Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Asymmetrische Information auf dem Kapitalmarkt 2
3 Das Modell von Stiglitz und Weiss 4
3.1 Modellbeschreibung 4
3.2 Modellergebnisse 7
4 Makro okonomische Konsequenzen 17
4.1 Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Geldpolitik 17
4.2 Auswirkungen auf Wachstum und Besch aftigung 19
Abbildungsverzeichnis 20
Literaturverzeichnis 21
1
1 Einleitung
Auf einem vollkommenen Kapitalmarkt werden Zahlungsanspr¨ uche auf-grund ihres Risikos und ihres erwarteten Ertrages bewertet. Dies geschieht z.B. anhand des Capital-Asset-Pricing-Modells 1 oder des Time-State-Preference-Modells 2 . Hierzu ist es erforderlich, daß alle Marktteilnehmer vollst¨ andig ¨ uber die Risiko-Ertrags-Relation aller vorhandenen Investitionsm¨ oglichkeiten informiert sind.
In der Realit¨ at ist dieses oft nicht der Fall, da z.B. Firmen viel besser uber die von ihnen durchgef¨ uhrten Projekte informiert sind als die po¨ tentiellen Investoren 3 .
Im folgenden Abschnitt werden verschieden Formen von Kapitalmarktunvollkommenheiten beschrieben, wie sie auf dem Kreditmarkt beobachtet werden k¨ onnen. Anschließend wird ein Modell betrachtet, das die Folgen asymmetrischer Information und adverser Selektion in Kreditvertr¨ agen zeigt. Im vierten Abschnitt werden die makro¨ okonomischen Auswirkungen der Kreditrationierung betrachtet.
2 Asymmetrische Information auf dem Ka-
pitalmarkt
Das Auftreten asymmetrischer Information 4 ist eine der h¨ aufigsten Formen der Kapitalmarktunvollkommenheit, sie kann sowohl auf dem Markt f¨ ur Eigen- als auch dem Markt f¨ ur Fremdkapital beobachtet werden. Dabei kann es auch zu gegenseitigen Effekten zwischen den einzelnen M¨ arkten kommen 5 , die zu einer Rationierung des Eigen- sowie des Fremdkapitalangebotes f¨ uhren k¨ onnen. In dieser Arbeit wird jedoch nur der Kreditmarkt betrachtet.
Asymmetrische Information beschreibt auf dem Kreditmarkt die Informationsverteilung zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber. Der Kredit-
1 ZumCapital-Asset-Pricing-Modell siehe z.B. Franke und Hax (1999), S.342-348 und Brealey und Myers (2000), S.195-203.
2 Zum Time-State-Preference-Modell siehe z.B. Franke und Hax (1999), S.338-342.
3 Siehe dazu Romer (1996), S.369.
4 Zur asymmetrischen Information siehe Worms (1992), S.15ff, Groud und Pointier (2001), Janda (2000), S.297, Milde und Riley (1988), S.101, Rohde und Rehbock (2000), S.82, Romer (1996), S.369 und Hellmann und Stiglitz (2000), S.297.
5 Siehe Hellmann und Stiglitz (2000), S.369.
2
nehmer ist im allgemeinen viel besser ¨ uber das Risiko-Ertrags-Verh¨ altnis
seines Investitionsprojektes informiert als die außenstehenden Investoren 6 .
Auf dem Kreditmarkt f¨ uhrt das Vorhandensein asymmetrischer Information zu den zwei Ph¨ anomenen:
• Adverse Selektion 7
• Moral Hazard 8
Durch die unterschiedliche Verteilung der Risiken und Ertr¨ age aus einem Investitionsprojekt zwischen den Investoren (Fremd- und Eigenkapitalgeber) - Die Bank erh¨ alt als maximale Auszahlung den Kreditbetrag und die Zinsen, tr¨ agt aber ein Verlustrisiko in H¨ ohe des gesamten eingesetzten Kapitals abz¨ uglich der Sicherheiten. Der Kreditnehmer kann zwar ebenfalls sein (Eigen-)Kapital und die Sicherheiten verlieren, aber sein Ertrag unterliegt keinerlei Obergrenzen, da er den Residualbetrag aus Gewinn abz¨ uglich Zinsen erh¨ alt - wird durch einen Zinsanstieg eine Negativ-Auslese verursacht, dieser Effekt wird als adverse Selektion bezeichnet 9 . Adverse Selektion ist ein Effekt, der ex ante zu beobachten ist, d.h. schon vor der Kreditvergabe relevant wird. Moral Hazard bezeichnet die Gefahren, die in der Person des Kreditnehmers selbst liegen. Die Investoren k¨ onnen nicht direkt beobachten, wie der Kreditnehmer das Kapital verwendet, sie k¨ onnen nur das jeweilige Ergebnis beobachten. So k¨ onnte der Investor die Kreditgeber in Hinblick auf das Risiko des geplanten Projektes t¨ auschen, um so seine Ertragschancen zu steigern 10 . Das Moral Hazard Risiko liegt vor allem vor, wenn die Bank den Kreditnehmer nicht kennt, also z.B. bei Existenzgr¨ undern. Es wird erst ex post relevant, da es nach der Kreditvergabe entsteht. Diese Marktunvollkommenheiten k¨ onnen auf dem Kreditmarkt zu einer Rationierung der Kreditmenge f¨ uhren, d.h. es stellt sich ein Marktzinssatz ein, bei dem die Nachfrage nach Krediten gr¨ oßer ist als das Angebot. Deshalb bekommen einige Nachfrager keinen Kredit bzw. nicht ihren
