Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 2
0.1 Arbeitsplan 2
1. Die Französische Revolution 3
1.1 Anfänge, Verlauf und Ende - Ein historischer Abriss 3
2. Die Sprachdiskussion im Frankreich des 18. Jahrhundert 5
2.1 Philosophische Betrachtungen zur Sprache 5
2.2 Linguistische Betrachtungen zur Sprache 5
3. Die Französische Revolution und die Sprache 7
3.1 Die sprachliche Situation kurz vor der Revolution 7
3.2 Die Sprachpolitik der Revolution 8
3.2.1 Die Revolution und die patois - La terreur linguistique
8
3.3 Veränderungen des Französischen unter dem Einfluss der Revolution 10
3.3.1 Die phonetisch-phonologische Ebene 10
3.3.2 Die grammatisch-syntaktische Ebene 11
3.3.3 Die lexikalische Ebene 11
4. Die Französische Revolution und der Wortschatz 12
4.1 Formen der Entwicklung des französischen Wortschatzes 12
4.1.1 Reduzierung des Wortschatzes 12
4.1.2 Erweiterung des Wortschatzes 12
(Semantische Umdeutung/ Entlehnung/ Wortneubildungen)
4.2 Die Neologie-Diskussion und der Missbrauch der Wörter 15
5. Schlussbetrachtung 17
6. Bibliographie 18
1
0. Einleitung
Die Französische Revolution bezeichnet eine entscheidende Epoche der französischen Geschichte. Doch brachte sie nicht nur auf politischer und sozialer Ebene entscheidende Veränderungen. Auch für die Entwicklung der französischen Sprache bzw. der Sprachwissenschaft hat sie eine entscheidende Rolle gespielt. Es herrschen jedoch verschiedene Meinungen darüber, ob nach der Revolution (sowohl im Hinblick auf das Sprachverhalten als auch auf das Französische selbst) wirklich alles anders gewesen sei als vorher. Sicher scheint jedoch, dass die Sprache während der Revolution eine andere war als jene davor.
In der Einleitung der „Histoire de la langue française“ von Ferdinand Brunot, in deren Tome IX-XI er sich mit der Sprache im Zusammenhang mit der Revolutionsthematik beschäftigt hat, heißt es: « En 1789, la langue française entre dans une nouvelle phase de sa longue vie. » (Brunot 1967, 1). Diesen Satz möchte ich als Ausgangsthese für diese Arbeit nutzen und untersuchen, was genau in dieser ‚neuen Phase’ mit dem Französischen geschah und was besonders für die französische Sprache während der Revolution war.
0.1 Arbeitsplan
Bei der Behandlung der Sprachthematik in der Französischen Revolution wurden vor allem zwei Aspekte immer wieder besonders berücksichtigt. Dies ist zum einen die Sprachpolitik im Hinblick auf die Minderheitensprachen und die Verbreitung des Französischen (seine Entwicklung als langue nationale 1 ) und zum anderen die Untersuchung lexikalischer Innovationen der Sprache (vgl. Schlieben-Lange 1981, 92). Ebendiesen beiden Gesichtspunkten möchte auch ich in der vorliegenden Arbeit besondere Beachtung schenken.
Doch zuvor soll im ersten Teil der Arbeit ein kurzer Überblick über den historischen Hintergrund gegeben werden. Anschließend werde ich im zweiten Teil auf einige Themen der Sprachdiskussion im 18. Jahrhundert (im Vorfeld der Revolution eingehen), um anschließend die Wesensgehalte der Sprachdiskussion während der Revolution gegenüberzustellen. Der erste Schwerpunkt im dritten Teil liegt dann, wie bereits angekündigt, auf der Sprachpolitik. Der folgende zweite Schwerpunkt thematisiert die Veränderungen in der französischen Sprache unter dem Einfluss der Revolution.
1 Brunot hat sich im ersten Teil des Tome IX seiner „Histoire de la langue française“ fast ausschließlich mit diesem Aspekt beschäftigt.
2
Im vierten Teil möchte ich die Ebene des Wortschatzes nochmals gesondert betrachten. Das
Gewicht liegt hierbei auf der Neologiebildung sowie deren Diskussion in und nach der
1. Die Französische Revolution
Die Französische Revolution markiert eine Epoche tief greifender sozialer und politischer Veränderungen in Frankreich in der Zeit von 1789 bis 1799, die sich auch auf beinahe ganz Europa auswirkte.
In Folge des revolutionären Umsturzes wurde das Ancien régime, also die Feudalherrschaft, abgeschafft und eine bürgerliche Republik eingeführt. Grundlegende Ursachen für die Unruhen waren soziale Missstände, die sich in Hungersnot, Teuerungswellen und schließlich im Staatsbankrott von 1788 äußerten.
Anfänge, Verlauf und Ende - Ein historischer Abriss 2 1.1
Im Mai 1789 beruft Ludwig XVI. die Versammlung der Generalstände ein, in der Reformen diskutiert werden sollen, und am 17. Juni erklärt sich der Dritte Stand zur Nationalversammlung - mit dem Ziel der Erarbeitung einer neuen Verfassung. Nachdem auch der Erste und Zweite Stand dieser Assemblée national constituante beitreten, muss Ludwig XVI. sie schließlich anerkennen.
Mit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 (ausgelöst durch den Zusammenzug von Truppen rings um Paris) beginnen die gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Stadt. Es wird eilig eine provisorische revolutionäre Regierung gebildet, die mit Hilfe der Nationalversammlung die Vorrechte des Adels abschafft und die Menschen- und Bürgerrechte verkündet.
