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1 EINLEITUNG 2
2 BOCCACCIO, DAS DEKAMERON UND DIE PEST 3
2.1 DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT DER PESTBESCHREIBUNG NACH OTTO LÖHMANN 3
2.2 BOCCACCIOS ERFAHRUNGEN MIT DER PEST 3
3 DER RAHMEN 4
3.1.1 Der diskursive Rahmen 4
3.1.2 Der Erzählrahmen 5
3.2 EINGLIEDERUNG IN DAS DEKAMERON 5
3.3 FIKTION UND REALITÄT 7
4 DIE SCHILDERUNG DER PEST 7
4.1 DIE BEZEICHNUNG DER PEST 7
4.2 SCHULD 8
4.3 BESTIMMUNG DER ZEIT 8
4.4 HERKUNFT DER PEST 9
4.5 BESTIMMUNG DES AUSMAßES DER KRANKHEIT 10
4.6 KRANKHEITSBILD NACH BOCCACCIO 11
4.7 DIE VERBREITUNG DER SEUCHE 12
4.8 HEILUNGSVERSUCHE 13
4.9 DAS LEBEN ZUR ZEIT DER PEST 14
4.10 VERÄNDERTE LEBENSBRÄUCHE 15
4.11 ZWISCHENFAZIT 15
5 FUNKTION DER PESTSCHILDERUNG 15
5.1 DER VOLLSTÄNDIGE TITEL 16
6 ERGEBNIS 18
7 LITERATUR 19
7.1 PRIMÄRLITERATUR 19
7.2 SEKUNDÄRLITERATUR 19
7.3 INTERNETQUELLEN 19
7.4 ILLUSTRATIONEN 19
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Die Bedrohung der Menschheit durch tödliche Infektionskrankheiten, die sich mittels Übertragung zu verheerenden Epidemien ausweiten, ist so alt wie die Menschheit selbst. Der radikale Einbruch dieser todbringenden Seuchen in die menschliche Gesellschaft hat zu allen Zeiten eine literarische Verarbeitung herausgefordert. Vor allem zu der für Europa katastrophalsten Epidemie des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, der Pest, sind zahlreiche schriftliche Zeugnisse übermittelt: Thukydides berichtet über die Pest im 5. Jahrhundert v. Chr., Prokop schildert die Pest um 541 - 544, Boccaccio beschreibt die Vorgänge während des Ausbruchs der Seuche im Florenz des Jahres 1348, Alessandro Manzoni und Daniel Defoe verarbeiten die Erfahrungen mit der Pest im 17. Jahrhundert in Mailand bzw. London. Dabei gilt besonders die Beschreibung Boccaccios als eine der illustrativsten. Dabei ist dieses Werk schon früh gewürdigt und gelobt worden. So erkannten schon Petrarca 1 und Machiavelli 2 die herausragende Schilderung Boccaccios. In der Rahmenhandlung des Novellenzyklus des „Dekameron 3 “ beschreibt er literarisch aber mit einem hohen Grad an Genauigkeit und Detailreichtum die Ereignisse jener Zeit.
Ziel dieser Ausarbeitung ist es zu ermitteln, wie Boccaccio die Pestepidemie beschreibt und wie er sie literarisch einsetzt.
Seine Beschreibung wird mit geschichtlichen Beschreibungen verglichen um den Autentitätsgehalt der Beschreibung zu ermitteln.
1 Petrarca, Opera Omnia, a cura di Pasquale Stoppelli.
2 Machiavelli, Niccolo: Storie Fiorentine II.
3 (griech.“deka“: zehn, „hêmera“: Tag). Oftmals auch als Decameron, Il Decamerone (ital.) bezeichnet im
folgenden Text aber einheitlich als Dekameron. Vgl. dazu: Radler: Kindlers Neues Literatur Lexikon, 1989, S.
824- 825.
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Boccaccios Pestschilderung gilt als ein grandioses und packendes Werk der Erzählkunst. Dabei stellt sich die Frage, ob Boccaccio bei der Schilderung der Pest inspiriert oder beeinflusst wurde. Bei der Suche nach Parallelen in der Pestbeschreibung Boccaccios wird die Pestbeschreibung Thukydides, der die Pest von 430- 428 v. Chr. ausführlich beschreibt, und die Schilderung der Pest von 1138- 1286 von Lucrez herangezogen. Generell ist festzuhalten, dass mehrere Philosophen der Frage nachgegangen sind, ob Boccaccio von diesen Werken beeinflusst wurde oder ob er die Pest aus eigenen Erfahrungen heraus beschrieben hat. Besonders ausführlich und nachvollziehbar erörtert Otto Löhmann 4 diese Frage. Dabei teilt er die Forscher, die zuvor schon dieser Frage nachgegangen sind, in Gruppen ein. Eine Gruppe von Philosophen 5 sieht nach Voretsch eine Abhängigkeit Boccaccios von den Schilderungen Thukydides bzw. Lucrez. Dabei erachtet diese Gruppe die Schilderung Boccaccios den älteren Schilderungen unterlegen. Eine zweite Gruppe 6 sieht diese Abhängigkeit der Werke untereinander nicht und hält generell die Version Boccaccios den Versionen der Vorläufer gegenüber für überlegen. Löhmann geht der Frage systematisch nach und legt die möglichen Parallelen offen, analysiert diese und kommt zu dem Schluss, dass die Schilderung Lucrez höchstens ein geringen Teil der Schilderung Boccaccios ausmacht und das Werk Thukydides Boccaccio nicht bekannt gewesen sein dürfte. Löhmann kommt zu der Folgerung, dass Boccaccio selbstständig und aus eigener Anschauung geschildert haben muss. Demnach muss Boccaccio persönlich in Kontakt mit der Pest gekommen sein, um die Pest realistisch und ausführlich beschreiben zu können.
