Inhalt
1. Autismus und Kommunikation - ein Widerspruch? 03
1.1. Was heißt Autismus? 0 3
1.1.1. Medizinische Kriterien 04
1.1.2. Ätiologien 05
1.2 Was heißt Kommunikation? 0 6
1.2.1. Sprachliche Kommunikation 06
1.2.2. Nichtsprachliche Kommunikation 07
1.2.3. Gestützte Kommunikation nach Crossley 09
2. Gestützte Kommunikation und die Kontroverse 1
2.1. Standpunkte und kontrollierte Studien 12
2.1.1. Die Münchner Studie von Bundschuh und Basler-Eggen 14
2.1.2. Metaanalyse amerikanischer Studien nach Biermann 15
2.2. Diskussion der Studien und ihrer Ergebnisse 16
3. Erklärungsbausteine zu FC-Phänomenen 19
3.1. Verdeckter Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen 19
3.1.1. Kompensation: Vorstellungsschemata und Sprachschemata 19
3.1.2. Lesenlernen durch Berieselung 20
3.1.3. Innere Sprache als Brücke zwischen Denken und Äußerung 22
3.1.4. Innere Sprache über neuropsychologische Umwegprozesse 23
3.2. Mögliche Wirkungen von Stützung und Nähe 25
3.2.1. Stützung als krankengymnastische Intervention 26
3.2.2. Psychologie der Wechselwirkung von Nutzer und Facilitator 27
A. Der Clever-Hans-Effekt und ähnliches 27
B. Das Dialogische Prinzip 27
C. Social Facilitation 28
D. Behavioristisches, NLP 29
E. emotionale und verbale Stützung 29
3.2.3. Stützung als strukturelle Koppelung von Systemen 30
A. körperliche und psychische Grenzen 30
B. Zeitstrukturen 32
3.2.4. Verstehende Ansätze: Phänomenologie und Anthroposophie 34
4. Schlusswort 3 8
5. Literaturverzeichnis 39
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1. Autismus und Kommunikation - ein Widerspruch?
Medizinische Klassifikationen beschreiben als zentrales Merkmal der autistischen Störung die schwere Beeinträchtigung kommunikativer und sozialer Fähigkeiten - müsste es dann nicht besser heißen: Autismus oder Kommunikation?
Dass dem nicht so ist und viele vernachlässigte alltägliche und auch spezielle Kommunikationsmodalitäten und -methoden dennoch einen Kontakt mit autistischen Menschen ermöglichen, dass autistische Menschen, wenn auch in zunächst oft unverständlicher Weise, teilweise recht aktiv kommunizieren können - und wollen (HEYDER 1999, 147) wird im Folgenden ersichtlich.
1.1. Was heißt Autismus?
Hört man den Begriff Autist, tauchen manchmal Bilder von in Ecken kauernden, schreienden, sich selbst rhythmisch schlagenden, völlig unzugänglichen und irgendwie befremdlichen menschlichen Wesen auf. Es gibt tatsächlich autistische Menschen mit solchen Symptombildern, doch den typischen Autisten stellen sie nicht dar - ganz einfach, weil es den typischen Autisten nicht gibt, da es sich um eine Spektrumserkrankung mit einer hohen Variationsbreite des Verhaltensspektrums handelt (KPM 2001, 18, 23, 27). Autismusgenauer: die autistische Störung - ist eine tief greifende Entwicklungsstörung, eine qualitative Veränderung der neurologisch-psychischen Entwicklung, die bereits in der frühen Kindheit auftritt und die ganze Persönlichkeit betrifft. Autismus ist keine Verzögerung oder Retardierung einer sonst normalen Entwicklungsfolge wie z.B. eine geistige Behinderung (Defizit- versus Differenz-Hypothese in HETTINGER 1996, 157f.). Eine solche kann allerdings dem reinen Autismus überlagert sein, was je nach Ausmaß auch die Kompetenzen der Betroffenen und damit - neben den Veränderungen mit dem Lebensalter - die je individuellen Erscheinungsformen der Störung bestimmt (zusammengesetzt aus spezifischen und variierenden Merkmalen).
