Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Kinder- und Jugendparlamente 4
3 Vor- und Nachteile von Kinder- und Jugendparlamenten 5
3.1 Kinder- und Jugendparlamente als Prävention 5
3.2 Anerkennung und Selbstwertgefühl der Teilnehmer 6
3.3 Frustration durch mangelnde Anpassung an Bedürfnisse der 7
Teilnehmer
3.4 Frustration durch Überforderung 8
3.5 Gefahr der Instrumentalisierung des Jugendparlaments 10
3.6 Soziale Selektion der Teilnehmer 11
3.7 Vorwurf der Ineffizienz 12
4. Fazit 14
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Ein wesentlicher Kritikpunkt des 1991 in Kraft getretenen KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) besteht darin, dass den Eltern, besonders im ersten Entwurf, eine zu starke Position eingeräumt werde. Hierbei ist von einem Spannungsverhältnis zwischen Eltern- und Kinderrechten die Rede. Den Kindern wird eine Schutzwürdigkeit und eine Förderungsnotwendigkeit zugesprochen, womit gleichzeitig die Rechte der Eltern gestärkt werden. (vgl. Bartscher u.a. 2002, S. 1056) Kinder gelten rechtlich gegenüber Erwachsenen als gleichwertige Menschen (vgl. SOS-Kinderdorf e.V. 2007). Gleichzeitig sind sie jedoch von ihnen abhängig, sind auf deren Schutz angewiesen und haben sogar ein Recht darauf, dass die Erwachsenen diese Verantwortung wahrnehmen (vgl. ebd.). Es entsteht so ein Spannungsverhältnis zwischen der rechtlich gesicherten Gleichstellung und der rechtlich gesicherten Schutzwürdigkeit der Kinder (vgl. ebd.).
Im Laufe der Jahre wurde versucht, dieses Spannungsverhältnis aufzuweichen und §8 KJHG wurde eingeführt, der den Kindern Beteiligung an allen sie betreffenden Entscheidungen zusichern sollte (vgl. Bartscher u.a. 2002, S. 1056). Münder ist jedoch der Auffassung, dass Kinder und Erwachsene weder gesetzlich noch praktisch gleichgestellt werden können und fordert stattdessen, dieses Spannungsverhältnis konstruktiv zu nutzen. Unter anderem schlägt er hierzu eine stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil und in der Kommune vor. (vgl. Bartscher u.a. 2002, S. 1057)
Eine Möglichkeit der regionalen politischen Partizipation von Kindern und Jugendlichen sind Kinder- und Jugendparlamente, welche bereits vielerorts eingerichtet worden sind. Es stellt sich jedoch die Frage, ob diese Form der Partizipation wirklich sinnvoll ist und ob eine echte Partizipation auf diesem Wege überhaupt möglich ist. Nach einer kurzen Vorstellung der Institution Kinder- und Jugendparlament werde ich daher im Folgenden zunächst erörterten, welche Vorteile sich für Kinder und Jugendliche, sowie den Rest der Gesellschaft ergeben, wenn in der Kommune ein solches Parlament eingerichtet ist. Anschließend gilt es jedoch auch Risiken und Nachteile zu betrachten, die sich ergeben könnten. Ich gehe hierzu zunächst auf Nachteile ein, die sich für die abgeordneten jungen Menschen ganz persönlich ergeben könnten, bevor ich Argumente erörtere, die die Institution Kinder- und Jugendparlamente an sich als Mittel zur Partizipation in Frage stellen. Zum Schluss werde ich diese Argumente in
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einem Fazit gegeneinander abwägen und beurteilen, ob Kinder und Jugendparlamente aus meiner Sicht als sinnvolles Mittel der Partizipation junger Menschen angesehen werden können, um diesen mehr Mündigkeit gegenüber den Erwachsenen zu ermöglichen. 2. Kinder- und Jugendparlamente
Der Elfte Kinder- und Jugendbericht ordnete 2002 unter dem Titel „Neue Beteili-gungsformen“ die verschiedenen Beteiligungsformen in die Kategorien Repräsentative Formen, Offene Formen und Projektorientierte Formen ein, wobei Kinder- und Jugendparlamente zu den Repräsentativen Formen gezählt werden (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2002). Kinder- und Jugendparlamente sollen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, rechtlich abgesichert demokratisches Handeln zu erproben und bei der Gestaltung ihrer Lebenswelt aktiv mitzuwirken, bzw. mitzubestimmen (vgl. Hafeneger/Niebling 2008, S. 124f). Diese institutionalisierte kommunalpolitische Partizipati-onsform ist in Deutschland