Seite 2 25.07.2003 Madlen Leetz Hausarbeit “homo sociologicus“
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Lebenslauf. 4
3 Begriffsdefinitionen 4
3.1 Definitionen - soziale Position 4
3.2 Definition - soziale Rolle 6
4 Der „homo sociologicus" nach Ralf Dahrendorf 9
5 Ein Vergleich mit Robert K. Merton: „Der Rollen - Set: Probleme der
soziologischen Theorie“ 10
6 Kritik von Friedrich H. Tenbruck („Zur deutschen Rezeption der
Rollentheorie “) am „homo sociologicus“ 14
7 Schlussbemerkung / Fazit 18
8 Literaturverzeichnis 19
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1 Einleitung
Heutzutage befindet sich jeder Mensch in gesellschaftlichen Zwängen und Pflichten. „Tue dies nicht, mache das nicht, aber verhalte dich so und so“, sind Aussagen, denen sich jedes Individuum stellen muss. Nur zu oft werden spezifische Neigungen und Persönlichkeitsmerkmale unterdrückt, um dem Idealbild der Gesellschaft zu entsprechen.
Aber was wäre die Menschheit ohne diese Zwänge, die vorschreiben, wie sie sich zu verhalten haben? Wäre sie auch ohne diese Attribute und Verhaltensweisen auf dem heutigen Wissens- und Entwicklungsstand? Ein komplexes und durchaus schwieriges Thema, mit dem sich Ralf Dahren-dorf, ein deutscher Soziologe und Politiker, 1958 in seinem Essay “Homo sociologicus, ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle“ beschäftigt. Er versucht, in der mir vorliegenden fünften Auflage von 1964, eine Elementarkategorie zu finden, die eine Antwort auf die „Probleme des sozialen Handelns weiß“. (01)
Die Aufgabe dieser Hausarbeit ist es, Schwerpunkte Dahrendorfs herauszuarbeiten und zu klären, wie soziale Interaktion möglich ist. Im Anschluss daran, wird die Theorie Dahrendorfs unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Standpunkte kritisch verglichen und diskutiert. Eine Schlussbemerkung beendet diese Arbeit.
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2 Lebenslauf
Doktor Lord Ralf Gustav Dahrendorf wurde 1929 in Hamburg geboren. Nach einem Studium der Philosophie und Philologie in Hamburg, promovierte er 1952 mit einer Arbeit über Karl Marx. Im Anschluss daran folgte ein Soziologiestudium an der “London School of Economics“, das er mit einer Promotion zum “philosophical man“ beendete. Von 1958 bis 1969 war er ordentlicher Pro-fessor an den Universitäten in Hamburg, Tübingen und Konstanz. Seine politische Karriere, beginnend im Jahre 1968, führte ihn in den Bundestag, wo er zwischen 1970 und 1974 ein Mitglied der Kommission der EG war. Danach leitete er zehn Jahre lang die “London School of Economics“. „Dahrendorfs wissenschaftliches Interesse gilt in erster Linie den konfliktreichen Prozessen des sozialen Wandels.“ „Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Theorie der Herrschaft, und eng damit verbunden, die der sozialen Rolle.“ (02) Um die Thematik des “homo sociologicus“ zu präzisieren, verwendet Ralf Dah-rendorf in seinem Essay die Begriffe Position, Rolle und Sanktionen, die nun im folgenden erklärt werden sollen.
3 Begriffsdefinitionen
3.1 Definitionen - soziale Position
Dahrendorf definiert den Terminus Position als „Punkte oder Orte in einem Koordinatensystem sozialer Beziehungen“, was verdeutlichen soll, dass jedes Individuum bestimmte Aufgaben und Funktionen in der Gesellschaft erhält und somit eine gewisse Stellung in diesem System einnimmt. (03) Allerdings zieht
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Dahrendorf eine Erweiterung heran, in der er sagt, dass Positionen frei, das heißt „unabhängig“, von ihren Trägern sind. (04) Sie existieren, ohne das sie von Personen definiert werden und vermitteln daher eine „sehr formale Kenntnis“. (05) Positionen sagen in welchem Status der Gesellschaft sich der Träger befindet, geben jedoch keinerlei Auskünfte über Gefühle oder Beziehungen des Einzelnen.