Als spezifisches Charakteristikum geben KUSCH&PETERMANN (2001, 22f.) eine allen Formen zugrunde liegende autistische soziale Dysfunktion an, die sich beispielsweise darin äußert, dass autistische Kinder kaum absichtsvoll kommunikativ interagieren, sondern Menschen wie Gegenstände und Gegenstände mit ungewöhnlicher Hingabe behandeln (hier scheint die Kontrollierbarkeit der Gegenstände und damit die Selbstdosierung des sensorischen Inputs eine Rolle zu spielen; KPM 2001, 113). Auch scheinen die Fähigkeit, sich in die Lage Anderer hinein zu versetzen, also die soziale Reziprozität bzw. die theory-of-mind (BARON-COHEN 1989) und triadische Interaktionen (wie die gemeinsame Aufmerksamkeit für ein Objekt oder eine Handlung) beeinträchtigt oder ganz zu fehlen (MUNDY&SIGMAN 1989 in KPM 2001, 108).
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Als allgemeine Kennzeichen einer autistischen Störung werden noch angegeben: kognitive Auffälligkeiten (Inselbegabungen), Auffälligkeiten der Körperhaltung und Motorik (Stereotypien, Zehenspitzengang), sonderbare Reaktionen auf sensorische Reize (Hyper- oder Hyposensibilität, Faszination), Stimmungsauffälligkeiten (Ängste, Labilität, Indolenz), selbstverletzendes Verhalten (Kopfschlagen, Handbeißen), stark verändertes Spielverhalten (keine symbolischen Spiele) sowie Sprachauffälligkeiten (mangelhafte Pragmatik, irrelevante und akontextuelle Rede).
Im Kern handelt es sich also um eine schwere Störung sozial-kommunikativen Verhaltens, die alle Bereiche des Lebens betrifft und lebenslang andauert. Dennoch sind therapeutische Bemühungen nötig und hilfreich. Die autistische Störung betrifft etwa 4-5 von 10.000 Kindern, Jungen 3-4 mal häufiger als Mädchen. Nur 1-2% aller von Autismus Betroffenen führen als Erwachsene ein mehr oder weniger selbständiges Leben, Ehen oder Partnerschaften sind wegen der grundsätzlichen Schwierigkeit, mit anderen in Beziehung zu treten, meist nicht möglich. Über die Hälfte der Betroffenen bleibt stets auf fremde Hilfe angewiesen, viele werden langfristig in Institutionen untergebracht. In etwa einem Drittel der Fälle von frühkindlichem Autismus kommt es in der Adoleszenz auch zu epileptischen Anfällen (REMSCHMIDT 2000, 40).
1.1.1. Medizinische Kriterien
Als erste haben KANNER (1943) und ASPERGER (1944) unabhängig voneinander das autistische Störungsbild bei Kindern beschrieben. Damals als autistische Psychopathie klassifiziert, verwendet man heute die Bezeichnung tief greifende Entwicklungsstörungen. Autismus fällt damit in die gleiche Kategorie wie z.B. die Anorexia Nervosa (PSCHYREMBEL 1994). Autismus ist qualitativ grundsätzlich zu trennen von geistiger Behinderung, es gibt im Gegenteil durchaus intelligente Autisten. Heute haben sich als international anerkannte medizinische Klassifikationsinstrumente bzw. Diagnoseschemata das Diagnostical and Statistical Manual of Mental Disorders (aktuell: DSM IV) der American Psychiatric Association (APA), sowie die International Classification of Diseases (aktuell: ICD 10) der WHO als Standards durchgesetzt. Ich beschränke mich hier auf einen Ausschnitt aus dem DSM IV (1995): Dort wird die autistische Störung unter der Nummer 299.00 geführt, abgegrenzt z.B. von der Asperger-Störung (wobei Existenz und Verlauf von Trennungslinien - auch zum High-Functioning-Autismus - umstritten sind: REMSCHMIDT 2000, 47).
Für eine Diagnose der autistischen Störung muss eine bestimmte Anzahl an Kriterien in folgenden Dimensionen zutreffen:
1. qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion
2. qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation
3. beschränkte, repetitive und stereotype Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten.
