Der Ansatz der Reduzierten-Syntax-Therapie (REST)
Inhalt
1 Einleitung 3
2 Agrammatismus 4
3 Reduzierte-Syntax-Therapie (REST) 6
4 Netzwerkmodell zur Satzproduktion 10
5 Der Therapieansatz REST im Netzwerkmodell 13
6 Abschließende Bemerkung 14
7 Literaturverzeichnis 16
Simon Friede 2
Der Ansatz der Reduzierten-Syntax-Therapie (REST).
1 Einleitung
Die Broca-Aphasie, als mögliche Folge eines Schlaganfalls, ist geprägt durch den Agrammatismus. Die Spontansprache der Patienten mit Agrammatismus ist gekennzeichnet durch sehr kurze Sätze und fehlende Funktionswörter sowie fehlende morphologische Angleichung (Verben werden meist im Infinitiv verwendet). Dies wird häufig auch als ‚Telegrammstil‘ bezeichnet. Der Sprachfluss ist meist stark verlangsamt, zudem treten Wortfindungsstörungen sowie phonematische Paraphasien 1 auf. Hier muss differentialdiagnostisch eine Sprech-apraxie ausgeschlossen werden, diese kann zusätzlich auch vorliegen. Das auditive Sprachverständnis auf Satzebene ist eher gering beeinträchtigt. Die Kommunikation ist häufig schwer bis mittelschwer beeinträchtigt. Die Patienten zeigen oft ein ausgeprägtes Störungsbewusstsein und empfinden einen hohen Leidensdruck. Als Läsionsorte werden die vordere Mediaastgruppe, die vordere Insel sowie die Brodmann-Areale 44/45 angegeben (vgl. Böhme, 1997; Huber et al., 2006; Huber et al., 2000; Tesak, 1997; 2001).
In der vorliegenden Arbeit werden zunächst grundsätzliche Aspekte, Symptome und Hypothesen zum Agrammatismus erläutert. Es folgt eine zusammenfassende Darstellung der Therapiemethode der ‚Reduzierten-Syntax-Therapie REST‘ zur Behandlung des schweren Agrammatismus. Anschließend wird kurz auf Netzwerkmodelle zur Satzproduktion eingegangen, deren grundsätzliche Funktionsweise erklärt und der Therapieansatz REST in das Modell eingeordnet. Am Ende steht eine kurze, zusammenfassende Abschlussbemerkung.
1 Verwechslungen, Auslassungen, Hinzufügungen und Umstellungen von Lauten im Wort Simon Friede. 3
Der Ansatz der Reduzierten-Syntax-Therapie (REST).
2 Agrammatismus
Bei Patienten mit einer Broca-Aphasie ist meist eine agrammatische Spontansprache zu beobachten. Agrammatismus kann als Oberbegriff für mehrere Symptome verwendet werden. Diese Symptome können jedoch individuell bei verschiedenen Patienten unterschiedlich stark vorhanden sein.
Häufig ähnelt die Sprechweise der agrammatischen Patienten dem Tele-grammstil. Es sind verkürzte, meist unvollständige Sätze zu beobachten. Dieser Telegrammstil wird jedoch von den Patienten nicht bewusst angewendet. Es ist davon auszugehen, dass bei den Patienten eine Störung des Sprachwissens vorliegt. Sie sind somit nicht in der Lage Sätze grammatikalisch korrekt zu planen. Bei schwerem Agrammatimus werden fast ausschließlich einzelne Inhaltswörter geäußert. Weniger deutlich treten die agrammatischen Symptome bei einer leichten Beeinträchtigungen auf, hier sind die Sätze zwar zum Teil auch noch unvollständig, aber es fehlen häufig lediglich die grammatikalischen Endungen und die Funktionswörter (Huber, Poeck & Springer, 2006, S. 42; Tesak, 1990).
Der Sprachfluss ist deutlich verlangsamt, da die Patienten häufig viel Zeit benötigen, um die Wörter bzw. den Satz zu planen, die entsprechenden Wörter abzurufen und die Artikulation zu initiieren. Hierbei zeigt sich oft eine Sprechan-strengung (Huber et al., 2006, S. 44).
