Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Thessalisches Militär 5
3. Kavallerie 7
4. Infanterie 16
5. Schlussbetrachtung 22
6. Quellen - und Literaturverzeichnis 24
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1.Einleitung
Thessalisches Militär wird in der Regel mit thessalischer Kavallerie gleichgesetzt, da, von einer Ausnahme bei Herodot abgesehen, in antiken Quellen im Verlaufe von thessalischen Militäroperationen außerhalb des eigenen Landes, die Kavallerie zwar gehäuft auftaucht, Infanterie aus Thessalien aber ausgeklammert wird. Schenkt man dem daraus entstehenden Bild Glauben, so kann leicht der Gedanke aufkommen, dass die thessalische Infanterie einen Status inne hatte, der eher mit „unter ferner liefen“ bezeichnet werden konnte. Dem gegenüber steht ein (wenn auch bedeutend jüngeres) Sprichwort, in dem es heißt: „Panzer erobern, Infanterie besetzt.“ Die Bedeutung ist eher simpel: Natürlich kann (übertragen auf die damalige Zeit) die Kavallerie als schnelle und flexible Truppengattung Schlachten entscheiden - aber die Besetzung einer Stadt und von Geländeabschnitten kann sie nicht leisten. Ohne Infanterie hatten und haben Eroberungen (wie zum Beispiel die der Phokis) keinen nachhaltigen Erfolggerade bei Angriffen auf eigene Städte ist ein Einsatz von Kavallerie unzweckmäßig, um die Angreifer zurückzuschlagen.
Das thessalische Militär kann wichtige Aufschlüsse über Thessalien selber liefern - unter Anderem auch über die Organisation des für diese Zeit angenommenen feudalen thessalischen Herrschaftssystems. Grundvoraussetzung für eine solche Untersuchung ist natürlich eine fixierte Heeresordnung, die die Truppengestellung und Schlachtordnung regelt. Hinweise auf eben eine solche Heeres- bzw. Aufgebotsordnung lassen sich bei Aelian und Xenophon finden - allerdings werfen beide Historiker mehr Fragen auf, als sie Antworten geben. Xenophon spricht von einer Nationalarmee bestehend aus Hopliten, Kavallerie und Leichtbewaffneten, wohingegen Aelian den Begriff Hoplit zur Gänze vermeidet. Analog dazu ist auch in der Forschung die Meinung diesbezüglich geteilt: Auf der einen Seite stehen Kip, Larsen, Worley, Westlake und Gschnitzer, die die
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Hopliten-Theorie verfolgen. Ihnen entgegen stellen sich Greenhalgh und Snodgrass. Während Greenhalgh eine absolute Dominanz der Kavallerie sieht und nüchtern feststellt, dass Thessalien wohl keine effektive Infanterie gehabt habe, sieht Snodgrass die gesellschaftlichen Anforderungen für das Aufstellen eines Hoplitenheeres für nicht hinreichend erfüllt.
Welchen Stellenwert die Infanterie tatsächlich hatte - und in welchem Verhältnis sie zur Kavallerie stand - soll, in Ansätzen, im Verlaufe dieser Arbeit zu erklären versucht werden. Zeitgleich sollen die Operationsweise der Kavallerie und ein Versuch der Bewertung ihrer Effektivität am Ende der Arbeit stehen.
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2.Thessalisches Militär
Militär ist nicht nur im antiken Griechenland, sondern immer eine Stütze der Politik gewesen. Das oft gebrauchte Zitat von Clausewitz: „Der Krieg ist eine bloße Fortführung der Politik mit andern Mitteln“ 1 war auch in Thessalien bereits eine Maxime. Militär hatte in jedem Staat seine Eigenheiten, besondere Ausprägungen und spezielle Stärken. Die Stärke der Thessaler leitet sich aus ihrer einzigartigen topographischen Lage ab: Die weitläufige Ebene des thessalischen Kernlandes eignete sich wie kein anderer Teil Griechenlands 2 zu Aufzucht von Pferden. 3 Es ist von daher kaum verwunderlich, wenn das Pferd als Symbol für Thessalien steht. Gleichzeitig war das Pferd immer ein Symbol für den Adel gewesen 4 und blieb es die archaische und klassische Zeit hindurch, auch wenn sich der Einsatz von Pferden wandelte. 5 Thessalien ist eines der wenigen griechischen Länder der Antike, das eine Kavallerietradition entwickeln konnte, da durchgängig eine starke Kavallerie vorhanden war. 6 Eine ähnliche Kavallerie und Zuchtkultur 7 gab es wohl außerhalb
1 Clausewitz: Vom Kriege, S. 21.
2 Makedonien wird in dieser Betrachtung als nicht zu Griechenland gehörig betrachtet, da die Griechen selber die Makedonen nicht als Griechen betrachteten.
3 Snodgrass: Arms and Armour, S. 86.
4 Die Benennung von Adelsschichten bzw. -gruppen (Hippeis in Athen, Sparta und Eritrea, Hippobotai in Chalcis) deutet, trotz der fehlenden bzw. nur unzureichenden Hinweise bei Historikern dieser Zeit und auf Kunstwerken, auf einen intensiven Einsatz von Kavallerie mit hohem Gewicht in der Taktik und Gefechtsführung hin. Vgl.: Snodgrass: Arms and Armour, S. 85.
