Danksagung
Ich bedanke mich an dieser Stelle bei Prof. Dr. Louis Bosshart und Dr. Daniel Beck des Fachbereichs Medien- und Kommunikationswissenschaften der Universität Fribourg für die Hilfestellung bei der Konzeption der Lizentiatsarbeit. Ausserdem bedanke ich mich bei den 11 Profi-Fussballspielern und den 3 Medienbetreuern von Fussbalmannschaften aus der Axpo Super League für interessante und aufschlussreiche Gespräche. Ein grosses Dankeschön spreche ich den Lektoren Annette Rudolph und Nadja Hugi aus. Meinem Bruder Peter danke ich für die Unterstützung in technischen Angelegenheiten. Zum Schluss gebührt der Dank meiner ganzen Familie, die mir während des Studiums zu jeder Zeit unterstützend zur Seite stand und auf deren Motivation und Verständnis ich auch während des Verfassens der Lizentiatsarbeit zählen konnte.
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1.1 Fragestellung
1.2 Vorgehensweise
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Theorie
2.1 Fussball als Unterhaltung
2.1.1 Fussball ist Infotainment
2.1.2 Fussball und Massenkommunikation
2.1.2.1 Das Fernsehen passt sich an, der Sport auch
2.1.2.2 Tendenzen der Sportunterhaltung
2.2 Personalisierung und ihre Folgen
2.2.1 Nachrichtenwerttheorie
2.2.2 Personalisierung im Sport - „The Human Touch“
2.2.3 Prominenz
2.2.3.1 Definitionsansätze
2.2.3.2 Entstehung von Prominenz
2.2.3.3 Elite und Leistung
2.2.3.4 Elite und Prominenz: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
2.2.4 Startum
2.3 Mediatisierung
2.3.1 Die Mediatisierungstreppe
2.3.1.1 Grenzen der Mediatisierung
2.3.2 Gewinner und Verlierer
2.3.3 Medienopfer
2.3.3.1 Das Medienopfersyndrom
2.3.4 Zwischen Privatleben und Öffentlichkeit
2.4 Inszenierung und Selbstinszenierung
2.4.1 Selbstinszenierung - Zwecke und Methoden
2.4.1.1 Wie man sich selber inszeniert
2.4.2 Wer Prominenz in Szene setzt
3 Konzeption und Methode
3.1 Fragestellung und Annahmen
3.2 Forschungsdesign
3.2.1 Methoden
3.2.1.1 Erhebungsverfahren
3.2.1.2 Aufbereitungs- und Analyseverfahren
3.2.2 Der Leitfaden
3.2.3 Personendatenblatt
3.2.4 Einverständniserklärung und Anonymitätsvereinbarung
3.2.5 Die Interview-Partner
3.3 Durchführung der Interviews
3.3.1 Der Pretest
3.3.2 Die Interviews
4.1 Annahmen zu Personalisierung, Prominenz und Stars
4.1.1 Elite und Leistung als Status-Auslöser
4.1.2 Statusbewusstsein und Statuserhalt
4.1.3 Stars sind die anderen
4.2 Annahmen zur Mediatisierung
4.2.1 Der Umgang mit Medien gehört zum Beruf
4.2.2 Medienkompetenz als Voraussetzung
4.2.3 Trainer für den Job neben dem Fussballplatz
4.3 Annahmen zur Medienopferrolle
2
4.3.1 Negative Erfahrungen mit Journalisten 80
4.3.2 Medienopfer gibt es neben dem Fussballplatz 81
4.3.3 Schutz des Privatlebens 82
4.4 Annahmen zur (Selbst-) Inszenierung 83
4.4.1 Inszenierung auf und neben dem Fussballplatz 83
4.4.2 Angepasstes Verhalten 84
5 Schlusswort 86
5.1 Dann fühlen sich Fussballspieler als Medienstar oder Medienopfer 86
5.2 Fazit 89
5.3 Ausblick 90
6 Literaturverzeichnis 91
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1 Einleitung
Jubel und Tränen - Fussball löst massenhaft Emotionen aus und lockt Tausende von Menschen in Stadien oder vor den Fernsehbildschirm. Oder wie Nick Hornby in seinem Buch „Fever Pitch“ erzählt: „Ich verliebte mich in den Fussball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.“ 1 Die Faszination Fussball kann auf das Spiel an sich zurück geführt werden. Denn in der Tat ist es ein Spiel, dass quasi jedermann spielen kann - dies immer dem jeweiligen Talent und den Ambitionen entsprechend in einer anderen Liga.
Nur ein kleiner Teil der Massen schafft den Sprung in den Profifussball. Diese Athleten wurden in den vergangenen Jahren zu Stars oder gar Ikonen hochstilisiert. Nicht mehr nur mit Leistung auf dem Platz sorgen die Sportler für Schlagzeilen, sondern immer häufiger auch mit Handlungen abseits des Sports. Sie werden zu Werbeträgern verschiedenster Produkte und manche werden Teil des Showgeschäfts. Die Grundlage für das Erlangen dieses Status bildet einerseits die überdurchschnittliche Leistung auf dem Fussballplatz, und andererseits das Publikums- und damit verbunden das Medieninteresse. Die Fussballspieler werden zu Personen des öffentlichen Lebens. Alles, was sie tun oder nicht tun ist interessant für die Öffentlichkeit. Die Grenze zwischen Beruf und Privatleben kann verschwinden und ist diese einmal weg, ist sie schwer wieder aufzubauen. Während sich die Medien- und Kommunikationswissenschaft in den vergangenen Jahren stark mit Sportrezeption, Medienwirkung oder dem Wandel der Sportberichterstattung befasst hat, blieb die Sicht des Akteurs weitgehend unbeachtet. Es bietet sich jedoch an, diese Medienmenschen zu ihren Erfahrungen und Gedanken zu Wort kommen zu lassen und ihre Beziehung zu den Medien, die ein Teil ihres Berufes sind, zu beleuchten.
