Inhaltsverzeichnis
Seite
1 Einleitung 2
2 Klärung des triuwe-Begriffs/ Wertigkeit in der
nibelungischen Gesellschaft 3 4
3 Loyalitäten
3.1 Hagen 5 6
3.2 Kriemhild 7 9
3.3 Aufeinanderprallen dieser Loyalitäten 9 10
4 Interpretation
4.1 Interpretation der Hortforderung durch die Forschung 11 12
4.2 Interpretation durch die Autorin 12 13
5 Fazit und Schluß 13 14
Literaturverzeichnis 15
1
1 Einleitung
Hortraub und Hortforderungsszene beschäftigen die Nibelungenlied (NL)-Rezeption seit Anbeginn. Während über den Hortraub eine Art „stillschweigender Konsens“ 1 besteht, hat die Hortforderungsszene die Forschung vor einige unbewältigte Fragen gestellt 2 , die an späterer Stelle noch genauer beleuchtet werden sollen. Da die Hortforderungsszene der Moment ist, in dem die unterschiedlichen triuwe-Konzepte aufeinanderprallen und im unausweichlichen Desaster enden, soll die Wertigkeit und Definition von eben diesem triuwe-Begriff im folgenden untersucht werden.
Marie-Luise Bernreuther macht ihre Interpretation unter anderem an diesem mittelalterlichen triuwe-Prinzip fest:
„ ...inwieweit im „Nibelungenlied“ die Abweichungen einzelner Protagonisten von (...) normativen Regeln zur Katastrophe führen oder ob nicht gerade die konsequente Erfüllung der geforderten Verhaltensschemata ( triuwe zum Herrschaftsverband; triuwe zum einzigartigen Minnepartner) zu der unheilvollen Konfrontation gleich werthafter, aber antagonistischer Bestrebungen führt...“ 3
Desweiteren werden die unterschiedlichen Loyalitäten Hagens und Kriemhilds betrachtet und deren Aufeinandertreffen ausgewertet. Die Arbeit schließt mit den Beobachtungen zur Rezeption der Interpretation der Hortforderung durch die Autorin.
1 Marie-Luise Bernreuther: Motivationsstruktur und Erzählstruktur im „Nibelungenlied“ und in der „Klage“. Greifswald 1994, S.59
2 Ebd., S. 109
3 Ebd., S. 10
2
2 Klärung des triuwe- Begriffs/ Wertigkeit in der nibelungischen Gesellschaft
Voranstellen möchte ich einen Satz Maren Jönssons:
„Es gehört zur Struktur des NLs, daß die Gesellschaft durch verschiedenartige Bindungen, vor allem durch die triuwe-Verpflichtungen, zusammengehalten wird. Gerade deren Kollidieren führt im NL immer wieder zu Loyalitätskonflikten.“ 4
Das triuwe versus ungetriuwe-Schema ist für die Nibelungenrezeption bislang immer von großer Wichtigkeit gewesen. Sie gilt als ein wichtiges Motivationselement, im positiven wie negativen, für den gesamten Handlungsverlauf im NL.
Matthias Lexer gibt in seinem Mittelhochdeutschen Taschenwörterbuch folgende Definition für triuwe:
„triuwe, triwe, triu stf. Wohlmeinendheit, aufrichtigkeit, zuverlässigkeit, treue ( überh. das sittliche pflichtverhältnis zwischen allerhand einander zugehörigen); gegebenes wort, gelübde, versprechen... “ 5
Die verschiedenartigen triuwe-Bindungen im NL beinhalten all diese Eigenschaften beziehungsweise die Probleme, die aus dem eklatanten Mangel dieser Eigenschaften resultieren. Die durchweg positiv besetzte Figur Rüdegers 6 als Idealtypus des Vasallen und die streitbar motivierte triuwe Hagens zum einen, und die geschwisterliche triuwe Kriemhilds und ihrer Brüder zum anderen sind an dieser Stelle zu nennen. Nicht zu vergessen ist auch die umstrittenste triuwe-Bindung Siegfried/ Kriemhild. 7
triuwe-Verbände entstehen unter anderem durch Geburt ( das gilt durch die mittelalterliche Ständeordnung auch für die Vasallentriuwe) und Heirat. Jan-Dirk Müller spricht auch von triuwe unter „Gleichen, die sich zu irgendeinem Zweck zusammenschließen“ 8 . Diese Verbindungen werden durch dienen-Rituale gestärkt. In dem Zusammenhang bemerkt Jönsson, daß Kriemhilds dienen-Rituale ihren Brüdern gegenüber(z.Bsp. Ausstattung der Werbungsfahrt zu Brünhild) „schlecht gelohnt werden“ 9 Desweitern sieht sie im vermehrten
4 Maren Jönsson: „Ob ich ein ritter wære“. Genderentwürfe und genderrelatierte Erzählstrategien im Nibelungenlied. Uppsala 2001, S.76
5 Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch Stuttgart 1992
6 vgl. Bernreuther, a.a.O., S.65
7 siehe Kapitel 3.1 Kriemhild
8 Jan-Dirk Müller: Spielregeln für den Untergang. Die Welt des Nibelungenliedes. Tübingen 1998
9 Maren Jönsson, a.a.O., S.81
3
Arbeit zitieren:
Albertine Selunka, 2003, Die Interpretation der Hortforderung unter dem triuwe-Gesichtspunkt der Antagonisten Kriemhild und Hagen, München, GRIN Verlag GmbH
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