Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
2. Partizipative Ansätze in der Entwicklungszusammenarbeit. 7
2.1 Participatory Mapping. 7
2.2 Entwicklung von Participatory Mapping 8
2.3 Anwendungen 10
2.3.1 Kommunikation des räumlichen Wissens einer Gemeinschaft an externe Akteure
10
2.3.2 Aufzeichnung und Archivierung lokalen Wissens 10
2.3.3 Unterstützung bei der Landnutzungsplanung und dem Ressourcenmanagement 10
2.3.4 Lösung ressourcenbezogener Konflikte 11
2.3.5 Unterstützung von Forderungen. 11
2.3.6 Förderung von Kompetenzen innerhalb einer Gemeinschaft 11
2.3.7 Katastrophenhilfe. 11
2.4 Methoden. 12
2.4.1 Skizzenhaftes Kartieren. 12
2.4.2 Kartieren mit maßstabsgetreuen Basiskarten oder Luftbildern/Satellitenbildern. 12
2.4.3 Dreidimensionale Modelle 12
2.4.4 Computergestützte Systeme: Geoinformationssysteme (GIS),
Grafiksoftware /Multimedia und internetbasierte Anwendungen 12
2.4.4.1 Geoinformationssysteme (GIS) 13
2.4.4.2 Grafiksoftware/Multimedia 13
2.4.4.3 Internetbasierte Anwendungen. 14
2.5 Kritik 16
3. Aktuelle OpenStreetMap Projekte: Haiti 18
3.1 Auswertung von Satellitenbildern. 18
3.2 OSM vor Ort. 20
3.2.1 Akteure 20
2
2
3.2.2 Ziele 22
3.2.3 Methoden. 22
3.2.4 Ausblick 24
4. Aktuelle OpenStreetMap Projekte: MapKibera. 25
4.1 Auswertung von Satellitenbildern. 25
4.2 OSM vor Ort. 25
4.2.1 Akteure 25
4.2.2 Ziele 27
4.2.3 Methoden. 29
4.2.4 Probleme 31
4.2.5 Weitere Pläne. 32
4.2.6 Ausblick 33
5. Synthese. 34
5.1 Implikationen des Einsatzes von OpenStreetMap Daten für die Anwendungsfelder des
Participatory Mapping. 34
5.1.1 Kommunikation des räumlichen Wissens einer Gemeinschaft an externe Akteure
34
5.1.2 Aufzeichnung und Archivierung lokalen Wissens 34
5.1.3 Unterstützung bei der Landnutzungsplanung und dem Ressourcenmanagement 35
5.1.4 Lösung ressourcenbezogener Konflikte 35
5.1.5 Unterstützung von Forderungen. 35
5.1.6 Förderung von Kompetenzen. 36
5.1.7 Katastrophenhilfe. 36
5.2 Erkenntnisse aus Beispielprojekten 36
5.2.1 Haiti 36
5.2.2 Kibera 37
5.3 Allgemeine Aspekte. 38
3
3
5.3.1 Verfügbarkeit des Internets .................................................................................... 38 5.3.2 Kosten...................................................................................................................... 39 5.3.3 Qualität und Qualitätskontrolle .............................................................................. 40 5.3.4 Akzeptanz und Vertrauen........................................................................................ 41 5.3.5 Lizenz ....................................................................................................................... 41 5.3.6 Vergrößern von Projekten....................................................................................... 42
6. Fazit ...................................................................................................................................... 43
Literaturverzeichnis ................................................................................................................. 46
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1. Einleitung
Die Art und Weise, wie bei OpenStreetMap die Erstellung einer freien Weltkarte angestrebt wird, ist bereits von ihrer Grundidee her partizipativ: jeder kann alles beliebig verändern. Natürlich ist Partizipation in einem politischen System viel mehr als das Sammeln von Daten ‐ Partizipation räumt Akteuren die Möglichkeit ein, Einfluss und Kontrolle über sie betreffende Entscheidungen und Ressourcen zu treffen (WELTBANK 1996).
