1. Einführung
Wir orientieren uns in einer Welt der subjektiven Erscheinungen, woher nimmt sich dann der/die AlltagsbeobachterIn die Sicherheit, sich in der objektiven Realität zu bewegen und diese zu verändern? Woher nimmt er/sie sich die Sicherheit über die wirkliche Existenz der ihn/ihr umgebenden Welt?
2. Was ist Wirklichkeit?
Nach erkenntnistheoretischen Überlegungen wird zwischen der unmittelbar erlebten Wirklichkeit (der Welt der Erscheinungen - phänomenale Welt) und der transzendentalen Realität (den Dingen „an sich“ - transphänomenale Welt) unterschieden. Wir sprechen hier von Realität (= physikalische Welt) und Wirklichkeit (= alle subjektiven Erscheinungen der Realität).
2.1. Kritischer Realismus
2. Physiologischer Organismus
3. Die erlebten Vorgänge in der Außenwelt
4. Die erlebten Körper-Ich-Vorgänge
Im Kritischen Realismus wird die These vertreten, dass die gesamte vorgefundene Welt - also die Innenwelt, aber auch die wahrgenommene Außenwelt - zu unserer anschaulichen, erlebten Welt, d.h. der phänomenalen Wirklichkeit gehört (Mikrokosmos). Diese ist streng von der physikalischen bzw. transphänomenalen Welt zu unterscheiden (Makrokosmos); diese ist uns niemals unmittelbar gegeben, sondern kann nur indirekt erschlossen und in theoretischen Modellen, z.B. in Form
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von physiologischen Theorien über den menschlichen Organismus, abgebildet werden. Aus dieser Sicht wird die Welt gleichsam verdoppelt.
Beiden ”Arten” von Wirklichkeit, der phänomenalen und der transphänomalen Welt, kommen aus gestalttheoretischer Sicht reale Existenz zu. Die Erlebniswelt des Menschen hat aus wissenschaftlicher Sicht die gleiche Bedeutung, wie die mit naturwissenschaftlichen Methoden gewonnenen Erkenntnisse über die
physikalischen, physiologischen oder psychologischen Gegebenheiten. Die unkritische Vermischung beider Wirklichkeiten, die Leugnung der einen oder anderen, oder die Verwechslung der einen mit der anderen Art von Wirklichkeit hat in der wissenschaftlichen Forschung, speziell in der Psychologie, zu schwerwiegenden Fehlschlüssen geführt (METZGER, 1975).
2.2. Theorien der Wahrnehmung
Alle Theorien der Wahrnehmung lassen sich durch das Verhältnis von Realität (R) und Wirklichkeit (W) in Verbindung bringen:
• Die ökologische Wahrnehmungstheorie (James J. Gibson, 1982): Jeder Organismus nimmt seine Umwelt direkt wahr: W = R
Diese naiv-realistische Wahrnehmungstheorie nimmt eine unmittelbare Reaktion der Organismen auf physikalische Parameter an (Wirklichkeit = Realität)
• Die repräsentationalen Wahrnehmungstheorien sehen die Wirklichkeit nur als Funktion der Realität (vgl. Rausch, 1952; Bischof, 1966; Metzger, 1966): W = f (R)
Für solche kritisch-realistischen Ansätze ist die Realität lediglich eine Ursache für das im Organismus erzeugte (abstraktes) Abbild, wobei dieses Abbild der Welt nicht wie ein Bild, sondern wie die Realität selbst wirkt (obwohl sich diese Wirklichkeit in vielerlei Hinsicht von der Realität unterscheidet). V.a. in der Gestalttheorie wird die Eigenständigkeit des kognitiven, Wirklichkeit konstituierenden Systems, durch die Untersuchung von Wahrnehmungstäuschungen betont.
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Arbeit zitieren:
Christian Schönherr, 2002, Über Wirklichkeitskriterien, München, GRIN Verlag GmbH
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