Aluminium-Rollläden vor den Fenstern verwehrt; wieder ein moderner Touch. Waren die Hinweise bis jetzt noch nicht stichhaltig, so sind es jedenfalls die Kostüme der Damen. Gerade bei Emmas hochgeschlossenem Schulmädchenoutfit und dem kurzen Bob-Haarschnitt drängt sich der Verdacht auf, dass die Handlung in etwa um die Mitte des 20.Jh. angesiedelt sein wird.
Die auffallendste Abweichung von Nestroy’s Szenenanweisungen ergibt sich für das Wirtshaus in Stinatz 4 - mehr als ein großes Vor- und Durchgangszimmer, in mintgrün und hellblau gehalten, ist nicht übrig von der vorgesehenen kleinstädtischen Wirtsstube mit zwei Tischen. Dadurch ist uns der Blick auf die Gäste genommen, sie werden von der Handlung ausgeblendet. Dafür liegt das Augenmerk verstärkt auf einer Bodenluke zum Keller, dessen Weine laut Wirt zu schade für die Gäste sind. Ein symbolischer Ort, einerseits Versteck für wertvolle Güter, die vor lauter Geiz und Gier nicht geteilt werden sollen, andererseits Zufluchtsort des heimlichen Paares - zum Weinen wird in den Keller gegangen.
Über der Eingangstüre links steht mit weißer Kreide geschrieben: C+M+B 1957 5 . Ungefähr ein Jahrhundert liegt also zwischen der Uraufführung von ‚Umsonst’ und dem Jahr, in welchem das Stück in dieser Inszenierung angesiedelt ist. Es gibt durchaus Parallelen der Biedermeierzeit, in der Nestroy wirkte, und den 50ern des 20.Jh. Schlagwörter wie Rückzug ins Private, Kultivierung der patriarchalischen Bürgerfamilie schlagen die Brücke. Eine markante Neueinflechtung bildet die Ausländerthematik, ein Phänomen, das der Nachkriegs- und Aufbauzeit, dem jahrzehntelangen Schweigen über den Nationalsozialismus nicht fremd war. Aus dem Kellner Georg wird ein Zlatko, der gebrochenes Deutsch spricht, sich hinter einer blonden Perücke versteckt und regelmäßig mit ‚Tschusch’ und ähnlichen Schimpfwörtern beworfen wird, ohne selbst den geringsten Anstoß daran zu nehmen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei Schottenberg mehr Verwandlungen durchgeführt werden als von Nestroy vorgesehen, die Bühne unterstützt den Unterwegs-Charakter des Stücks maßgeblich. Im Übrigen wird weder strikt nach seinen Szenenanweisungen vorgegangen, noch dagegen gearbeitet. Die Zuseher sind immer dabei, wenn sich das Bühnenbild ‚dreht’, die Übergänge werden nicht durch einen Vorhang verdeckt, allerdings oft mit der Musik des Chors unterstrichen, wenn nicht sogar hervorgehoben. Ebenso sind die Schauspieler mit dabei, sie bleiben in
4 ursprünglich: Braunau
5 die genaue Jahreszahl ist verwischt;
2
Arbeit zitieren:
Sandra Folie, 2009, Nestroy - Umsonst: eine Aufführungsanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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