Jedoch benötigt jedes partizipative System Daten, unter anderem geographische: es wird stets hilfreich sein, die zur Diskussion stehenden Maßnahmen und Ressourcen zu verorten und in räumlicher Relation zu allen betroffenen Menschen und Gütern zu betrachten. Ein System wie OpenStreetMap, bei dem sämtliche Geoinformationen frei verfügbar sind, hat das Potential, als Datenquelle wie auch als Publikationsplattform zu dienen. Die Möglichkeiten, die OpenStreetMap‐Daten bei der partizipativen Planung bieten, werden in der vorliegenden Arbeit herausgearbeitet. Dabei werden diese anhand zweier Themenbereiche beleuchtet:
Im ersten Teil wird das klassische Anwendungsfeld des Participatory Mapping analysiert, eine visuelle Methode, die seit den 1980er Jahren Einzug in die Entwicklungszusammenarbeit gehalten hat (CHAMBERS 2008). Bei dieser Methode werden auf verschiedenste Weise durch die jeweils vor Ort beteiligten Menschen Karten erstellt, welche sowohl im Entstehungsprozess wie auch als fertiges Produkt vielerlei Ziele erreichen helfen. In diesem Themenkomplex wird auch darauf eingegangen, inwiefern moderne (Informations‐) Technologien bereits Einzug in die partizipative Entwicklungszusam‐ menarbeit gehalten haben.
Die modernen Informationstechnologien führen an den zweiten Teil heran, in welchem zwei aktuelle OpenStreetMap‐Projekte (Haiti, MapKibera) analysiert werden. Es existieren bereits heute eine ganze Reihe von Projekten, bei denen OSM‐Daten entweder als Grundlage verwendet werden oder OSM als Plattform zum Upload neu erfasster Zusammenhänge dient. Dazu gehören die Hilfsmaßnahmen nach dem Erdbeben Anfang 2010 auf Haiti (Maron 2010a), ein Entwicklungsprojekt zur Tourismusförderung in einem Nationalpark in Uganda (Soden 2009), ein Projekt zum Ausbau der Geodateninfrastruktur in Zentralafrika, unter
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anderem durch Upload einer große Menge von Straßendaten in OpenStreetMap (Development Seed 2009), das partizipativ angelegte Kartierprojekt MapKibera in Nairobi, Kenia (Hagen 2010), das bereits abgeschlossene Kartierprojekt „FreeMap“ in der Westbank und im Gazastreifen (JumpStart International 2008) oder die Etablierung einer aktiven OSM‐ Community in der Kaukasus‐Region (JumpStart International 2009). Die nun im Detail präsentierten Projekte auf Haiti und in Nairobi stechen aufgrund ihrer Komplexität und Tragweite innerhalb der lokalen Gesellschaft heraus. In beiden Projekten gab es einen signifikanten Mangel an geographischen Daten, der durch diese Projekte behoben und bei OpenStreetMap veröffentlicht wurde. Hier sind bereits Kombinationen zwischen den klassischen Ansätzen der Entwicklungszusammenarbeit und den durch das Internet ermöglichten Entwicklungen zu erkennen.
In der anschließenden Synthese wird zum einen geprüft, inwiefern sich die etablierten Anwendungsbereiche des Participatory Mapping mit OpenStreetMap kombinieren lassen und welche Konsequenzen davon zu erwarten sind. Zum anderen werden die essentiellen Erkenntnisse und Neuentwicklungen, die aus den beiden aktuellen Projekten zu ziehen sind, aufgezeigt. Schließlich werden einige allgemeine Aspekte angesprochen, die bei einem partizipativen Projekt, das auf OpenStreetMap zurückgreift, Beachtung finden sollten. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Grundlagen für erfolgreiche partizipative Projekte, die auf geographische Daten zurückgreifen, zu benennen und zu prüfen, inwiefern OpenStreetMap einen Beitrag leisten kann, räumliche Zusammenhänge zu identifizieren und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die freie Weltkarte, genauso wie viele andere durch das Internet geprägte Entwicklungen, als ein Impulsgeber für weitere, politisch geprägte Prozesse fungiert, welche in das Entstehen neuer, auf die Bedürfnisse der jeweiligen Region angepasster Internet‐Portale münden.