In dem Essay “Homo sociologicus, ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle“ werden unter anderem vier Arten von Positionen genannt: Geschlechts-, Alters-, Klassen- und Berufspositionen. Werden die Funktionen und Eigenschaften eines zum Beispiel fünfjährigen Mädchens betrachtet, ist erkennbar, dass auch sie Trägerin von Positionen ist. Ihre Geschlechtsposition ist weiblich und von Geburt festgelegt. Folgendermaßen wird ihr diese Position zugeschrieben und ist von ihr nicht frei wählbar. Auch ihre Altersposition - fünf Jahre - wird durch dieses Merkmal gekennzeichnet. Ralf Dahrendorf bezeichnet diese Einteilungen als zugeschriebene Positionen.
Das kleine Mädchen geht in den Kindergarten, ist Tochter, höchst wahrscheinlich Schwester und gehört einer bestimmten Staatsanghörigkeit an. Alle diese Funktionen verkörpern Positionen, die durch bestimmtes Verhalten erworben werden können. Dahrendorf bezeichnet diese genannten und unterschiedlichen Positionen als erworbene Positionen.
Deutlich wird, dass das Mädchen nicht nur eine, sondern eine Mehrzahl von Positionen einnimmt, und „es läßt vermuten, daß die Zahl der [...] Positionen mit der Komplexität von Gesellschaften wächst.“(06) Weiterhin bringt Ralf Dahrendorf zum Ausdruck, dass Positionen umfassend und vielseitig („komplex“) sein können und andere Positionen nach sich ziehen, so das Positionsnetze oder -felder entstehen. (07) Das Mädchen steht in einem Positionsfeld mit Eltern, Großeltern, Geschwistern, Erziehern und Freunden, die alle mannig-
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fache Bindungen und Bezugnahmen zu ihr haben. Der deutsche Soziologe benennt diese Verbindungen als Positionssegmente und es kann weiterhin festgestellt werden, dass bei diesen bestimmte Beziehungsrichtungen vorherrschen. Jeder Position sind von der Gesellschaft bestimmte Attribute und Verhaltensweisen zugeordnet, denen sich die Träger, wenn sie diese übernehmen, fügen müssen.
„Übernimmt und bejaht er die an ihn gestellten Forderungen, dann gibt der Einzelne seine unberührte Individualität zwar auf, gewinnt aber das Wohlwollen der Gesellschaft, in der er lebt; sträubt der Einzelne sich gegen diese Forderungen der Gesellschaft, dann mag er sich seine abstrakte und hilflose Unabhängigkeit bewahren, doch verfällt er dem Zorn und den schmerzhaften Sanktionen der Gesellschaft.“(08)
Die Sanktionen, also gesellschaftliche Reaktionen auf das Verhalten des Einzelnen, werden mit Hilfe von drei Rollenerwartungen - Muss-, Soll- und Kannvon der Gesellschaft geprägt. Musserwartungen werden dabei durch die rechtsinstitutionelle Überwachung, also eine Abstammung aus der Gesellschaft, bestimmt und gewährleistest, und müssen in jedem Fall eingehalten werden. Auch Sollerwartungen unterliegen dieser Zwangseinhaltung und stammen aus Organisationen und/oder Institutionen. Kannerwartungen können jedoch freiwillig erfolgen und haben demzufolge keine schwerwiegenden negativen Rückwirkungen zur Folge.
3.2 Definition - soziale Rolle
Jedes Individuum übernimmt schlussfolgernd vorgefertigte Aufgaben und so- mit “Rollen“, die es spielt, um den Sanktionen zu entgehen.
Arbeit zitieren:
Madlen Leetz, 2003, Ralf Dahrendorf: "Homo sociologicus, ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle", München, GRIN Verlag GmbH
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