1 Hornby, Nick (2004): Fever Pitch. Die Geschichte eines Fans. 4. Aufl. Köln, S. 19.
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1.1 Fragestellung
Basierend auf diese einleitenden Überlegungen, befasst sich diese Lizentiatsarbeit mit der Sicht der Fussballspieler auf ihre Situation als Medienmenschen. Folgende Fragestellung ist für die Untersuchung forschungsleitend:
In der folgenden Untersuchung soll der Blick auf eben diese Akteure, welche durch Leistung bekannt werden und dann zu Medienmenschen werden, gerichtet werden. Ihre Sicht auf die Medien und sich selbst soll im Vordergrund stehen. Dabei wird thematisiert, wie die Fussballspieler den Prominentenstatus erlangen, wie sie ihn erhalten können und was er aus ihnen machen kann. Nicht berücksichtig wird die Sicht der Medienschaffenden zu dieser Thematik, weil es klar um die Sichtweise des Produkts, also des Medienmenschen geht.
1.2 Vorgehensweise
Aufgrund der Fragestellung drängt sich eine qualitative Untersuchung auf. Die Daten werden anhand von Leitfadeninterviews gewonnen und ausgewertet. Interviewt werden Profifussballspieler der obersten Schweizer Fussballliga. Dabei ist nicht relevant bei welchem Klub die Spieler aktuell unter Vertrag stehen, sondern vielmehr, dass sie selbst im Interesse der Medien stehen oder standen und über eine Fülle von Erfahrungen mit den Medien verfügen. Der Leitfaden basiert auf theoretischen Annahmen, welche anhand der Theorie getroffen wurden. Diese Annahmen strukturieren die Auswertung, welche zur Beantwortung der forschungsleitenden Fragestellung führt.
1.3 Aufbau der Arbeit
Der Hauptteil der Arbeit ist in drei Kapitel gegliedert. Das erste Kapitel befasst sich mit den theoretischen Grundlagen und ist in vier Unterkapitel gegliedert. Dabei wird der Unterhaltungsaspekt der Sportart Fussball thematisiert, bevor die
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Tendenz hin zur Personalisierung in der Sportberichterstattung und der Status Prominenz aufgezeigt wird. Die Mediatisierung des Sports und die Verlierer dieses Prozesses werden im dritten Unterkapitel aufgezeigt. Der letzte Teil des ersten Kapitels befasst sich mit der Inszenierung und Selbstinszenierung gesellschaftlicher Akteure. Das zweite Kapitel des Hauptteils befasst sich mit dem Forschungsdesign und den Methoden, die für die Untersuchung angewendet werden. In einem dritten Kapitel werden die Ergebnisse der Untersuchung diskutiert. Am Ende der Arbeit befindet sich das Schlusswort, welches die Ergebnisse zusammenfasst, indem die Fragestellung beantwortet wird. Zudem enthält es einen Ausblick auf mögliche weitere wissenschaftliche Untersuchungen in diesem Themenbereich.
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2 Theorie
In der Folge wird die Thematik theoretisch fundiert. Als erster Punkt wird die Verbindung des Sports und im besonderen der Sportart Fussball zu den Massenmedien thematisiert. Danach werden die verschiedenen Aspekte, welche diese Beziehung hat, aufgezeigt. Dabei werden die Themen Personalisierung, der Status Prominenz, das Startum und das Medienopfersyndrom sowie die (Selbst-)Inszenierung diskutiert.
2.1 Fussball als Unterhaltung
Der Final der UEFA Euro 2004 in Portugal lockte weltweit über 18 Millionen TV-Bildschirm. 2 Die Zuschauer vor den Publikumswirksamkeit von
Fussballübertragungen ist darauf zurückzuführen, dass sie dem Zuseher Unterhaltung bieten. Als unterhaltsam wird eine Sendung dann empfunden, wenn sich zahlreiche Szenen oder Sequenzen - welche für sich alleine weder als angenehm noch als unterhaltend wahrgenommen würden - aneinander reihen und beim Betrachter eine Art Wechselbad der Gefühle auslösen. 3 Sport tut ebendies. Der Konsum einer Fussballübertragung löst beim Rezipienten physische und psychische Entspannung, Abwechslung, Anregung, Spass,
Atmosphäre und Freude aus. 4 Fussballübertragungen lenken vom Alltag ab und sind leicht zu verarbeiten, was eine entspannende Wirkung auf den Konsumenten haben kann. Fussball ist eine vielseitige Sportart und durch die Aktionen der Einzelakteure auf dem Feld wird die Sportart originell und unberechenbar, was zur Abwechslung für den Rezipienten werden kann. Spannend, aufregend, dynamisch und interessant ist ein Fussballspiel durch die Spielart und die Regeln. All das kann anregend auf den Zuseher wirken. Für Stiehler ist im Sport all das vorhanden, was zu einem Drama in aristotelischem Sinn gehört: Charaktere mit definierten Rollen, Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung, darstellendes Durchspielen idealtypischer menschlicher Situationen wie Siegen, Verlieren, Glück
2 Vgl. Mrazek, Karlheinz (2005): Cash-League - Wie das Geld den Lauf des Balles bestimmt.
München, S.178.