Obwohl Boccaccio die Pest im Jahre 1348 in Florenz nicht selbst erlebte, da er sich zu dieser Zeit in Neapel aufhielt, hat er direkte Erfahrungen mit dieser Krankheit gemacht. Die Pest drang bis Neapel vor, obwohl das Ausmaß weniger verheerend war als in Florenz. 1340 lernt Boccaccio den Dichter Francesco Petrarca kennen. Später sollte sich daraus eine tiefe Freundschaft entwickeln. Petrarcas unerfüllte Liebe, Laura de Sade, die Gattin des Hugo de Sade starb am 6.4.1348 an der Pest und ließ den Dichter einsam zurück. Im gleichem Jahre
4 Löhmann: Die Rahmenerzählung des Decameron
5 Löhmann zählt zu dieser Gruppe Vertreter wie: Manni, Foscolo, Dunlop-Liebrecht, Tallarigo, Antona-
Traversari und Hauvette.
6 Vertreter dieser Gruppe nach Löhmann: Landau, Körting, Hortis und Cian
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des Ausbruches der „großen Pest“ schreibt Boccaccio das Dekameron. Nur zwei Jahre später stirbt sein Vater an dieser Krankheit. Vermutlich sind noch viele Bekannte und Freunde an der Krankheit gestorben, obwohl es darüber keine genauen Belege gibt. Jedoch ist von einer starken Prägung durch die Pest auszugehen, da seine Heimatstadt Florenz stark betroffen war und jeder Dritte in Europa Opfer der Epidemie wurde.
Die Eindrücke, die Boccaccio durch diese Pest gewonnen hat, ermöglichten es ihm eine Schilderung der Epidemie aus der eigenen Erfahrung und Sicht heraus. Boccaccio schildert die Pest aus der Sicht eines Beobachters, der durch die sterbende Stadt wandelt und das grausame Leid der Betroffenen auflistet.
Boccaccios Dekameron stellt ein in sich geschlossenes Werk dar, ,,dass durch eine Grundidee zusammengehalten und in ein ganz bestimmtes moralisches Gefüge eingefasst ist, dessen ist. 7 kostbares, aber notwendiges Element der sogenannte ,Rahmen`“
Hier ist Boccaccio in der Tat innovativ und erstellt einen inneren Dialog, denn ,,nicht der Autor selbst erzählt, und er spricht nicht aus dem Buch heraus, sondern durch zehn Sprecher läßt er (...) erzählen." 8
Das Proemio, die Conclusione dell'autore und die Vor-, Zwischen- und Nachgeschichte des Dekameron bilden zwei ineinander verwobene Rahmen: Nämlich einmal den Rahmen, in dem Boccaccio selbst seiner Leserschaft Anweisung und Hilfe gibt, wie man das Dekameron lesen und verstehen sollte, und andererseits den eigentlichen Rahmen mit der Schilderung der Pest, dem Zusammentreffen, dem Aufenthalt auf dem Landgut und dem Auseinandergehen der Brigata. 9 Man unterscheidet hier einen diskursiven und einen erzählerischen Rahmen.
3.1.1 Der diskursive Rahmen
Die Funktion des diskursiven Rahmens wird von Boccaccio recht klar dargestellt: Boccaccio macht schon mit der Verwendung des Beinamens ,,Prencipe Galeotto" deutlich, welchen Zweck er mit dem Dekameron verfolgt: Er will diejenigen, die Liebeskummer haben, erheitern und trösten: ,,Als Hilfe und Zuflucht der Liebenden (...) will ich hundert Geschichten (...) erzählen." 10 Ganz besonders spricht er die Frauen an, denn Männer haben einen solchen
7 Branca: Die neuen Dimensionen des Erzählens, S. 125.
8 Pabst: Novellentheorie und Novellendichtung, S. 326.
9 zu Deutsch ,,Gesellschaft, Schar“
10 Boccaccio, Il Decamerone Livio Appoloni (Hrsg.), S. 9.
Arbeit zitieren:
Luca Bonsignore, 2001, Die Pest in Boccaccios Decamerone, München, GRIN Verlag GmbH
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