Inhaltsverzeichnis
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1. Zielstellung 3
2. Historische Entwicklung 4
3. Grundkonzept 5
3.1 Aktualisierungstendenz 5
3.2 Selbstkonzept 6
3.3 Erleben 6
3.4 Inkongruenz 6
4. Therapeutenvariablen 8
4.1 Einfühlendes Verstehen 8
4.2 Bedingungsfreies Akzeptieren 12
4.3 Echtheit 14
5. Das Gespräch 16
5.1 Vorbemerkungen 16
5.2 Transkription 17
6. Auswertung des Gesprächs 22
6.1 Einfühlendes Verstehen 22
6.2 Bedingungsfreies Akzeptieren 27
6.3 Echtheit 29
7. Stellungnahme 31
8. Literaturverzeichnis 33
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1. Zielstellung
Ziel meiner Hausarbeit ist es, ein Gespräch nach dem Ansatz der Gesprächspsychotherapie von Carl Rogers unter besonderer Berücksichtigung der drei Therapeutenvariablen zu führen und zu reflektieren.
Zunächst werde ich die historische Entwicklung des Ansatzes und seine zentralen Grundannahmen darstellen. Ferner möchte ich die drei Therapeutenvariablen Empathie, bedingungsfreies Akzeptieren und Echtheit erläutern, und die damit verbundenen Konsequenzen für mein Gespräch aufzeigen.
Im zweiten Teil der Hausarbeit werde ich mein Gespräch transkribieren und anhand der Therapeutenvariablen auswerten.
Im dritten und letzten Teil meiner Hausarbeit werde ich den Ansatz der Gesprächspsychotherapie und die drei Therapeutenvariablen kritisch reflektieren.
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2. Historische Entwicklung
Die Klientenzentrierte Psychotherapie wurde ursprünglich von Carl Rogers ab 1938 in den USA entwickelt. Sie lässt sich in den Bereich der Humanistischen Theorien einordnen und bildet einen personenzentrierten Ansatz (vgl. Zimbardo 1992, S. 416). Die Wurzeln der klientenzentrierten Psychotherapie sind eng mit der Psychoanalyse verbunden. „Besonders in der Therapie von Rank (…), finden sich Ursprünge der klient-bezogenen Therapie“ (Rogers 1999, S. 22). Otto Rang war ein Schüler Sigmund Freuds. Zunächst wurde die Beratungs- und Therapieform unter der Bezeichnung „nicht-direktiv“ bekannt und verstand sich in erster Linie als Beratungs- und Therapiemethode.
1951 führte Carl Rogers den Terminus „Klientenzentrierte Psychotherapie“ ein. Die Gesprächspsychotherapie wurde mehr und mehr als die Möglichkeit verstanden, einem Menschen bei der Entwicklung der Persönlichkeit zu helfen.
Heute bildet die klientenzentrierte Psychotherapie neben der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie die dritte Kraft in der Psychotherapie. Sie wird weit über den Rahmen der Beratung und Psychotherapie angewendet. Anwendungsbereiche sind zum Beispiel in der Pädagogik, der Sozialarbeit oder der Seelsorge zu finden.
In Deutschland wurde die Klientenzentrierte Psychotherapie ab 1960 durch die Arbeiten von Reinhard Tausch bekannt. Die Klientenzentrierte Psychotherapie trägt hier auch den Namen „Gesprächspsychotherapie“.
Die Gesprächspsychotherapie wird in Deutschland durch die „Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie“ vertreten.
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3. Grundkonzepte
Carl Rogers ist der Auffassung, dass jedem Menschen ein Wachstumspotential zu Eigen ist, das in der Beziehung zu einer Einzelperson (Therapeuten) freigesetzt werden kann (Rogers 2000, S.17).
Ziel der Therapie ist es, die Aktualisierungstendenz eines Klienten zu wecken und zu fördern. Das Selbstkonzept und das Erleben des Menschen sollen in Einklang gebracht werden und Inkongruenzen damit beseitigt werden.
Im Folgenden werde ich die Grundkonzepte der Aktualisierungstendenz, des Selbstkonzepts, des Erlebens und der Inkongruenz kurz erläutern.
3.1 Aktualisierungstendenz
Der Mensch an sich ist auf Entwicklung angelegt. Er besitzt „eine inhärente Tendenz zur Entfaltung aller Kräfte (…), die der Erhaltung oder dem Wachstum des Organismus dienen“ (Rogers 2000, S. 41).
Rogers bezeichnet diese Tendenz als Aktualisierungstendenz. Solange die Aktualisierungstendenz eines Menschen nicht behindert wird, unterstützt sie sein Wachstum, seine Reife und bewirkt eine Bereicherung seines Lebens.