seit 1985 vielerorts eingerichtet worden, jedoch nicht flächendeckend und ohne eine einheitliche, aufeinander abgestimmte Konzeption (vgl. Burdewick 1999, S. 416). Allen gemein ist jedoch, dass die Verfahrensweisen meist eng an denen der jeweiligen Stadt- bzw. Gemeinderäte orientiert sind. Die Kinder und Jugendlichen bekommen es also unmittelbar mit den Regeln und Verhaltensweisen der parlamentarischen Kultur zu tun (vgl. Hafeneger/Niebling 2008, S. 125). Bei den Abgeordneten handelt es sich meist um Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 21 Jahren, die durch geheime Wahlen gewählt werden (vgl. Burdewick 1999, S. 416). Oft findet diese Wahl innerhalb von Schulen statt, was in den meisten Fällen eine erheblich höhere Wahlbeteiligung als bei außerschulischen Wahlen zur Folge hat (vgl. Hermann 1997, S. 317). Im Hinblick auf die Ziele, die mit der Einrichtung von Kinder- und Jugendparlamenten verfolgt werden, besitzen diese Parlamente eine Doppelfunktion: Zum einen soll jungen Menschen eine Gelegenheit zur Artikulation ihrer Interessen und Wünsche gegeben werden, zum anderen sollen sie mit politischen Prozessen und Konfliktbewältigungsstrategien sowie Kenntnissen der parlamentarischen Demokratie vertraut gemacht werden (vgl. Hafeneger/Niebling 2008, S. 125). Oft steht ihnen hierzu sogar ein eigener Etat zu Verfügung. So verfügt das Jugendparlament der Stadt Hattersheim am Main über einen jährlichen Betrag von
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2.500€, über den es selbst entscheiden kann (vgl. Stadt Hattersheim am Main). Übersteigen Anträge diesen Etat, befassen sich Magistrat bzw. die Stadtverordnetenversammlung mit ihnen (vgl. ebd.). 3. Vor- und Nachteile
In der Literatur der letzten 25 Jahre lassen sich äußerst konträre Positionen bezüglich der Institution Kinder- und Jugendparlament finden. Im Folgenden soll ein Überblick über Argumente gegeben werden, die für und gegen diese Partizipationsform sprechen. Ich beginne hierbei mit den Argumenten, die die Einrichtung von Kinder-und Jugendparlamenten bestärken. Anschließend erläutere ich Nachteile und Gefahrenpotentiale, die sich aus dieser Partizipationsform ergeben könnten.
3.1 Kinder- und Jugendparlamente als Prävention
Partizipation gilt als eine wirkungsvolle Möglichkeit der Prävention unterschiedlichster Art. So verspricht man sich von der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Planung von öffentlichen Einrichtungen weniger Vandalismus und Verschmutzung (vgl. Olk 2007, S. 97). Einen solchen Effekt könnten Kinder- und Jugendparlamente haben. Es kommt durch diese zu einer aktiven und direkten Beteiligung bei der Planung und Umsetzung von Einrichtungen und anderen Projekten im direkten Umfeld der Kinder und Jugendlichen. Gleichzeitig findet durch die aktive Teilnahme an der Demokratie eine Identifikation mit ihr statt, was der Bildung von demokratiefeindlichen Ideologien entgegenwirkt. Das Engagement in einem Kinder- und Jugendparlament wäre für einen Jugendlichen somit gleichzeitig politische Bildung und Identifizierungsprozess mit dem Staat und den Projekten, an denen das Parlament beteiligt ist. Vorraussetzung ist hierzu natürlich eine positive Erfahrung mit dem Gremium, denn nur dann kann das Gefühl entstehen, mündig zu sein. Dies birgt ein großes Präventionspotential, denn wenn Kinder und Jugendliche das Gefühl bekommen, keine Stimme zu haben und nicht an der Welt beteiligt zu sein, wächst ihre Gewaltbereitschaft (vgl. Olk 2007, S. 98). Durch Beteiligungsprojekte erhofft man sich daher, Kinder und Jugendliche dazu zu bringen, die Werte und Normen der Gesellschaft zu respektieren und zu verinnerlichen (vgl. Olk 2007, S. 99). Dies soll nach Olk eintreten, indem die Kinder und Jugendlichen sich aufgrund positiver Erfahrun-
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Arbeit zitieren:
Sebastian Thielen, 2010, Sind Kinder- und Jugendparlamente ein sinnvolles Mittel der Partizipation, um das Spannungsverhältnis zwischen Eltern- und Kinderrechten aufzuweichen?, München, GRIN Verlag GmbH
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