3 Vgl. Früh, Werner (2002): Unerhaltung durch Fernsehen. Eine molare Theorie. München, S. 239.
4 Vgl. Bosshart, Louis (1998): Stimulierung und Entlastung durch Medien-Kulturkommunikation. In:
Saxer, Ulrich (Hrsg.): Medien-Kulturkommunikation. Opladen, S. 299-309.
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oder Unglück, Freundschaft und Feindschaft. Damit erklärt sich Stiehler die Faszination des Sports für Publikum und Medien. 5
Zum Unterhaltungswert des Sports trägt zudem das Vorhandensein vertrauter Elemente bei. Klare Regeln und eine gewisse Realitätsnähe zeichnen Unterhaltungswelten aus. Das bedeutet, dass sie Identifikationsmöglichkeiten inne haben, jedoch immer noch eine klare Trennung von der Realität zulassen. 6 Wagner 7 unterscheidet drei Bereiche der Unterhaltung: Fantasiewelten (Märchen und fiktive Geschichten), Spielwelten (spielerische und sportliche Wettkämpfe) und präsentative Human-Wirklichkeiten (Klatsch, Talkshows oder Homestorys). Alle diese Unterhaltungswelten sind durch Rituale bei Ein- und Austritt gekennzeichnet. Das macht die Unterhaltung orientierungs- und somit auch Rezipienten freundlich, da sich die Zuseher auf stabile Grundstrukturen verlassen können. So wie es also bei einem Hollywood-Streifen zu einem Happy End kommt, so dauert ein Fussballspiel immer 90 Minuten, Abweichungen sind reglementarisch festgehalten. Sind beim Betrachten einer Sportart, die Regeln dem Zuseher aber nicht bekannt, verursacht dieser Zustand mitunter Ratlosigkeit. Diese Situation beungünstigt indessen den Unterhaltungswert. 8
Nebst Regeln gehören auch Emotionen zum Fussball. Es kann während eines Fussballspiels durchaus zu amüsanten oder komischen Szenen kommen, was dem Konsumenten Spass bereiten kann. Jedoch ist dies eher die Ausnahme und meist auf Einzelakteure oder kurze Sequenzen beschränkt. TV-Übertragungen machen es möglich, dass Fussballspiele in gewohnter Umgebung, etwa zu hause auf dem Sofa, mitverfolgt werden können, was sich positiv auf das Ambiente des Rezipienten auswirkt. Atmosphäre schafft jedoch das Spiel an sich und die Art der Übertragung. Stimmung kann mit Hilfe der heutigen technischen Mittel gut
5 Vgl. Stiehler, Hansjörg (o.J): Mediensport als Unterhaltung. Allgemeinplätze zu medialen
Inszenierungen. Universität Leipzig. URL: http://www.uni-leipzig.de/~jfriedri/download/Sem2_13_Lit_Stiehler.pdf (05.01.2008).
6 Vgl. Beck, Daniel (2006): Der Sportteil im Wandel. Die Entwicklung der Sportberichterstattung in
Schweizer Zeitungen seit 1945. Bern, S. 30.
7 Vgl. Wagner, Hans (1994): Von der Lust, in andere Welten zu wandern. Unterhaltung - sozialer
Unterhalt. In: Bosshart, Louis, Hoffmann-Riem. Wolfgang (Hrsg.): Medienlust und Mediennutz.
Unterhaltung als öffentliche Kommunikation (Schriftreihe der Deutschen Gesellschaft für
Publizistik- und Kommunikationswissenschaft Bd. 20), München, S. 129-132.
8 Vgl. Beck 2006, S. 30.
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übertragen werden, so dass die Stimmung, die im jeweiligen Fussballstadion herrscht, auf die Zuseher vor Fernsehgeräten oder Grossleinwänden überschwappt. Es ist also alles in allem angenehm, einer solchen Übertragung beizuwohnen. Nicht selten kommt es im Zuge von Fussballübertragungen am TV zu emotionalen Ausbrüchen. Ob dies nun Freude ist, oder etwa Enttäuschung, hängt sehr mit dem Ausgang des jeweiligen Spieles und dem Abschneiden des favorisierten Teams zusammen.
Fussball vereint also die diversen Stimuli der Unterhaltung. Diese können den Rezipienten in eine angenehme und positive Stimmung versetzen. Das hat wiederum Einfluss auf die Spannungszustände des Konsumenten. Die Merkmale heben sich von der alltäglichen Normalität ab und lassen sich in die Bereiche Abkoppelung, Aktivierung und Stimmung komprimieren. „Bildlich gesprochen tritt das Individuum aus der Alltäglichkeit heraus, betritt eine Art Spielwiese, auf der es Anregung und Wohlbefinden erlebt.“ 9
2.1.1 Fussball ist Infotainment
Fussball ist nicht nur Unterhaltung, Fussball ist auch Information. Es geht bei einer Fussballübertragung darum Resultate zu vermitteln, Aktionen zu kommentieren und dem Zuseher gewisse Inhalte wie Taktiken oder Regelanwendung des Schiedsrichters zu erklären. Somit ist Fussball also nicht ausschliesslich Unterhaltung, also Entertainment, sondern auch Information. Sport im Allgemeinen und Fussball im Besonderen sind gute Beispiele für die Vermischung von Information und Unterhaltung, auch Infotainment genannt. In der Folge werden vier Merkmale der Sportberichterstattung aufgezeigt, welche auch in anderen Genres als typische Kennzeichen des Infotainments beschrieben werden: 10
9 Vgl. Bosshart 2000, S. 300.
10 Vgl. Wegener, Claudia (1994): Realitiy TV. Fernsehen zwischen Emotion und Information.
Opladen, S. 43-80.