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2. Partizipative Ansätze in der Entwicklungszusammenarbeit
Um 1980 reifte in der Entwicklungshilfe die Erkenntnis, dass die bis dato verwendeten Methoden nicht das erreichten, was sie sollten: die vielen entwicklungspolitischen Maßnahmen führten keine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände herbei und erzogen viele Menschen in den Entwicklungsländern zu passiven Empfängern von Hilfeleistungen (COOKE, KOTHARI 2004, CHAMBERS 2008). Man führte dies unter anderem darauf zurück, dass die bisherigen Methoden „von oben herab“ funktionierten: diese wurden von externen Akteuren eingeführt und waren oft sehr expertenorientiert, was zu mangelnder Effektivität führte (COOKE, KOTHARI 2004). Durch den Wechsel zu partizipativen Methoden wollte man, dass sozial und ökonomisch marginalisierte Menschen mehr Bestimmungsrechte über ihr eigenes Leben erhielten. Zentral sollte dabei die Anerkennung und Unterstützung der Perspektiven, des Wissens, der Prioritäten und der Fähigkeiten der Menschen vor Ort sein (LAWS 2003, COOKE, KOTHARI 2004).
Eine Untergruppe innerhalb des partizipativen Methodenkanons bilden die visuellen Methoden, also Zeichnungen und Abbildungen jeder Art (Skizzen, Diagramme, Karten). Diese werden eingesetzt, wenn schnell Erkenntnisse über Zusammenhänge erreicht werden sollen und es um Probleme geht, die mit der physischen Umwelt zu tun haben; auch kann so die Aufmerksamkeit innerhalb einer Gruppendiskussion erhöht werden, speziell wenn die Beteiligten besser auf visuelle als auf verbale Repräsentationen reagieren. Des Weiteren können mit visuellen Methoden sensible und/oder peinliche Themen besser angesprochen werden (LAWS 2003).
Die Oberbegriffe der jeweils inhaltlich wie auch entwicklungschronologisch aufeinander aufbauenden Methodenfamilien sind Rapid Rural Appraisal (RRA), Participatory Rural Apraisal (PRA) und Participatory Learning and Action (PLA). Die Verbreitung von visuellen Methoden, darunter Participatory Mapping (siehe Punkt 2.1), setzte flächendeckend mit der Entwicklung von PRA, also ab Beginn der 1980er Jahre ein (LAWS 2003, CHAMBERS 2008). 2.1 Participatory Mapping
Participatory Mapping (PM) gilt von allen visuellen Methoden (Zeichnungen/Abbildungen jeder Art, Diagramme) als die am weitesten verbreitete partizipative Methode in der 7
Entwicklungszusammenarbeit (CHAMBERS 2008, IFAD 2009). Die vielen unterschiedlichen Methoden und Zielsetzungen innerhalb des Participatory‐Mapping‐Ansatzes verbindet ein Charakteristikum: Die Kartierung wird von einer Gruppe von Menschen ausgeführt (die englischsprachige Literatur verwendet durchgehend den Begriff „community“, welcher hier, abhängig von Satzstruktur und Skala, als Gruppe, Gemeinschaft und Gemeinde übersetzt wird), die keine oder nur geringe Vorkenntnisse in der Kartographie haben und die ein gemeinsames Interesse verbindet. Dabei enthalten die Ergebnisse oft wesentlich mehr Informationen als eine gewöhnliche Karte: es wird auch, aus einer räumlichen Perspektive betrachtet, soziales, kulturelles und historisches Wissen der jeweiligen Gruppe erfasst (IFAD 2009).
Auch ist es den meisten Participatory‐Mapping‐Initiativen gemeinsam, dass der Fokus auf dem Prozess der Kartenproduktion liegt, die anschließende Verwendung der Daten kann, muss aber nicht erfolgen. Im Produktionsprozess wird versucht, eine möglichst hohe Einbindung möglichst vieler Gemeindemitglieder zu erreichen, um etwa die Kohäsion einer Gemeinschaft zu fördern, Bewusstsein für die eigene Identität zu schaffen oder latente Probleme und Konflikte ans Tageslicht zu bringen (LAWS 2003, IFAD 2009). 2.2 Entwicklung von Participatory Mapping
Die ersten, noch sehr punktuellen Versuche gehen bis in die 1970er Jahre zurück. Jedoch wurden die ersten Kartierungen mit Hilfe der lokalen Bevölkerung und nicht durch diese ausgeführt - es brauchte einige Zeit, bis sich bei Entwicklungshelfern die Erkenntnis verbreitete, dass Karten und Kartenerstellung solch intuitive Formen der Darstellung räumlicher Zusammenhänge sind, dass auch Menschen ohne jegliche Vorkenntnisse oder Erfahrungen mit dem Medium Karte sehr schnell deren Prinzipien verstehen können (CHAMBERS 2008).