Mit der misslungenen Flucht der Königsfamilie im Juni 1791 endet dann die Kooperation von Königshaus und Nationalversammlung, und am 3. September wird eine neue Verfassung verkündet, die eine konstitutionelle Monarchie vorsieht. Jedoch mehren sich die Stimmen für die Schaffung einer Republik. In der neu gewählten gesetzgebenden Nationalversammlung dominieren (die noch gemäßigteren) Girondins, die am 20. April 1792 Österreich und Preußen den Krieg erklären. 3 Jedoch verschärfen sich die Konflikte zwischen den bürgerlichen Girondisten und den radikaleren kleinbürgerlichen Jakobinern (Jacobins).
2 vgl. Encarta 2000; Harenberg 1996, 928
3 Dies ist der Beginn der französischen Revolutionskriege, die bis 1807 andauern.
3
Am 10. August 1792 wird die „Residenz des Königs“ (die Tuilerien) gestürmt und die französische Königsfamilie verhaftet. Eine deutlich radikalere Phase der Revolution setzt ein. Die so genannten Septembermorde 4 fordern über tausend Opfer.
Am 21. September tritt der frei gewählte Nationalkonvent zusammen, und die Republik wird sogleich durch diesen ausgerufen. Am 17. Januar 1793 ergeht das Todesurteil gegen Ludwig XVI., das am 21. Januar vollstreckt wird.
Ab Mai desselben Jahres setzt die Herrschaft der Jakobiner (Diktatur des Wohlfahrtsausschusses unter M. de Robespierre) ein. Diese so genannte Schreckensherrschaft 5 fordert schätzungsweise vierzigtausend Opfer 6 und endet mit der Hinrichtung Robespierres selbst am 27. Juli 1794, infolge dessen sich der Jakobinerklub auflöst.
Ab Oktober 1795 regiert das Direktorium. Es führt eine liberale Verfassung im Interesse des Großbürgertums sowie das Zensuswahlrecht ein. Mit dem Staatsstreich Napoleons am 9. November 1799 wird es abgesetzt und damit die Revolution innenpolitisch beendet.
4 In Schnellverfahren werden politische Gefangene, die sich weigern auf die Zivilverfassung zu schwören, hingerichtet.
5 Nach der Gründung eines Revolutionstribunals zur Aburteilung politisch missliebiger Personen folgen unzählige Hinrichtungen, vor allem durch die Guillotine.
6 Erstes „prominentes“ Opfer ist Marie Antoinette, die ehemalige Königin. Sie wird am 16. Oktober 1793 guillotiniert.
4
2. Die Sprachdiskussion im Frankreich des 18. Jahrhundert - einige Themen Die Diskussion linguistischer Probleme war im Frankreich des 18. Jahrhunderts äußerst aktuell. Laut Ricken (1984, 77) gab es dort keinen bedeutenden Vertreter der Aufklärung, der sich nicht an der Sprachdiskussion beteiligte 7 . Es herrschte ein enger Zusammenhang zwischen philosophischen und linguistischen Fragen.
2.1 Philosophische Betrachtungen zur Sprache
Die besagte „Sprachdiskussion“ erörterte vorrangig sprachphilosophische Fragen zum Verhältnis von Denken und Sprechen und der Rolle von Sprache in der Erkenntnistheorie (vgl. Geckeler/Dietrich 1997, 219). Als bedeutende Vertreter möchte ich an dieser Stelle Rousseau (1712-1778), Diderot (1713-1784), Condillac (1715-1789) und Voltaire (1694-1778) hervorheben, deren philosophische Texte für sprachtheoretische Überlegungen der Aufklärung eine wichtige Rolle spielen.
Diderot schrieb beispielsweise den „Lettre sur les sourds et muets“ (1751), und Condillac veröffentlichte bereits 1746 einen „Essai sur l’origine des connaissances humaines“. Rousseaus „Discours sur l’inégalité“ setzt sich mit der Sprache als „Instrument der Ausbildung und Festigung der Herrschaft eines Teils der Gesellschaft über den anderen“ auseinander (vgl. Ricken 1984, 78). Er verdeutlicht das zunehmende Interesse an der Funktion der Sprache für den Menschen und die Gesellschaft. Das meistdiskutierte Thema in diesem Zusammenhang ist der „abus des mots“ 8 , der bereits vor der französischen Revolution und während der Jahre unmittelbar danach erneut zum zentralen Thema der Auseinandersetzungen wurde (vgl. Ricken 1983, 13-14). Es handelt sich hierbei um die Diskussion des Verhältnisses von Sprache und Denken und der Verwendung von Sprache als Herrschaftsinstrument, die ich im Zusammenhang mit der Sprache der Französischen Revolution im vierten Kapitel der Arbeit nochmals aufgreifen werde.
2.2 Linguistische Betrachtungen zur Sprache
Die Anzahl der im 18. Jahrhundert neu erschienenen bzw. neu aufgelegten Grammatiken und Wörterbücher belegt eindrucksvoll die Aufmerksamkeit, die nicht nur dem Phänomen Sprache sondern auch den Wörtern zukam. Sie führte in Frankreich, wie in wohl keinem anderen Land zu einem Aufschwung der Lexikographie. Ricken (1984, 79) verweist auf Quémadas Arbeit zur Geschichte der französischen Lexikologie, in der die Rede von ca. 650
7 Du Marsais, Voltaire, Condillac, Diderot, d’Alembert, Rousseau, Helvétius, Turgot (vgl. Ricken 1983, 77)
8 oder „Missbrauch der Wörter“
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Arbeit zitieren:
Katharina Brehmer, 2002, Die Französische Revolution und die Sprache, München, GRIN Verlag GmbH
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