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Emotionalisierung: Es geht nicht primär um Gegenstände oder Handlungen einer
Person, sondern um deren seelischen oder physischen Zustand.
Fussball zeigt Emotionen bei Akteuren und Zusehern - Sieg und Niederlage tragen Emotionen zu Tage.
Personalisierung: Das Augenmerk wird auf die Person selbst gerichtet, also auch auf deren persönliche Situation.
Fussballberichterstattung wird immer mehr personalisiert. 11
Dramatisierung: Konflikte oder Gewaltsituationen werden hervorgehoben.
Entscheide der Unparteiischen werden ebenso dramatisiert wie Einzelaktionen der Spieler.
Stereotypisierung: Kategorisieren, Generalisieren, Akzentuieren - Es gibt für ähnliche Personen Kategorien, und es wird erwartet, dass sich die Personen einer Kategorie so verhalten, wie diejenigen, mit welchen man Kontakt hatte. Durch das Stereotypisieren werden komplexe Gegenstände vereinfacht und es begünstigt das „In den Vordergrund stellen“ von Emotionen.
Fussballspieler werden etwa durch ihre nationale Herkunft stereotypisiert. 12
2.1.2 Fussball und Massenkommunikation
Wie bereits erwähnt, tragen Elemente wie Spannung und Emotionen zum Unterhaltungswert der Sportberichterstattung bei. Stiehler verweist jedoch darauf, dass sich das auch negativ auswirken kann. Betrachtet am Beispiel des nicht voraussehbaren Ausgang des Fussballspiels bedeutet das, dass nebst der Spannung, das Risiko besteht, dass die Erwartungen des Publikums - also die
11 Vgl. dazu Punkt 2.2.
12 Vgl. Stiehler, Hansjörg (2003): Riskante Spiele. Unterhaltung und Unterhaltungsleben im
Mediensport. In: Früh, Werner; Stiehler Hansjörg (Hrsg.): Theorie der Unterhaltung. Ein
interdisziplinärer Diskurs. Köln. S. 160-183, hier S.164.
10
„verlässlichen Grundwerte“ 13 unerfüllt bleiben. Dies bedeutet, dass der
Unterhaltungsaspekt des Sports gefährdet ist. 14 Um dies zu verhindern, wurden etwa im Fussball Regeländerungen vorgenommen und das Fernsehen passte seine Präsentationsstrategien an. Die Entwicklung des Fernsehens ist eng mit jener des Sports verbunden. Die Übertragungen der grossen Sportereignisse setzten Meilensteine in der TV-Berichterstattung; Olympische Spiele und Fussball-Weltmeisterschaften sorgen noch immer für die höchsten Einschaltquoten bei den Sendern. 15 Sport und TV haben sich gegenseitig zu Höchstleistungen angetrieben und sich einander angepasst. Maitrot spricht gar von einer Verbindung, der „liaison secrètes“ zwischen den beiden Elementen. 16 Den Veränderungen in den Präsentationsformen des Sports im TV sagen Digel und Burk den Zweck nach, den „Unterhaltungs- und Erlebniswert von Sportsendungen zu steigern.“ 17
2.1.2.1 Das Fernsehen passt sich an, der Sport auch
Nach der Einführung des dualen Rundfunksystems 1984 entwickelte sich das Fernsehen geradezu explosiv. 18 Seit diesem Zeitpunkt sind Anpassungen von Seiten der TV-Anstalten in den Präsentationsformen zu beobachten. In der Folge sind die wichtigsten Veränderungen mit Bezug auf die Fussballberichterstattung aufgeführt. 19
Zeitliche Streckung Ein Fussballspiel dauert laut Regelwerk 90 Minuten plus Nachspielzeit, gemessen an Verzögerungen während der regulären Spielzeit. Doch in der TV-Berichterstattung dauert die Übertragung eines solchen Spiels meist doppelt so lange wie das Spiel an sich, oder noch länger. Dem Anpfiff des Spiels geht die Vorberichterstattung voraus. In der 15-minütigen Spielpause werden die ersten Analysen von Trainern und Spielern am Spielfeldrand und von Experten und Moderatoren im Studio fällig. Dieses Szenario wird nach Abpfiff des Spiels intensiviert wiederholt. Digel/Burk sehen in diesem oft künstlich wirkenden
13 Vgl. dazu Punkt 2.1.1.
14 Vgl. Stiehler 2003, S. 161-162.
15 Vgl. Horky, Thomas (2001): Die Inszenierung des Sports in der Massenkommunikation.
Jesteburg, S. 139.
16 Vgl. Maitrot, Eric (1995): Sport et Télé. Saint-Amand-Montrond (F), S. 306-307.
17 Vgl. Digel, Helmut / Burk, Verena (1999): Zur Entwicklung des Fernsehsports in Deutschland. In:
Sportwissenschaft 29. S. 22-41, hier S. 34.
