Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Epochale Einordnung 2
2.1 Die Brüder Grimm und die Entstehung der „Kinder- und Hausmärchen“
3. Die Grimmsche Literaturgeschichtskonzeption 4
4. Zur Überlieferung und Bearbeitungspraxis 6
5. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm 8
als Klassiker der Kinderliteratur
6. Schlussbetrachtung 11
7. Literaturverzeichnis 13
1. Einleitung
Nahezu jeder von uns wird bereits im Kindesalter mit der literarischen Gattung des Märchens Bekanntschaft gemacht, ja Freundschaft geschlossen haben. Von Kindesbeinen an wurden wir versorgt mit allerlei den Märchen zugehörenden phantastischen Stoffen, mit Geschichten von Helden, ob arm oder reich, die sich einer Welt von Feen und Hexen, Zauber und Magie gegenübersehen. Eine besondere Faszination strahlen diese Geschichten aus, die sich dem Schema der strikten Trennung von Gut und Böse bedienen, um letztendlich den Siegeszug der Gerechtigkeit zu feiern.
Die Brüder Grimm, Hans Christian Andersen oder E.T.A. Hoffmann sind uns als Autoren dieser Erzählungen bekannt, und selbst denjenigen unter uns, die sich nicht als ausgesprochene Verfechter dieses literarischen Stoffes wähnen, sind „Dornröschen“, „Aschenputtel“, „Rotkäppchen“, „Die kleine Meerjungfrau“ oder auch „Nussknacker und Mäusekönig“ wenn nicht durch Vorlesen oder eigenes Lesen, so doch durch Adaptionen kultureller Einrichtungen und Medien bekannt. Eine besondere Stellung genießen die über die Landesgrenzen hinaus bekannten Märchen der Brüder Grimm. Ihre Kinder- und Hausmärchen, die erstmals 1812 / 1815 in zwei Bänden in Buchform erschienen, gehören häufig zum Inventar deutscher Kinderzimmer und erfreuen sich noch heute großer Popularität bei Groß und Klein.
Unangefochten nehmen sie die Stellung eines Klassikers in der weniger Jugendals Kinderliteratur ein; eines Klassikers, der ganz traditionell in keiner Kinderstube fehlen darf.
So populär aber die Inhalte der Märchen bei den Erwachsenen und ihren Kindern sind, so unbekannt ist auch die Tatsache, dass diese „Kinderklassiker“ ursprünglich nicht für Kinder geschrieben wurden. Mit Augenmerk auf die Frage, wie aus dieser nicht für Kinder bestimmten Sammlung von Erzählungen ein Kinderklassiker werden konnte, sollen im Folgenden daher nicht die Inhalte der Märchen im Mittelpunkt der Untersuchung stehen, sondern ihre Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte.
2. Epochale Einordnung
Das Bild, das uns vielleicht vor unserem inneren Auge erscheint, wenn wir an
Kinder denken, die sich von Mutter oder Großmutter Märchen vorlesen lassen, ist
nahezu gleichermaßen mit demselben Begriff verbunden wie der epochale
Ursprung eben dieser Erzählungen: Romantik. 1 Das Wort „romantisch“, das als
Ableitung von Roman und Romanze bereits im 17. Jahrhundert auftauchte,
bezeichnete eine poetische Welt, in der sich die Vorliebe für das Emotionale, das
Phantastische, das Wunderbare, aber auch das Geheimnisvolle und Schaurige
begründete. 2 All dies der Romantik zugehörige finden wir in den Kinder- und
Hausmärchen der Brüder Grimm wieder, die zur Zeit dieser geistigen Strömung
tätig waren und deren Leben unabdingbar mit ihrer Sammlung von Volksmärchen
in Verbindung steht. Um dem Faden der Entstehungsgeschichte und -entwicklung
folgen zu können, ist es lohnenswert einen Schritt zurückzugehen und einige
biographische Eckdaten der beiden Autoren aufzugreifen.
2.1 Die Brüder Grimm und die Entstehung der ‚Kinder- und
Hausmärchen’
Durch das Studium bei Friedrich Carl von Savigny 3 , dem Begründer der
historischen Rechtsschule 4 , die das „organisch“ gewachsene Recht gegen die
aufklärerische Naturrechtslehre stellte, wurde das Interesse der Brüder Grimm 5 an
1 Zeitliche Einordnung: 1788-1835. Als Reaktion auf den Rationalismus der Aufklärung und die Formenstrenge
der Klassik war die geistige und literarische Strömung der Romantik sehr irrational ausgerichtet.
2 Entsprechend waren die bevorzugten Gattungen der Romantiker 1. der Roman, der zu einer Art Universal-
Gattung erhoben wurde, da in ihm alle Gattungen vereint werden sollten, 2. die Novelle, die phantastische, märchenhafte und legendäre Motive verwendete und 3. die in die Prosa eingebettete Lied-Lyrik, die den stimmungshaften Ton verstärken sollte.
3 * 21. Februar 1779 Frankfurt am Main, † 25. Oktober 1861 Berlin. Deutscher Rechtslehrer, der in Marburg,
Landshut und seit 1810 in Berlin lehrte. 1842-1848 war er als Minister für Gesetzgebung tätig. Als Begründer der Historischen Rechtsschule und Gegner des kodifizierten Rechts entwickelte er die Lehre vom "Volksgeist" (Brauchtum u. a.) als Rechtsquelle.
4 Lehrmeinung der deutschen Rechtswissenschaft des 19. Jahrhunderts, die das Recht als Funktion der
Geschichte und des Volksgeistes und das Rechtsleben als einen individualisierten Teil des Volkslebens verstand.
5 Jakob Ludwig Carl Grimm (*Hanau am Main, 4. Januar 1785, † Berlin, 20. September 1863)
Begründer der deutschen Philologie, zusammen mit W. Grimm u. K. Lachmann. Zunächst Bibliothekar in Kassel, 1830-1837 Professor in Göttingen, dann als Mitverfasser des Protestes der ‚Göttinger Sieben’ seines Amtes enthoben, seit 1841 in Berlin.
Mit seinen auf eingehender Quellenforschung beruhenden Werken ‚Deutsche Grammatik’ 1819-1937 und ‚Geschichte der deutschen Sprache’ 1848 legte er die Grundlage der Germanistik. Er bearbeitete die ersten
Arbeit zitieren:
Yvonne Vitt, 2002, Die Märchen der Brüder Grimm, München, GRIN Verlag GmbH
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