5 Snodgrass, Ancient Greece, S. 100f.; Kavallerie als selbstständige Truppengattung oder gar als eigenständiges Manöverelement gab es wohl selten bis gar nicht bei den Griechen in archaischer Zeit, wenn man Thessalien und Makedonien ausklammert. Stattdessen wurde das Pferd durch die Oberschicht als „Taxi missbraucht“, mit dem man, ähnlich den späteren Dragonern, als Hoplit in die Schlacht ritt, um dort abgesessen am Kampf teilzunehmen. Vor allem Boiotien und Euböa sind für diese Art der Kriegsführung bekannt. In Thessalien gibt es keine Hinweise auf den Einsatz der Kavallerie im Sinne von Dragonern; vgl. Greenhalgh: Early Greek Warfare, S. 149 und Snodgrass: Arms and Armour, S.85. Snodgrass verweist zusätzlich darauf, dass es zu dieser Zeit keinen Einsatz mehr von Streitwagen auf dem griechischen Festland gab; von daher ist mit Kavallerie ausschließlich der Einsatz von Reitern gemeint. Siehe dazu: Snodgrass: Arms and Armor, S. 87.
6 Greenhalgh: Early Greek Warfare, S 149.
7 „Pferdezucht“ darf allerdings nicht nach heutigen Maßstäben interpretiert werden; die Ansprüche der damaligen Zeit waren wesentlich geringer! Vgl.: Gaebel: Cavalry Operations, S. 19.
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von Makedonien und Thessalien 8 im griechischen Raum nicht - man ging soweit, die thessalischen Pferde als Maß der Dinge zu nehmen. 9 Allerdings kann Kavallerie zwar Schlachten entscheiden, zu einem wichtigen Faktor im Krieg werden und mit Sicherheit ein beeindruckendes Schauspiel bieten - aber Erobern, Halten und Sichern ist damals wie heute Aufgabe der Infanterie gewesen. Diese Truppengattung scheint mir in der thessalischen Forschung zu wenig beachtet worden zu sein.
Grundlegend für das thessalische Militär war die Fixierung der Zusammensetzung und Truppengestellung durch Aleuas. Diese Ordnung ist die erste bekannte, formale Thessalien. 10 Heeresordnung für Diese, wie Gschnitzer es nennt,
„Aufgebotsordnung“ 11 , stützte sich auf ein (semi 12 -) feudales System 13 , in dem die Landverteilung durch die herrschenden Adelsfamilien der jeweiligen Tetraden vorgenommen wurde. Allerdings trat diese Aufgebots- oder Wehrordnung erst im Kriegsfall in Kraft - Thessalien hatte also kein stehendes Heer. 14
8 Die Zucht von Pferden setzt natürlich auch die landschaftlichen Möglichkeiten zum Zuchtbetrieb voraus. Athen oder Korinth waren nie sonderlich berühmt für ihre Kavallerie, wohingegen Thessalien, Euböa und Kleinasien genau dafür bekannt waren. Vgl. Greenhalgh: Early Greek Warfare, S. 81.
9 Strabon: VII 8, 1.
10 Worley: Hippeis, S. 30.
11 Gschnitzer: Tetraden, S. 455
12 Andersson: Tactics, S. 69.
13 Greenhalgh: Early Greek Warfare, S. 150.
14 Beck: Polis und Koinon, S. 173. 6
3.Kavallerie
Thessalien bedeutet in der Regel „Kavallerie“. Diese einfache Regel findet sich in vielen (neuen und alten) Publikationen jeder Art wieder, die sich mit griechischer (Kriegs-)Geschichte befassen. Natürlich ist das richtig. Die thessalische Kavallerie gehörte zu den Besten 15 , die es im griechischen Raum gab. 16 Das mag kein allzu großes Lob sein, wenn man sich vor Augen führt, dass die Reiterei im griechischen Militär ob des schwierigen Geländes bei den Griechen in der Regel höchstens „Stiefkind-Charakter“ hatte. 17 Der Wert einer Reitertruppe, das war bereits in der Antike klar, lag in ihrer Schnelligkeit. 18 Zusätzlich haben Kavallerieattacken ein immenses psychologisches Moment: Der Anblick einer Abteilung Reiter, die in Formation anreitet, ist ein durchaus erhebender (für Freunde) bzw. angsteinflößender (für Feinde) Augenblick. Das zeigt sich bei der Schlacht um Phaleron 19 , in deren Verlauf Thessaler Spartaner angreifen. Herodot erwähnt zwar, dass viele Lakedaimonier ums Leben kamen, er schildert allerdings keine harten Kämpfe und keine Verluste der Thessaler, die man, angesichts des Rufes der Spartaner als Gegner, wohl hätte erwarten können. 20 Hier scheinen die Spartaner - die selber keine gute Reiterei vorzuweisen hatten - es mit der Angst zu tun bekommen haben. 21 Einen flüchtenden Feind niederzumachen muss dann für die Thessaler (wie
15 de Souza: the Greeks at War, S.105.
16 Um sofort dem gängigen Vorurteil entgegenzuwirken: Die thessalische Kavallerie war eine Sonderform der Kavallerie, allerdings nicht die einzige, die die Bezeichnung verdient. Die These, dass es südlich von Thessalien keine anderen Kavallerieverbände gab (Sidnell: Warhorse, S. 107) ist bereits wiederlegt (vgl. u.a. Bugh: Horsemen of Athens, S. 27).
17 Widdra: Xenophon, S. 11.
18 Widdra: Xenophon, S. 12.
19 Herodot: V, 63.
20 An anderen Stellen zeigt Herodot deutlich, dass es Verluste auf beiden Seiten gab. Zur Schlacht von Tanagra sagt er: „[…], auf beiden Seiten gab es viele Verluste.“ Vgl.: Herodot I 108, 2; an anderer Stelle heißt es: „[…]; dabei fielen auch von den Thessalern und Athenern einige, […]“ vgl. Herodot II 22, 2.
21 Sidnell: Warhorse, S. 42. 7
Arbeit zitieren:
Patrick Saal, 2010, Das Thessalische Militär - Eine Domäne der Kavallerie?, München, GRIN Verlag GmbH
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