Inhaltsverzeichnis
1. Gegenstandsfeld und Problemstellung 3
2. Vorgehensweise 3
3. Darlegung, Analyse und Interpretation: Die Ethnozentrik im jüdischen Humor 4
3.1 Grundlagen des jüdischen Witzes 4
3.1.1 Die doppelte Herkunft der Juden 4
3.1.2 Hintergrund des jüdischen Witzes 4
3.2 Wie wird der jüdische Witz lustig? 5
3.3 Die Entwicklung des jüdischen Witz 6
3.3.1 Der ältere jüdische Witz 6
3.3.2 Der jüdische Witz in der jüngeren Neuzeit 7
3.3.3 Der jüdische Militärwitz Osteuropas und der israelische Militärjux 8
3.3.4 Der jüdische Witz in der Gegenwart und sein Tod 8
3.4 Die Themen im jüdischen Witz 9
3.4.1 Themen im älteren jüdischen Witz. 10
3.4.2 Themen des jüdischen Witzes in der jüngeren Neuzeit 9
3.4.3 Themen der neuesten jüdischen Witze 15
3.5 Unterscheidung jüdischer Witz - Judenwitz 15
4. Erkenntnisse 16
5. Ausblick 17
Bibliographie 18
2
1. Gegenstandsfeld und Problemstellung
Ethnozentrismus ist die Beurteilung anderer Völker und Kulturen vom Standpunkt der eigenen Kultur und der mit ihr verbundenen Wertmaßstäbe. Ethnozentrisch ist der „normale" Standpunkt des Alltagsmenschen und andere Kulturen werden als Abweichungen klassifiziert. Aufgrund unserer Eingebundenheit in die eigene Lebenswelt wird jede Betrachtung von Kultur ethnozentrisch sein. 1 Diese Hausarbeit wird die Herkunft und Entstehung des jüdischen Witzes erläutern. Außerdem werden Themen und Inhalte an Beispielen veranschaulicht und die Unterschiede des Witzes in verschiedenen Epochen und Gebieten dargestellt. Zuletzt wird beleuchtet in wie weit, die soziale und religiöse Ethnozentrik im jüdischen Humor eine Rolle spielt.
2. Vorgehensweise
Leider konnte man zu diesem Themengebiet nur eine stark begrenzte Anzahl an geeigneten Quellen finden. Hauptsächlich beriefen wir uns auf die Bücher „Der jüdische Witz“ und „Jüdische Witze Nachlese 1960-1976“ der jüdischen Autorin Salcia Landmann, die den jüdischen Witz mit seinen wichtigsten Aspekten erforschte. Dazu fanden wir im Internet einige Erörterungen zum Thema, die sich jedoch auch weitestgehend auf die Werke Landmanns berufen. Deshalb sei zu sagen, dass vor allem Salcia Landmann den Begriff des jüdischen Witzes in den Sprachgebrauch verankerte. Durch eine eingehende Analyse der oben genannten Quellen werden die wichtigsten Aussagen aufgegriffen und erläutert. Dabei werden einige jüdische Begriffe, wie „Talmud“, „Rabbi“ oder auch „Diaspora“ als bekannt vorausgesetzt, andere wiederum werden im Text erklärt.
