Inhalt
1. Einleitung Seite 3
2. Aspekte der Liebe Seite 4
3. Pestalozzis sehende Seite 10
Liebe ’ als Vorbild
p ädagogischer Liebe
4. Abschließende Seite 11
Betrachtungen
5. Verwendete Literatur Seite 13
1. Einleitung
„Liebe in der Erziehung“, für die einen eine unhinterfragte Selbstverständlichkeit, für die anderen Ausgang intensiver Betrachtungen, kritischer Auseinandersetzung und doch stets mit dem Fazit: Liebe in der Erziehung findet einfach statt, ist möglich und nötig. Doch wie diese Liebe aussieht, wie sie aussehen sollte und was sie nicht sein sollte, dazu soll die vorliegende Arbeit einige Ansätze liefern. Ausgangspunkt für die folgenden Betrachtungen ist ein Zitat von Dieter Baacke:
„Und insofern sind dann gewähren lassende (nicht gleichgültige) Ironie sowie tief durchdrungene, weil sich gegenseitig auffangende Liebe jene pädagogischen Leitbegriffe, die für die Erwachsenen und Erzeugenden ebenso wichtig sind wie für die kleinen Kinder, die wir in die Welt gesetzt haben und die dadurch auf eine Liebe angewiesen sind, die nicht vergewaltigt, sondern frei macht.“ 1
Dieter Baacke lehrt als Professor Pädagogik an der Universität Bielefeld und hat sich neben den Probleme in der Erziehung von Kleinkindern auch schon denen des Kindes- und Jugendalters gewidmet.
In dem zitierten Werk „Die 0-5jährigen“ untersucht er ausführlich die verschiedenen Disziplinen der Kindheitsforschung mit dem Ziel eines ‚sozialökologischen’ Ansatzes, der kindliche Lebenswelten in ihrer Komplexität erfassen soll. Er kritisiert dabei zunächst, dass „eine neugierige und zugleich kindzentriert-freundliche Sichtweise“ 2 neben den wissenschaftlichen Sichtweisen meist zu kurz kommt. Baacke konstatiert die ‚Kompetenz’ des Kleinkindes und die Wichtigkeit deren Beachtung für seine „Würde, Zukunft und Chance“ 3 . Dabei stützt er sich jedoch nicht nur auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien der Kindheit, sondern auch auf Erfahrungen aus der Perspektive von Kindern, wie sie in literarischem Material verarbeite sind. Trotz dieser vielfältigen Einblicke besteht Baacke auf der ‚Unverfügbarkeit’ des Kindes, die seiner Meinung nach immer im Bewusstsein bleiben muss.
Das vorangestellte Zitat, dass die Grundlage zu dieser Arbeit liefern soll, ist dem letzten Kapitel seines Buches entnommen: „Pädagogisches Nachdenken: Zwischen Selbstironie und Liebe“ 4 . Während der Bearbeitung des Textes im Rahmen des Seminars „Kindheitsdeterminismus“ konzentrierte ich mich vor allen Dingen auf die von Baacke dargestellten Aspekte von Liebe und ihrer Bedeutung für pädagogisches Denken und Handeln. Ich stellte mir dabei die Frage, wie die Liebe zum Kind aussehen muss, die es nicht einengt, nicht für eigene Zwecke missbraucht, sondern ‚frei macht’, d. h. dem Kind alle Entwicklungschancen einräumt, anstatt es ‚nach dem eigenen Bilde’ zu formen. Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage stieß ich auf Unterstützung durch die Gedanken Pestalozzis und deren Auslegung durch Urs P. Meier, die zwar von 1987 stammt, jedoch auch damals schon „mitten in einer Zeit fortschreitender Spezialisierung und Professionalisierung erzieherischen Handelns auf der einen, und zunehmender Trennung von Engagement und Reflexion auf der anderen Seite“ 5 die Notwendigkeit erkennt, „eine Weile innezuhalten, um wieder Klarheit zu gewinnen über die fundamentalen Aufgaben und Anliegen der Pädagogik“ 6 .