Das situative Sprachverständnis ist weniger beeinträchtigt, allerdings werden Aussagen mit komplexer Satzstruktur meist nur teilweise verstanden. Auch beim Lesen und Schreiben zeigen sich die agrammatischen Symptome (Huber, et al., 2006, S. 42.)
Als weitere Symptome werden die Auslassung bzw. Unterrepräsentation von Funktionswörtern (geschlossene Wortklasse) sowie von freien und gebundenen grammatischen Morphemen beschrieben. Im Gegenzug liegt meist eine Überrepräsentation von Wörtern der offenen Klasse (Nomen und Verben) vor. Zudem kommt es zu Ersetzungen flektierter Verbformen durch Infinitive, verkürzter Satzlänge und vereinfachter Syntax. Außerdem zeigen sich Probleme mit Wortstellung und Verben. Teilweise besteht die Spontansprache aus einer Aneinanderreihung von Inhaltswörtern. Auch das mühsame Sprechen wird (wie bereits erwähnt) als Symptom beschrieben (Tesak, 1990; 1991, S. 157ff; 1997, S. 15; 2006, S. 14; Springer, Huber, Schlenck & Schlenck, 2000; Schlenck, Schlenck & Springer, 1995, S. 15).
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Der Ansatz der Reduzierten-Syntax-Therapie (REST).
Problematisch ist die Variabilität der Symptome, so dass eine ganz eindeutige, für alle Patienten zutreffende Definition nahezu unmöglich ist. Obligatorische Symptome können nur sehr schwer von fakultativen Symptomen differenziert werden (Tesak, 1990).
In der Literatur werden verschiedene Hypothesen zur Entstehung des Agrammatismus diskutiert. So werden z.B. die Ökonomisierungshypothese als Reaktion auf sprechmotorische Defizite oder auch eine Störung des Zugriffs auf bestimmte Arten von Funktionswörtern diskutiert. Desweiteren wird die Hypothese vertreten, dass der Agrammatismus auf eine zugrunde liegende phonologische Störung oder aber auf eine syntaktische Störung zurückzuführen sei. Auch die Adaptationshypothese als Anpassung der Spontansprache an eine Störung wird diskutiert (vgl. Schlenck et al., 1995, S. 16; Tesak, 1990; 1991, S. 164ff).
Der Agrammatismus lässt sich nach verschiedenen Störungsgraden einteilen. Vom schweren Agrammatismus über den mittelschweren hin zum leichten (Hegemann, 2004, S. 84).
Da der Schwerpunkt dieser Arbeit die Darstellung eines Therapieansatzes zur Behandlung des schweren Agrammatismus bildet, wird nun noch einmal speziell auf die Hauptsymptome des schweren Agrammatismus eingegangen. Springer, Huber, Schlenck & Schlenck (2000) fassen diese wie folgt zusammen:
1. Incomplete sentence structures consisting of individual content words which are linearly grouped
together on semantic grounds rather than prosody or morphology.
2. Reduced repertoire of content words exhibiting little lexical variability, mainly restricted to con-
crete nouns with high frequency.
3. Absence of morphology that is governed by syntactic agreement demands such as personal endings
on verbs or case markings on nouns and adjectives.
4. Highly limited repertoire of so-called function words consisting at most of co-ordinating conjunc-
tions or adverbs (such as German “und”, “dann”), modifying particles (such as German
“schon“) or prepositions which carry content (e.g., German “in“, “zu“).
Im Folgenden wird nun ein spezielles Therapiekonzept - die Reduzierte-Syntax-Therapie REST - zur Behandlung des schweren Agrammatismus beschrieben.
Simon Friede. 5
Arbeit zitieren:
B.Sc. Simon Friede, 2009, Therapie bei Agrammatismus: Der Ansatz der Reduzierten-Syntax-Therapie (REST), München, GRIN Verlag GmbH
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