Vorwort II
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Vorwort
Altenpflege verbindet menschliche Beziehungsarbeit mit pflegerischem Handeln. Sie erfordert eine solide fachliche Ausbildung, soziale Kompetenz, ein hohes Maß an Ver-antwortungsbewusstsein, Einfühlungsvermögen, Sensibilität und gute Beobachtungsgabe sowie Interesse an medizinischen Zusammenhängen. Viele dieser Aufgaben werden, ebenso wie organisatorische Pflichten und Verwaltungsaufgaben eigenver-antwortlich erledigt und bieten viel Raum für Kreativität. Altenpflege ist ein Beruf, mit hohen Herausforderungen, ein Beruf der Sinn macht und Zukunftssicherheit bietet. So zumindest wirbt das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung für den Beruf der Altenpflege. 1
Die ab 1. August 2003 neu geregelte und erstmalig bundeseinheitliche Altenpflegeausbildung war Grund, dass sich der Autor mit dem Thema der Altenpflegeausbildung, ihrer Entwicklung, den Veränderungen und der Zukunft der Altenpflege beschäftigt hat. Die Erkenntnisse fließen in praktische Ausbildungsinhalte und -konzepte der Caritas-Einrichtung 2 ein und sollen Impuls sein für eine zukunftssichernde Altenpflegeausbildung.
Die nachfolgende Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Berufsbild der Altenpflege, ihren Perspektiven und belichtet ihre Schattenseiten. Unter dem Motto „love it, leave it oder change it“, geht der Autor auf empirische Untersuchungen ein, um zu filtern, welchen Herausforderungen die Altenpflege unterliegt und was getan werden muss, um den Berufsnachwuchs in der Altenpflege zu sichern - dies gerade vor dem Hintergrund, dass ein Viertel der Ausbildungsabsolventen 3 ihren Beruf im ersten Beschäftigungsjahr verlassen.
1 Die Kampagne „Altenpflege in Bayern“ ist eine Initiative von zahlreichen Verbänden und Institutionen unter Federführung des Bayerischen Staatministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen. Auch andere Landesregierungen führen ähnlich gelagerte Projekte durch. Siehe hierzu unter anderem www.berufe-mit-sinn.de.
2 Die Caritas-Einrichtung zählt zu einem Verbund von Caritas-Einrichtungen in Unterfranken, die sich mit der Altenpflege beschäftigen. In ihren Häusern leben rund 1.200 Bewohner und arbeiten mehr als 700 Mitarbeiter.
3 Im Folgenden werden Personen in der männlichen Sprachform angesprochen, es sind aber jeweils so- wohl männliche als auch weibliche Personen gemeint.
Inhaltsverzeichnis III
Inhaltsverzeichnis
1 Aktualität des Themas 1
2 Altenpflege - Empirische Untersuchungen 2
2.1 Beruf oder Berufung? 2
2.2 Ein Beruf fürs Leben? 4
3 Altenpflegeausbildung - Ein Beruf stellt sich vor. 5
3.1 Bundeseinheitliche Altenpflegeausbildung 5
3.2 Die neuen Ausbildungsbestimmungen 5
3.2.1 Zugangsvoraussetzungen 5
3.2.2 Ausbildungsstruktur. 6
3.2.3 Ausbildungsziele 6
3.3 Vertragliche Regelungen. 7
3.4 Finanzierung der Ausbildung. 7
3.5 Perspektiven nach der Ausbildung 8
4 Erkenntnisse und Ausblick 9
4.1 Veränderungsprozesse in der Altenhilfe. 9
4.2 Die Zukunft der Pflegeausbildung 10
Literaturverzeichnis 12
Anhang 14
1 Aktualität des Themas 1
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1 Aktualität des Themas
Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) e.V. hat die Ergebnisse einer bundesweiten Befragung zur Lage und Situation des Pflegepersonalwesens vorgestellt. Die Studie „Pflege-Thermometer 2002“ 4 kommt zu dem Schluss, dass die Personalsituation im bundesdeutschen Pflegewesen als angespannt bezeichnet werden muss. Das dip schätzt, dass mehr als 40.000 Stellen schon heute in Krankenhäusern, Altenheimen und ambulanten Pflegediensten nicht besetzt werden können. Schätzungsweise 30.000 hiervon entfallen auf die stationäre Altenhilfe und das ambulante Pflegewesen. Dem gegenüber sind auf dem Arbeitsmarkt derzeit nur verhältnismäßig geringfügige Kapazitäten von arbeitssuchenden Angehörigen der Pflegeberufe auszumachen. Ferner