18 Vgl. Horky 2001, S. 67.
19 Vgl. Digel/Burk 1999, S. 34 ff.
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Aufblasen des Ereignisses eine Verdeckung des eigentlichen Hauptthemas, des Sports, hier Fussballs.
Steigerung Personalaufwand Die oben erwähnte Ausdehnung der Sendezeit zieht einen höheren Bedarf an Personal mit sich. Bei einer reinen Übertragung des Fussballspiels kam man bis zu Beginn der 1980-er Jahre mit einem Kommentator über die Runden. Der Trend, dass diesem ein „Experte“ zur Seite gesetzt wird, hat sich weitgehend durchgesetzt, die Folge ist die Doppelmoderation. Die Vor- und Nachberichterstattung bedarf wiederum Moderatoren und Experten oder Gästen, damit eine Diskussion überhaupt möglich wird. Noch personalintensiver gestalten sich Übertragungen bei Grossereignissen, wie etwa der
Fussballweltmeisterschaften. Mrazek spricht diesbezüglich von Verschwendung der Gebührengelder der öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten. 20
Neue Übertragungstechniken und Inszenierungsformen Entsprechend dem Personalaufwand hinkt auch die Technik nicht nach. Während früher drei bis vier Kameras an Fussballereignissen im Einsatz standen, so sind es heute gut und gerne zwei Dutzend. Es kommt vor, dass bis zu sechs Superzeitlupenkameras den Spielfeldrand säumen und die sogenannten „Wespenkameras“ hinter dem Tor gehören mittlerweile bei einem Fussballspiel dazu. So erhält der Zuseher am Fernseher die Optik des Torhüters. Die sogenannten Schwenkkameras verfolgen das Spiel direkt von der Spielfeldlinie aus. Die Kameramänner mit den Handkameras suchen interessante Details auf und neben dem Platz, sei es auf der Zuschauertribüne oder aber auf der Spieler- und Trainerbank. Man sieht also, dass nicht nur der quantitative Kameraaufwand erhöht wurde, sondern auch die Qualität für den Rezipienten erhöht werden soll, indem die Kameraführung so ereignisnah wie möglich eingesetzt wird. Dabei ist, nebst den bewährten Nahaufnahmen, etwa der Einsatz der bereits erwähnten Superzeitlupenkameras hilfreich. Diese bringen die Details der sportlichen Leistung der Fussballer und deren Umfeld zu Tage. Sei es nun ein Schmerz verzerrtes Gesicht, Freudentaumel, Wut oder Staunen über einen Entscheid des Unparteiischen, die Mimik und Gestik jedes einzelnen kann in den Blickpunkt der breiten Öffentlichkeit
20 Vgl. Mrazek 2005, S. 179
12
gerückt werden. Durch das rasante Einspielen immer neuer Bildausschnitte wird dem Zuseher zudem Dynamik vermittelt. Dies unter Umständen auch dann, wenn das Spiel an sich, gar nicht dynamisch vor sich geht. Durch diese szenischen Mittel - Bildausschnittwahl, Bildbewegung, Kamerabewegung, Schwenk, Spezialperspektiven, Bildgeschwindigkeit, Spezialeffekte 21 - kann also Spannung vermittelt werden, wo gar keine ist. Diese Mischung aus Leistung und Emotion ergibt eine eigene Wirklichkeit, die Fernsehwirklichkeit. Diese entsteht durch das Übermitteln wahrheitsgetreuer Bilder in Echtzeit, welche durch technische Mittel und den kommunikativen Einsatz des Kommentators spannend und unterhaltsam übermittelt wird.
Nicht nur das Fernsehen machte seit der Einführung des dualen Rundfunksystems Veränderungen durch, auch der Fussball war Regeländerungen unterworfen. Dass es im Laufe der Jahre in Sportarten zu Regeländerungen kommt, ist keine Seltenheit und zudem oft logisch erklärbar. Dies ist auch beim Fussball der Fall. Seit den ersten Fussballregeln - die sogenannten „cambridge rules“ 22 wurden 1848 geschaffen - gab es immer wieder Veränderungen und Anpassungen, was sicherlich als Zeichen der Entwicklung der Sportart gesehen werden kann. Jedoch gab es auch Regeländerungen, welche nebst der Fairness auf dem Platz klar den Unterhaltungswert des Sports steigerten.
Die Anpassung von Seiten des Sports werden nicht näher betrachtet, da es in der Folge weniger um die Entwicklung des Sports, als um jene der Einzelakteure und der Medien geht.
2.1.2.2 Tendenzen der Sportunterhaltung
Nebst den Anpassungen, die Sport und Fernsehen in den letzten Jahrzehnten gemacht haben, um den Unterhaltungswert zu steigern, können auch allgemeine Tendenzen in der Sportberichterstattung festgestellt werden. Durch das Dramatisieren einzelner Situationen, den Einsatz von Humor oder die verstärkte
21 Vgl. Horky 2001, S.195 ff.
22 Vgl. Fifa.com (o.J): Die Geschichte und Entwicklung der Fussballregeln. URL:
http://www.fifa.com/de/history/history/0,1283,2,00.html (09.01.2007).
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Konzentration auf die Ästhetik soll eine Steigerung des Unterhaltungswerts erlangt werden. 23 Gmür spricht in diesem Zusammenhang von einer „Versinnlichung der Publizistik“ 24 .