1 http://de.wikipedia.org/wiki/Ethnozentrik
3
3. Darlegung, Analyse und Interpretation: Die Ethnozentrik im
jüdischen Humor
3.1 Grundlagen des jüdischen Witzes
3.1.1 Die doppelte Herkunft der Juden
Um auf den Ursprung des jüdischen Witzes einzugehen, muss man die doppelte Herkunft der Juden näher beleuchten. Die frühen hohen Kulturen des Vorderen Orients, zu denen auch die Juden gehören, entstanden durch eine Mischung der beduinischen beziehungsweise orientalischen Rasse mit der assyroiden, armenoiden oder vorderasiatischen Rasse. Prinzipiell kann gesagt werden, dass eine geeignete Mischung besser ist als die in der Nazizeit bevorzugte Rasseneinheit. Allerdings bildet eine durch Rassenmischung entstandene neue Population niemals einen neuen einheitlichen Schlag, sondern die Talente und Besonderheiten der beiden Ursprungsrassen treten in einer anderen Gruppe oder Epoche in der neuen Kulturwelt verschieden stark hervor. 2 Bei den Beduinen oder Orientalen - harten Realisten und glasklaren selbstkritischen Denkern - findet man Witze nur sporadisch. Ganz im Gegensatz zu dem vorderasiatischen Typus. Hier gibt es Trunkenheit und Weichheit, Demut und Wehmut, Milde und Leidensbereitschaft, Humor und Heiterkeit. 3 In vorderasiatischen Gruppen wurden Witz, Rätsel und Legenden geschaffen. So werden noch heute in Armenien, Griechenland und der Türkei - vorderasiatisches Siedlungsgebiet - surrealistische, unauflösbare Scherzrätsel erzählt. Wichtige Vertreter des jüdischen Humors waren Heinrich Heine und natürlich Sigmund Freud.
3.1.2 Hintergrund des jüdischen Witzes
Der Sinn des Talmuds besteht darin, einem in der Verstreuung lebenden Volk jene festen Lebensregeln zu geben, ohne die es, seines staatlichen Zentrums beraubt, zerfallen wäre. 4 Dieser Zerfall schreckte die Juden, da sie nicht wie der Christ die Welterlösung als einzelner, sondern kollektiv als Volk erwarten. Aber auch Humor und Lachen sind in der jüdischen Tradition fest verankert, was viele Lach- und Lächeltexte im Talmud belegen. Allerdings sind Spöttereien und Zoten verpönt: „Schädlich ist die Spötterei, denn ihr Beginn ist Leid, ihr Ende
2 Vgl. Landmann, der jüdische Witz S. 19
3 Landmann, der jüdische Witz S. 20
4 Landmann, der jüdische Witz, S. 22
4
Vernichtung.“ In vielen Witzen steckt etwas spezifisches, das in Dimensionen führt, vor denen die Witze anderer Völker halt machen. Der jüdische Witz ist das Ergebnis von einzigartigen Umständen und Vorraussetzungen auf religiösem, historischem, geistigem und sozialem Gebiet, die besonders geeignet waren, Witze von ungewöhnlicher Tiefe und Schärfe zu erzeugen und verdrängte Wahrheit ans Licht zu holen. Ohne seinen tragischen Hintergrund ist der jüdische Witz kaum zu verstehen. 5
Der jüdische Witz ist heiter hingenommene Trauer über die Gegensätze der Welt. 6 Ihr jahrhundert langes Leid konnte von den sonst wehrlosen Juden nur mit Hilfe der Waffe Witz bewältigt werden. Auch Sigmund Freud erkannte, dass „der Witz die letzte Waffe des Wehrlosen ist“. Der Witz dient nicht nur der Erheiterung und dem Vergnügen, sondern war „im Kampf ums Überleben“ von großer Bedeutung. Das jüdische Volk versuchte durch den Witz dem Feind Paroli zu bieten, aber auch, trotz aller Verzweiflung, die Hoffnung nicht aufzugeben und sich Mut zu machen. Sie spielten ihre Angst herunter und gewannen so einen emotionalen Abstand von dem, was sie bedrückte. Der kaum überbrückbare Abgrund zwischen dem prophetischen Pathos über die Erwähltheit des jüdischen Volkes und der Banalität der konkreten Judenheit könne nur, meint auch Schalom Ben-Chorin, durch eine Doppelbrücke aus Glauben und Humor überdeckt werden. 7 Albert Einstein sagte hierzu: „Schau ich mir die Juden an, hab ich wenig Freude dran. Fallen mir die andern ein, bin ich froh, ein Jud zu sein.“
