Der demographische Wandel als Herausforderung für die Unternehmen
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis. 4
1. Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit. 5
2. Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur 6
2.1. Definition Wandels 6
2.2. Langfristige demographische Trends. 7
3. Auswirkungen des demographischen Wandels 9
3.1. Allgemeine wirtschaftliche Folgen 9
3.1.1. Druck auf die Sozialversicherungssysteme. 9
3.1.2. Entwicklung des Arbeitsangebotes 10
3.1.3. Strukturwandel durch Änderung der Bevölkerungsstruktur 11
3.2. Zentrale Herausforderungen für die Unternehmen 13
3.2.1. Wachsender Fachkräftemangel 13
3.2.2. Sicherung der Beschäftigungsfähigkeit 16
3.2.3. Erhalt des Know- Hows und der Wettbewerbsfähigkeit. 17
4. Rechtliche Rahmenbedingungen für die Unternehmen 18
4.1. Gesetzliche und tarifvertragliche Schutzbestimmungen 18
4.2. Allgemeine Mitbestimmungsregelungen im Rahmen des BetrVG 20
4.3. Möglichkeiten der Tarifvertragsparteien am Beispiel des Chemietarif-
paktes 2008 22
5. Strategische Handlungsfelder einer altersgerechten Personalpolitik 24
5.1. Personalbeschaffung und Altersstrukturanalyse 24
5.2. Gesundheitsförderung 26
5.3. Organisation und altersgerechte Arbeitsgestaltung 27
5.4. Vergütungssysteme. 29
5.5. Arbeitszeitflexibilisierung. 30
5.6. Weiterbildung und lebenslanges Lernen 33
5.7. Führungsverhalten 36
5.8. Unternehmenskultur. 37
6. Fazit. 38
Literaturverzeichnis39
2
Der demographische Wandel als Herausforderung für die Unternehmen
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Vergleich der Alterspyramiden von 1950 und 2050 .................................. 7
Abb. 2: Entwicklung des Erwerbspersonenpotentials bis 2020 (in%).................... 8
Abb. 3: Altersspezifische Konsumausgaben (Gütergruppen in% ........................ 12
Abb. 4: Wertschöpfungsverluste infolge unfreiwilliger Vakanzen im Bereich
hochqualifizierte Arbeitskräfte (in Euro).................................................. 14
Abb. 5: Maßnahmen der Unternehmen auf den Fachkräftemangel .................... 15
......................................... 24 Abb. 6:
Abb. 7: Regelungen für ältere Mitarbeiter in den industrienahen
Dienstleistungen .................................................................................... 31
Abb. 8: Teilzeitformen ........................................................................................ 33
Abb. 9: Anforderungen und Empfehlungen für das altersorientierte Führen von
Mitarbeitern und Teams ......................................................................... 36
3
Der demographische Wandel als Herausforderung für die Unternehmen
Abkürzungsverzeichnis
a.a.O. am angegebenen Ort Abb. Abbildung Abs. Absatz AG Aktiengesellschaft AGG Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz ASA Altersstrukturanalyse ArbSchG Arbeitsschutzgesetz BetrVG Betriebsverfassungsgesetz BGB Bürgerliches Gesetzbuch BMW Bayrische Motorenwerke BR Betriebsrat bzw. beziehungsweise et al. et alii etc. et cetera EuGH Europäischer Gerichtshof ff. fortfolgende HR Human Ressources HTTP Hypertext Transfer Protocol i.V.m. in Verbindung mit IBE Institut für Beschäftigung und Employability IG BCE Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie KSchG Kündigungsschutzgesetz MINT Mathematik/ Informatik/ Naturwissenschaft/ Technik Nr. Nummer OECD Organisation for Economic Cooperation and Development S. Seite TzBfG Teilzeitbefristungsgesetz WWW World Wide Web z.B. zum Beispiel
