INHALTSVERZEICHNIS II
Abbildungsverzeichnis III
1 Einleitung. 1
2 Leben und theoretische Einordnung 2
2.1 Zum Leben Michel Foucaults. 2
2.2 Vom Strukturalismus zum Poststrukturalismus 3
3 Der historische Diskurs 4
3.1 Die historische Forschung: Genealogie 4
3.2 Was ist Macht? 5
3.3 Die Ordnung des Diskurses. 7
3.3.1 Was ist ein Diskurs? 7
3.3.2 Diskurskontrolle 9
3.4 Diskursanalyse 13
4. Die Europäische Union als diskursives Machtsystem. 14
4.1 Warum eignet sich die EU für eine Diskursanalyse? 14
4.2 Warum beschäftigt sich die EU mit Umweltpolitik? 15
4.3 Die Entstehungsgeschichte der europäischen Umweltpolitik 16
5 Zusammenfassung 24
Literatur - und Quellenverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Diskurs und Macht
Abbildung 2: Der Zusammenhang von Diskurs und Macht in der EU S
1 EINLEITUNG 1
1 Einleitung
Im Jahr 2007 feierte die Europäische Union ihren 50. Jahrestag. Mit ihrer Gründung im Jahr 1957 konnten die sechs Vertreter der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl einen ersten Schritt zur dauerhaften und friedlichen Integration Europas zurücklegen. Obwohl es in der Geschichte der Europäischen Union immer wieder Rückschläge zu verzeichnen gab, kann man mittlerweile von einem nahezu vereinten Europa sprechen, dessen Mitgliederzahl sich bis heute nahezu verfünffacht hat. Die Mitgliedsstaaten geben einen Teil ihrer Kompetenzen an die Europäische Union ab und tragen somit zum stetigen Anwachsen des Machtsystems bei. Der zunehmende Einfluss der EU auf alle Bereiche des Alltags erzeugt bei vielen Menschen ein Gefühl der Verunsicherung. Dies ist vor allem auch auf die Überbürokratisierung, welche zu einer Undurchschaubarkeit des Systems der Europäischen Union führt, zu begründen. (Piepenschneider 2005: 6) In dieser Hausarbeit möchte ich deshalb die Europäische Union diskursanalytisch untersuchen. Die Theoretische Grundlage meiner Ausführungen liefert der Ansatz des französischen Philosophen und Soziologen Michel Foucault, welcher die Diskursanalyse revolutionierte. Dabei gehe ich zuerst auf das Leben des Theoretikers ein, wobei ich einige kurze Worte zu seinem Lebenswerk verliere. Anschließend wird ein kurzer Überblick über die Epoche des Poststrukturalismus gegeben, in die das Lebenswerk Foucaults einzuordnen ist. Anschließend gehe ich auf seine historische Diskursanalyse ein, welche ein großes Repertoire an Werkzeugen bietet, um Diskurse in ihrer Entstehung zu analysieren. Dabei spielen die Begriffe Macht und Diskurs eine entscheidende Rolle. Diese werden zunächst allgemein betrachtet, bevor ich mich mit der spezifischen Charakterisierung des Foucaultschen Diskurses auseinandersetze. Im Anschluss an die theoretischen Überlegungen wird die historische Diskursanalyse am Beispiel der Europäischen Union angewendet. Die Europäische Union, und speziell die Umweltpolitik eignen sich besonders gut, weil sie als Ergebnis eines Diskurses verstanden werden können. Ich habe die Europäische Union gewählt, weil ich damit verdeutlichen möchte, wie sich die einzelnen europäischen Mitgliedsstaaten einer Diskursordnung unterzuordnen haben.
Insbesondere möchte ich mich dabei dem Einfluss der Europäischen Kommission auf die Europäische Umweltpolitik widmen und somit die von ihr ausgehende Macht näher be- leuchten.
