1. Einleitung
Voglers Prinzip der Heldenreise ist Vorlage für die meisten Drehbuchautoren - um sich dran zu halten, oder es zu umgehen. Aber sogar in einem oscarprämierten Film, der Kritik am Drehbuchschreiben übt, lässt
ausmachen. Ist es unmöglich, ein Drehbuch für einen inszenierten Film ohne Heldenprinzip zu schreiben? Worin liegen einzigartigen Drehbuchs? Um diese Fragen klären zu können, ist es zuerst
Heldenreise zu kennen. In dieser Arbeit soll anhand des Films Adaption von Spike Jonze (Regie) und Charlie Kaufman (Drehbuch) der Weg des Helden
begangen werden. Ich werde zunächst auf Voglers Heldenreise im Allgemeinen eingehen und sein Prinzip dann auf den Film anwenden. Gibt es einen Helden? In welcher Form tauchen die Archetypen auf? Des weiteren werde ich auf Besonderheiten im Film eingehen und der Frage nachgehen, in welcher Form das Heldenprinzip zu umgehen wäre.
2. Die Heldenreise
Das Prinzip der Heldenreise ist eine universelle Anleitung für Drehbuchautoren.
Alle Geschichten bestehen im Grunde aus einer Handvoll stets wiederkehrender Bauelemente, die uns auch in Mythen, Märchen und
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Filmen immer wieder begegnen. Der Oberbegriff für all diese Bauelemente lautet: die Reise des Helden. 1
Demnach begibt sich der Held, zumeist der Hauptdarsteller, aus seiner vertrauten Welt in ein Abenteuer und muss auf diesem Weg verschiedene Tests und Herausforderungen bestehen und wird mit Gegnern konfrontiert. Dadurch gewinnt er an Stärke, die er, zurückgekehrt im alten Leben, dazu nutzt, die 'neue' Welt besser zu machen. Diese Grundstruktur lässt sich nicht nur auf die meisten Hollywoodfilme anwenden, sondern auch auf Computerspielen (World of Warcraft), Mangas, Comics, Romanen, selbst in der Bibel findet sich dieses Prinzip wieder.
Das Konzept der Heldenreise nach Vogler basiert auf der Theorie des Mythenforschers Joseph Campbell 2 . Vogler entwickelte das Konzept weiter sodass es vor allem als Leitfaden für Drehbuchautoren attraktiv wurde. Die Grundzüge der einzelnen Stationen der Heldenreise nach Campbell blieben aber gleich. Züge dieses Prinzips lassen sich in den unterschiedlichsten Bereichen wiederfinden, wie zum Beispiel in der Psychotherapie und der Kunst.
In der folgenden Abbildung sieht man deutlich die Abwandlungen, die Vogler (linke Spalte) vorgenommen hat. Die Reise des Helden ist nicht mehr so detailliert wie bei Campbell (rechte Spalte). Dies lässt mehr Platz für Interpretationen, die Heldenreise kann nach einem freieren Plan erfolgen.
1 Christopher Vogler: Die Odyssee des Drehbuchschreibers. Frankfurt a. M., Zweitausendeins 1998,
S. 35
2 *26.03.1904 (White Plains, NY) - +30.10.1987 (Honolulu)
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Reisenden 4 . Dies soll einen deutlichen Kontrast zur neuen, ungewohnten Welt beschreiben, in die der Held aufbrechen wird 5 . Jede Heldenreise thematisiert einen Konflikt, gerade deswegen ist es wichtig, die Alltagswelt des Helden zu kennen, um Ungewohntes von Gewohntem unterscheiden zu können. Die Welt des Helden und Drehbuchautoren Charlie Kaufman beschränkt sich zu Filmbeginn auf ein kleines Haus in Kalifonien. Er lebt mit seinem Zwillingsbruder Donald zusammen und ist Drehbuchautor von „Being John Malkovich“. Sein nächster Auftrag steht kurz bevor. Er hat hohe Ansprüche an sich selbst, war doch sein letzter Film ein großer Erfolg.
Kaufman ist nicht nur von Selbstzweifeln an seinen Fähigkeiten als Drehbuchautor geplagt, sondern ist auch mit seinem Aussehen und seiner Kreativität unzufrieden. Bei einem Gespräch mit seiner Verlegerin Valerie zeigt sich diese Unsicherheit nur allzu gut: er ist zweifelnd und skeptisch. KAUFMAN
She looked at my hairline. She thinks I'm old. She thinks I'm fat. She -- 6
Nun wird der Held „mit seinem Problem konfrontiert; er steht vor einer Herausforderung oder muss sich auf ein Abenteuer einlassen.“ 7 Es geschieht etwas Außergewöhnliches, er wird zum Abenteuer gerufen 8 . Charlie Kaufman bekommt von seiner Verlegerin endgültig den Auftrag, das Buch The Orchid Thief von Susan Orlean zu adaptieren. Bei einem Treffen in einem Restaurant erklärt sie ihm ihre Vorstellungen. Vielleicht könne man eine Liebesgeschichte um das schwer zu adaptierende Buch 'herumschreiben', schlägt sie vor.
4 1. Station „Gewöhnliche Welt“, vgl. S 137 ff.
5 Vogler, S. 35-36
6 Adaption, 00:03:54
7 Christopher Vogler, S. 36
8 2. Station „Berufung“ vgl. S 167ff.
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Arbeit zitieren:
Kerstin Schulze, 2010, Christopher Voglers Prinzip der Heldenreise im Film "Adaption", München, GRIN Verlag GmbH
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