Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Institut für Soziologie
Proseminar: Wirtschafts- und Sozialordnung der Bundesrepublik Deutschland (Bereich: GS „Struktur und Wandel sozialer Systeme“) Sommersemester 2002
Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus
Verfasser: Ralph Panzer
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Wie bemisst man Wohlfahrt? Von Gøsta Esping-Andersen 2
2.1. Die drei Dimensionen der Wohlfahrtsstaatlichkeit 2
2.1.1. Der Grad der Dekommodifizierung 4
2.1.2. Die Art der Stratifizierung 5
2.1.3. Das Verhältnis von Markt, Staat und Familie 5
2.2. Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus 6
2.2.1. Der konservative Typ 6
2.2.2. Der liberale Typ 7
2.2.3. Der sozialdemokratische Typ 7
3. Die Entwicklung der Wohlfahrt in der Bundesrepublik Deutschland 9
4. Probleme des Wohlfahrtsstaates und Lösungsansätze zu ihrer Bewältigung 10
4.1. Arbeitslosigkeit in der deutschen Welt der Wohlfahrt 10
4.2. Herausforderungen des deutschen Wohlfahrtsstaates 11
4.3. Die Reform des deutschen Wohlfahrtsstaates 12
5. Schlussbemerkung 15
6. Literaturverzeichnis 16
Abbildung 1 Merkmale unterschiedlicher (Ideal ) Typen von Wohlfahrtsstaaten 8
1
1. Einleitung
In der Literatur über die Wohlfahrtsstaatsforschung wird vielfach über eine „Krise des deutschen Wohlfahrtsstaates“ diskutiert. Was soll das sein? Als Krise des deutschen Wohlfahrtsstaates wird ein Zustand akuter Schwierigkeiten in der Finanzwirtschaft bezeichnet. Dieser Zustand ist zur Zeit in Deutschland gegeben. Die einzelnen Probleme, die unter anderem durch einen Wandel in der Gesellschaft entstanden sind und letztendlich diese Krise ausmachen, sollen in dieser Arbeit untersucht werden. Auf Grundlage des Basistextes „Der Sozialstaat: Die deutsche Version des Wohlfahrtsstaates - Überlegungen zu seiner typologischen Verortung“ (Kohl 2000), auf dem das im Seminar gehaltene Referat aufbaute, wird im ersten Teil dieser Hausarbeit ganz allgemein das Modell von Gøsta Esping-Andersen vorgestellt. Es wird gezeigt, wo sich der deutsche Wohlfahrtsstaat in diesem Modell einordnet und worin die Unterschiede zu anderen Wohlfahrtsstaaten bestehen. Des weiteren sind dann im zweiten Teil dieser Arbeit folgende Fragen Gegenstand der Untersuchung:
1. Welche Herausforderungen und Probleme bieten sich dem deutschen Wohlfahrtsstaat? 2. Wie kann er diesen Herausforderungen gerecht werden und die Probleme lösen, bzw. welche Reformvorschläge gibt es? Und schließlich 3. Bleibt der konservative, deutsche Wohlfahrtsstaat bei der Bewältigung seiner Probleme seinem historischen Entwicklungspfad treu?
Anmerkung: Da es in der Wissenschaft keine eindeutige Trennung zwischen den Definitionen der Begriffe „Sozialstaat“ und „Wohlfahrtsstaat“ gibt, werde ich diese Begriffe im folgenden synonym verwenden.
2. Wie bemisst man Wohlfahrt? Von Gøsta Esping-Andersen
2.1. Die drei Dimensionen der Wohlfahrtsstaatlichkeit
Um zu verdeutlichen, welches Verständnis des Begriffes „Wohlfahrtsstaat“ der weiteren Betrachtung zugrunde liegt, wird die Definition des Begriffes nach Manfred G. Schmidt herangezogen. Hiernach ist der „Wohlfahrtsstaat die dem Begriff
2
Sozialstaat verwandte, neutral-beschreibende Bezeichnung für die Staatstätigkeit vor allem in wirtschaftlich hochentwickelten Ländern, die historisch als Reaktion auf Probleme entstanden, die durch Industrialisierung und Demokratisierung erzeugt wurden und die hauptsächlich darauf gerichtet sind, die Sicherheit und / oder Gleichheit der Lebensführungschancen zu gewährleisten, vor allem durch Staatsintervention in die Einkommensverteilung (insb. im Fall von Einkommensminderung oder -ausfall infolge von Alter, Unfall, Invalidität, Krankheit, Mutterschaft oder Arbeitslosigkeit) [...]“. (Schmidt 1995:1083)
In vielen Modellen von Wohlfahrtsstaatsregimes wurden häufig die Sozialausgaben herangezogen, um eine Aussage über den jeweiligen Wohlfahrtsstaat zu tätigen. Der Däne Gøsta Esping-Andersen zeigte in seiner 1990 erschienenen Studie „The Three Worlds of Welfare Capitalism“, dass die bis dahin existierenden theoretischen Modelle der Wohlfahrtsstaatsforschung mangelhaft seien. (Esping-Andersen 1990:2) In dem von ihm entwickelten Regimetypen-Konzept bezieht Esping-Andersen die politisch-ideologischen Leitvorstellungen der kollektiven Akteure, die in der Entwicklung der westlichen Wohlfahrtsstaaten geschichtswirksam geworden sind, mit ein. (Kohl 1999:113)
Esping-Andersen nimmt in seinen Untersuchungen also Bezug auf die sozialstaatliche Philosophie sowie die Ausprägungen in der Sozialpolitik, um die Wohlfahrtsstaaten zu typologisieren. Gegenstand seiner Untersuchungen sind die Wohlfahrtsstaaten Nordamerikas und Westeuropas.
Die relevanten Dimensionen, an Hand derer Esping-Andersen seine Typologisierung vornimmt, sind:
• Der Grad der Dekommodifizierung, also der Aufhebung des Warencharakters der Arbeit
• Die Art der Stratifizierung, das heißt der durch die Sozialpolitik bewirkten sozialen Strukturierung von Lebenslagen und Solidaritätsbeziehungen
• Das Verhältnis von Staat, Markt und Familie respektive die diesen Institutionen jeweils zugeschriebene Verantwortung für die Wohlfahrt der Bürger. (Kohl 2000: 123)
3
Arbeit zitieren:
Ralph Panzer, 2002, Der Fall Deutschland(s?), München, GRIN Verlag GmbH
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