Anwendungsbereich des modalen -hAt Morphems im Ungarischen
1 Einführung 1 2 Das Flexionsmorphem -hAt 2
2.1 Morphophonologische Eigenschaften 2
2.2 Morphologische Eigenschaften 2
2.3 Semantische Eigenschaften des -hAt Flexionsmorphems 3
2.3.1. Epistemische Möglichkeit 4
2.3.2 Deontische Möglichkeit 5
2.3.3 Buletische Möglichkeit 6
2.3.4 Dispositionale Möglichkeit 6
2.3.5 Zirkumstantionale Möglichkeit 7
2.3.6. Faktitive Möglichkeit 8
2.3.7 Existentielle Möglichkeit 8 3 Das Hilfsverb lehet 9
3.1 Morphologische Eigenschaften 9
3.2 Semantische Eigenschaften 9
3.2.1 Deontische Möglichkeit 10
3.2.2 Buletische Möglichkeit 10
3.2.3 Dispositionale Möglichkeit 11
3.2.4 Zirkumstantionale Möglichkeit 11
3.2.5 Existentielle Möglichkeit 12
4 Die [V trans -hAt -Ó]-Konstruktion 12
4.1 Morphologische Eigenschaften 12
4.2. Semantische Eigenschaften der [V trans -hAt -Ó]-Konstruktion 14
4.2.1 Deontische Möglichkeit 15
4.2.2 Dispositionale Möglichkeit 15
4.2.3 Zirkumstantionale Möglichkeit 16
4.2.4 Existentielle Möglichkeit 16 5 Zusammenfassung 17 6 Literaturangabe 18
1
Liste der in den Glossen verwendeten Zeichen
Abl. - Ablativus Part.Präs. - Partizip Präsens Akk. - Akkusativ Pl. - Plural All. - Allativus Poss. - Possessiv Del. - Delativus Präs. - Präsens
EKOND. - externes Konditional (mit Hilfswort) Prät. - Präteritum Ine. - Inessivus Sg. - Singular Inf. - Infinitiv Subl. - Sublativus Inst. - Instrumental Sue. - Superessivus Mod. - Modalis VPT - Verbpartikel WBM.Adj. - Wortbildungsmorphem zur Komp. - Komparativus Bildung von Adjektiven
KOND - Konditional
Anwendungsbereich des modalen -hAt Morphems im Ungarischen
Die vorliegende Arbeit untersucht die morphologischen und die semantischen Eigenschaften des ungarischen -hAt Morphems, das sowohl in seiner Form als auch in seiner modalen Bedeutung polyfunktional ist. Auf der formalen Ebene kann es mit Verben zur Bildung von flektierten Verbformen und Partizipien verbunden werden, beziehungsweise mit dem Kopulaverb in lexikalisierter Form erscheinen. Auf der semantischen Ebene können mit diesem Morphem die unterschiedlichsten Bedeutungen der Möglichkeit ausgedrückt werden (epistemisch, deontisch, buletisch usw.), die in den drei Anwendungsformen variieren. Durch die Kombination der Formen und der möglichen Bedeutungen ergibt sich ein reicher Anwendungsbereich des -hAt Morphems. Die Grundlage der Beschreibung bildet die Arbeit von Kiefer (2005), die die modalen Ausdrucksmöglichkeiten des Ungarischen, insbesondere das flexivisxhe -hAt Morphem tiefgehend untersucht. Die Beispielsätze - bis auf wenige, selbst konstruierte - stammen aus dem Ungarischen Nationalkorpus (Magyar Nemzeti Korpusz). Neben den Beispielsätzen stehen immer die eigenen Übersetzungen.
1 Einführung
Das -hAtMorphem kann im Ungarischen in drei Formen erscheinen: im verbalen Bereich als Flexionmorphem (z.B. ung. olvashat, dt. er darf lesen) und lexikalisiert mit dem Kopulaverb in Infinitivkonstruktion (z.B. ung. el lehet olvasni, dt. das kann man lesen), beziehungsweise im partizipialen (nach einigen Auffassungen adjektivischen) Bereich zur Bildung von passiven Partizipien (z.B. ung. olvasható, dt. leserlich/lesbar).
Die formalen Eigenschaften stehen in enger Verbindung mit den möglichen Bedeutungen. Aus diesem Grund wird in der Arbeit der Bedeutungsumfang des Morphems ausgehend von den morphologischen Formen beschrieben.
