Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Verschwörer, Rebellen und Exilanten:
Von der gescheiterten Rebellion und dem Weg nach Bosworth. 4
2. Ritter, Verräter und Könige:
Von der Invasion und dem Schlachtverlauf, bis zum Ende Richards III. 7
Abschließende Betrachtung 14
Quellen- und Literaturverzeichnis 16
Einleitung
Die englischen Rosenkriege 1 werden im Allgemeinen auf dreißig Jahre festgeschrieben, nämlich im Zeitraum zwischen 1455 und 1485. Wobei das Anfangsdatum die erste Schlacht von St. Albans (22. Mai 1455) bildet und das Enddatum mit der Schlacht von Bosworth Field (22. August 1485) veranschlagt wird. Der Begriff Rosenkriege wurde jedoch nicht von den Zeitgenossen geführt, sondern war eine Neuschöpfung des 19. Jahrhunderts, die erstmals durch Sir Walter Scott geprägt wurde. Gleichwohl ist historisch belegt, dass die Häuser Lancaster und York diese Blumen in ihren Wappen trugen, York eine weiße und Lancaster eine rote Rose, wenngleich deren heraldische Bedeutung gering war. 2 Einem Ursprungsmythos zufolge sollen sich der Herzog von Somerset, der die Hofpartei der Lancaster und Beauforts anführte mit seinem Rivalen, dem Herzog von York, nebst ihrer Anhängerschar im Temple Garden begegnet sein. Nachdem man einen scharfen Wortwechsel ausgetragen hatte, pflückte der Herzog von York eine weiße Rose, um seinen Anspruch auf das Erbe der Herzöge von Clarence, dem zweitgeborenen Sohn Edwards III. und damit auf den englischen Thron zu versinnbildlichen. Hernach forderte er alle, die seinen Anspruch unterstützen wollten, auf, ebenfalls eine weiße Rose zu ergreifen um für ihn zu streiten. Der Herzog von Somerset ergriff hierauf eine rote Rose und forderte seine Anhängerschaft dazu auf gleiches zu tun. Es handelt sich hierbei nur um ein symbolisches Bild, welches ein Szenario beschreibt, welches so nie stattgefunden hat, doch gibt es die Situation in ihrem Grundproblemen durchaus plastisch wieder.
Vordergründig waren die Rosenkriege ein Machtkampf zwischen den Häusern York und Lancaster, die beide im Ursprung einer Linie entstammten, dem Haus Plantagenêt, doch zugleich war es ein elitärer Konflikt zwischen den Parteien des Hochadels, die die zeitweilige Schwäche des Königtums ausnutzen und sich gegenseitig in ihren Privatfehden dezimierten. Der Bruch zwischen beiden Parteien vollzog sich mit dem frühen Tod des Schwarzen Prinzen und dem seines Vaters Edward III., in deren Konsequenz durch die Absetzung Richards II. die Krone auf die Lancaster überging. Unter der Regierungszeit Heinrichs VI. rebellierten schließlich die Yorkisten, die sowohl Zustimmung aus dem Volk als auch von den opponierenden Adelsparteien erhielten. 3 In der Folge kam es zu den Rosenkriegen, die allerdings keine chevaleresken romantischverklärten Kämpfe waren, sondern zu einer Radikalisierung des bisherigen Krieges führten.
1 Ein umfangreiches Werk über die Rosenkriege liegt hierzu von Elizabeth Hallam vor: Hallam, Elizabeth (Hg.), The chronicles of the Wars of the Roses. The turbulent years of the last Plantagenets, seven kings from Richard II in 1377 to Richard III in 1485, London 1988, sowie: Rowse, A. L., Bosworth Field & The Wars of the Roses, London 1966.
2 Vgl. Sarnowsky, Jürgen, England im Mittelalter, Darmstadt 2002, S. 184.
3 Vgl. Sarnowsky, England im Mittelalter, S. 184ff.
3
Ritterlicher Ethos, oder die Schonung von Gefangenen, insbesondere unter Standesgenossen galten nicht länger. Hochadelige die potentielle Ansprüche auf den Thron vorweisen konnten und in die Hände des Feindes fielen, wurden ebenso wie ihre Parteigänger hingerichtet. Nachdem Richard of Gloucester aus dem Hause York, Bruder des früh verstorbenen König Edward IV. am
6. Juli des Jahres 1483 als Richard III. den englischen Thron bestiegen hatte, schienen die Kämpfe beendet, da die meisten potentiellen Thronanwärter aus den Nebenlinien nicht mehr lebten. Die Tudors hatten als loyale Gefolgsmänner den Beauforts und Lancastern gegen die Yorkisten zur Seite gestanden und als beide Blutlinien im Mannesstamme während den Rosenkriegen ausgelöscht wurden, verblieb nur dem Exil lebende Heinrich, der sich auf ihr Erbe berief, und zwei Jahre später in der Feldschlacht von Bosworth Field Richard III. gegenübertrat.
Diese Untersuchung wendet sich dem besagten militärischen Ereignis zu und soll die unmittelbaren Ereignisse um den Entscheidungskampf der Rosenkriege, darlegen. Die Schlacht von Bosworth Field, ein Name der im Übrigen erst Jahre später verwendet werden sollte, und von der die Zeitgenossen als der Schlacht von Redmore sprachen, ist nur unzulänglich dokumentiert worden. Über den genauen Handlungsablauf bestehen nach wie vor Unklarheiten, ebenso sind die Positionen der Streitkräfte nur ungefähr bestimmt worden. Im Folgenden soll durch die herangezogenen zeitgenössischen Quellen und unter Verwendung der Sekundärliteratur versucht werden, ein klares Bild von der letzten Schlacht der Rosenkriege zu zeichnen.
1. Verschwörer, Rebellen und Exilanten:
Von der gescheiterten Rebellion und dem Weg nach Bosworth.
Keine vier Monate waren seit der Krönung Richards III. vergangen, als sein loyaler Gefolgsmann, Henry Stafford, Herzog von Buckingham, der ihm zur Krone verholfen hatte, in offene Rebellion trat, um seine eigenen Ansprüche auf den Thron zu erheben. Zugleich führt der Herzog Geheim-verhandlungen mit John Morton, Bischof von Ely. Dieser bewog den Herzog auf seine eigenen Ansprüche, zugunsten Heinrich Tudors, dem Grafen von Richmond zu verzichten. 4 Obwohl Heinrich Tudor seine Ansprüche von John of Gaunt, Herzog von Lancaster, dem vierten Sohn Edwards III. ableiten konnte, hatte Buckingham der aus der direkten Linie von Edward III. und dessen jüngsten Sohn Thomas Woodstock, dem Ahnherrn der Herzöge von Buckingham,
4 Vgl. Williams, Neville, The life and times of Henry VII, London 1973, S. 24f.
4
stammte, weitaus begründetere Ansprüche auf die Krone Englands. 5 Doch es gelang dem Bischof den Herzog zu überzeugen, für die Sache von Heinrich, der sich in der Bretagne aufhielt, einzutreten. „Wir wissen, dass sich Buckingham in Absprache mit Johann Morton für eine Verbindung der beiden ‚Rosen‘ von Lancaster und York durch eine Heirat von Heinrich von Richmond und der ältesten Tochter Eduards IV. Elisabeth aussprach.“ 6
Im September 1483 wandte sich Buckingham an Heinrich und forderte ihn in seinen Schreiben dazu auf, nach England zu kommen, um die Tyrannei im Reich zu beenden. Man war übereingekommen, dass am 18. Oktober 1483 im ganzen Land bewaffnete Aufstände gegen Richard III. stattfinden sollten, und sich Heinrich gemeinsam mit Buckingham und seinen Streitkräften vereinigen sollte. Doch der Versuch einer Rebellion scheiterte, denn bereits am 11. Oktober hatte König Richard Maßnahmen in die Wege leiten lassen diesen Umsturz in seinen Anfängen zu ersticken. Dass sich der Herzog von ihm abgewandt hatte, verärgerte Richard in höchsten Maßen, weswegen er diese ‚untreue und verräterische Kreatur‘ öffentlich als Hochverräter ausrufen, sowie ein Kopfgeld für seine Gefangennahme aussetzen ließ. Währenddessen beabsichtigte Buckingham, seine Armee über den Fluss Severn zu führen, um sich mit den Truppen des Bischofs von Exeter und Sir Edward Courtenay zu vereinigen. Doch hatten heftige Regenfälle den Fluss derartig ansteigen lassen, dass eine sichere Überquerung unmöglich geworden war. Buckingham zog sich daraufhin nach Shropshire zurück, doch dort fiel er am 1. November durch Verrat seinen Feinden in die Hände, und wurde wenig später auf dem Marktplatz von Salisbury geköpft. Richard hatte sich währenddessen nach Westen gewandt und befriedigt festgestellt, dass sich die aufrührerischen Rebellen zerstreut, ihre Anführer geflohen und die Opposition in sich zusammengebrochen war. Heinrich der in der Zwischenzeit an der englischen Küste angelangt war, konnte aufgrund des stürmischen Wetters nicht bei Poole landen. Bei Plymouth wurde er von Männern, die behaupteten Anhänger Buckinghams zu sein aufgefordert anzulegen, doch er durchschaute diese Falle und begab sich zurück nach Frankreich. 7 Überzeugt davon seine Ansprüche durchsetzen zu können und der Idee einer Kontinuität der dynastischen Herrschaftsfolge als legitimer Erbe der Lancaster und Beauforts folgend, legte Heinrich am Weihnachtsabend in der Kathedrale von Rennes einen heiligen Eid ab. Mit diesem gelobte er Prinzessin Elizabeth, die Erbin des Hauses York und Tochter des verstorbenen Edward IV., zu heiraten, sobald er den Thron von England besteigen würde. 8
5 Vgl. Cunningham, Sean, Henry VII, London 2007, S. 21.
6 Brodt, Bärbel, Das Haus York und die Rosenkriege, in: Fryde, Natalie/Vollrath, Hanna (Hgg.), Die englischen Könige im Mittelalter. Von Wilhelm dem Eroberer bis Richard III., München 2004, S. 221.
7 Vgl. Williams, The life and times of Henry VII, S. 25.
8 Vgl. Loades, Chronicles of the Tudor kings, S. 33.
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Günter Krüger, 2007, Das Ende der Rosenkriege, München, GRIN Verlag GmbH
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