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4. Zudem muss die Störung vor Vollendung des dritten Lebensjahres begonnen haben und nicht besser durch andere Störungsbilder erklärbar sein (DSM IV, 1995). Zur praktischen Diagnostik wurden zahlreiche Testverfahren und Beobachtungsmethoden entwickelt. Erwähnt sei hier lediglich exemplarisch die Checklist for Autism in Toddlers (CHAT) von BARON-COHEN et al. (1992). Sie enthält 15 Items (Fragen und Beobachtungspunkte, z.B. nach dem Zeigeverhalten), die von den Eltern und dem Arzt oder Therapeuten zu bearbeiten sind und erlaubt eine Diagnose bereits ab dem 18. Lebensmonat. Zur Vertiefung von diagnostischen Fragen siehe z.B. KPM 2001, 36, 201ff. oder REMSCHMIDT 2000, 20f.
1.1.2. Ätiologien
Die Genese der autistischen Störung ist nicht endgültig geklärt.
KUSCH&PETERMANN (2001, 17) glauben, dass eine Störung vorliegt, "an der genetische Faktoren klar mitbeteiligt sind, wobei von einer großen genetischen Heterogenität innerhalb des Autismusspektrums und einer klaren Mitbeteiligung von Umwelteinflüssen auszugehen ist."
Genetische Faktoren reichen zu einer Erklärung der verschiedenen Phänotypen also nicht aus, zahlreiche Modulationen über prä- und postnatale biopsychosoziale Transaktionen (prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Bedingungen) spielen entscheidende Rollen und prägen dann entsprechende neuropsychologische und Verhaltensstrukturen (KPM 2001, 57f).
Rein psychogenetische oder psychoanalytische Theorien konnten zur primären Ursachenklärung nicht wesentlich beitragen, behalten aber meines Erachtens ihre Berechtigung für spätere Entwicklungsphasen: Bei autistischen Kindern kann schon sehr früh eine problematische Psycho- und Beziehungsdynamik entstehen, die artifizielle Symptome, also auch psychogene Störungen, induzieren kann, die sich dann den primären, korrelierten und sekundären Symptomen überlagern (nach PENNINGTON in KPM 2001, 43). Die verschiedenen existierenden ätiologischen Theorieansätze lassen sich grob in folgende Klassen einteilen:
1. genetische, biochemische und neurobiologische Modelle
2. neuropsychologische Modelle
3. kognitiv-emotionale, sozial-kognitive und psychologische Modelle
4. sozial-interaktionale und ökologische Modelle
5. phänomenologische und transzendentale Modelle
6. polyätiologische, komplexe Modelle (z.B. das "ätiopathogenetische Modell" in KPM 2001, 119ff.)
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Je nach Modell oder Systemebene ergeben sich unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche für Medizin, Psychologie, Pädagogik oder Philosophie.
Therapieansätze für die autistische Störung folgen aus Ätiologien und aus entsprechender Förderdiagnostik. Bis heute haben sich vor allem integrierte, ganzheitliche und individualisierte Interventionsformen etabliert, die häufig das häusliche Umfeld mit einbeziehen (REMSCHMIDT in BVB 2000, 58ff.). Es sind verhaltenstherapeutische, strukturierende, kognitive, psychologische, sensomotorische, neurosensorische und andere Ansätze in einem breiten Spektrum vertreten. Da eine Auseinandersetzung mit den vielfältigen Verfahren nicht Thema dieser Arbeit ist, kann ich aus Platzgründen nicht näher darauf eingehen (zur Vertiefung siehe z.B. REMSCHMIDT 2000, 36-40 oder KPM 2001, 221ff.).
1.2. Was heißt Kommunikation?
Ich betrachte nach SAUTTER (1995, 6) Kommunikation als Teilmenge von Interaktion, nämlich als diejenigen zwischenmenschlichen Handlungen, die in unmittelbarem face-to-face-Kontext ausgeführt werden, während Interaktion auch die mittelbaren Handlungen mit einbezieht (z.B. Mediengebrauch). Eine Mitteilungsabsicht ist nicht notwendig. Man erkennt hier die Allgegenwärtigkeit kommunikativer Akte und ihrer (sozialen) Deutung. Die gesamte menschliche Lebenswelt ist von Kommunikation durchdrungen, sie ist überhaupt erst konstituiert durch (direkte und mittelbare) Kommunikation und Interaktion. Kommunikation "gehört zu den grundlegenden Organisationsprinzipien menschlichen Lebens" (HARTMANN&JAKOBS 1993, 37), sie ist ein Grundbedürfnis und ein Menschenrecht (CROSSLEY 1997, 99, 148) und findet in allen Modalitäten statt. WATZLAWICK et al. (1974) teilen diese Modalitäten in analoge (entsprechend dem Beziehungsaspekt) und digitale (entsprechend dem Inhaltsaspekt), die sich in nicht-sprachlicher und sprachlicher Kommunikation finden.