1
2 Das Flexionsmorphem -hAt
2.1 Morphophonologische Eigenschaften
Das ungarische -hAt Morphem verfügt über zwei Allomorphe: -hat und -het. Das entsprechende Morphem wird aufgrund den Regeln der Vokalharmonie dem Stamm hinzugefügt: zu Stämmen mit dunklen oder gemischten Vokalen wird das ebenso dunkle -hat, zu denen mit hellen Vokalen wird das helle -het gefügt. Das gilt auch für die partizipiale Form -hAtÓ mit den Allomorphen: -ható und - hető. ZumBeispiel: dunkle Vokale: ung. olvas, olvashat, olvasható; dt. lesen, er darf lesen, lesbar vs. helle Vokale: ung. eszik, ehet, ehető; dt. essen, er darf essen, essbar.
2.2 Morphologische Eigenschaften
In der Fachliteratur gibt es eine Debatte darüber, ob das -hAt Morphem als verbale Flexionsmorphem zu betrachten ist. Die Diskussion geht um die Frage, ob das -hAt Morphem ein Flexions- oder Wortbildungssuffix mit modaler Bedeutung ist, oder ob es ein Kompositumsglied ist. Das letztere scheint aufgrund der Nicht-Selbstständigkeit des Morphems inakzeptabel zu sein, aber die Entscheidung zwischen flexivischem und derivationellem Wesen ist problematischer. Bei der weiteren Beschreibung möchte ich mich der Mehrheit schließen (z.B. Kiefer 2000, É-Kiss/Kiefer/Siptár 2003), und das -hAt Morphem als Flexionsmorphem behandeln. Der entscheidende Punkt dabei ist die Reihenfolge der Morpheme, denn im Ungarischen ist die Reihenfolge der zum Stamm gefügten Morpheme funktional streng festgelegt. Nach dem Wortstamm können zuerst die Derivationsmorpheme erscheinen, denen die die Flexionsmorpheme folgen - nicht aber umgekehrt. Die Reihenfolge ist immer: Wortstamm + Derivationssuffix(e) + Flexionssuffix(e) - wobei die einzelnen Suffixe natürlich nicht obligatorisch sind, bzw. auch gehäuft vorkommen können:
2
(1) olvas-hat-ok lesen-POT- Präs.1.P.Sg. Ich darf lesen.
(2) olvas-gat-hat-t-unk lesen-Iterativ-POT-Prät-1.P.Sg. Wir dürfen lesen. (iterativ)
Am Beispiel (1) kann man beobachten, dass dem -hAt Morphem ein anderes Flexionsmorphem folgt. In dem Beispiel (2) dagegen gibt es vor dem -hAt Morphem, direkt nach dem Verbstamm auch ein Wortbildungsmorphem zum Ausdruck der Iterativität. Diesem Derivationsmorphem folgen alle anderen Flexionsmorpheme, die zum Ausdruck von Tempus, Person und Numerus dienen - und zum Ausdruck von Modalität. Ein Derivationsmorphem geht einem Flexionsmorphem immer voraus. Den Flexionsstatus bestätigt die Tatsache, dass das -hAt Morphem besonders produktiv, und mit allen Verben kombinierbar ist, und die Bedeutung der mit -hAt versehenen Verben immer kompositional ist (zu der Argumentation É-Kiss/Kiefer/Siptár 2003 S. 227 f). Im Weiteren gehen wir davon aus, dass das -hAt Morphem als Flexionsmorphem dem Ausdruck der Möglichkeit dient.
2.3 Semantische Eigenschaften des -hAt Flexionsmorphems
In dem folgenden Teil der Arbeit stelle ich die Bedeutungen des -hAt Morphems nach Kiefer (2005) dar. Hier ist anzumerken, dass Kiefer (2005) zwei Grundtypen der Modalität unterscheidet, den epistemischen und den dynamischen Modalbereich. Die epistemische Modalität bildet an sich ihre eigene Subkategorie, im Gegensatz dazu ist die dynamische Modalität in vier weiteren Kategorien geteilt: deontisch, buletiv, dispositional und zirkumstantional. Insgesamt nimmt also Kiefer (2005) im verbalen Bereich des -hAt Morphems fünf Kategorien an.
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Arbeit zitieren:
Kornel Kovacs, 2011, Anwendungsbereich des modalen -hAt Morphems im Ungarischen, München, GRIN Verlag GmbH
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