Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung und Aufbau des Essays 2
2. Konstruktivismus und soziologische Erklärungsansätze in Bezug auf IB 2
3. Bewerber - Mitglieder - EU 3
4. Gründe für die Süderweiterung der EG 4
5. Politische Identität: Demokratie in den Römischen Verträgen 4
6. Vom Assoziierungsabkommen bis zum EG-Beitritt Griechenlands 5
7. Fazit: Der EG-Beitritt Griechenlands aus moderat konstruktivistischer Perspektive 6
8. Quellen 7
Der (Sozial)Konstruktivismus in der EU-Erweiterungstheorie - Am Beispiel des Beitritts von Griechenland
1. Fragestellung und Aufbau des Essays
In diesem Essay soll analysiert werden, inwieweit der griechische Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft (EG) 1 mit der Theorie des (Sozial)Konstruktivismus erklärt werden kann. Dazu werden erst die Begriffe Konstruktivismus und Sozialkonstruktivismus in internationalen Beziehungen (IB) definiert. Danach werden auf die verschiedenen Dimensionen, die bei EU-Erweiterungen jeweils eine Rolle spiel(t)en eingegangen, d.h. welche Rolle dabei den Bewerbern, den bestehenden Mitgliedern sowie der Europäischen Union (EU) selbst zukommt. Um die eingangs gestellte Frage beantworten zu können, soll dann der Beitritt Griechenlands unter konstruktivistischer Perspektive betrachtet werden.
2. Konstruktivismus und soziologische Erklärungsansätze in Bezug auf IB
Der Konstruktivismus ist eine Meta-Theorie der IB, d.h. es geht um ontologische und epistemologische Grundannahmen und nicht um fundierte theoretische Aussagen. Eine konstruktivistische Perspektive vermag deshalb keine direkten Aussagen über die Organisation, den Verlauf und das Ergebnis von IB zu machen (Schwellnus 2006: 322f). Die ontologische Grundannahme in Bezug auf IB ist, dass die Wirklichkeit idealistisch und sozial konstruiert ist. Bei der epistemologischen Grundannahme geht es darum, wie die Erkenntnis oder das Wissen über die Beschaffenheit der Welt gewonnen wird. Diese Wissensgenerierung kann in Bezug auf die IB entweder moderat und positivistisch oder radikal und interpretativ gedeutet werden (Ulbert 2005a: 1). In diesem Essay soll nun auf den moderaten, positivistischen Konstruktivismus von IB eingegangen werden.
Der moderate oder auch als konventionell bezeichnete Konstruktivismus wird auch als Sozialkonstruktivismus bezeichnet (Ulbert 2005b: 12f). Beim Sozialkonstruktivismus geht es insbesondere um die Frage, wie gesellschaftliche Ordnung entsteht. Allgemein wird die These vertreten, dass die Gesellschaftsordnung ein Produkt von Menschen ist, die ständig neu produziert wird. Dabei geht es um die Beschreibung von Institutionen oder auch um die Beschreibung des Handelns solcher Institutionen und nicht um die Untersuchung von Ursachen und Wirkungen (Weller 2005: 47). Die positivistische Position der Erkenntnisgewinnung geht davon aus, dass die (politische) Welt unabhängig von wissenschaftlichen Theorien existiert, aber sie sich mithilfe objektiver (meta-theoretischer) Kriterien erklären lässt (Hänggi 1998: 5). Weil man den moderaten Konstruktivismus eben auch Sozialkonstruktivismus nennt, werde ich im weiteren Verlauf
1 Hier wird die EU (Europäische Union) noch als EG (Europäische Gemeinschaft) bezeichnet, da dies 1981, beim
Beitritt Griechenlands, die damals verwendete Bezeichnung für die heutige EU war. Erst 1992 wurde die EG zur EU,
als die Aufgabenstellung der Gemeinschaft erweitert wurde.
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Der (Sozial)Konstruktivismus in der EU-Erweiterungstheorie - Am Beispiel des Beitritts von Griechenland des Essays von Konstruktivismus sprechen. Dabei ist immer ausschliesslich der Sozialkonstruktivismus in IB gemeint.
Der Konstruktivismus setzt voraus, dass IB soziale Konstruktionen sind, d. h. sie funktionieren auf der Basis von Entscheidungen, die von einer Gruppe von Menschen getroffen werden und sie sind deshalb immateriell. Der Idealtyp des Konstruktivismus ist geprägt von einer sozialen und einer ideellen Ontologie. Dabei werden die IB als eine soziale Konstruktion von Strukturen und Akteuren angesehen. Die Akteure handeln aus der Logik der Angemessenheit und des Argumentierens. Angemessen ist, was als soziale Normen und Werte festgelegt wurde. Die Normen und Werte sind aber auf keinen Fall statisch und können mit der Zeit von der Gemeinschaft verändert werden. In einer konstruktivistischen Perspektive gestalten die beteiligten Institutionen die Identitäten und Interessen der Akteure. Sie fördern die Bedeutung von Rechten und Pflichten in der Gemeinschaft. Die einzelnen Akteure passen sich dem institutionell vorgeschriebenen Verhalten, im Rahmen von normativen Verpflichtungen und Gewohnheiten an und die internationale Organisation bildet und repräsentiert die Gemeinschaft (Schimmelfennig&Sedelmeier 2005: 10f).
3. Bewerber - Mitglieder - EU
Erweiterungsprozesse sind immer mehrdimensional. Im Fall einer EU-Erweiterung werden die Erweiterungspolitiken der Bewerber, der Mitgliedstaaten sowie der EU selber beachtet (Schimmelfennig&Sedelmeier 2002: 504). Bei der Erweiterungspolitik der Bewerber stehen die Fragen, warum und unter welchen Bedingungen Nichtmitglieder Anschluss an regionale Organisationen suchen im Zentrum. Die zentrale Frage, die bei der Erweiterungspolitik der Mitglieder besteht, ist, unter welchen Voraussetzungen sie der Erweiterung auf einen bestimmten Staat zustimmen oder diese ablehnen. Und bei der Erweiterungspolitik der EU geht es schliesslich um die Frage, unter welchen Voraussetzungen die regionale Organisation neue Mitglieder zulässt oder ob sie die institutionellen Beziehungen mit Nichtmitgliedern ändert (ibid.: 504f).
Die Hypothesen für eine soziologische Erklärung von Erweiterung beginnen auf organisatorischer Ebene. Die Bewerber und Mitglieder konstruieren sich und die gemeinsame Beziehung auf der Basis von Ideen, Identitäten und Normen, die von der Gemeinschaft durch Interaktion und Kommunikation definiert werden und die später durch die internationale Organisation repräsentiert werden (Schimmelfennig&Sedelmeier 2005: 14; Schwellnus 2006: 324). Ob die Bewerber- und Mitgliederstaaten eine Erweiterung anstreben, hängt davon ab, wie hoch der Grad an Gemeinschaft zwischen ihnen ist. Die konstruktivistische Perspektive ist, in Bezug auf eine Erweiterung regionaler Organisationen wie der EU, für die bestehenden Mitglieder meist einfacher als für die Bewerber. Denn der Beitritt zu einer bereits bestehenden Organisation erfordert vom Bewerberstaat oft
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Arbeit zitieren:
Martina Schöb, 2010, Der (Sozial-) Konstruktivismus in der EU-Erweiterungstheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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