Proseminar ,,Vom stylus phantasticus zur Freien Fantasie"
Universität Leipzig WiSe 2009
Aufgaben des Organisten im Gottesdienst:
Sinn und Zweck des Präludierens
Sebastian Bluschke
3. Semester
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 3
Aufgaben des Organisten im Gottesdienst... 3
Sinn und Zweck des Präludierens... 7
Schlusswort ... 9
Bibliographie für Hausarbeit ,,Die Aufgaben des Organisten / Sinn und Zweck des
Präludierens"... 10
Einleitung
,,Und gäbe es in der protestantischen Kirche keine Orgel, so wäre sie gar keine Religion."
Diese Worte, die sich so in einem zwar völlig anderem Zusammenhang im dritten Teil der
Reisebilder (Die Bäder von Lucca, 1830/31) von Heinrich Heine finden, beschreiben ein sich
bis in die heutige Zeit vollständig etabliertes Bild der Kirche in den Köpfen der Menschen:
Die Zusammengehörigkeit von Gottedienst und Orgelmusik.
Die vorliegende Arbeit untersucht den Aufgabenbereich eines Organisten im Spannungsfeld
zwischen klingender Kunst und beruflicher Anstellung an einer Kirche. Welchen
Verpflichtungen hatte er nachzukommen? Welchen Entwicklungen unterlag eine solche
Anstellung in einer Zeit zwischen beginnender Reformation, Dreißigjährigem Krieg und
Aufklärung?
Ziel ist es, durch das nachzeichnen der historischen Entwicklung des Berufes mitsamt seinen
Tätigkeitsfeldern den Rahmen aufzuzeigen, in dem ein Organist hätte künstlerisch tätig seinen
können. Zu diesem Zweck geht der 2. Teil der Arbeit genauer auf die gängige Praxis des
Präludiumspielens ein.
Aufgaben des Organisten im Gottesdienst
Im Deutschland des 15. Jahrhundert sind Orgeln in den Kirchen der Städte und Dörfer kaum
ausfindig zu machen und dieser Zustand dauerte noch bis in das 16. Jahrunder hinein an. Nur
in den größeren Domkirchen und Klöstern sind sie in dieser Zeit als eine
Selbstverständlichkeit zu betrachten. Der für diese Arbeit später noch wichtige und für den
Gottesdienst so typische Wechselgesang fand unter diesen Umständen ausschließlich
zwischen Priester und Chor statt.
1
Eine eigenständige Form der Begleitung des
Gemeindegesangs gab es nicht. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass in einigen
Regionen Deutschlands der Küster zu Laute oder einem anderen Instrument gegriffen hat, um
die im Singen der Kirchenlieder ungeübte Gemeinde anzuleiten.
2
Nachdem die
Chorausbildung an den Lateinschulen jedoch ein höheres Niveau erreicht hatte, verbot man
zunächst den Gebrauch der Instrumente und verbannte sie aus dem Gottedienst.
Aus der Begleitung von Vokal- und Tanzmusik entwickelte sich gerade die instrumentale
Improvisationskunst heraus, jedoch waren konzertane Aufführungen mit der Orgel noch
völlig undenkbar, da diese Art der Musik als höchst unkirchlich galt.
3
Allein in den Kirchen
1
Edler S. 150
2
Werner S. 83
3
Edler S.148
bedeutender Städte war die Orgel dagegen ein gleichberechtigter wie eigenständiger
Bestandteil der Musik des gottesdienstlichen Brauchtums neben Liturg, Chor und Gemeinde.
Die Funktion der Orgel im Gottesdienst der reformierten Kirche lässt sich sehr genau anhand
der damals sowohl handschriftlich wie auch im Druck verbreiteten Kirchenagenden
nachprüfen, die mit dem Übertritt der Landesherren oder Stadträte zum Protestantismus
eingeführt und umgesetzt werden.
4
Anders als im katholischen Süden führte dies zu einem
recht einheitlichem Ablauf des kirchlichen Zeremoniell und wurd dadurch für große Teile
Norddeutschlands.
Neben der von den Calvinisten bekannten ablehnenden Haltung der Musik in der Kirche
gegenüber war auch Luther zunächst nicht vom Gebrauch der Orgel überzeigt, verstand sie als
die ,,gleißende Pracht des Papismus"
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und maß ihr somit auch keinerlei künstlerische
Bedeutung zu. Während die Anhänger Calvins auf ihrer Meinung beharrten änderte Luther
bald seine Ansichten und fand in ihr neben ,,pädagogischen und psychologischen Gründen im
Blick auf die Jugend und auf einfache Gemüter"
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auch eine wünschenswerte Bereicherung
des Gottesdienstes. Hauptaufgabe des Organisten in der reformierten Kirche war natürlich das
liturgische Orgelspiel, jedoch war es ihm auch auferlegt, den zeitlichen Ablauf der einzelnen
Teile des Gottesdienstes zu koordinieren. Daher kann davon ausgegangen werden, dass das
der Organist größtenteils mit Improvisationen arbeitete.
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Der Dreißigjährige Krieg führte letztendlich zum Niedergang der Musikpflege im gesamten
deutschen Raum. Davon verschont blieben, zumindest teilweise, der Gemeindegesang und die
Orgeln in den Kirchen, und somit wurde die Orgel nach 1648 Stütze für den mittlerweile vom
starken Rückgang in Anzahl und Niveau gekennzeicheten Laiengesang.
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Um 1600 begann ein sich durch das gesamte 17. Jahrhundert ziehender Prozess des
musikalischen Umdenkens, der auch für Umwälzungen in der Kirchenmusik sorgte. Als eines
seiner wichtigen Ergebnisse formuliert Arnfried Edler:
,,.1. der weitgehende Ersatz der alten Chormusik (Motette) durch neue Formen des vokalen Musizierens, die man
angesichts ihrer Vielfalt am kürzesten dadurch als einheitlich kennzeichnet, dass sie auf den kompositorischen
Prinzipien des Generalbasses und des Konzertierens (in vielfachem Sinne) beruhen;
2. die neue Form des Gemeindegesangs in der Form des Kirchenliedes des 17. Jahrhunderts, das sich in seinem
musikalischen Charakter an den Typus deer generalbassmäßig konzipierten Aria anlehnte."
9
4
Rampe S. 12
5
zitiert nach Defant S. 42
6
Defant S. 42
7
Rampe S. 38
8
Werner S. 95
9
zitiert nach Edler S. 177
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