Beck kam in seiner Untersuchung zum Schluss, dass etwa Printmedien vermehrt auf Unterhaltungselemente setzen. So hat sich der Anteil der Artikel, in denen dramatische Situationen betont werden in den letzten 50 Jahren verdoppelt. 25 Ein vermehrter Einsatz von humoristischen Elementen stellt Beck seit der Jahrtausendwende fest. 26 Die Ästhetisierung hat einen Wandel vollzogen. Während früher der Blick auf etwa besonders attraktive Spielzüge gerichtet wurde, so wird er heute vermehrt auf attraktive Sportler gerichtet. 27 Diese zuletzt erwähnte Tendenz ist ein Indiz zur Personalisierung in der Sportberichterstattung. Nicht mehr nur die Attraktivität der Arbeit, also des Fussballspiels, steht im Vordergrund, sondern jene der einzelnen Akteure.
Gmür beobachtet die Zunahme der Emotionspublizistik kritisch. Der Medienstil ist für ihn „aggressiv und verletzend“ 28 und die Boulevard- und Sensationsmedien betreiben „Hexenverbrennungen“ 29 oder „Bluthundjournalismus“ 30 . Auf der Suche nach Dramatisierung wird nach Tätern und Opfern Ausschau gehalten, mit dem Ziel Gefühle zu transportieren. Dabei ist egal, was für Gefühle dies sind, „Hauptsache es sind Gefühle“ 31 .
Der nächste Punkt beschäftigt sich mit den Personen, mit welchen die Medien diese Gefühle transportieren. Es wird die Personalisierung in der Sportberichterstattung thematisiert sowie deren Folgen für die Akteure.
23 Vgl. Rowe David (1999): Sport, Culture and the Media. The Unruly Trinity. Buckingham, S. 152.
24 Gmür, Mario (2007): Das Medienopfersyndrom. München. S. 22-92, hier S. 24.
25 Vgl. Beck 2007, S. 290.
26 Vgl. Beck 2007, S. 298.
27 Vgl. Beck 2007, S. 305.
28 Gmür 2007, S. 24.
29 Gmür 2007, S. 24.
30 Gmür 2007, S. 24.
31 Gmür 2007, S. 25.
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2.2 Personalisierung und ihre Folgen
Im Zuge der Entwicklung der massenmedialen Berichterstattung seit der Einführung des dualen Rundfunksystems wird vermehrt auf Faktoren des Infotainments gesetzt. Die Dramatisierung, Stereotypisierung, Emotionalisierung und Personalisierung der Berichterstattung hat, wie unter Punkt 2.1 aufgezeigt, auch vor dem Sport nicht Halt gemacht. In der Folge wird der Aspekt der Personalisierung in der Medien-und insbesondere der
Mediensportberichterstattung thematisiert. Dies ist für das weitere Vorgehen der Untersuchung insofern wichtig, als dass es darum geht zu klären, wie die Fussballspieler mit dem öffentlichen Interesse an ihrer Person umgehen. Zum Einstieg in die Thematik wird zuerst auf die Frage eingegangen, was eine Nachricht ausmacht und wie diese entsteht. Danach wird erläutert, wieso der Mediensport auf den Faktor Personalisierung setzt.
2.2.1 Nachrichtenwerttheorie
Journalisten sehen sich täglich einer Flut von Informationen gegenüber. Daraus muss eine Auslese getroffen werden, die letztendlich dem potenziellen Rezipienten zum Konsum vorgelegt wird. Ein Auswahlverfahren entscheidet also tagtäglich, was die Massenmedien kommunizieren und was nicht. Die Kriterien dieses Auswahlverfahrens sind vielseitig und verändern sich. Es gibt Ereignisse, welche beachtenswert oder interessant sind, dies aufgrund von diversen Eigenschaften, welche sie inne haben. Auf diese Annahme stützt sich der Ansatz des „news value“ von Walter Lippmann (1922). Der Nachrichtenwert wird durch diese Eigenschaften, in der Folge Nachrichtenfaktoren genannt, bestimmt. Je ausgeprägter oder dominanter also diese Nachrichtenfaktoren sind, desto grösser ist der Nachrichtenwert des Ereignisses. 32 Dieses 1922 von Lippmann erarbeitete Grundkonzept wurde weiterentwickelt. Es entstanden primär zwei Modelle, ein amerikanisches und ein europäisches. Während das amerikanische Modell sich auf sechs Nachrichtenfaktoren (Unmittelbarkeit, Nähe, Prominenz, Ungewöhnlichkeit, Konflikt und Relevanz) beschränkte, war das von Östgaard begründete europäische Modell, ein komplexes theoretisches Konzept, welches
32 Vgl. Staab, Joachim Friedrich (2002).: Nachrichtenwert-Theorie. Formale Struktur und
empirischer Gehalt. Freiburg im Breisgau/München. S. 608-614, hier S. 608.
