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JEAN-FRANÇOIS LYOTARD - ein Bericht

Hauptseminararbeit, 2002, 12 Seiten
Autor: Mag. Marc Hollenstein
Fach: Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 12
Note: sehr gut
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V17397
ISBN (E-Book): 978-3-638-21984-6
ISBN (Buch): 978-3-638-77477-2
Dateigröße: 190 KB
Anmerkungen :
Arbeit im Querformat.


Zusammenfassung / Abstract

„Die Entscheidungsträger versuchen die Wolken des Gesellschaftlichen mittels Input-Output-Matrizen im Gefolge einer Logik zu verwalten, die die Kommensurabilität der Elemente und die Determinierbarkeit des Ganzen impliziert. Unser Leben wird durch diese Entscheidungsträger der Vermehrung der Macht geweiht. Ihre Legitimation hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit wie wissenschaftlicher Wahrheit wäre die Optimierung der Leistungen des Systems, seine Effizienz. Die Anwendung dieses Kriteriums auf alle unsere Spiele – es gibt verschiedene Sprachspiele – geht nicht ohne Schrecken vor sich, weich oder hart: Wirkt mit, seid kommensurabel, oder verschwindet!“ (Vorwort, S.15) Lyotard versucht diese Aussagen in seinem Bericht zu erläutern. Ausgangspunkt ist die Hypothese, daß das Wissen in derselben Zeit, in der die Gesellschaften in das sogenannte postindustrielle und die Kulturen in das sogenannte postmoderne Zeitalter eintreten, sein Statut wechselt. Demnach finde eine allgemeine Transformation statt, mit dem Ziel, die Erkenntnis in Informationsquantitäten zu übersetzen. Die Bedingung der Übersetzbarkeit etwaiger Ergebnisse in die Maschinensprache wird maßgebend sein. Alles, was sich dem nicht fügt bzw. nicht fügen kann, wird vernachlässigt werden. In diesem allgemeinen „Übertragungssprozeß“ wird am Ende die Wertform des Wissens im Mittelpunkt stehen. Das Wissen ist und wird für seinen Verkauf geschaffen werden, und es wird für seine Verwertung in einer neuen Produktion konsumiert und konsumiert werden: in beiden Fällen, um getauscht zu werden. Es hört auf, sein eigener Zweck zu sein, es verliert seinen „Gebrauchswert“. Auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene wird das Wissen im (weltweiten) Konkurrenzkampf das Mittel der Macht werden. Die zunehmende Transparenz (vgl. Internet als unerschöpfliche Informationsquelle) bezeichnet er als einen Faktor der Undurchsichtigkeit und des „Rauschens“. Es verbleibt in gewisser Weise auf einem „oberflächlichen Niveau“. Die Problematik, die sich daraus ergibt, liegt auf der Hand: wer wird wissen? Wer wird mächtig sein?


Textauszug (computergeneriert)

JEAN JEAN-FRAN FRANÇOIS LYOTARD
Ein Bericht

Eine Arbeit von: Marc Hollenstein 
mit einer Zusammenfassung von Lyotards Bericht und anschließender Diskussion
UE: Identität und Identitätsstörungen I

 

Lyotard – Das postmoderne Wissen
Ein Bericht

„Die Entscheidungsträger versuchen die Wolken des Gesellschaftlichen mittels Input-Output-Matrizen im Gefolge einer Logik zu verwalten, die die Kommensurabilität der Elemente und die Determinierbarkeit des Ganzen impliziert. Unser Leben wird durch diese Entscheidungsträger der Vermehrung der Macht geweiht. Ihre Legitimation hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit wie wissenschaftlicher Wahrheit wäre die Optimierung der Leistungen des Systems, seine Effizienz. Die Anwendung dieses Kriteriums auf alle unsere Spiele – es gibt verschiedene Sprachspiele – geht nicht ohne Schrecken vor sich, weich oder hart: Wirkt mit, seid kommensurabel, oder verschwindet!“ (Vorwort, S.15)

Lyotard versucht diese Aussagen in seinem Bericht zu erläutern. Ausgangspunkt ist die Hypothese, daß das Wissen in derselben Zeit, in der die Gesellschaften in das sogenannte postindustrielle und die Kulturen in das sogenannte postmoderne Zeitalter eintreten, sein Statut wechselt. Demnach finde eine allgemeine Transformation statt, mit dem Ziel, die Erkenntnis in Informationsquantitäten zu übersetzen. Die Bedingung der Übersetzbarkeit etwaiger Ergebnisse in die Maschinensprache wird maßgebend sein. Alles, was sich dem nicht fügt bzw. nicht fügen kann, wird vernachlässigt werden. In diesem allgemeinen „Übertragungssprozeß“ wird am Ende die Wertform des Wissens im Mittelpunkt stehen. Das Wissen ist und wird für seinen Verkauf geschaffen werden, und es wird für seine Verwertung in einer neuen Produktion konsumiert und konsumiert werden: in beiden Fällen, um getauscht zu werden. Es hört auf, sein eigener Zweck zu sein, es verliert seinen „Gebrauchswert“.

Auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene wird das Wissen im (weltweiten) Konkurrenzkampf das Mittel der Macht werden. Die zunehmende Transparenz (vgl. Internet als unerschöpfliche Informationsquelle) bezeichnet er als einen Faktor der Undurchsichtigkeit und des „Rauschens“. Es verbleibt in gewisser Weise auf einem „oberflächlichen Niveau“. Die Problematik, die sich daraus ergibt, liegt auf der Hand: wer wird wissen? Wer wird mächtig sein? Dieses Szenario, die „Informatisierung der Gesellschaft“, bedarf ihrer Legitimation. Die Legitimation ist der Prozeß, durch welchen ein Gesetzgeber autorisiert wird, ein Gesetz als Norm zu erlassen. Wissen und Macht sind in diesem Übertragungsprozeß zwei Seiten derselben Frage: Wer entscheidet, was Wissen ist, und wer weiß, was es zu entscheiden gilt? Mehr denn je ist die Frage des Wissens im Zeitalter der Informatik die Frage der Regierung. – Anmerkung: Lyotard bricht an dieser Stelle seine Ausführungen ab. Es bleibt offen inwieweit diese neue Machtposition der Regierung als Gefahr für die Nichtregierenden oder als Apell an die Verantwortung der Regierenden zu werten ist.

Die Methode der Legitimation sieht Lyotard in den Sprachspielen (vgl. Wittgenstein), und zwar in ihrem pragmatischen Aspekt. Wie jedes Spiel folgen auch die Sprachspiele nach bestimmten Regeln und sind somit determinierbar. Drei Beobachtungen trifft er hierzu:

  1.  Die Regeln beinhalten ihre Legitimation nicht in sich selbst. Sie sind Gegenstand eines expliziten oder impliziten Vertrags zwischen den Spielern.
  2. Ohne Regeln gibt es kein Spiel. 
  3. Jede Aussage muß wie ein in einem Spiel ausgeführter Spielzug betrachtet werden.

Das erste Prinzip, was er daraus folgert, ist: Sprechen ist Kämpfen (im Sinne des Spielens), Sprechakte gehören einer allgemeinen Agonistik an. Daraus ergibt sich das zweite Prinzip: Der beobachtbare soziale Zusammenhang besteht aus sprachlichen „Spielzügen“.

[...]


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