1 Baacke, Dieter: Die 0-5jährigen. Einführung in die Probleme der frühen Kindheit. Weinheim 1999, S. 422.
2 Ebenda, S. 9
3 ebenda, S. 10
4 ebenda, S. 388
5 Meier, Urs P.: Pestalozzis Pädagogik der sehenden Liebe. Zur Dialektik von Engagement und Reflexion im Bildungsgeschehen. Bern und Stuttgart: Paul Haupt, 1987, S. 16 ff.
6 ebenda, S. 17
2. Aspekte der Liebe
„… die kleinen Kinder, die wir in die Welt gesetzt haben und die dadurch auf eine Liebe angewiesen sind, die nicht vergewaltigt, sondern frei macht.“ 7
Diese abschließende Aussage Baackes am Ende seines Buches enthält ebenso viel Vertrautes, wie Befremdliches und ist daher einer näheren Betrachtung wert. Natürlich sind kleine Kinder in besonderem Maße abhängig von den Erwachsenen, sind auf ihre Hilfe und auf ihre liebevolle Zuwendung angewiesen. Aber wollen gerade im pädagogischen Bereich nicht alle nur ‚das Beste’? Können genau in diesem Bestreben so gravierende Fehler liegen, dass Baacke sogar von Liebe spricht, die vergewaltigt? Und wie müsste die Liebe aussehen, die gerade dies nicht tut, sondern ‚frei macht’? Um mich diesen Fragen anzunähern, möchte ich zunächst auf die Aspekte von Liebe eingehen, die Baacke in seinem Kapitel: „Pädagogisches Nachdenken: Zwischen Selbstironie und Liebe“ anspricht und versuchen, deren Bedeutung für pädagogisches Handeln und Denken herauszuarbeiten.
Liebe durch Pflege
„Neugeborene, Säuglinge und Kleinstkinder machen die Erfahrung von Liebe, Zuneigung, Geborgensein, Ermuntertwerden etc. zunächst über Grundhandlungen von Pflege“ 8 . Das Menschenkind kann nach Mehringer als eine sog. „physiologische Frühgeburt“ 9 gesehen werden, d. h. es kommt im Vergleich zu anderen Säugern relativ unreif und unselbstständig zur Welt und ist deshalb im besonderen Maße auf die Hilfe Erwachsener angewiesen, um sein Überleben zu sichern. Mehringer bezeichnet das erste Lebensjahr sogar als „eine Art ‚extrauteriner’ Schwangerschaft“ 10 , eine Zeit, in der das Kind noch besonders anfällig für Störungen ist. So führen die frühzeitige Entbehrung der Mutter und Vernachlässigung in den ersten Lebensjahren zur vermehrten Ausbildung von Ängsten und höherer Krankheitsanfälligkeit 11 . Trotzdem vertritt Baacke die These, dass auch diese kleinen Kinder schon kompetente Wesen sind, die das Recht auf eine Erziehung von Geburt an haben und kritisiert, dass dieser Zusammenhang erst allmählich in den Alltag und die pädagogische Reflexion eingeht. Allerdings denke ich, dass die zahlreichen Kurse zur Vorbereitung einer individuellen Geburt, Kurse zur Säuglingsmassage und pädagogisch betreute Gruppen für Eltern mit Kleinkindern, die von Geburtshäusern und niedergelassenen Hebammen angeboten werden und teilweise auch von Entbindungskliniken übernommen werden, eine Wendung in diese Richtung anzeigen. Allerdings kritisiert Baacke zu Recht, dass die „pädagogischinstitutionellen wie budgetären Absicherungen“ 12 noch weit von einem einheitlichen Konzept entfernt sind, obwohl Einigkeit darüber herrscht, dass „die ‚0-5jährigen’ neben Pflege eben auch Erziehung brauchen, und dies zunächst nicht in einschränkender, sondern in umfassendzuwendender Form“ 13 .
7 Baacke, Dieter: Die 0-5jährigen. Einführung in die Probleme der frühen Kindheit. Weinheim 1999, S. 422.
8 Ebenda, S. 391
9 vgl. ebenda, S. 390
10 vgl. ebenda, S. 390
11 vgl. ebenda, S. 390
12 ebenda, S. 392
13 ebenda, S. 392
Arbeit zitieren:
Manuela Wolf, 2001, Liebe in der Erziehung. Von Aspekten der Liebe und ihrer pädagogischen Bedeutung., München, GRIN Verlag GmbH
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