Durch ungünstige Umweltfaktoren kann der Mensch allerdings daran gehindert werden, sich von seiner Aktualisierungstendenz leiten zu lassen. Die „physische und psychologische Umgebung kann sich in der Weise auswirken, dass seine Aktualisierungstendenz gehemmt oder vollkommen blockiert wird“ (Rogers 2000, S. 41).
Ziel der Gesprächspsychotherapie ist es, die Aktualisierungstendenz eines Klienten zu wecken und zu fördern.
Beispiel: Eine Klientin berichtet, wie sich ihre Aktualisierungstendenz bei ihr bemerkbar gemacht hat: „Schließlich rebellierte etwas in mir, und ich versuchte mich wieder zu finden“ (Rogers 2000, S. 50).
Nachdem die Aktualisierungstendenz dieser Klientin geweckt worden ist, berichtet sie von einer Bereicherung ihres Lebens: „Er [der Psychologe] hat mir geholfen, Teile von mir zu entdecken, deren ich mir vorher nicht bewusst war. (…) Ich habe erkannt, dass sie für mich sehr gut sind. (…) Ich habe auch mehr Erleichterung gefunden und bin selbstsicherer geworden“ (Rogers 2000, S. 47).
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3.2 Selbstkonzept
Der Mensch richtet sein Handel nach seinem Selbstkonzept aus.
Das Selbstkonzept kann man „sich als eine strukturierte, konsistente Vorstellungsgestalt denken, die sich zusammensetzt aus den Wahrnehmungen vom Ich (…) und den Wahrnehmungen von diesem Ich zur Außenwelt und zu anderen Personen“ (Rogers 2000, S. 42). Das Selbstkonzept bildet einen Zusammenschluss von Wahrnehmungsmustern, an denen wir unser Handel ausrichten und somit dem Leben begegnen. Der Mensch reagiert auf seine Realität so, wie diese Aufgrund seines Selbstkonzeptes wahrgenommen und definiert wird. Nach Rogers ist der Mensch in seinem Handeln autonom und selbstbestimmt. Allerdings versucht der Mensch häufig, „das Selbst zu sein, das andere von ihm erwarten, anstelle des Selbst, das es eigentlich ist“ (Rogers 2000, S. 140), und vergisst damit seine Autonomie. Beispiel: Im therapeutischen Gespräch erwähnt die Klientin häufig das Wort „Selbst“: „Ich war dabei mich selbst zu verlieren. Ich brauchte etwas, das mir dabei helfen konnte, mich selbst zu finden“ (Rogers 2000, S. 48).
3.3 Erleben
„Erleben ist der Prozess, der alles umfasst, was innerhalb des Organismus vorgeht und dem Bewusstsein zugänglich ist“ (Rogers 2000, S. 42).
Erlebnisse können dem Menschen erst viel später bewusst werden und sie können auch wieder aus seinem Bewusstsein entfallen. Häufig tauchen Erlebnisse am Rande des Bewusstseins auf. Man kann diese Erlebnisse dann nicht genau fassen, weiß aber dass sie da sind. Wenn Erlebnisse von der Gewahrwerdung ausgeschlossen werden, weil sie nicht mit dem Selbstkonzept vereinbar sind, können diese im Gespräch später wieder bewusst werden. Beispiel: Im therapeutischen Gespräch wird sich die Klientin ihrem zurückliegenden Erleben bewusst: „Als die verleugneten Erlebnisse den Damm durchbrachen, entpuppten sie sich als tiefer Schmerz und Wut, von denen ich absolut nichts gewusst hatte“ (Rogers 2000, S. 51).
3.4 Inkongruenz
Inkongruenz beschreibt Rogers als die „Diskrepanz zwischen Erleben des Organismus und dem bewussten Selbstkonzept“ (Rogers 2000, S.42).
Das Selbst eines Menschen kann Gefühle vermitteln, die nicht mit dem Erleben des Menschen vereinbar sind.
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Inkongruenz blockiert die Aktualisierungstendenz und behindert damit die positive Entwicklung des Menschen.
„Bei starker Inkongruenz nimmt die Selbstaktualisierungstendenz einen zwiespältigen Charakter an. Einerseits unterstützt diese Tendenz das Selbstkonzept der Person, die darum kämpft, ihr Bild von sich zu vervollkommnen. Andererseits meldet auch der Organismus seine Bedürfnisse an, die mit den Wünschen der Peron unvereinbar sind“ (Rogers 2000, S. 43f.). Beispiel: Die Klientin erkennt die Diskrepanz zwischen seinem Erleben und seinem Selbstkonzept: Ich dachte, „ich bin eine Person die immer den anderen zu gefallen versucht und ihre eigenen Empfindungen noch nicht einmal kennt“ (Rogers 2000, S. 51f.). Aber „ich bin eine Person voller Schmerz, Wut und Rebellion“ (Rogers 2000, S. 51).