zeichnet sich ab, dass in den kommenden fünf Jahren von einer weiteren Verschlechterung der Situation auszugehen ist. Die derzeitigen Probleme werden vorrangig als personelle Engpässe, steigende Arbeitsbelastungen und abnehmende Eignung von Bewerbern beschrieben. Prof. Weidner 5 , Direktor des dip und Projektleiter, kommentierte die Ergebnisse folgendermaßen: „Im Sprachgebrauch der Temperaturmessung müssen wir bezüglich dieser Befragung der Pflegepersonalsituation in Deutschland Fieber mit steigender Tendenz bescheinigen. Bei Nichtbehandlung droht Schüttelfrost und letztlich der Pflegekollaps!“
Auch der vierte Bericht 6 zur Lage der älteren Generation spricht von einem eklatanten Personalmangel in der Altenpflege. Statt die gewünschte Anhebung der Fachkraftquote zu realisieren, könnten Heimleitungen frei gewordene Stellen oft nicht wieder besetzen. Hier macht sich ein negativer Effekt erkennbar. Stationäre Einrichtungen stehen unter dem doppelten Zwang, einerseits wirtschaftlich zu arbeiten und andererseits hohe Qualität in der Versorgung zu erbringen. Auf der Seite der professionell Pflegenden resultiert dies in hoher Arbeitsbelastung und hohem wahrgenommenen Zeitdruck. Neue Konzepte, Wohnstrukturen, Personalstrukturen und Bildungsstrukturen sind gefragt.
Ebenso beschäftigt sich das Jahrbuch 2003 des Deutschen Caritasverbandes 7 mit dem Thema der sozialen Dienstleistung und des sich daraus ergebenden personalintensiven Mitteleinsatzes. Die Zahl junger Menschen, die in den nächsten Jahren dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden, wird aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge kleiner. Gleichzeitig hält die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern im sozialen Bereich und gerade in der ambulanten und stationären Altenpflege an.
4 Weidner, F., u.a., Pflege-Thermometer 2002, Köln, 2002, S. 5 ff. Insgesamt hat das dip 1028 Pflegedienstleitungen und Geschäftsführungen von Krankenhäusern, Altenheimen und ambulanten Pflegediensten in ganz Deutschland befragt.
5 Weidner, F., u.a., a.a.O., S. 5.
6 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Vierter Bericht zur Lage der älteren Generation, Berlin, 2002, S. 262 ff.
7 Batkiewicz, R., u.a., Zukunft und Identität der Caritas im Markt, in: Deutscher Caritasverband (Hrsg.), Caritas 2003 - Jahrbuch des Deutschen Caritasverbandes, Freiburg, 2002, S. 50.
2 Altenpflege - Empirische Untersuchungen 2
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2 Altenpflege - Empirische Untersuchungen
2.1 Beruf oder Berufung?
Ist Altenpflege nun wirklich „voll das Leben“? Ist es der Wunschberuf vieler oder doch mehr nur die Absicherung für die berufliche Zukunft? Mit diesen Fragestellungen hat sich die Paul Lempp-Stiftung 8 beschäftigt und für eine empirische Untersuchung 9 über die Attraktivität der Altenpflege das Institut für Demoskopie Allensbach beauftragt.
Die Ergebnisse der Studie 10 zeigen auf, dass der Anteil der männlichen Altenpflegeschüler lediglich bei 21 Prozent liegt und, ebenso wie in der Praxis zu verzeichnen, der Großteil der in der Altenpflege beschäftigten Mitarbeiter weiblich sind. „Es ist ein Beruf, den ich als sinnvoll empfinde“ - 83 Prozent antworten dies, wenn sie nach den Gründen ihrer Berufswahl gefragt werden. Hier liegt ein Kernpunkt für die Attraktivität der Altenpflege. Sie bietet die Möglichkeit, etwas Sinnvolles für andere Menschen zu tun, eine Arbeit, die wirklich benötigt wird, an einem ganz bestimmten Ort und zu einer ganz bestimmten Zeit, und die nicht auf Maschinen übertragen werden kann.
Auf die meisten Menschen wirkt die Altenpflege nicht gerade anziehend. In der Öffentlichkeit gilt sie als eine schwere Tätigkeit, die zudem noch unterbezahlt ist. Bei einer Repräsentativumfrage unter der deutschen Bevölkerung erklärten 69 Prozent der Befragten, dass die Pfleger überfordert sind und Altenpflege ein sehr schwerer Beruf sei.