2 LEBEN UND THEORETISCHE EINORDNUNG 2
2 Leben und theoretische Einordnung
2.1 Zum Leben Michel Foucaults
In der Literatur (Münch 2004, Kammler et al. 2008, Ruffing 2008) finden sich unzählige Informationen über das Leben Michel Foucaults. Er wurde am 15.10.1926 in der französischen Stadt Poitiers geboren. Seine Kindheit war vom elterlichen Wohlstand geprägt, sodass er eine gute Schulausbildung mit überdurchschnittlichen Leistungen absolvieren konnte. Nach seinem Abschluss im Jahr 1943 entschied sich Foucault 1946 für ein Studium der Geistes- und Sozialwissenschaften an der Ecole Normale Supérieure (ENS) in Paris, und somit gegen den Wunsch des Vaters die Familientradition weiterzuführen und Medizin zu studieren. Während seiner Studienzeit in Paris, in der er sich intensiv mit den Lehren der Psychologie, Philosophie und Psychopathologie beschäftigte, musste er sich immer wieder in medizinische Behandlung begeben, da er unter Depressionen litt und auch immer wieder Selbstmordversuche verübte. Nach seinem Abschluss an der ENS ging er zunächst als Assistenzprofessor an die Universität in Lille, wo er Psychologie unterrichtete. Seine Neugierde und die Suche nach Abwechslung führten Foucault 1955 über die Grenzen Frankreichs hinaus, um das französische Kulturinstitut im schwedischen Uppsala zu leiten. Dort entstand auch die Erstfassung seines Werkes Wahnsinn und Gesellschaft. Nach seinen Aufenthalten in Uppsala, Warschau und Hamburg kehrte er 1960 zurück nach Frankreich und wurde Professor für Philosophie an der Universität Clermont-Ferrand, wo auch sein Buch Die Ordnung der Dinge entstand, welches ihn weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt machte; ein Buch welches allein die aus Archiven und Bibliotheken betriebene Forschung beschreibt und somit eine nachhaltige Wirkung für sämtliche Wissenschaftsbereiche erzielte. Mitte der 1960er Jahre wechselte er zur Universität nach Tunis, bevor er 1970 an das berühmte Collège de France berufen wurde und dort den Lehrstuhl für die Geschichte des Denkens gründete. Foucault beschäftigte sich während seiner Zeit in Paris mit verschiedenen Themen (z.B. Bio-Politik, Gouvernementalität), die bis in die heutige Zeit diskutierbar bleiben. Die Ordnung des Diskurses, welches auch das Thema seiner Antrittsvorlesung in Paris war, setzte erste (macht-)politische Akzente für seine weiteren Bücher Überwachen und Strafen sowie Der Wille des Wissens. Foucaults persönliches Leben war in den letzten Jahren seines Lebens davon geprägt, seine Homosexualität in die Öffentlichkeit zu tragen und diese als offizielle Lebensform durchzusetzen. 1984 starb er in Paris vermutlich an der noch relativ unbekannten und bis dahin noch schlecht therapierbaren Krankheit Aids.
2 LEBEN UND THEORETISCHE EINORDNUNG 3
2.2 Vom Strukturalismus zum Poststrukturalismus
Michel Foucault gilt heute als einer der meist diskutierten Sozialwissenschaftler weltweit. Sein Denken findet in vielen Bereichen der Wissenschaft eine Anwendung, so etwa in der Soziologie, der Philosophie, der Pädagogik, der Politikwissenschaft oder in der Kommunikationswissenschaft. Das wissenschaftliche Arbeiten Michel Foucaults richtete sich vor allem auf das Zusammenspiel von Macht und Gesellschaft und stellt deshalb einen grundlegenden Ansatz zur Untersuchung von Machtsystemen dar.
Foucaults Lebenswerk ist dem Denken des Poststrukturalismus zuzuordnen. Die wissenschaftliche Strömung des Poststrukturalismus findet ihren Ursprung in den späten 1960er Jahren in Frankreich und wurde in den 1980er Jahren auch international über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt. Der Poststrukturalismus ist als kritische Weiterentwicklung des Strukturalismus, welcher u.a. durch Claude Lévi-Strauss und Emile Durkheim begründet wurde, zu sehen (Jäger 2003). Während sich der Strukturalismus mit den Grundstrukturen sozialer Beziehungen und der Bedeutung von sozialen Handlungen innerhalb geschlossener Gesellschaften auseinandersetzt, steht im Poststrukturalismus auch die Außenwelt der Gesellschaft im Mittelpunkt. Vertreter des Postrukturalismus beschäftigen sich damit, wie innere gesellschaftliche Strukturen produziert, reproduziert und nach außen, in andere soziale Beziehungsgefüge, mit Hilfe von Zeichen, Texten und Macht transformiert werden. Der Poststrukturalismus liefert damit einen nützlichen Ansatz, um soziales Handeln zu erklären, welches durch bestimmte Normen, Macht und Interessen geprägt ist (ebd.) Foucault geht es in seinem wissenschaftlichen Beitrag darum, die Gesellschaft als ein System zu betrachten, welches Macht reproduziert. Zentrales Element seiner Untersuchung ist der Diskurs, anhand dessen er versucht, die (geschichtliche) Entwicklung von Machtsystemen
kommunikativen Handelns verstanden wird und in dem Argumente zu einem wissenschaftlichen Thema ausgetauscht werden, kann der Diskurs von Foucault nicht so genau definiert werden. Sein Diskurs ist gleichzusetzen mit den Begriffen Diskursanalyse und Diskursthe-orie und vereinigt Texte mit sozialen, politischen, materiellen und institutionellen Praxen, bei denen unsichtbare Machtgefüge sichtbar gemacht werden.
