"Die Natur des Kindes und die Erziehung
nach Maria Montessori"
Birte Krey / Elena Carstensen
Gliederung
DIE NATUR DES KINDES NACH MARIA MONTESSORI 4
ALLGEMEINE GRUNDZÜGE DER NATUR 4
DIE SENSIBLEN PERIODEN 5
DIE POLARISATION DER AUFMERKSAMKEIT 9
DIE ERZIEHUNG NACH MARIA MONTESSORI 10
VERHÄLTNIS VON NATUR UND ERZIEHUNG DES KINDES 18
LITERATURVERZEICHNIS 19
Die Natur des Kindes nach Maria Montessori
Allgemeine Grundzüge der Natur
Nach Montessori ist die Kindheit ein eigenes Stadium, vollkommen verschieden von dem der Erwachsenen. Das "Reifen des Menschen im Kinde ist eine andere Art Schwangerschaft" (2, S.9) und das Kleinkind wird als "geistiger Embryo" (3, S.44) bezeichnet. Damit ist gemeint, dass das Kind in seiner psychischen Entwicklung ebenso geschützt werden muss wie während der physischen Entwicklung in der eigentlichen Schwangerschaft und dass die gesamte Persönlichkeit schon im Kind angelegt ist "wie in einer Zelle" (2, S.9) und von ihm selbst entwickelt wird. Das Kind ist zwar zu Beginn seines Lebens zu keinen körperlichen Tätigkeiten in der Lage, hat aber einen "Bauplan der Seele" (3, S.44) in sich. Dieser ist als eine Art "innerer Ordnung" (1, S.104) zu verstehen, die bereits bei der Geburt vorhanden ist.
Im Zusammenhang mit dem geistigen Embryo verwendet Montessori den Begriff der "Fleischwerdung" (3, S.38). Fleischwerdung ist dabei im Sinne von "Inkarnation" (3, S.38), was nicht nur ganz neutral als ‚Verkörperung von etwas Geistigem′ zu verstehen ist, sondern durchaus auch religiöse Bezüge enthält (Kind als Messias, christlicher Begriff: Jesus als "eingeborener Sohn Gottes"), zu verstehen. Es ist ein ‚Mensch werden′ gemeint, wobei der Körper infolge dessen dem Willen unterstehen soll: "Fleischwerdung ist der geheimnisvolle Vorgang, demzufolge in dem trägen Leib des Neugeborenen eine Energie (der vitale Antrieb, siehe weiter unten - Anmerkung des Autors) erwacht, die dem Fleisch der Gliedmaßen, den Organen der artikulierten Sprache die Fähigkeit verleiht, gemäß seinem Willen zu handeln [...]" (3, S.39).
Es ist also nicht so, dass das Kind bzw. seine Seele leer wäre - wovon einige andere Erziehungstheorien, z.B. von J. Locke, ausgehen -, sondern alles ist von Beginn an festgelegt und muss vom Kind entwickelt oder "entfaltet" werden. Montessori sieht in der Tatsache, dass der Mensch, im Gegensatz zum Tier, von keinen starren und in deren Wirkung vorhersehbaren Instinkten geleitet wird, einen Hinweis auf eine "Handlungsfreiheit" (3, S.40) des Menschen, die er im Laufe seiner Kindheit entwickelt. Das Kind hat dazu einen "vitalen Antrieb (Horme)"(4, S.89) von Geburt an in sich. Dieser Antrieb gibt dem Kind Impulse für seine eigenständige Entwicklung, das heißt, dass es angetrieben wird, die Möglichkeiten seiner Anlagen zu verwirklichen und sorgt in Folge dessen besonders für die Ausbildung der "sensible[n] Perioden" (1, S.68) bzw. "sensiblen Phasen" (1, S.68) (beide Begriffe werden im Folgenden synonym verwendet). Wichtig ist zudem, dass das Kind "einen tiefen Sinn für persönliche Würde" (3, S.132) besitz. Das bedeutet, dass es leicht und tief verletzt werden kann.
Als Schlüsselphänomene, die Montessori in der Natur des Kindes entdeckt hat, gelten die sensiblen Perioden, die "Polarisation der Aufmerksamkeit" (1, S.180) sowie der "absorbierende Geist" (4, S.23). Aus diesem Grund werde ich nun zunächst auf die sensiblen Perioden, und in diesen auf den absorbierenden Geist eingehen und anschließend die Polarisation der Aufmerksamkeit betrachten.
Die sensiblen Perioden
[...]
Arbeit zitieren:
Birte Krey, Elena Carstensen, 2003, Die Natur des Kindes und die Erziehung nach Maria Montessori, München, GRIN Verlag GmbH
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