3.2 Wie wird der jüdische Witz lustig?
Im jüdischen Witz spielt der schwarze Humor kaum eine Rolle, obwohl erste bekannte Beispiele des schwarzen Humors der jüdischen Geisteswelt entstammen. Auch der surrealistische oder groteske Witz ist bei den Juden eher spärlich vertreten. Es handelt sich bei den Juden eher um einen tendenziösen Witz. Dieser keimt nur, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, als sich dem Druck im Witz zu entledigen. Heinrich Heine besaß zum Beispiel eine ungeheuere Witzigkeit. Er war arm, politisch verfolgt und als Jude entrechtet. Drei Gründe, die schon geeignet sind, eine vorhandene Witzbegabung zu stimulieren und zu wecken. 8 Der jüdische Witz übt starke Selbstkritik und ist voll von weltkritischer Tendenz. Außerdem spielt die „Ironie des Schicksals“ eine bedeutende Rolle. Schließlich gibt es nichts
5 http://www.ursulahomann.de/WitzAlsWaffe/komplett.html
6 http://www.klezmer.at/Frejlech-Lachen.htm
7 http://www.ursulahomann.de/WitzAlsWaffe/komplett.html
8 Salcia Landmann: Der jüdische Witz S.18
5
ernsteres, als jene Witze, die in den Tagen der Bedrängnis entstanden sind, und zwar dank der Fähigkeit vieler Juden auf dem Hintergrund des eigenen Leidens einen Witz zu machen. 9 Aus drei Gründen sind die Witze der Juden -oder doch die besten unter ihnen- tiefer, schärfer, geistvoller und reicher variiert als die aller anderen europäischen und vermutlich auch außereuropäischen Völker. 10 Der äußere und innere Druck, dem die Juden im Exil ausgesetzt waren, das besondere Witztalent der vorderasiatischen Gruppe der Juden und die Talmudschulung. Der jüdische Witz profitierte von der Arbeit mit dem Talmud, was den Geist ganz allgemein schärft, und der talmudischen Technik. Der Talmuddialog liebt Vergleiche, aber bei allem Scharfsinn schält er das Vergleichsmotiv nie rein heraus, sondern zerrt den gesamten Zusammenhang, dem das Motiv entnommen ist, mit herein. 11 Damit der jüdische Witz, der noch voll der jüdischen Traditionswelt entstammt, richtig wirken kann, ist es wichtig, ihn in Jiddisch zu lesen. Jiddisch ist voll von Talmudschliff und logischer Prägnanz einerseits, voll von Nuance, Farbe, Wehmut und Humor andererseits. 12 So wird der jüdische Witz tiefer, bitterer, schärfer, vollendeter dichter und man kann sagen dichterischer, als der Witz anderer Völker.
Zusammen fassend kann gesagt werden, dass der jüdische Witz durch seine Sprache, die Selbstkritik und Ironie an Witzigkeit gewinnt, über die man in anderen Kulturen kaum zu Lachen vermag.
3.3 Die Entwicklung des jüdischen Witz
3.3.1 Der ältere jüdische Witz
In der Zeit, als der ältere jüdische Witz entstand, war die jüdische Kultur von einer starken Religiosität geprägt, welche den Witz einengte und dazu führte, dass er sich nicht voll entfalten konnte. Es gab keine richtigen Witze an sich, sondern eher Anekdoten und Märchen und Legenden von Talmudepisoden, die sich in festen Grenzen bewegten. Wie bereits oben erwähnt, war es der Sinn des Talmuds, dem jüdischen Volk, das auf der ganzen Welt verstreut lebte, feste Regeln zu geben. Das Judentum hatte Angst vor seinem Zerfall und versuchte dies durch den Talmud zu verhindern. Denn die Juden werden nicht wie die Christen einzeln von Gott erlöst, sondern kollektiv, also als Volk, das nicht untergehen darf.
9 http://www.ursulahomann.de/WitzAlsWaffe/komplett.html
10 Landmann, der jüdische Witz S.18
11 Vgl. Landmann, der jüdische Witz S. 42
12 Landmann, der jüdische Witz S. 45
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Arbeit zitieren:
Stefanie Zeder, Johanna Bock, Luise Neuenfeldt, 2008, Religiöse Ethnozentrik im jüdischen Humor, München, GRIN Verlag GmbH
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