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4. Therapeutenvariablen
Die persönliche Entwicklung und das eigene Wachstum werden durch drei zentrale Faktoren des einfühlenden Verstehens, des bedingungsfreien Akzeptierens und der Echtheit des Therapeuten unterstützt. Diese drei Einstellungen werden auch Therapeutenvariablen genannt und sind entscheidend für eine erfolgreiche Therapie. Ich werde im Folgenden auf jede einzelne der drei Variablen eingehen, und die daraus resultierenden Konsequenzen für mein Gespräch darlegen.
4.1 Einfühlendes Verstehen
Empathie ist die Fähigkeit, die Erlebnisse und Gefühle des Klienten und deren persönliche Deutung präzise und sensibel zu erfassen und ihm wiederzuspiegeln. „Der Therapeut ist in der Welt des Klienten zu Hause“ (Rogers 2000, S. 24).
Widerspiegeln heißt: „Was ich einfühlend verstanden habe, fasse ich in Worte und gebe es dem Klienten zurück“ (Weber 2000, S. 69).
Ich betrete also die Wahrnehmungswelt meines Gesprächspartners und versuche seine Gefühle zu erfassen und ihm wiederzugeben. Ich soll in der Welt des Klienten zu Hause sein, als ob es meine eigene wäre. Wichtig ist allerdings, dass der „als-ob-Charakter“ im Verlauf des Gespräches erhalten bleibt. „Der Therapeut gewahrt eine gewisse emotionale Distanz und ist sich jeder Zeit seiner Andersartigkeit bewusst“ (Finke 1994, S. 42).
Manchmal sind dem Klienten seine Gefühle nicht klar, in diesem Fall versuche ich in Worte zu fassen, „was der Gesprächspartner (noch) nicht deutlich sagen kann“ (Weber, S. 69, 2000). Weber vergleicht das einfühlende Verstehen sehr treffend mit einer Geige: „Wie gut eine Geige ist, hängt hauptsächlich vom Resonanzboden ab. (…) Er macht die angestrichene Saite in allen feinen Einzelheiten hörbar, fügt ihr aber nichts hinzu. Wer einfühlsam spiegelt, ist für den Gesprächspartner wie ein Resonanzkörper“ (Weber, S.70, 2000). Für den Klienten ist es ein bestärkendes Gefühl so tiefgreifend und umfassend in seinen Gefühlen verstanden zu werden. Der Klient wird durch das einfühlende Verstehen ermutigt, mehr von sich und seinen Gefühlen mitzuteilen. Er merkt, dass seine Gefühle für den Therapeuten wichtig sind, und dass er infolgedessen ebenfalls wichtig ist. Dadurch findet der Klient zu konstruktiven Änderungen seiner Person. Er setzt sich mit seiner inneren Welt, seiner Realität, auseinander. Er lernt in sich hineinzuhorchen, auf sein Selbst zu hören, und seine Wahrnehmung zu ändern.
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Finke hat das einfühlende Verstehen in fünf Stufen unterteilt:
1. Stufe: Einfühlendes Wiederholen
Beim einfühlenden Wiederholen gibt der Therapeut die Klientenaussage mit seinen eigenen Worten wieder. Hierbei soll aber nicht nur der Satzbau des Klienten umgestellt werden, sondern der Therapeut soll versuchen die Bedeutung der Klientenaussage mit seinen eigenen Worten wiederzugeben. Der Klient wird ermutigt und fühlt sich bestätigt. Während des Spiegelns betrachtet der Klient seine eigene Aussage noch einmal und kann sie reflektieren. Beispiel:
K: Anfangs war ja alles noch neu, und da hat es auch Spaß gemacht, aber irgendwann muss man mal was Neues machen. Jeden Tag das Gleiche zu tun das
T: Deine momentane Arbeit langweilt dich.
2. Stufe: Konkretisierendes Verstehen
Der Sinneszusammenhang zwischen dem Erleben des Klienten und einer konkreten Situation soll verdeutlicht werden.
Beispiel:
K: Es kriegt ja auch kein anderer so richtig mit. Ich wünsche mir häufig mal einen Kollegen der mir ein bisschen Hilft.
T: Du fühlst dich einsam, weil dir keiner bei deiner Arbeit hilft.
3. Stufe: Selbstkonzeptbezogenes Verstehen
Der Klient soll sich bewusst werden, dass ein Zusammenhang zwischen seinen Gefühlen und den darauf folgenden Reaktionen besteht.
Die Aufgabe des Therapeuten ist es auf dieser Stufe den Klienten „aus seinem Bezugssystem zu verstehen“. Das Bezugssystem des Klienten spiegelt sich in seinem Selbstkonzept. Der Therapeut stellt einen Zusammenhang zwischen dem Selbstkonzept und dem Erleben des Klienten her.
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Arbeit zitieren:
Jan Schamberger, 2002, Konstruktive Gesprächsführung in der Beratung nach Carl Rogers, München, GRIN Verlag GmbH
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