15
die Nachrichtenfaktoren in drei Komplexe (Vereinfachung, Identifikation und Sensationalismus) einteilte. Dieses wurde von Galtung und Ruge weiterentwickelt und beinhaltet zwölf Nachrichtenfaktoren (kulturunabhängige Faktoren: Frequenz, Schwellenfaktor, Eindeutigkeit, Bedeutsamkeit, Konsonanz, Überraschung, Kontinuität, Variation; kulturabhängige Faktoren: Elite-Nationen, Elite-Personen, Personalisierung, Negativität) sowie Hypothesen über das Zusammenwirken der einzelnen Faktoren. Zwei dieser Annahmen sollen hier erwähnt werden. Die Additionshypothese geht davon aus, dass ein Ereignis, je mehr Nachrichtenfaktoren es inne hat, mit grösserer Wahrscheinlichkeit publiziert wird. Die Komplementaritäts-Hypothese geht davon aus, dass wenn es einem Ereignis eines bestimmten Nachrichtenfaktors fehlt, so kann dieser durch einen anderen ersetzt werden. 33
Die Selektion basiert also auf den beiden Komponenten Nachrichtenfaktor und Nachrichtenwert. Das Zusammenspiel dieser beiden Merkmale bildet einerseits die Entscheidungsgrundlage, ob ein Ereignis erscheint, andererseits aber auch wo, wann und in welchem Umfang es abgehandelt werden soll. Kepplinger und Bastian fassen die Nachrichtenselektionstheorien im Zwei-Komponenten-Modell zusammen. Diesem Modell zufolge kann der Nachrichtenwert eines Nachrichtenfaktors unterschiedlich gewertet werden und die Bedeutung einzelner Faktoren kann sich im Laufe der Zeit verändern. Untersuchungen über den Relevanzgrad von Nachrichtenfaktoren in der Politberichterstattung in Deutschland von 1951 bis 1995 ergab, dass fünf der untersuchten Faktoreneiner davon war die Personalisierung - über den gesamten Zeitraum der Untersuchung einen signifikanten Einfluss hatten, und, gewichtet nach Bedeutungszuwachs in den vier Dekaden zeigte sich, dass der Grad der Personalisierung eine herausragende Stellung einnahm. 34 Schulz fasst die Situation der Persondarstellung in den Massenmedien bereits zuvor als „handelndes Subjekt, Ursache oder Mittelpunkt eines Ereignisses“ 35 zusammen.
33 Vgl. Galtung, Johan; Ruge Mari Holmboe (1965): The Structure of Foreign News. The
Presentation of the Congo, Cupba and Cyprus Crisis in Four Norwegian Newspapers. In: Journal of
Peace Research 2, S. 64-91, sowie Staab 2002, S. 609-610.
34 Vgl. Kepplinger, Hans Matthias / Bastian, Rouwen (2000): Der prognostische Gehalt der
Nachrichtenwerttheorie Publizistik 45 (4). S. 462-475..
35 Schulz, Winfried (1976): Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien - Analyse der
aktuellen Berichterstattung. Freibug im Breisgau/München, S. 45.
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Der Nachrichtenfaktor Personalisierung, welcher, wie bereits erwähnt, sowohl im amerikanischen, wie im europäischen Nachrichtenwertmodell Platz findet, hat also Gewicht und, den zeitlichen Verlauf betrachtend, Potenzial.
Ein weiteres Kriterium begünstigt diese Entwicklung zudem. Nebst den Nachrichtenfaktoren und dem Nachrichtenwert ist bei der Frage nach Veröffentlichung oder Nicht-Veröffentlichung eines Ereignisses auch die Rolle des Journalisten entscheidend. Diese finale Betrachtungsweise geht davon aus, dass die Auswahl nicht nur aufgrund von objektiven Eigenschaften, also Nachrichtenfaktoren, getroffen wird, sondern dass die Journalisten mitbestimmen. Dies bedeutet, dass Journalisten einem Ereignis Nachrichtenfaktoren zuschreiben, die sie an sich gar nicht haben, um Selektionsentscheidungen zu rechtfertigen. Staab unterscheidet implizite und explizite Zuschreibungsvorgänge. Eine implizite Zuschreibung liegt dann vor, wenn ein Aspekt eines Ereignisses vermeldet wird, das bestimmte Nachrichtenfaktoren enthält. Von expliziter Zuschreibung ist dann die Rede, wenn ein Aspekt eines Ereignisses erwähnt wird, welcher nichts oder nur wenig mit dem Ereignis an sich zu tun hat. 36
Ob, was, wann, wo, wie veröffentlicht wird, hängt also nicht nur von Nachrichtenfaktoren ab, sondern auch von den Personen und deren Selektionsentscheidungen. Diese Entscheidungen haben einen vielschichtigen Hintergrund, welcher von persönlichen bis hin zu gesamtwirtschaftlichen Interessen reicht. Somit kann die Nachrichtenwahl als eine an bestimmte Zwecke, vordergründig der Publikumserfolg, gebundene Mittelwahl gesehen werden. 37 Die zunehmende Kommerzialisierung des Mediensystems zwingt die einzelnen Medien zu effizienterem Handeln. Die Nachrichten müssen sich einerseits von dem Angebot der Konkurrenz unterscheiden und andererseits in einem hohen Grad Aufmerksamkeit schaffen.
