Institut für Geschichte Fakultät für Mittelalterliche Geschichte Marcel Jablonka
Heinrich der Löwe und der Wendenkreuzzug 1147
Seminararbeit zum Proseminar: Heinrich der Löwe
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 3
2. Die Situation bis 1146 Seite 3
3. Der Aufruf zum Kreuzzug Seite 5
4. Die wichtigsten Teilhabenden und deren Ambitionen Seite 7
5. Verlauf des Wendenkreuzzuges Seite 9
6. Ergebnis und Zusammenfassung Seite 12
7. Quellen- und Literaturverzeichnis Seite 15
2
1. Einleitung
„In dem selben Jahr (1147) war um das Fest des heiligen Petrus auf göttliche Eingebung und Ermahnung des päpstlichen Stuhles und nach Aufforderung vieler Geistlicher eine große Menge christlicher Streiter, welche das Zeichen des lebensspendenden Kreuzes angenommen, gegen die nach Norden zu wohnenden Heiden ausgezogen, um sie entweder dem christlichen Glauben zu unterwerfen oder mit Gottes Hilfe vollständig zu vertilgen.“ 1 Dieser Auszug aus den Magdeburger Annalen stellt den im Allgemeinen als Wendenkreuzzug bezeichneten Feldzug der sächsischen Fürsten gegen die nördlich der Elbe lebenden slawischen Stämme dar. Er wurde lange als einer der fragwürdigsten der Kreuzzüge dargestellt. Aber ist das wirklich so? Wurde nicht gerade durch diesen Versuch der christlichen Streiter, die „barbarischen Heiden“ zu bekehren, deutlich gezeigt, worum es in Wirklichkeit in jedem Kreuzzug ging? Um territoriale Ansprüche, um Zugewinn an Macht, materiellen Ressourcen und Untertanen?
Ein Kreuzzug ist auch immer eine Kampf zwischen den geistlichen und den weltlichen Herrschern, sei es nun der des Christentums gegen die Heiden oder jener im Inneren der christlichen Welt selbst.
Diesen Fragen und den möglichen Gründen und Ursachen des Wendenkreuzzuges wird diese Arbeit nachzugehen und zu klären versuchen.
Auch wenn H. D. Kahl, F. Lotter und H. O. Gaethke sich bereits schon in zahlreichen Abhandlungen und umfassenden Arbeiten dieses Themas angenommen haben, soll versucht werden auch den Gedanken kleinerer Aufsätze nachzugehen, um vielleicht auch den ein- oder anderen Ansatz zu schaffen.
2. Die Situation bis 1146
Bereits seit dem neunten und zehnten Jahrhundert ist der Heidenkrieg im Abendland von größerer Bedeutung. Bedingt durch die ständigen Einfälle der Normannen, Slawen, Ungarn und Sarazenen kommt laut Bünding-Naukjoks den weltlichen Mächten eine Aufgabe zu, der vorerst nur sie gerecht werden können 2 . Denn der Kampf gegen die nicht-christlichen Feinde des Reiches ist Sache des König bzw. des Kaisers, auch wenn diese dem Einfluss der Kirche unterstehen 3 . Um diesen „pax christiana“ 4 zu wahren, werden offensive wie defensive
1 Annales Magdeburgenses 1147
2 Bünding-Naujoks, Imperium Christianum, S. 9ff.
3 Lotter, Konzeption, S. 45
4 Bünding-Naujoks, Imperium Christianum, S. 11
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Maßnahmen auf ein Niveau erhoben. Die kriegerische Erweiterung des Reiches wird zum legitimen Mittel des eigenen Schutzes der christlichen Welt. Sehr schnell erkennen die weltlichen Herrscher jedoch, dass unter dem Motto, die ungläubigen, das Reich gefährdende Heiden zu vernichten oder zu bekehren, sehr wohl auch eigene Machtinteressen verborgen werden können. Besonders Otto dem Großen kommt eine bedeutende Rolle in der Ostpolitik zu 5 . Er verstand es, die Grenzgebiete zu befrieden, die heidnischen Stämme zur Tributpflichtigkeit zu bewegen 6 und das Christentum in den gewonnenen Gebieten einzuführen, bzw. die Bevölkerung derselben in die christliche Welt einzugliedern. Nach dem Tod Ottos und dem Zusammenbruch der zentralen Verwaltung der Ostgrenze nach 983 7 kümmern sich nun Kleingruppen um die Politik an den Grenzen. Oftmals nur in ihren eigenen Interessen, was zu ideologischen Konflikten mit den Missionaren wie Brun von Querfurt führt: „Kein König hat mehr den Eifer, die Heiden zu bekehren, die eigene Ehre steht ihnen höher als der Vorteil Christi“ 8 . Die Liutizischen Stämme befreiten sich vollständig vom christlichen Einfluss, was auch nicht durch die wiederholten Versuche des deutschen Königs und der Unterstützung Polens und Böhmen verhindert werden konnte 9 . Nach Abklingen dieser (erfolglosen) Bemühungen kehrten die Abodriten ebenfalls wieder zu ihrem ursprünglichen Glauben zurück.
Die Sachsen gingen nunmehr ihren innenpolitischen Streitigkeiten nach 10 . Den Preis dafür zahlten sie, als sie, die Christen, selbst vertrieben wurden oder Tribut leisten mussten 11 . Beendet wurde dieser Zustand erst im Jahre 1093, als Gottschalks Sohn Heinrich mit Hilfe sächsischer Truppen Kruto stürzte. Die Situation beruhigte sich und die Gebiete der Liutizen kamen langsam unter den Einfluss der Nachbarstämme 12 , des Markgrafen der Nordmark und des Erzbischofs von Magdeburg. Die heidnischen Stämme erkannten großteils die Oberherrschaft des deutschen Herrschers an, und die Missionierung der Slawen ging langsam, aber friedlich voran.
Dies änderte sich auch nicht großartig, bis 1108 ein Aufruf zur Bekämpfung der Heiden durch den Erzbischof Adalbert 13 verfasst wurde. Dieser Aufruf hat ganz klar nur ein Ziel: die
5 ausführlicher bei Bünding-Naujoks, Imperium Christianum, S.11ff.
6 als Beispiel anzuführen: Lotter, Konzeption S.48. Die unterlegenen wendischen Stämme erkennen die Oberherrschaft des deutschen Herrschers an und erklären sich zu Tributzahlungen bereit. Laut Lotter um ihre eigene Autonomie weitgehend zu wahren. Bei Eidesbruch jedoch werden Pakte und Verträge aufgekündigt.
7 Lotter, Konzeption, S44.ff
8 Bünding-Naujoks, Imperium Christianum, S.17 Anm. 10
9 Lotter, Konzeption S. 52
10 Sachsen befand sich im Konflikt mit Heinrich IV
11 Lotter, Konzeption S.54
12 nach Lotter, Konzeption S.56:Nordwesten, Abodriten; Osten, Polen; Nordosten, Pommeranen; Norden, Dänen
13 Bünding-Naujoks, Imperium Christianum, S.31; Adelgot bei Lotter, Konzeption S. 59
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Marcel Jablonka, 2003, Heinrich der Löwe und der Wendenkreuzzug 1147, München, GRIN Verlag GmbH
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