde erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt), ähneln sich die Ansätze in ihren Grundzügen. Dennoch sind einige Unterschiede festzustellen, von denen die wichtigsten im vierten Abschnitt beschrieben werden. Dabei wird sich herausstellen, dass sich Meads Interaktionstheorie als scharfsinniger und insgesamt leistungsfähiger erweist, auch wenn beide Ansätze Schwächen aufweisen.
Alfred Schütz gilt als Vertreter der phänomenologischen Soziologie, die einzelne Phänomene betrachtet und daraus gesamtgesellschaftliche Konzepte formuliert. Schütz baut dabei seine Handlungstheorie auf Max Webers Begriff des subjektiven Sinns und die phänomenologische Philosophie Edmund Husserls auf. Schütz setzte sich mit dem Strukturfuktionalismus von Talcott Parcons auseinander, eine Annäherung scheiterte jedoch, wie ein Briefwechsel dokumentiert. Seine Schüler Peter Berger und Thomas Luckmann erweiterten seinen Ansatz, für Harold Garfinkels Ethnomothodologie lieferte Schütz die theoretische Grundlage,
George Herbert Mead wird der Strömung des symbolischen Interaktionismus zugerechnet, als deren Begründer sein Schüler Herbert Blumer gilt. Mead gehört neben Charles Peirce, William James und John Dewey zu den frühen Pragmatisten der Chicagoer Schule. Seine Publikationen hielten sich in engen Grenzen, sein in dieser Hausarbeit oft behandeltes Hauptwerk „Geist, Identität und Gesellschaft“ basiert auf Vorlesungsmitschriften seiner Studenten.
Sowohl bei Schütz als auch bei Mead steht die Handlungstheorie nicht im Mittelpunkt des Gesamtwerkes, sie dient aber in beiden Fällen als wichtige Grundlage für weitere Überlegungen. Bei Schütz zur Herausarbeitung des Konzepts der alltäglichen Lebenswelt, bei Mead zur Erklärung von Sozialisation und Identitätsbildung. Diese Themen stellen nicht das wesentliche Interesse dieser Hausarbeit dar.
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2. Die Handlungstheorie von Alfred Schütz
Alfred Schütz entwickelt seine Handlungstheorie anhand Max Webers Begriff des sozialen Handelns und führt sie in seinem ersten großen Werk „Der Sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“ aus. In erster Linie geht es Schütz darum, Webers Begriff des subjektiven Sinns einer Handlung genauer zu explizieren. Webers Konzept des Sinnzusammenhangs einer Handlung führt letztlich nicht zu einer Interaktionstheorie. Ein zeitgenössischer Vorwurf an Weber lautete daher, er stelle sich die soziale Welt zu sehr als eine „Ansammlung isolierter Individuen“ vor und versäume es so, Intersubjektivität zu erklären. (s. Auer 1999: 116).
Vor diesem Hintergrund versucht Schütz, Webers Handlungstheorie dahingehend zu erweitern, dass ein intersubjektiver Sinn einer Handlung feststellbar ist. Zunächst soll der Sinnzusammenhang einer Handlung nach Schütz im Falle einer isolierten Handlung ohne weitere direkt beteiligte Personen skizziert werden.
2.1. Sinnzusammenhang einer alleinigen Handlung
Ausgehend von Bergsons Konzept der dureé unterscheidet Schütz zwischen einem kontinuierlichen Erlebnisstrom, in dem keine Erlebnisse als solche erkennbar sind, und dem Erinnern an ein konkretes Erlebnis. Erst durch Erinnerung an vergangene Erlebnisse, durch ihr Heraustrennen aus dem kontinuierlichen Erlebnisstrom, verleihen wir ihnen Sinn: „Nur das Erlebte ist sinnvoll, nicht aber das Erleben.“ (Schütz 1974: 69)
Zunächst unterscheidet Schütz zwischen Handeln und Handlung dahingehend, dass nur eine Handlung entworfen werden kann, jedoch nicht das Handeln an sich (vgl. Schütz 1974: 78f.). Vor diesem Hintergrund kommt er zu dem Schluss „(…) daß der Sinn des Handelns die vorher entworfene Handlung“ (Schütz 1974: 79) ist. Handeln vollzieht sich also mit einem Vorentwurf einer bereits abgeschlossenen Handlung im Hinterkopf. Die Wahl der Mittel zur Erlangung des Handlungsziels folgen erst, nachdem der Handlungsentwurf feststeht (vgl. Schütz 1974: 80).
Der Erfahrungsschatz an vergangenen - im weiter oben skizzierten Sinne sinnvollen - Erlebnissen wird nach Schütz zur Grundlage für Entwürfe nachfolgender, sinnhafter Handlungen:
»Für uns ist vor allem die Einsicht von Wichtigkeit, daß auch alle Entwürfe zukünftigen Handelns wesensmäßig auf ein vergangenes, abgeschlossenes Handeln gerichtet sind (…)« (Schütz 1974: 80)
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Arbeit zitieren:
Filipp Münst, 2011, Die Handlungstheorien von Alfred Schütz und G. H. Mead im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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