Der Faktor Personalisierung, beziehungsweise die daraus resultierende Prominenz, bietet sich dazu an, da sie sich günstig und schnell produzieren lässt. Durch das Platzieren von Prominenz als redaktioneller Inhalt, können die
36 Vgl. Staab 2002, S. 614.
37 Vgl. Burkart, Roland (1998): Kommunikationswissenschaft. 3. erweiterte Aufl., Wien, S. 281.
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allokative und die produktive Effizienz der Medienunternehmung erhöht werden. Stösst Prominenz doch einerseits auf grosses Rezipienteninteresse und andererseits zieht eine Prominenzberichterstattung meist keine Kosten mit sich. 38
Wichtig ist, an dieser Stelle zu erwähnen, dass die Personalisierung nicht erst durch die zunehmende Kommerzialisierung des Mediensystems zu einem wichtigen Nachrichtenfaktor wurde. Auch in weniger stark kommerzialisierten Mediensystemen war er von Wichtigkeit. Interessant ist dabei jedoch die Entwicklung, dass in einem stark kommerzialisierten Mediensystem Personalisierung und die daraus folgende Steigerung, Prominenz, ausreichend wichtige und eigenständige Nachrichtenfaktoren sind. In früheren, weniger stark kommerzialisierten Zeiten, war der Nachrichtenfaktor Prominenz zumindest in der Regel an ein Nachrichten wertes Ereignis gebunden. 39 Auf diesen Bedeutungswandel verweist etwa Weischenberg: „der Faktor Prominenz (...) bei der Nachrichtenauswahl offenbar eine immer wichtigere Rolle (spielt). So werden auch scheinbar nebensächliche Ereignisse wegen der Beteiligung bekannter Personen zu berichtenswerten Informationen.“ 40
2.2.2 Personalisierung im Sport - „The Human Touch“
Die Tendenz hin zu Personalisierung in den Massenmedien ist also nicht von der Hand zu weisen. Auffällig ist dabei, dass sich die Faktoren Personalisierung und Prominenz gerade in der Sportberichterstattung noch stärker durchzusetzen vermögen. Loosen zeigte etwa mit ihrer Untersuchung der Sportberichterstattung deutscher Tageszeitungen, dass circa 60 Prozent aller Artikel im Sportteil den höchsten Grad an Personalisierung aufweisen. Damit nimmt dieser Nachrichtenfaktor in der Sportberichterstattung den höchsten Stellenwert ein. 41 Diese Tendenz kann auch im Fernsehen beobachtet werden. Stiehler verweist auf eine zunehmende Bedeutung dieses Nachrichtenfaktors und damit verbunden
38 Vgl. Schierl, Thomas / Bertling, Christoph (2007): Personalisierung und Prominenz in der
Sportberichterstattung. In: Schierl, Thomas (Hrsg.): Handbuch Medien, Kommunikation und Sport.
Schorndorf. S’155-166, hier S. 157-158.
39 Schierl/Bertling 2007, S’158.
40 Weischenberg, Siegfried (1976): Die Aussenseiter der Redaktion. Struktur, Funktion und
Bedingungen des Sportjournalismus. 2.Aufl., Bochum. S. 29.
41 Vgl. Loosen, Wiebke (1998): Die Medienrealität des Sports - Evaluation und Analyse der
Printberichterstattung. Wiesbaden, S. 117 ff.
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eine deutliche Veränderung in der Darstellung des Sports zu Gunsten des Unterhaltungswertes. Zu diesem Zweck werden „tägliche Fortsetzungsgeschichten über internationale, nationale und zum Teil regionale Helden auf Sportkanälen, Nachrichtensendungen mit festen Sportrubriken“ 42 genutzt. Diese Tendenz erkennt Stiehler zunehmend seit der Einführung des Dualen Rundfunksystems, und er fasst zusammen, dass sich die „Konzentration auf Stars und Prominenz“ 43 in den letzten Jahren deutlich verstärkt habe.
Als Motiv für eine derart hohe Konzentration auf den Nachrichtenfaktor Personalisierung in der Sportberichterstattung wird der zunehmende Grad der Kommerzialisierung genannt. Schierl und Bertling haben sich mit dieser Thematik beschäftigt und fassen sechs Gründe für diese Tendenz zusammen: 44
Emotionalisierung: Emotional geprägt zu deutende Gesichtsausdrücke von
Menschen sind dazu geeignet beim Betrachter Emotionen auszulösen. So ist nachvollziehbar, dass die Medien stark auf Personen, beziehungsweise Gesichter fokussiert sind. So können Empfindungen (Trauer, Freude, Jubel, etc.) transportiert werden. Grossaufnahmen von Stars, deren Verehrung oder Sturz, involvieren den Zuseher zudem stark und geben dem abstrakten Geschehen ein persönliches Profil 45 .
Signal- und Fokalpunkt: Das stark ausgeweitete Medienangebot setzt die Rezipienten je länger je mehr einem „information overload“ aus. Die Massenmedien müssen also das potentielle Publikum effizient auf ihr Angebot aufmerksam machen und zudem die Relevanz ihres Produkt gegenüber dem unübersichtlichen Gesamtangebot deutlich machen. Dem Rezipienten sollen Qualität, Bedeutsamkeit und Relevanz signalisiert werden. Dies kann unter anderem durch den Einsatz einer prominenten Persönlichkeit erreicht werden. Jeder Prominente strahlt gewisse Werte, Signale aus und sein Vorkommen in einem Medium signalisiert dem Rezipienten, dass dieses Medienprodukt mit grosser Wahrscheinlichkeit der Qualität des jeweiligen Prominenten entspricht.
42 Stiehler 2003, S. 167.
43 Stiehler 2003, S. 167.
44 Vgl. Schierl/Bertling 2007, S. 160-163.
45 Vgl. Stiehler 2003, S. 167.
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Arbeit zitieren:
lic.rer.soc Nadia Batzig, 2008, Fussballspieler als Medienstars und Medienopfer, München, GRIN Verlag GmbH
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