4
Der demographische Wandel als Herausforderung für die Unternehmen
1. Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
Der demographische Wandel hat Hochkonjunktur. Derzeit werden in zahlreichen Diskussionen und Publikationen die Auswirkungen des demographischen Wandels thematisiert. In der Politik ist dieses Thema dagegen schon lange präsent, zumal die harten Fakten über den Verlauf der demographischen Entwicklung seit Jahren prognostizierbar sind. Dennoch gaben 52 Prozent der Deutschen in einer Umfrage aus dem Jahr 2003 an, noch nie den Begriff "demographischer Wandel" gehört zu haben. 1 Auch viele Unternehmen verspüren momentan immer noch keinen Handlungsdruck, sich intensiv mit den Folgen des demographischen Wandels zu beschäftigen. Nach der - sehen nur 40 Pro-
zent der 290 befragten Unternehmen die demographische Entwicklung als ein strategisch brisantes Thema an. 2 Sie betreiben weiterhin eine eher jugendzentrierte Personalpolitik, anstatt sich mit der geforderten Dringlichkeit auf veränderte Relationen im zukünftigen Erwerbspersonenpotential vorzubereiten. Selbst in solchen Betrieben, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, dominieren allenfalls eher kurzfristige Maßnahmen. 3 Um jedoch auch in der Zukunft innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben und damit den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, bedarf es einer Hinwendung zu künftigen Problembereichen wie Fachkräftemangel und Erhalt des betrieblichen Know-Hows oder auch beispielsweise der langfristigen Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer.
Diese Arbeit soll als Herausforderung für die n
demographiebedingten Auswirkungen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten die Unternehmen künftig begegnen müssen. Das Ziel der Arbeit besteht darin, sowohl rechtliche Aspekte als auch personalpolitische Handlungsansätze im Zeichen des demographischen Wandels aufzuzeigen. Der Fokus liegt hier allerdings auf den älter werdenden Mitarbeitern und damit der Problematik im Umgang mit
Zunächst wird in Kapitel zwei generell auf die Veränderung der Bevölkerungsstruktur und die demographischen Trends eingegangen. Anschließend werden in Kapitel drei sowohl die Folgen als auch die daraus resultierenden Herausforderungen für die Un-
1 Vgl.http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2009/24078954_enquete_10 /index.html, abgerufen
am 12.09.2010
2 Behrens, Andreas: Demografischen Wandel einplanen, in: Personalmagazin/ Praxisratgeber, Nr.02/2010,
S. 4
3 Vgl. Hans Böckler- Stiftung: Demografie im Wandel. Impulse für eine altersgerechte Erwerbsarbeit, Düs-
seldorf , Nr. 30336, 2009, S. 5
5
Der demographische Wandel als Herausforderung für die Unternehmen
ternehmen dargestellt. Im folgenden Verlauf der Arbeit werden in Kapitel vier rechtliche Rahmenbedingungen für die Unternehmen erläutert. Als wesentlicher Schwerpunkt wird in diesem Zusammenhang auf die Mitbestimmungsregelungen im Rahmen des Betriebsverfassungsgesetzes eingegangen und die Möglichkeiten der Tarifvertragsparteien am Beispiel der IG BCE aufgezeigt. Im sich anschließenden fünften Kapitel werden acht Handlungsfelder einer altersgerechten Personalpolitik im Detail vorgestellt, mögliche Maßnahmen erläutert und betriebliche Praxisbeispiele einzelner Unternehmen dargestellt. Abschließend werden im Fazit die gewonnenen Erkenntnisse kurz zusammengefasst.
2. Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur
2.1.
heißt Volk graphein steht für . 4
Demographie bedeutet somit ganz allgemein oder anders ausgedrückt reibung der Bevölkerungsentwicklung Mit dem Begriff "demographischer Wandel" wird die Veränderung der Zusammensetzung der Altersstruktur einer Gesellschaft bezeichnet. Die demographische Entwicklung wird dabei von folgenden Faktoren beeinflusst:
der Fertilität/ Geburtenrate
der Mortalität/ Lebenserwartung der Migration/ Wanderungssaldo 5
4 Vgl. http://www.duden-suche.de/suche/abstract.php?shortname=fx&artikel_id=29611, abgerufen am
14.09.2010
5 Vgl. Brandenburg, Uwe/ Domschke, Jörg- Peter: Die Zukunft sieht alt aus. Herausforderungen des demo-
grafischen Wandels für das Personalmanagement, Wiesbaden (Gabler Verlag) 2007, S.18
6
Der demographische Wandel als Herausforderung für die Unternehmen
2.2. Langfristige demographische Trends
Die demographische Entwicklung in Deutschland kann durch eine Parallelität von unabhängig voneinander stattfindenden Trends beschrieben werden, die sich zudem wechselseitig noch verstärken. Es findet ein Prozess des en Alterns der deutschen u- nahmeder absoluten Zahlen älterer Menschen, ihres Anteils an der Gesamtbevölke- 6
Im Wesentlichen bedeutet dies wie bereits aus der Abbildung der beiden Alterspyramiden ersichtlich ist, die Entwicklung hin zu einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft. Konstant niedrige Geburtenraten 7 , verbunden mit dem Trend zur Kinderlosigkeit sorgen neben der Zunahme älterer Menschen, die aufgrund der verbesserten medizinischen Versorgung eine weit höhere Lebenserwartung aufweisen, für eine Verschiebung der Altersstruktur. Den Prognosen des Statistischen Bundesamts zufolge wird für das Jahr 2050 eine durchschnittliche Lebenserwartung von 88 Jahren für Frauen bzw. 84 Jahren für Männer erwartet. 8 Bereits jetzt sind knapp 25 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre und bis 2030 steigt allein der Anteil dieser Gruppe auf nennenswerte 35 Prozent. 9
Abbildung 1: Vergleich der Alterspyramiden von 1950 und 2050
Quelle: http://www.destatis.de/bevoelkerungspyramide/, abgerufen am 15.09.2010
6 Klauk, Bruno (Hrsg.): Alternde Belegschaften- der demografische Wandel als Herausforderung für die Un-
ternehmen, Lengerich (Pabst Science Publishers Verlag) 2008, S. 11
7 Gegenwärtig liegt die Fertilitätsrate in Deutschland bei etwa 1,3 Kindern pro Frau
8 Vgl. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2006/ Bevoelke-
rungsentwicklung/bevoelkerungsprojektion2050,property=file.pdf, S. 41
9 Vgl. Klauk, Bruno (Hrsg.), a.a.O., S. 34
7
Der demographische Wandel als Herausforderung für die Unternehmen
Im Jahr 2030 wird das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung auf 51 Jahre ansteigen. Für Unternehmen werden 2050 im Schnitt 55 Jahre prognostiziert. Das demographische Altern der Bevölkerung hat enorme Auswirkungen auf die Gruppe der Erwerbspersonen. Der Anteil der über 50-Jährigen an der Bevölkerung im Erwerbsalter wird massiv ansteigen. Im Gegensatz dazu sinkt der Anteil der unter 20-Jährigen im Betrachtungszeitraum bis 2050 auf 15 Prozent der Gesamtbevölkerung. 10 Diese Tatsache verschärft sich zudem ab 2020 und vor allem ab 2030 mindestens 65 Jahre alt sein werden und eine klaffende Lücke hinterlassen werden. 11 Prognosen gehen davon aus, dass das gesamte Erwerbspersonenpotential bis 2050 auf insgesamt 35,5 Millionen Menschen zurückgehen wird.