8 Noelle-Neumann, E., u.a., Altenpflege - Beruf oder Berufung? Bericht über eine repräsentative Befragung von Altenpflegeschülern zur Attraktivität des Pflegeberufs, durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach, Paul Lempp Stiftung, Stuttgart, 2000.
9 Hierfür wurden 180 Schüler an 32 Berufsfachschulen in Baden-Württemberg befragt.
10 Noelle-Neumann, E., u.a., a.a.O., S. 14 ff.
2 Altenpflege - Empirische Untersuchungen 3
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Bei der Befragung der Altenpflegeschüler berichteten 57 Prozent, ihnen sei von dem Beruf abgeraten worden; lediglich 16 Prozent erinnerten sich an Empfehlungen für den Beruf. Als Mahner und Bedenkenträger betätigten sich dabei nicht allein die engeren Verwandten; auch Freunde und entfernte Bekannte meinen, vor dem Berufsrisiko Altenpflege warnen zu müssen. „Und wer hat Ihnen von dem Beruf abgeraten?“ Nicht selten hörten die Interviewer auf diese Frage die Antwort: „Alle.“
Dennoch entscheiden sich jedes Jahr aufs neue zahlreiche weibliche und einige männliche Personen für den sinnstiftenden Beruf der Altenpflege und der Hilfe von alten und meist multimorbid erkrankten Mitmenschen.
Jeder dritte Altenpflegeschüler hätte eigentlich lieber einen anderen Beruf ergriffen. 11 Für zwei Drittel der zukünftigen Altenpfleger stand die Entscheidung für die Altenpflege eindeutig an oberster Stelle.
11 Als mögliche Ursache wäre hierfür sicherlich auch die Tatsache anzusetzen, dass auf das Jahr 1992 bezogen rund 50 % der Altenpflegeschüler vom Arbeitsamt als Umschüler gefördert wurden. Becker, W., u.a. (Hrsg.), Altenpflege - eine Arbeit wie jede andere? Ein Beruf fürs Leben?, Bielefeld, 1997, S. 81.
2 Altenpflege - Empirische Untersuchungen 4
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2.2 Ein Beruf fürs Leben?
Die Altenpflege hat sich zu einem immer bedeutenderen Arbeitsfeld im Bereich der Pflege entwickelt. Ein hoher gesellschaftlicher Bedarf an Betreuung, Beratung und Förderung besteht, während zugleich der Mangel an qualifiziertem Personal in Erscheinung tritt. Altenpfleger bleiben, so scheint es, nicht sehr lange in ihrem Beruf. Nach kurzer Verweildauer kehrt ein großer Teil von ihnen dem Beruf den Rücken. In einer Längsschnittuntersuchung haben Becker 12 und Meifort die berufliche Entwicklung von knapp 4.000 Altenpflegeschülern in mehr als 300 Altenpflegeschulen über fünf Jahre hinweg untersucht.
Den Ergebnissen 13 zufolge sind nach fünf Jahren Berufstätigkeit in der Altenpflege nur noch 20 % der Altenpfleger in diesem Beruf tätig. Stellt man diese Zahl in den Vergleich mit kaufmännischen Berufen, in denen ebenso vorwiegend Frauen beschäftigt sind, fällt auf, dass hier nach fünfjähriger Beschäftigung noch rund 70 % im erlernten Beruf tätig sind. Die Berufsverweildauer von Krankenpflegekräften ist im Gegensatz zur Verweildauer von Altenpflegemitarbeitern doppelt so hoch. 14 Die Untersuchung zeigt auch, dass die Unzufriedenheit mit dem Beruf nach einem Jahr Berufstätigkeit besonders stark ausgeprägt ist und dann mit zunehmenden Berufsjahren abnimmt. Nur 49 % der Befragten gaben nach dem ersten Berufsjahr an, den Beruf noch einmal erlernen zu wollen.