3 DER HISTORISCHE DISKURS 4
soziologische Rezeption Foucaults in Deutschland konzentrierte sich auf die Frage, ob seine Analyse von Macht die soziologischen Instrumentarien bereitstellt, um moderne Formen gesellschaftlicher Herr (Maset: 15)
3 Der historische Diskurs
3.1 Die historische Forschung: Genealogie
Im Mittelpunkt Foucaults wissenschaftlicher Arbeiten steht die historische Diskursanylse. Foucaults zentrales Interesse richtet sich dabei auf die Entstehung von Macht und Machtverhältnissen. Der Diskurs ist der Ort an dem die Macht entsteht. An-hand von Genealogien lassen sich die Strukturen der Diskurse und die daraus entstehende Macht rekonstruieren. Unter einer Genealogie versteht man ein wissenschaftliches Instrument, welches für die Erforschung geschichtlicher Prozesse geeignet ist. (Vogel 2008: 255) Da Diskurse historisch gewachsene Gebilde sind, lassen sie sich auch mithilfe der Genealogieforschung untersuchen. Sie verfolgt die Erschließung von Machtmechanismen, die an der Entstehung von Wissen beteiligt sind (Vogel 2008: 256). Genealogien machen all das sichtbar, was bisher keine Geschichte hatte, und was bisher noch nicht geschichtlich betrachtet wurde. (ebd.) Durch die historische Beschreibung eines Gegenstandsbereichs lassen sich Veränderungen oder Neuausrichtungen und Brüche erkennen, die ohne die Aufstellung einer Genealogie vielleicht nicht sichtbar wären. Hinzu kommt, dass Genealogien aufzeigen, wie sich der betrachtete Gegen-standsbereich im Laufe der Zeit verändert hat. Auch die Entstehung des Machtbegriffs ist geschichtlich nachvollziehbar: Er ist nicht das Resultat politischer, ökonomischer oder sozialer Institutionen, sondern kann als Kräfteverhältnis verstanden werden, in dem Unterwerfungsprozesse zum Ausdruck kommen. (ebd.: 257)
Genealogien machen einen Großteil von Foucaults Arbeiten aus. Begriffe wie Wahnsinn im Zusammenhang mit verschiedenen Ausschlussmechanismen, Sexualität, Biomacht oder Krankheit konnten durch die Einnahme eines historischen Blickwinkels hervorgebracht werden (Maset 2002:40). Sie haben damit nicht nur einen wichtigen Beitrag für die Soziologie, sondern auch für andere wissenschaftliche Disziplinen leisten können. Foucaults historische Diskursanalysen liefern deshalb wichtige methodische Ansätze für die Erforschung von Diskursen
3 DER HISTORISCHE DISKURS 5
Erkennt, diese verändern und somit zu einer Vertiefung des Wissens (über den Gegenstandsbereich, Anm. d. Verf.) (Maset 2002: 42).
Inwieweit Foucaults Instrumentarium zur Erforschung historischer Ansätze geeignet ist, soll in den nächsten Abschnitten näher erläutert werden. Hierfür ist es wichtig, zunächst das Phänomen der Macht darzustellen, bevor auf den Diskurs eingegangen wird.
3.2 Was ist Macht?
Macht ist ein wichtiges Phänomen gesellschaftlicher Beziehungen. Dennoch existieren viele verschiedene Auffassungen von Macht. Aufgrund seiner Komplexität hat der Begriff Macht in den unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen Anwendung. In einem Zitat von Lukes kommt die Vielfalt der Macht zum Vorschein: stens in einem Punkt herrscht über die Macht Klarheit: man kann grundverschiedener Ansicht sein, worum es sich bei ihr überhaupt hanMaset 2002, zit. nach Lukes 1983: 106) Nach Auffassung g- keit,nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzu- (Piazolo (2006), S. 10, (zit.
nach Arendt, 1970, S. 54). Auch Habermas kann einen Beitrag zur Macht leisten, in i- schenMenschen, wenn sie zusammen handeln, und sie verschwindet, sobald sie sich (Piazolo (2006), S. 10, (zit. nach Habermas, 1981, S. 238). Dadurch wird der relationale Charakter der Macht deutlich.
Foucault selbst ging es nicht allein um die Analyse der Macht. Ihm war es auch wichtig herauszufinden, wo Macht entsteht und wie sie funktioniert. (Bubitz 2008: 210) Er geht davon aus, dass Macht immer in Beziehungen zum Ausdruck kommt und Bestandteil eines Handlungsgewebes ist (ebd.). Für die Erforschung der Macht bediente er sich dem Ansatz der historischen Forschung. Foucault geht davon aus, dass man die historischen Bedingungen eines Gegenstandsbereiches kennen muss, um die gegenwärtige Situation begreifen zu können. Auch bei der Betrachtung der Europäischen Union muss man sich
Arbeit zitieren:
Isabel Kreßner, 2010, Michel Foucaults Diskursanalyse am Beispiel der Europäischen Umweltpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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