Abbildung 2: Entwicklung des Erwerbspersonenpotentials bis 2020 ( in % )
Quelle: http://www.arbeit-demografie.nrw.de/Herausforderung/index.html?PHPSE
SSID=5870fed 72705443bebc2f5b0b8b9707c#massnahmen, abgerufen am 12.09.2010
Neben den bisher angesprochenen Trends ist abschließend der stetige Zuwachs an Einwanderungen zu nennen. Die Gesamtzahl der per Saldo zugewanderten Personen beläuft sich bis 2050 - bei einem unterstellten Wanderungssaldo von 200 000 Menschen pro Jahr- auf voraussichtlich 8,6 Millionen Menschen. 12 Dennoch werden auch
10 Vgl. Klauk, Bruno (Hrsg.): Alternde Belegschaften- der demografische Wandel als Herausforderung für
die Unternehmen, Lengerich (Pabst Science Publishers Verlag) 2008, S. 19
11 Vgl. Brandenburg, Uwe/ Domschke, Jörg- Peter: Die Zukunft sieht alt aus. Herausforderungen des de-
mografischen Wandels für das Personalmanagement, Wiesbaden (Gabler Verlag) 2007, S.27
12 Vgl. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2006/ Bevoelke-
rungsentwicklung/bevoelkerungsprojektion2050,property=file.pdf, S. 53, abgerufen am 30.10.2010
8
Der demographische Wandel als Herausforderung für die Unternehmen
positive Wanderungsüberschüsse den demographischen Entwicklungen nicht ausreichend entgegenwirken können. Wenn die zukünftigen Gegebenheiten der Arbeitswelt, also dem
drastischen Rückgang der Erwerbstätigenzahl, mit im Durchschnitt älteren Arbeitnehmern und unter Einfluss der kulturellen Vielfalt auf dem Arbeitsmarkt
eintreten, dann sind rechtzeitig angepasste Strategien durch den Staat und die Unternehmen zu entwickeln, um den Auswirkungen des demographischen Wandels begegnen zu können.
3. Auswirkungen des demographischen Wandels
3.1. Allgemeine wirtschaftliche Folgen
In der öffentlichen Debatte über die Auswirkungen des demographischen Wandels werden sehr oft die Überalterung der Gesellschaft sowie die Problematik der Sozialversicherungssysteme und deren zukünftige Finanzierung fokussiert. Gesamtwirtschaftlich betrachtet stehen Politik und Wirtschaft allerdings noch vor einem ganz anderen Problem. Wie kann eine Volkswirtschaft nachhaltig wachsen, wenn die Anzahl der Erwerbspersonen stetig abnimmt?
3.1.1. Der Druck auf die Sozialversicherungssysteme
Durch den Prozess des dreifachen Alterns stehen die Sozialversicherungssysteme der Bundesrepublik vor einem schwerwiegenden Finanzierungsproblem. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und der steigenden Zahl von älteren Menschen sinken in der umlagefinanzierten Sozialversicherung die durchschnittlichen Einnahmen pro Mitglied, während die durchschnittlichen Leistungsausgaben pro Mitglied steigen. 13 Besonders betroffen von dieser Entwicklung ist die gesetzliche Rentenversicherung, wenn man bedenkt, dass im Jahr 2030 100 Personen im Alter von 20 bis unter 60 Jahren ca. 80 Personen gegenüberstehen, die 60 Jahre oder älter sind. 14 Erschwerend kommt eine Steigerung der durchschnittlichen Rentenbezugsdauer bei Frauen seit 1960 von knapp 14 Jahren auf heute über 19 Jahre, und bei den Männern von rund 11 auf über 14 Jahre hinzu. Diese Faktoren führen zu wachsenden Ausgaben und belas-
13 Vgl.Felix, Dagmar: Die Finanzierung der Sozialversicherung, Berlin (Lit Verlag) 2007, S. 2
14 Vgl. Klose, Hans-Ulrich: Moderner Sozialstaat und alternde Gesellschaft, o.O., O.J., S. 5
9
Arbeit zitieren:
Sabine Eibl, Benjamin Golling, 2010, Der demographische Wandel als Herausforderung für die Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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