Die starke Berufsabwanderungstendenz in der Altenpflege wird als die Folge eines reformbedürftigen Zusammenspiels von beruflicher Qualifikation, Arbeitsbedingungen und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten angesehen. Altenpfleger werden inhaltlich und methodisch nicht ausreichend auf ihren Beruf vorbereitet, und so können sie der besonderen physischen und psychischen Belastung, dem Umgang mit Krankheit, Behinderung und sozialer Isolation der zu Pflegenden, mit Sterben und Tod nicht standhalten. Als weitere Gründe für das Ausscheiden aus dem Beruf werden schlechte Arbeitsbedingungen, körperliche Anstrengung, fehlende Anerkennung des Berufs, Personalausstattung und Personalqualifikation genannt. 15 Die Frage, ob und wie lange man diese Belastungen aushalten kann, hat jede vierte Altenpflegekraft nach dem ersten Berufsjahr mit dem Ausstieg aus dem Beruf beantwortet. 16
12 Becker, W., u.a. (Hrsg.), a.a.O., S. 1 ff.
13 Becker, W., u.a. (Hrsg.), a.a.O., S. 266 ff.
14 Bundesverfassungsgericht, Leitsätze zum Urteil des Zweiten Senats vom 24. Oktober 2002, 2 BvF 1/01, Online in Internet, URL: http://www.bverfg.de/entscheidungen/frames/fs20021024_2bvf000101 [23.05.03], S. 10.
15 Becker, W., u.a., (Hrsg.), a.a.O., S. 230 ff., S. 273 ff.
16 Becker, W., u.a., (Hrsg.), a.a.O., S. 304.
3 Altenpflegeausbildung - Ein Beruf stellt sich vor 5
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3 Altenpflegeausbildung - Ein Beruf stellt sich vor
3.1 Bundeseinheitliche Altenpflegeausbildung
Eine weitere Hürde für junge Menschen, den Beruf des Altenpflegers zu ergreifen, lag an der bisher unterschiedlichen Pflegeausbildung in den 16 Bundesländern. 17 Ein Arbeitsplatzwechsel zwischen verschiedenen Bundesländern wurde damit erschwert - ein Unding in einem europäischen Wirtschaftsraum, der hohe Flexibilität verlangt. Insbesondere waren Ausbildungsdauer, Zulassungsvoraussetzungen, das Schulsystem, die Ausbildungsstruktur und die Ausbildungsinhalte jeweils unterschiedlich geregelt. Somit wurde die Anerkennung der Ausbildung und der erworbenen Qualifikationen zu einem regionalen Glücksspiel. Viele Jahre hat sich die Bundesregierung für eine bundeseinheitliche Altenpflege, wie es in den Krankenpflegeberufen bereits seit 1957 der Fall ist, eingesetzt. Im November 2001 hat die Bundesregierung das erste bundeseinheitliche Altenpflegegesetz verabschiedet. Der Freistaat Bayern war mit der Vereinheitlichung nicht einverstanden und klagte vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gegen das geplante Gesetz. Doch die Klage wurde am 24. Oktober 2002 abgewiesen. 18 Das Bundesaltenpflegegesetz tritt damit zum 1. August 2003 in Kraft. Struktur und Inhalte der Ausbildung, die staatliche Prüfung und das Verfahren zur Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen, die in anderen EU-Staaten erworben worden sind, sind jetzt bundeseinheitlich geregelt. Der Autor ist der Auffassung, dass mit der Einführung dieser neuen Ausbildungsordnung neue Qualitätsmaßstäbe gesetzt werden und eine größere gesellschaftliche Anerkennung des Altenpflegeberufes erreicht werden kann, was letztendlich auch den Berufsnachwuchs sichert und die Berufsfluktuation verringern wird. Die Berufsbezeichnung „Altenpfleger“ bzw. „Altenpflegerin“ ist künftig geschützt und soll ebenso zur Aufwertung des Berufsbildes beitragen.
3.2 Die neuen Ausbildungsbestimmungen
3.2.1 Zugangsvoraussetzungen
Wer den Beruf des Altenpflegers erlernen möchte, muss folgende Voraussetzungen erfüllen:
• gesundheitliche Eignung und
• Realschulabschluss bzw. einen gleichartig anerkannten Bildungsabschluss oder
• Hauptschulabschluss und eine Ausbildung als Altenpflegehelfer oder Krankenpflegehelfer oder eine sonstige abgeschlossene mindestens zwei Jahre dauernde Ausbildung.
17 Becker, W., u.a. (Hrsg.), a.a.O., S. 73 ff.
18 Bundesverfassungsgericht, a.a.O., S. 1 ff.
Arbeit zitieren:
MBA Marco Bambach, 2003, Altenpflege - Beruf oder Berufung? Ein Ausbildungszweig stellt sich vor, München, GRIN Verlag GmbH
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