6 Siehe Romer (1996), S.369.
7 Siehe Worms(1992), S.3 und S.6ff, Hellmann und Stiglitz (2000), S.297, Neff (1998), S.3ff Baltensperger (1989), S.101.
8 Siehe Worms (1992), S.3 und S.13f, Neff (1998), S.7ff und Baltensperger (1989), S.101.
9 Siehe dazu z.B. Stiglitz und Weiss (1981), S.396 und Mason (1998), S.76.
10 Siehe Worms (1992), S.13.
3
vollen nachgefragten Kreditbetrag zugeteilt, obwohl sie bereit sind, einen h¨ oheren Zins zu zahlen 11 .
Das folgende Modell erkl¨ art das Ph¨ anomen der Kreditrationierung auf-grund von asymmetrischer Information.
3 Das Modell von Stiglitz und Weiss
3.1 Modellbeschreibung
Es wird in diesem Modell von mehreren konkurrierenden Banken ausgegangen, die sich einer Vielzahl von Firmen gegen¨ ubersehen, welche alle jeweils den selben Kreditbetrag B nachfragen, um ein Investitionsprojekt durchzuf¨ uhren 12 . Die Firmen kennen sowohl den erwarteten Ertrag R als auch das jeweilige Risiko θ (Standardabweichung) ihres spezifischen Projektes. Die Banken k¨ onnen dagegen nur den Erwartungswert identifizieren, nicht jedoch das Risiko (Asymmetrische Information) 13 . F¨ ur die folgende Analyse gehen wir davon aus, daß alle Projekte den selben erwarteten Ertrag haben. F¨ ur zwei Projekte gilt dann:
θ 1 > θ 2 (1)
(Projekt 1 hat ein gr¨ oßeres Risiko)
(Der erwartete Ertrag der beiden Projekte ist identisch) Daraus folgt:
f¨ ur alle y ≥0
11 Sander (1999), S.72 stellt ein trade-off-Modell auf, in dem der Kreditzinssatz als Funktion der verschiedenen Rationierungsgr¨ unde dargestellt wird.
12 Das Modell ist der Quelle Stiglitz und Weiss (1981) entnommen. Es wird auch in Worms (1992), S.6-9 und Neff (1998), S.3ff beschrieben. Eine optionspreistheoretische Herleitung der Modellergebnisse liefert Mason (1998), er verwendet zur Modellierung asymmetrische Information eine Optionspreisformel f¨ ur stochastische Volatilit¨ aten, die in Hull und White (1987) und Briys et al (1998), S.244ff erl¨ autert wird.
13 Dies ist mit der Situation vergleichbar, der sich eine Bank gegen¨ ubersieht, wenn ein Neukunde einen Kredit beantragt.
4
Wobei:
• θ n = Risiko des Projekts n
• R = Ertrag
• F (R, θ n ) = Verteilung der Ertr¨ age des Projektes n
• f (R, θ n ) = Dichtefunktion der Ertr¨ age des Projektes n
Der Kredit f¨ allt aus, wenn der Ertrag des Projektes R und die hinterlegte Sicherheit C nicht ausreichen, um den Kreditbetrag und die Zinsen zur¨ uckzuzahlen.
C + R ≤ B(1 + ˆ r) (4)
Die Auszahlung an den Kreditnehmer betr¨ agt 14 :
Abbildung 1: Auszahlungsfunktion des Kreditnehmers in Abh¨ angigkeit vom Ertrag des Projektes.
14 Siehe Abbildung 1.
5
Arbeit zitieren:
Dennis Puschmann, 2001, Unvollkommene Kapitalmärkte und Kreditrationierung, München, GRIN Verlag GmbH
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