Ab Ende der 1980er Jahre begannen sich dann die Methoden des Participatory Mapping (PM) in vielen Organisationen und Projekten durchzusetzen. Beschleunigt wurde dieser Prozess durch die rasante Entwicklung Geographischer Informationssysteme (GIS) in den 1980er Jahren, wobei hier darauf hinzuweisen ist, dass diese Entwicklung nicht nur als vorteilhaft gesehen wurde; viele Akteure befürchteten, dass die Komplexität der 8
computergestützten GIS Menschen ohne Zugang zu Technologie und Wissen benachteiligen würde (CHAMBERS 2008). Um dieser als durchaus realistisch zu sehenden Möglichkeit entgegenzutreten, entwickelte man Participatory GIS (PGIS), eine Kombination partizipativer Ansätze der Entwicklungsforschung mit Geoinformationssystemen. Hierbei liegt der Fokus nicht auf möglichst komplexen Software‐Anwendungen, sondern auf der Nutzerfreundlichkeit der jeweils eingesetzten Systeme, die natürlich auch möglichst kostengünstig gestaltet werden (CORBETT et al. 2006). Ein Hauptgrund PGIS einzusetzen liegt in dessen Potential, durch die Anwendung der gleichen Technologie wie die übergeordneten Institutionen ein Entwicklungsprojekt in überregionale Planungsvorgänge einbinden zu können (ABBOT et al. 1998). Jedoch weisen viele Autoren darauf hin, dass man stets prüfen sollte, inwieweit die Anwendung eines GIS überhaupt sinnvoll ist - da der Prozess oft wichtiger als das Ergebnis ist, kann die Anwendung hochtechnologischer Instrumente manchmal überflüssig sein (z.B. RAMBALDI et al. 2006, CHAMBERS 2008).
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2.3 Anwendungen
Die vielfältigen Anwendungsfelder von Participatory Mapping lassen sich in folgende Gruppen gliedern (wenn nicht anders angegeben nach: MUKHERJEE 2002, ILC 2008, IFAD 2009): 2.3.1 Kommunikation des räumlichen Wissens einer Gemeinschaft an externe Akteure Durch die Erstellung von Karten kann gezeigt werden, wie eine Gemeinschaft ihre räumliche Umgebung wertet, versteht und mit ihr interagiert. Dabei können komplexe Zusammenhänge relativ einfach dargestellt werden und über sprachliche und kulturelle Barrieren hinweg transportiert werden; dadurch kann oft der Einfluss auf institutionalisierte Entscheidungsprozesse erhöht werden. 2.3.2 Aufzeichnung und Archivierung lokalen Wissens
Da beim Participatory Mapping sehr viel Wert auf den internen Kommunikationsprozess einer Gemeinschaft gelegt wird, entsteht oft ein reger Wissenstransfer von den älteren zu den jüngeren Generationen; hiermit wird Wissen, dass bisher mündlich überliefert wurde und durch gesellschaftliche Veränderungen bedroht ist, erhalten. 2.3.3 Unterstützung bei der Landnutzungsplanung und dem Ressourcenmanagement Karten können helfen, die traditionelle und oft komplexe Landnutzung nach außen zu kommunizieren, beispielsweise durch das Kartieren traditioneller Landnutzungen. Auch können mit einer Karte Wünsche einer Gemeinschaft zur zukünftigen Nutzung artikuliert und bei Anwendung eines GIS auch gleich in einem zu den örtlichen Institutionen kompatiblen Format erstellt werden. Im Ressourcenmanagement geht es oft um Fragen wie der Berechtigung, Weideland oder eine Wasserquelle eines anderen Eigentümers zu nutzen. Auch lassen sich die Bemühungen vieler Länder, die Verwaltung zu dezentralisieren, mit Participatory Mapping unterstützen; die Modernisierung eines Verwaltungsapparates kann nur dann funktionieren, wenn die sozialen, ökonomischen und natürlichen Dynamiken einer Region gut erfasst sind.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Science Alfredo Jakob, 2010, OpenStreetMap Daten - Ein Instrument zur partizipativen Planung in Entwicklungsländern?, München, GRIN Verlag GmbH
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