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Inhaltsangabe
1. Einleitung 3
2. „Pädagogische Strategien gegen Rechtsextremismus und Seite 4 - 14
fremdenfeindliche Gewalt - Möglichkeiten und Grenzen
schulischer und außerschulischer Prävention.“
2.1. Erklärungsansätze und Risikofaktoren für Rechtsextremismus
sowie daraus resultierende Präventionsmaßnahmen
2.2. Pädagogische Arbeit und ihre Anerkennung in der Gesellschaft
2.3. Ebenen und Zielgruppen der pädagogischen Arbeit
2.4. Schulische Konzepte
2.5. Außerschulische Konzepte
2.6. Die Theorie-Praxis-Lücke
3. AKTIONCOURAGE e.V. Seite 15 - 16
3.1. Projekt: „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“
3.2. Projekt: „Kindergarten mit Courage“
3.3. Projekt: „Das Schiff ist gekommen “
4. Auswertung 17
Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
„Der Umgang mit Neonazi-Gewalt gehört zu den ganz großen Herausforderungen, denen wir uns zur Zeit zu stellen haben“ (http://verfassungsschutz.nrw.de), so der Innenminister Dr. Fritz Behrens am 30.01.2001 in Düsseldorf. Er bezeichnet die Bilanz der rechtsextremen Straftaten im Jahr 2000 in NRW als besorgniserregend, was auch der gesamtdeutschen Entwicklung entspricht. So hat sich die Zahl der Straftaten (1450) im Jahr 2000 mehr als verdoppelt im Vergleich zu 1999 mit 710 Straftaten (vgl. Tab. 1).
Tab. 1: Entwicklung rechtsextremistischer Straf- und Gewalttaten 1991-2000
∗) Zu den Gewalttaten zählen u.a.: Körperverletzungsdelikte und Landfriedensbruch ∗∗) Die gesonderte Erfassung der entsprechenden Motiv(Tat-)bereiche wurde erst später eingeführt ∗∗∗) Zahlen bis 31.12.2000
Aus: http://www.verfassungsschutz.nrw.de
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob und welche Möglichkeiten bestehen, durch speziell entwickelte Präventions- und Interventionsmaßnahmen dem rechtsextremen Denken und Handeln schon im Kindes- und Jugendalter entgegenzuwirken. Dabei geht sie auf die verschiedenen Erklärungsansätze für das Entstehen von Rechtsextremismus, die verschiedenen Ebenen und Zielgruppen für pädagogisches Handeln und die verschiedenen Handlungsansätze ein. Diese Grundlagen werden anhand des Aufsatzes „Pädagogische Strategien gegen Rechtsextremismus und fremdenfeindliche Gewalt - Möglichkeiten und Grenzen schulischer und außerschulischer Prävention.“ von W. Schubarth erläutert.
Inwiefern die von der Wissenschaft entwickelten Präventions- und Interventionsansätze in der Praxis umgesetzt werden, wird anhand der Projekte „Schule ohne Rassismus -Schule mit Courage“, „Kindergarten mit Courage“ und dem Projekt „Das Schiff ist gekommen…“ dargestellt.
Zusätzlich werden die zahlreichen Probleme erläutert, die verbunden mit der pädagogischen Arbeit gegen Rechtsextremismus auftreten.
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2. „Pädagogische Strategien gegen Rechtsextremismus und fremdenfeindliche Gewalt - Möglichkeiten und Grenzen schulischer und außerschulischer Prävention.“
„Eine demokratisch verfasste Gesellschaft, die den Schutz der Menschenwürde zu einer ihrer vordringlichsten Aufgabe deklariert, muss sich gegen Extremismus und Gewaltganz gleich welcher Couleur - wenden und wirksame Gegenstrategien entwickeln.“ (Schubarth, S. 249)
So lautet die Forderung von Wilfried Schubarth in seinem Aufsatz „Pädagogische Strategien gegen Rechtsextremismus und fremdenfeindliche Gewalt - Möglichkeiten und Grenzen schulischer und außerschulischer Prävention.“. Er stellt die Behauptung auf, dass der seit Anfang 1990 verstärkt auftretende Rechtsextremismus - also der Rechtsextremismus seit der Wiedervereinigung - eine neue Qualität habe und sowohl die politische Kultur als auch das gesellschaftliche Klima beeinträchtige und auch entsprechend gehandelt werden müsste.
2.1. Erklärungsansätze und Risikofaktoren für Rechtsextremismus sowie daraus resultierende Präventionsmaßnahmen
Um dem Rechtsextremismus mit Erfolg entgegenzuwirken, müssen Maßnahmen dort ansetzen, wo der Rechtsextremismus entsteht, d.h. eine ursachenbezogene Prävention und Intervention ist notwendig.
Im folgenden werden zentrale Erklärungsansätze für Rechtsextremismus und die entsprechenden Konsequenzen für die Prävention dargestellt und an einer Tabelle veranschaulicht (vgl. Tab. 2). Zusätzlich werden Befunde der empirischen Rechtsextremismusforschung genannt.
Der „Autoritarismus-Erklärungsansatz“ ist ein Beispiel für eine psychologische Theorie, die sich mit dem Ausagieren eigener Aggressionen und Frustrationen gegenüber Schwächeren als Ausdruck eines „autoritären Charakters“ beschäftigt. Die Ängste, die diesen Aggressionen zugrunde liegen, müssen durch gezielte pädagogische als auch therapeutische Maßnahmen überwunden werden.