1.2.1. Sprachliche Kommunikation
Fast alle autistischen Menschen (97,5%) weisen Sprachstörungen auf (KPM 2001, 191). Hier könnte also ein großes Betätigungsfeld für sprachtherapeutische Interventionen vorliegen. Allerdings scheinen klassische logopädische und ähnliche Bemühungen um die Lautsprache bei autistischen Menschen meist wirkungslos bis schädlich zu sein, vor allem externe Therapien. Am ehesten wirksam sollen Interventionsformen sein, die Zuhause integriert werden können (HEYDER 1999, 158f.).
Die negativen Erfahrungen haben wohl damit zu tun, dass bei autistisch behinderten Personen keine motorischen, artikulatorischen oder lerntheoretisch begründbaren Sprechhindernisse vorliegen, wie sich an der selbst bei vollständigem Mutismus auftretenden Spontansprache
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zeigt (HEYDER 1999, 69; SELLIN 1993, 24), sondern eher tiefer liegende Strukturierungs-und Verarbeitungsstörungen und eine generell veränderte kommunikative Entwicklung (HETTINGER 1996, 206ff.). Bei sprechenden autistischen Personen liegen Sprachstörungen dementsprechend vor allem in der Pragmatik: Verwechslung von Pronomina, akontextuelle und nichtdialogische Sprache, Stereotypien, Echolalien, Perseverationen, Monotonie, Neologismen u.a.
In einigen Fällen viel versprechend könnte die McGINNIS-Assoziationsmethode (HEYDER 1999, 158; BAUERNFEIND 2003; KEGEL 1999) sein, die Lautsprachaufbau von der geschriebenen Sprache her angeht, also den herkömmlichen Prozess umkehrt. KEGEL (1999, 5) und HEYDER (1999, 148) berichten von Olaf, einem 9jährigen sprechunfähigen autistischen Jungen, der nach eineinhalb Jahren Training quanten-sprungartig zu einer praktikablen Lautsprache gelangte.
Es gibt aber auch, wie bereits angedeutet, einen großen Kreis von Betroffenen, für den die Lautsprache nicht erlernbar oder anwendbar ist.
Zur Unterstützung von kommunikativ schwer beeinträchtigten Personen dienen alternative und unterstützende Kommunikationsmethoden (alternative and augmentative communication, ab hier auch: AAC), z.B. verschiedene nonverbale Sprachen, die vielfältig eingesetzt werden können. Am meisten bekannt sind wohl die internationalen Gebärdensprachen (DGS, ASL, BSL), die inzwischen als vollwertige und natürliche Sprachen anerkannt sind (GANGKOFER 1995, 96). Speziell bei autistischen Personen zeigen sich allerdings Probleme im Spontangebrauch von Gesten und Gebärden (HETTINGER 1996, 235). Daneben gibt es verschiedene Symbolsprachensysteme wie z.B. das BLISS-System, das eine differenzierte Schriftsprache mit eigenem (pictografischem) Vokabular und eigener Syntax darstellt. Man kann hier auf entsprechende Symbolkarten deuten, sie zu Sätzen zusammen legen oder die Symbole wie eine Schriftsprache schreiben.
Es zeigt sich, dass die Nutzung von AAC in vielen Fällen einen positiven Einfluss auf das Erlernen und die Verwendung von Lautsprache hat (GANGKOFER 1995, 92). Ein "orales Dogma" (Vorrang der Lautsprache) hingegen scheint eher schädlich zu sein und kann sogar Kommunikation zerstören, wie GANGKOFER (1995, 98ff.) zeigt.
