2
Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
1 Der Begriff „Runen“ 4
2 Einordnung in die Sprachgeschichte. 6
3 Theorien über die Herkunft der germanischen Runenschrift. 10
4 Runen als Begriffssymbole, Lautzeichen
und als Gebrauchsschrift. 22
5 Runenalphabete. 24
6 Merkmale des gemeingermanischen Runenalphabets 27
( Älteres Futhark )
7 Weiterentwicklung und Ablösung der Runenalphabete. 31
8 Runen heute. 33
Literatur 34
Einleitung
"Runen raunen rechten Rat"
Dieses alte Sprichwort gibt in Kürze die ursprüngliche Bedeutung dieser Schriftzeichen wieder. Runen waren niemals profane Schriftzeichen zum Festhalten des gesprochen Worts, sondern magische, tief religiöse Symbole für weit komplizierte Zusammenhänge von tiefgründiger Bedeutung. Symbole, die zu unseren ureigensten Wurzeln weisen, die unsere Ahnen als heilig erlebt haben. Sinnbilder für eine geistige Qualität, für eine Göttlichkeit oder eine umfassende Idee. Ursprünglich wurden die Runen in Buchenstäbe geritzt, wovon das Wort "Buchstabe" auch heute noch zeugt. Viele dieser Symbole findet man heute noch in alten Schnitzereien an Häusern als Schutzzeichen, oder sie sind unbemerkt in unseren Alltag übergegangen.
Mit dieser Seminararbeit möchte ich den Lesern die Runen als interessante und höchst faszinierende Thematik eröffnen. Nach der begrifflichen
Klärung und der Einordnung der Runen in die Sprachgeschichte werde ich mehrere Theorien über die Herkunft der germanischen Runenschrift erörtern. Anschließend erfolgt eine Differenzierung der Zeichen in Begriffssymbole, Lautzeichen und Gebrauchsschrift, worauf eine detailliertere Vorstellung der Runenalphabete erfolgt, speziell das Ältere Futhark. Die Weiterentwicklung und Ablösung dieser Alphabete stellt den 7. Punkt meiner Betrachtungen dar. Abschließend gebe ich einen kurzen Überblick über die Verwendung von Runen in der Gegenwart.
1 Der Begriff „Runen“
Ehe die lateinische Schrift, als Folge des Eindringens des Christentums in den germanischen Ländern heimisch wurde, gab es dort bereits eine Schrift. Diese kennt man zwar nicht in eigentlich literarischer Verwendung, sie ist jedoch auf zahlreichen Denkmälern aus Metall oder Stein erhalten geblieben: es ist die Runenschrift. Es sind ca. 5000 Runeninschriften bekannt, davon 3000 allein in Schweden. In Deutschland konnten bisher nur etwa 30 Inschriften gefunden werden. Von Grönland bis zum Dnjepr, von Nordskandinavien bis zum Balkan reicht das Fundgebiet, der meist nur sehr kurzen Runeninschriften. Die frühesten stammen wohl aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. und reichen in Schweden bis ins 19. Jahrhundert hinein (vgl. WERNER (1992: 51)).
Das Wort »Runen«, welches im 17. Jahrhundert auf gelehrtem Wege aus dem Altnordischen übernommen wurde, ist ein germanisch-keltisches Wort und ist in der Grundbedeutung mit »Geheimnis« gleichzusetzen. Die Bedeutung ergibt sich aus dem:
Gotischen runa Geheimnis Altirischen run Geheimnis Angelsächsischen run Geheimnis, heimliches Beratschlagen Altsächsischen runa heimliches Flüstern Mittelhochdeutschen rune Geheimnis, Geflüster Neuhochdeutschen raunen Geheimnis flüstern
Es scheint auf das Geheimnisvolle hinzudeuten, welches ursprünglich wie ein Glanz alles Schreiben und Geschriebene, insbesondere eben auch die »Runen« zeichen umgab.
Jedes Jahr wächst der gewaltige Fundus an Runenschriften durch weitere Funde (vgl. Abb. 1). Die eigentliche wissenschaftliche Runenforschung oder auch »Runologie« genannt, beginnt mit dem Anfang des 19. Jahrhunderts.
Abb. 1 Fundorte wichtiger Runendenkmäler in
2 Einordnung in die Sprachgeschichte
Die Runenschrift hatte ihre größte Verbreitung offenkundig in Skandinavien. Dennoch wurden auch in allen anderen germanischen Ländern und sogar außerhalb dieser (aber auf einstigem germanischen Siedlungsgebiet) Runeninschriften gefunden, so auf den dänischen und britischen Inseln, in Jütland, Schleswig-Holstein, in Friesland, im Rhein-, Saône- und Donaugebiet, in Ungarn, Kärnten und am Rande der Rokitno-Sümpfe. Demzufolge wird die Runenschrift als alter Gemeinbesitz aller germanischen Stämme betrachtet (hierzu Abb. 2).
Abb. 2 Vom Indoeuropäischen zum Germanischen (aus: WOLFF (1990: 43))
Die ältesten Runeninschriften findet man auf Waffen, Ringen, Spangen u.ä.. Seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. etwa wurden im nordgermanischen Gebiet Gedenksteine auf Grabhügeln mit Runeninschriften versehen. Dieser Brauch erreichte im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr. seine Blütezeit in Schweden und Norwegen und im 10. und 11. Jahrhundert n. Chr. auf den dänischen Inseln, Jütland und Schleswig. Auf westgermanischen Gebiet hingegen findet man solche Runensteine oder auch »Bautasteine« genannt kaum.
Blickt man noch weiter zurück und sieht die Runen im Zusammenhang der Entstehung der Schrift, so lässt sich herauskristallisieren, dass sie den ägyptischen Hieroglyphen entspringen. Wie in Abbildung 3 ersichtlich, entstand unter dem Einfluss Ägyptens die phönikische Schrift und daraus leitete sich das griechische Alphabet ab. Die Schrift verbreitete sich weiter und es entwickelte sich unter anderem auch das von den Griechen abgeleitete Alphabet der Etrusker, an welches in Italien vor allem die lateinische Lautschrift anknüpfte. Diese wirkte auf die Entstehung der germanischen Runen, verdrängte diese aber bald. Einige Schriftbeispiele sind in Abbildung 4 aufgezeigt.
Abb. 4 Die Schrift 1 Die ägyptische Schrift (Hieroglyphen) 2 Die Hieroglyphenschrift der Hethiter 3 Brahmi, die indische Silbenschrift 4 Entwicklung der Keilschrift
5 chinesische Schriftzeichen, die bis heute verwendet werden 6 Das griechische Alphabet
7 Linear B, das von den mykenischen Griechen verwendet wurde 8 Das phönikische ABC
9 Varianten der Lateinschrift und antikes Schreibgerät 10 Die hebräische Quadratschrift, wird auch heute noch verwendet 11 Germanische Runen
Arbeit zitieren:
Nadja Hinze, 2003, Runen - Ideographie, magisches Symbol oder phonetischer Buchstabe?, München, GRIN Verlag GmbH
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