Zu den soziologischen Theorien zählt der Individualisierungstheoretische-Ansatz. Der Einzelne wird seinem eigenem Schicksal überlassen und lebt nicht mehr in traditionellen Bindungen. Es existieren keine Halt gebenden Milieus mehr. Dadurch wird Platz frei für einfache Erklärungsansätze, die über die Hautfarbe und die Nation definiert werden. Schubarth bezeichnet dies als naturvermittelte Merkmale. So überspielen dann meistens Jungen ihre Unsicherheit mit ihrer körperlichen Stärke und der Kameradschaft. Zu den Präventionsmaßnahmen zählen die Identitätsstützung, das Entgegensteuern der sozialen Desintegrationsprozesse und Alternativen zur leistungsbezogenen Anerkennung.
Als Beispiel für eine politische Theorie nennt Schubarth den Politischen Kultur-Ansatz. Traditionelle Mentalitätsbestände (Etatismus, Autoritarismus, Privatismus) werden durch auftretende politische Krisensituationen reaktiviert und können so den Rechtsextremismus beeinflussen. Die verstärkte Erziehung zur Demokratie und zur Zivilcourage durch politische Bildung und Partizipation im Alltag werden hier als Präventionsmaßnahmen genannt.
Der Konflikttheoretische Ansatz, der Geschlechtsspezifische Ansatz und der Sozialisationstheoretische Ansatz zählen zu den integrativen Ansätzen, die verschiedene Ansätze zu verbinden suchen.
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Der Konflikttheoretische Ansatz geht davon aus, dass Fremdheitserlebnisse und Konkurrenzerlebnisse als Folge der Einwanderung nicht richtig verarbeitet werden. Die Jugendlichen sehen sich als Vorkämpfer um Verteilungsungerechtigkeiten entgegenzuwirken, die ihrer Auffassung nach durch Ausländer entstehen. Der Ethnisierung sozialer Problemlagen in Richtung der Ausländer muss entgegengewirkt werden durch Information und Aufklärung. Hierbei spielen die Medien zur Meinungsbildung eine wichtige Rolle, da durch sie Vorurteile gegen Randgruppen aufgestellt und verbreitet werden. An dieser Stelle möchte ich Christoph Butterwegge zitieren, der die Rolle der Massenmedien in seinem Aufsatz folgendermaßen beschreibt: „Die modernen Massenmedien prägen in dem hier bekannten Kontext die politische Kultur der Bundesrepublik auf dreierlei Weise: Sie greifen das Thema „Migration“ auf und identifizieren bestimmte (Gruppen von) Menschen, die ihre ursprüngliche Heimat aus unterschiedlichen Motiven verlassen und nach Deutschland gelangen, als „Fremde“. Wenn diese zu Opfern rassistischer Übergriffe geworden sind, berichten die Medien darüber, wie sie die deutsche Öffentlichkeit auch über den Rechtsextremismus, seine Erscheinungsformen, Entstehungshintergründe und aktuellen Entwicklungstendenzen informieren. Schließlich beeinflussen die Medien auch das Selbstbild der Bundesdeutschen sowie den öffentlichen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess darüber, wie Einheimische und ethnische Minderheiten koexistieren (sollen), ob sich etwa das Leitbild der „multikulturellen Gesellschaft“ durchsetzt und weitere Reformen des Staatsbürgerrechts stattfinden oder auf der „Wohlstandinsel“ (West-)Europa eine Festungsmentalität um sich greift.“ (Butterwegge, S. 303) Der Geschlechtsspezifische Ansatz geht davon aus, dass der Rechtsextremismus das Ergebnis einer „gelebten Männlichkeit“ ist. Als Prävention muss eine kritische Auseinandersetzung mit den herrschenden Männerbildern und der Abbau patriarchalischer Strukturen stattfinden.
Den Rechtsextremismus als produktive Realitätsverarbeitung sieht der sozialisationstheoretische Ansatz. Die Entwicklung von sozialen Handlungskompetenzen und die Verbesserung der Lebensbedingungen bzw. der Lebensperspektiven sind die Konsequenzen für die Prävention bei diesem Ansatz.
Die empirische Rechtsextremismusforschung hat Risikofaktoren ermittelt, die rechtsextremes Denken und Handeln bewirken können. Dazu zählen
„ - Ausgrenzungserfahrungen in Kindheit und Adoleszenz, insbesondere in Familie, Schule und der Gleichaltrigengruppe,
- ein rigider, inkonsistenter und konflikthafter Erziehungsstil, - die eigene Gewaltakzeptanz und Gewaltbereitschaft, - ein problematisches Freizeit- und Konsumverhalten, - eine deviante Cliquenorientierung, - ein hoher Konformitätsdruck im Freundeskreis, - Schuldistanz und Schulprobleme,
- hoher Leistungsdruck bei gleichzeitigen Versagensgefühlen, - das Vorhandensein von Anomiegefühlen, - Konsumorientierungen bei geringen Realisierungschancen, - eine relative Statusdeprivation und -frustration und schließlich - ein Mangel an diskursiven Kommunikationsformen sowie ein unkritisches Selbstbild bei niedrigem Selbstwertgefühl.“ (Schubarth, S. 254)
Arbeit zitieren:
Claudia Rozumek, 2001, Pädagogische Präventions- und Interventionsmaßnahmen gegen Rechtsextremismus im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag GmbH
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