1.2.2. Nichtsprachliche Kommunikation
JANETZKE (1995, 107) betont, dass "in einem Zuwachs von Laut- oder Schriftsprachzeichen [...] die Verbesserung sozialer Beziehungen durchaus nicht eingeschlossen" ist. Da nach WATZLAWICK (in RECHT 1995, 24) der Beziehungsaspekt von Kommunikationen über analoge Modalitäten gestaltet wird, verwundern diese Aussagen nicht. Den Beziehungsaspekt betrachtet WATZLAWICK auch als Metakommunikation. Sie geschieht über Mimik, Gestik, Paralinguales, Blicke, Körperhaltung, Nähe und auch über symbolische Äußerungsmodi (z.B. Blumen). HARTMANN&JAKOBS (1993, 36f.) zeigen, dass "Metakommunikation ohne
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wesentlichen Inhalt eine bedeutsame Funktion für das psychische Überleben [...] hat." Damit überhaupt so etwas wie Kommunikation entstehen kann, ist also basale Beziehungsaufnahme jenseits der digitalen Ebene sowie deren Aufrechterhaltung nötig. Wesentlich ist nun, dass im Umgang mit kommunikativ stark eingeschränkten Menschen kaum eine
"Selbstverständlichkeit" greift. Empathie ist hier nicht einfach über gemeinsam geteilte Verhaltens-, Symbol- und Wissensbestände, Reziprozität oder Handlungsroutinen herzustellen (KPM 2001, 29), sondern nur über intensive, reflektierte Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten (und Beschränkungen) des Anderen - und reziprok auch den eigenen. Es geht also um eine bewusste Anbahnung und Erweiterung einer Kommunikation ohne Voraussetzungen, von basaler Kommunikation (MALL 2001).
Nach MALL (2001) ist jede wechselseitige Einflussnahme zweier Partner Kommunikation. Alle Äußerungen werden grundsätzlich als funktional oder als kommunikative Angebote betrachtet (HEYDER 1999, 147; HETTINGER 1996, 55). Um einen Kontaktprozess in Gang zu bringen, gilt es, ein passendes Tun zu finden, das der Partner registrieren und beantworten kann, beispielsweise physiologische Signale wie die Imitation seines Atems, seiner Stereotypien oder auch seiner Schreie ("Schreidialog" in HARTMANN&JAKOBS 1993, 43). Man holt ihn da ab, wo er sich befindet, ohne Voraussetzungen. HARTMANN&JAKOBS (1993, 38) nennen dies das Finden einer gemeinsamen Sprache. Sie begreifen Kommunikation als die wechselseitige Abstimmung der verschiedenen inneren Dialoge der Partner, also der innerlich auftauchenden Gedanken, Bilder und Gefühle mit der "Sprache" und dem Thema des Gegenüber. Dies wird als Dialogisches Prinzip bezeichnet, das jeder echten Kommunikation zugrunde liegt. Das Dialogische Prinzip wirkt immer und überall in Kommunikation jeder Art, bewusst oder unbewusst, auch im Nicht-Gelingen - es stellt quasi eine basale Unterschichtung von digitaler (symbolischer, sprachlicher und auch gestützter) Kommunikation dar.
Das Augenmerk muss im Falle schwer kommunikationsgestörter Menschen gerade der analogen und nichtsprachlichen Kommunikation gelten, die immer Gefahr läuft, übersehen oder ausgeblendet zu werden (JANETZKE 1995, 106). Man stellt andersherum häufig fest, dass selbstverletztendes Verhalten und Stereotypien mit zunehmender (störungsangepasster) Kommunikation abnehmen (JANETZKE 1995, 110; HETTINGER 1996, 155f.). Will man auch einfache Mitteilungen ermöglichen, wie z.B. die Äußerung von Wünschen, bedarf es dazu bei schwer kommunikationsgestörten Menschen alternativer Kommunikationsmedien (AAC), welche die Inhaltslosigkeit basaler Kommunikation überschreiten. Ein gegenwärtig in Deutschland relativ neues Medium dieser Art ist beispielsweise das Picture Exchange Communication System (PECS) der Amerikanerin Lori FROST (FROST&BONDY 1994): PECS arbeitet damit, dass dem Kommunikationspartner Symbolkarten physisch überreicht werden. Nach BUCHENAU&LECHMANN (2003) dient dies der Unabhängigkeit von intentionaler Annäherung an einen Partner und verbaler
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Arbeit zitieren:
Matthias Wenke, 2003, Autismus und Kommunikation - Gestützte Kommunikation und die Kontroverse, München, GRIN Verlag GmbH
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Marion müller
Frage.
hallo,wie war der Ablauf des Studiums,welche Aufnahmebedingungen,wo kann ich diese Infos bekommen.Ich begleite zwei gehörlose Autisten und möchte nebenberuflich studieren.Für Infos bin ich dankbar. gruss MM
am Thursday, November 04, 2004-