MG1-Sphärenharmonie.doc - Ars musica - Tonsprache Rationalität und Emotionalität in der Musik
inhalt
Diese Zusammenstellung streift in relativ kleinen, jedoch vielschichtig miteinander verknüpften Einheiten folgende Themengebiete unter zum Teil sehr philosophischen Aspekten - angelehnt unter anderem an die philosophischen Gedanken von Ernst Bloch:
- Sphärenharmonie und Schöne Künste - Musik und Schöpfung
- Antike Musikauffassungen - Was ist Musik - wozu ist sie gut?
- Musik als Abbild der Wirklichkeit und der Gesellschaft
- Tonsprache - Klangspannung - Persönlichkeitsspannung
- Emotion und Kanon/Gesetzeswelt - Widerspruch oder Einheit?
- Mathematik und Musik in der Antike
- Moralität und Menschlichkeit bzw. Mitmenschlichkeit
- Aufgabe und Wert der Musikalischen Erziehung
Vorbemerkung
Die Vorstellung der Musik als Sphärenharmonie kommt aus der Antike und wurde sehr lange aufrecht erhalten und weiter ausgebaut bzw. verändert. Vor allem im Mittelalter und im Barock wurden antike Vorstellungen wiederentdeckt, wiederbelebt und z.T. neu interpretiert. Dieser Sphärenharmonie und den daraus entstandenen oder damit in Verbindung stehenden Vorstellungen sei diese Darstellung gewidmet.
Sphärenharmonie und Schöne Künste
Schon Pythagoras war der Meinung, die Bewegung der Gestirne bringe Töne hervor, die aus den harmonischen Proportionen des Kosmos resultieren. Manche Wissenschaftler behaupten sogar, daß man schon lange vor Pythagoras im fernen Orient ähnliche Vorstellungen von Musik hatte. Im christlichen Mittelalter setzte sich
- 2 -
MG1-Sphärenharmonie.doc - Ars musica - Tonsprache Rationalität und Emotionalität in der Musik
der antike Gedanke der Weltmusik in Form von Engelschören und dem Lobsingen des himmlischen Vaters fort.
Aristoteles verneinte diese Auffassung von Musik. Er war eher auf der Linie Keplers, der die Musik völlig zu Mathematik abstrahierte, was meiner Meinung nach nicht unbedingt ein Widerspruch zur Philosophie Pythagoras sein muß. Kepler schrieb ein Werk namens „Harmonices mundi“, in dem er die Planetenbewegungen mit Tonverhältnissen vergleicht und diesen Proportionen die verschiedenen Intervalle zuteilt. Er sah in den Vorgängen am Himmel die Harmonie der Welt widergespiegelt, die Schönheit der Schöpfung, die sich ihrerseits in der Musik äußert und sie zu einer „schönen“ Kunst macht. Antike Musikauffassungen
Vielfach bekannt ist die Darstellung der Musik in der Überlieferung von Boethius (=524). Er teilt die Musik in drei Teilbereiche ein.
1. musica mundana Harmonie des Makrokosmos, Welt-/Sphärenharmonie, Jahreszeiten geregelte Bewegung des Weltalls
2. musica humana Harmonie des menschlichen Mikrokosmos, Harmonie zwischen Leib und Seele
3. musica instrumentalis real klingende Musik (Vokal und Instrumental) als
Die beiden ersten, musica mundana und musica humana, werden auch zusammengefaßt in der sogenannten musica theoretica, die an den Lateinschulen und an der antiken und mittelalterlichen Universität als Teil der „septem artes liberales“ gelehrt wurde. Die sieben liberalen Künste (antikes Vorbild der Musen, Schutzgöttinnen der Künste), deren Zentrum die Philosophie bildet, waren ja eingeteilt in das Quadrivium der Zahlenwissenschaften (Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie) und das Trivium der Sprachwissenschaften (Rhetorik, Dialektik, Grammatik), wobei die Musik hierbei eigentlich eine Sonderstellung einnimmt. Die musica instrumentalis war als Gegenstück dazu die musica practica, aufgeteilt in die musica plana, die einstimmige Musik und die musica mensurabilis, die mehrstimmige Musik.
- 3 -
MG1-Sphärenharmonie.doc - Ars musica - Tonsprache Rationalität und Emotionalität in der Musik
Symbolsprachen
Schon seit der Antike und verstärkt auch wieder im Barock befindet sich die Musik im Spannungsfeld zwischen Affektenlehre und Mathematik, denn seit jeher will man in ihr beides in unterschiedlicher Stärke erkennen. Ästhetik und sinnliche Erfahrung waren schon immer Elemente der schönen Künste, so auch der Musik. Im Barock bildeten sich die verschiedensten Symbolsprachen aus, die man in der Musik als verwirklicht sah. Tonsymbolik
- Tonbuchstaben für Namen
- Kreuzzeichen
- Zahlensymbolik (3=Trinität, 4=Elemente, 7=heilig, 12=Apostel/Kirche,...)
- Zahlenalphabet
z.B.: Bach- Choral „Vor deinen Thron“ Zahl der Melodietöne = Name: 1. Choralzeile, 14 Töne = 2+1+3+8 = BACH, Choral: 41 Töne = J.S.BACH, Orgelbuch: 158 Töne = Johann Sebastian Bach) Musica poetica
Geht auf aristotelische Vorstellungen zurück, Dreiteilung ähnlich der Darstellung des Boethius
- musica theoretica (Musiktheorie)
- musica practica (Musikpraxis)
- musica poetica (Komposition, Tonsprache)
Die musica poetica umfaßt eine Figuren- und Symbollehre, die den Textinhalt, u.a. wichtige Einzelworte, musikalisch auszudrücken versucht und dadurch die Musik wertvoll und schön macht.
Berg, Himmel Schmerz. Leid Schweigen Tod Affektenlehre
Auch schon in der Antike verwurzelt, lehrt sie das Darstellen von Leidenschaften und seelischen Erregungszuständen durch musikalische Mittel, bzw. die Tatsache, daß es keine Musik gibt die diese Gefühle nicht in irgendeiner Form ausdrückt. Gewisse Parameter der Musik drücken Freude(Dur, hoch, schnell), andere Trauer (Moll, tief,
- 4 -
Arbeit zitieren:
Mag. art. Joachim Claucig, 1999, Sphärenharmonie - Ars musica - Tonsprache, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Stand der Dinge im Bereich Mediendokumentation - Schwerpunkt Rundfunka...
Informationswissenschaften, Informationsmanagement
Hausarbeit, 31 Seiten
A corporeis ad incorporea - Augustinus und der Strukturwandel musikali...
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Die Gesellschaftsschichten der antiken Polis in der Sicht Aristoteles
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 15 Seiten
Die Symbolik der Freimaurer in W.A. Mozarts Zauberfloete
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Die Turmgesellschaft in Wilhelm Meister´s Lehrjahren
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Boethius "De institutione musica". Eine analytische Betracht...
Hausarbeit, 18 Seiten
"Gender/Queer/Feminist Studies" in Thomas Meineckes Roman &q...
Gelebte Theorien als Persönlic...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Joachim Claucig hat den Text Sphärenharmonie - Ars musica - Tonsprache veröffentlicht
Joachim Claucig hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare