Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. II
Abk ürzungsverzeichnis. III
1..Einleitung 1
2..BedarfanvirtuellerHochschullehre 3
3. BegriffundKonzepteinerVirtuellenUniversität. 14
3.1Begriffsdefinition 14
3.2FunktioneneinerHochschuleundderenUmsetzungsm öglichkeiten. 18
3.2.11BereichhLehre. 20
3.2.22Information,,StudentenserviceunddVerwaltung 32
3.2.33IntegrationnvonnWissensbest änden. 34
3.2.44BereichhForschung 35
3.3VorteileundNachteileVirtuellerUniversit äten. 35
3.3.11Vorteile 35
3.3.22Nachteile 41
4. AnalysederKonzepteausgewählterVirtuellerUniversitäten. 44
4.1DieRollederVirtuellenUniversit ätenaufdemBildungsmarkt. 44
4.2ModelleVirtuellerUniversitäten 46
4.3BetrachtungeinzelnerProjekte. 50
4.3.11Projektauswahl. 50
4.3.22Beschreibungsrahmen 51
4.3.33AthabascaUniversity 53
4.3.44TheOpennUniversityUK (UKOU) 60
4.3.55VirtuelleUniversitätannderFernUniversitätHagen 67
4.3.66UNext.com 72
4.3.77UniversityofPhoenixOnline 76
4.3.88TheWhartonnSchoolofTheUniversityofPennsylvania 82
4.3.99StanforddUniversity. 86
4.3.100VIRTUS-virtuelleUniversitätssystemeKöln 91
4.3.111VirtuelleHochschuleBayernn (VHB) 96
4.3.122WesternnGovernorsUniversity(WGU) 102
4.3.133MotorolaUniversity. 108
5..ZusammenfassungundAusblick 111
Literaturverzeichnis 128
Abbildungsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung1:DienstleistungenunddihredreiDimensionennderObjektgebundenheit ....12 Abbildung2:Gesamtmodell„Universität“(GeschäftsprozessmodellinnderSOM-
Methodik) ...............................................................................................................18 Abbildung3:AufbauuderStudienangebote....................................................................20 Abbildung4:BeispielefürKommunikationsmöglichkeitennräumlichhverteilterPersonen
.................................................................................................................................24 Abbildung5:BeispielevonnGroupwarefürkooperativesArbeitennverteilterPersonen.26 Abbildung6:BeispielefürStudienprogrammemitintegriertennPräsenzphasen ............30 Abbildung7:AblösungoderNeuaufbauueinerVirtuellennUniversität ...........................47 Abbildung8:SzenariooderErgänzungeinertraditionellennHochschuledurchheine
VirtuelleUniversität................................................................................................48 Abbildung9:AufbauueinerVirtuelleUniversitätalsKonsortiumtraditioneller
Universitäten ...........................................................................................................49 Abbildung10:VirtuelleUniversitätalsBrokervonnBildungsprogrammen ...................49 Abbildung11:HomepageAthabascaUniversity............................................................54 Abbildung12:AusschnitteausDiscoveringGeologyCD-ROMsderOpennUniversity 63 Abbildung13:AusschnittausMicrosoftOutlookkExpresseinesKursteilnehmers,,
PhoenixOnline........................................................................................................79 Abbildung14:MainnToolbardesIntranetSpikederWhartonnSchool ...........................83 Abbildung15:KursübersichtderPilotphasederVirtuellennHochschuleBayern...........98
Abkürzungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis
B..A. BachelorofArts B..Sc. BachelorofScience ca. circa CAD kanadischeDollar CCISM CentreforComputingInformationnSystemsanddMathematics(Athabasca University) CES CentreforEducationalSoftware(OpennUniversity) CVU CaliforniaVirtualUniversity DEM DeutscheMark etc. etcetera f. unddfolgende(Seite) FAQ FrequentlyAskeddQuestions ff. unddfolgende(Seiten) FH Fachhochschule GBP BritischePfund ILIAS IntegriertesLern-,,Informations-unddArbeitskooperationssystem (UniversitätKöln) IRAC Inter-RegionalAccreditingCommittee KMi KnowledgeMediaInstitute LRC LearningResourceCentre(UniversityofPhoenix) MBA MasterofBusinessAdministration MSU MichigannStateUniversity PC PersonalComputer Ph..D. DoctorofPhilosophy PLAR PriorLearningAssessmentanddRecognition S.. Seite SCPD StanforddCenterforProfessionalDevelopment SITN StanforddInstructionalTelevisionnNetwork SOM SemantischesObjektmodell TOEFL TestofEnglishhasaforeignnLanguage TU TechnischeUniversität
Abbildungsverzeichnis IV
u..a. unddandere UKOU TheOpennUniversity,,UniteddKingdom USD US-amerikanischeDollar USOU OpennUniversityoftheUniteddStates usw. unddsooweiter VDE Verbandddt..Elektrotechnik,,ElektronikkunddInformationstechnik VFH VirtuelleFachhochschule vgl.. Vergleiche VHB VirtuelleHochschuleBayern ViTAL VirtualTeachinganddLearning(AthabascaUniversity) WAVE WhartonnAlumniVirtualExperience WGU WesternnGovernorsUniversity WWW WorlddWideWeb WRDS WhartonnResearchhDataServices ZFE ZentrumfürFernstudienentwicklung(FernUniversitätHagen) ZVS ZentralstellefürdieVergabevonnStudienplätzenn
Kapitel1:Einleitung 1
1. Einleitung
Virtuelle Universität,, virtueller Campus,, Teleteaching,, Webb University,, Lernenn im Internet,, computerunterstütztes Lernenn oder Distance Learning onn the Net sindd Schlagwörter,, die inn jüngster Zeit sehr häufig genannt undd diskutiert werden undd denn Trendd zuu computerunterstützter,, orts- undd zeitunabhängiger Aus- undd Weiterbildung beschreiben.. Ausbilder undd Politiker entwickelnn eine Visionn eines neuenn Ansatzes der Hochschulausbildung..DurchhAusnutzungneuerEinsatzmöglichkeitennderInformations-undd Kommunikationstechnologie sollenn reichhaltigere Lernumgebungenn entstehen,, die über das Internet zugänglichh sind.. Ebensoo ergebenn sichh neue Perspektivenn der multikulturellen,,multiinstitutionalennunddmultinationalennZusammenarbeit.. Der Auftritt einer Hochschule im Internet ist heutzutage fast selbstverständlich,, wobei das Informationsangebot sehr differiert.. Immer mehr Universitätenn bietenn Seminare,, Vorlesungenn oder ganze Studiengänge über das Internet an,, die Bandbreite reicht vonn der elektronischenn Bereitstellung vonn Skriptenn bis hinn zur Herausbildung nur virtuell existierender Universitäten.. Die Delphi Studie 19988 zur globalenn Entwicklung vonn Wissenschaft undd Technikk ergab,, dass die befragtenn Expertenn davonn ausgehen,, dass virtuelle Weltuniversitäten ungefähr abb denn Jahrenn 2010-20199 weit verbreitet seinn
werden. 1
Fernstudienangebotesinddallerdingsnichtneu..DieUniversitätvonnWisconsin,,eineder ältestenn undd größtenn Anbieter vonn Fernstudienprogrammen,, bot ihrenn erstenn Kurs
mittelsPferdepostimJahre18911an. 2 TraditionellesFernstudiumbieteteinnzeitlichhundd räumlichh flexibles Studium,, hat aber viele Nachteile.. Die Studierendenn lernenn isoliert,, Kommunikationn undd Kooperationn mit denn Lehrendenn undd vor allem mit denn anderenn Studierendennfindennnurbegrenztstatt.
Die Virtuelle Universität bietet elektronisches Lernen,, die Studierendenn könnenn per Computer vonn zuu Hause,, dem Arbeitsplatz oder einem öffentlichenn Computerzugang aus lernen.. Das führt zuu einer Erhöhung der Wahlmöglichkeit der Studierenden,, da es ihnenndieFreiheitgibtzuuentscheiden,,wann,,wo,,wievielunddwielangesielernen,,obb sichhaufdemHochschulgeländeaufhaltennoderirgendwooanders..Geographische,,soziale unddpolitischeGrenzennverlierennihreBedeutung..
Vgl.BMBF(Hrsg.,1998a),S.19. 2 Vgl.Phillips(1996).
Kapitel1:Einleitung 2
Durchh denn systematischenn Einsatz neuer Entwicklungenn inn der Informations- undd Kommunikationstechnologie,,insbesonderedesInternets,,wirdderstmalseineUniversität vorstellbar,, die einn zeitlichh undd räumlichh unabhängiges Studium undd gleichzeitig eine intensive Betreuung undd soziale Anbindung ermöglicht.. Insbesondere im kommunikativennBereichhliegtdiegrößteInnovationnunddStärkedesOnline-Lernens.. VieleStudierende,,daruntervorrangigBerufstätige,,bevorzugenndieOnline-Ausbildung,, da sie ihnenn die Möglichkeit gibt,, das Studium mit anderenn Lebens- oder Karrierewegen,, Familien- undd Freizeitaktivitätenn zuu verbinden.. Momentann sindd fünf Millionenn Berufstätige als Teilzeitstudierende ann amerikanischenn Colleges undd
Universitätenneingeschrieben. 3
InndennletztennJahrennentstandenndieerstennvirtuellennStudienangebotesowiezahlreiche PläneunddProjekte,,VirtuelleUniversitätennaufzubauen..DieOtto-Friedrich-Universität Bamberg beteiligt sichh am Aufbauu der Virtuellenn Hochschule Bayern,, einem GemeinschaftsprojektallerUniversitätennunddFachhochschulenninnBayern.. Ziel der vorliegendenn Arbeit ist es,, das Angebot Virtueller Universitätenn genauer zuu analysierennunddErkenntnissezuugewinnen,,welchepositivennTrendszuuverstärkennundd welchenegativennEntwicklungennzuuvermeidennsind..DieschulischeBildungsowiedie betriebliche Erstausbildung werdenn nicht betrachtet.. Das zweite Kapitel wirdd zunächst darstellen,,welcheTrendsinnerhalbbderGesellschaft,,derArbeitswelt,,derTechnologie undd der Bildung die Entwicklung Virtueller Universitätenn notwendig machen,, vorantreibenn oder zumindest beeinflussen.. Ziel des drittenn Kapitels ist es,, denn theoretischennHintergrundddieserOrganisationsformzuuerläuternnunddeinngrundlegendes Konzept einer Virtuellenn Universität zuu erarbeiten,, wobei alle Funktionenn einer Universitätzuuberücksichtigennsind..
ImviertennKapitelwerdenneinzelneRealisierungennunddProjektebetrachtet..Dabeidient das inn Kapitel drei dargestellte Konzept als grundlegender Beschreibungsrahmen.. AngesichtsderAngebotsfülleunddderunzähligennsichinnPlanungbefindlichennProjekte musste eine Auswahl getroffenn werden.. Es werdenn keine Initiativenn einzelner Lehrstühle vorgestellt,, sondernn Projekte,, die eine lehrstuhl-,, fakultäts-,, bzw.. universitätsübergreifende Kooperationn anstreben.. Sie verfolgenn zudem einn recht
3 Vgl.Twigg/Oblinger(1996).
Kapitel2:BedarfannvirtuellerHochschullehre 3
umfassendes Konzept zum Aufbauu einer Virtuellenn Universität,, das mehrere Funktionsbereiche berücksichtigt.. Beispiele für verschiedene Modelle (Fernuniversitäten,, Neuaufbauu Virtueller Universitäten,, Weiterentwicklung traditioneller Universitäten,, Broker,, Konsortien,, Corporate Universities) zeigenn die unterschiedlichenn auf dem Markt existierendenn Ansätze.. Hervorzuhebenn ist,, dass sichh die Auswahl der Projekte nicht auf deutsche Universitätenn beschränkt,, sondernn versucht,, einenn globalenn Überblickk zuu geben.. Damit wirdd der Tatsache Rechnung getragen,, dass Virtuelle Universitätenn Grenzenn überschreitenn undd der Markt für Bildungsangebotezukünftignichtmehrregionaleingegrenztwerdennkann.. Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse zusammenn undd wagt einenn Ausblickk auf die BildungslandschaftderZukunft.
2. BedarfanvirtuellerHochschullehre
Zwar mag die Innovationsfreudigkeit einiger Hochschullehrer einn Grundd für die Entwicklung virtueller Lehrangebote sein,, der allgemeineTrenddistdamitjedochhnicht zuu erklären.. Im Folgendenn werdenn einige Entwicklungenn sowie Problemfelder dargestellt,,dieeineErklärungfürdennBedarf,,daswachsendeInteresseundddiedaraus entstehendennAngeboteannvirtuellerHochschullehregebennkönnen.
• MöglichkeitenderInformations-undKommunikationstechnik
DieEntwicklungderInformations-unddKommunikationstechnikkerfolgtsprunghaftundd gewährt ihrenn Nutzernn neuartige Möglichkeiten,, selbständig undd unabhängig vonn konventionellenn Bildungsinstitutionenn Wissenn zuu erwerben.. Zeitliche,, geographische unddsozialeBarrierennwerdennüberwindbar..ForschungunddLehrebasierennzumGroßteil gerade auf jenenn Elementen,, die durchh Computernetze raschh undd einfachh zugänglichh gemachtwerden:InformationennunddKommunikation..Insofernnliegteinntechnologischer Push-Faktor vor,, der die Nutzung vonn neuenn Medienn für Lehrenn undd Lernenn inn der
Hochschulevorantreibt. 4
Vor allem das Internet mit seiner einfachh zuu bedienendenn Benutzeroberfläche eignet sichhalsRecherche-,,aberebensooalsInstruktions-unddLernmedium..Esbietetdem
4 Vgl.Hesse(1998),S.157.
Kapitel2:BedarfannvirtuellerHochschullehre 4
NutzereinnquantitativvunübertroffenesAngebotannInformation..ÜberdasInternetlassenn sichh zudem eine Vielzahl vonn Dienstenn realisieren,, die mann sichh für einn Studium wünscht: die Aufbereitung vonn Informationenn inn multimedialer undd hypertextueller Form,, die einfache undd rasche Bestellung vonn Lehrmaterialien,, Möglichkeitenn der Simulation,, das Anbietenn vonn Lernprogrammen,, Übungsaufgabenn undd Tests sowie Kommunikationsmöglichkeitenn mittels E-Mail,, Mailinglistenn oder Newsgroups sowie
InternetRelayChat. 5
• VervielfältigungdesweltweitverfügbarenWissens
Das weltweit verfügbare Wissenn wächst mit früher ungeahnter Geschwindigkeit,, seine Halbwertzeit sinkt ständig.. Ann jedem Arbeitstag werdenn weltweit etwa 20.0000
wissenschaftliche Aufsätze veröffentlicht. 6 Inn vielenn Fachbereichenn rechnet mann mit einer vollständigenn Erneuerung des Fachwissens inn sechs bis zehnn Jahren. 7 Die ZunahmedesverfügbarennWissensbewirktinnderWirtschaftInnovationsschübe,,dieann die typische Dauer vonn Ausbildungsgängenn heranreichen,, inn einigenn Branchenn sogar
schonndarunterliegen. 8
Darauswirddsichtbar,,dassdieZeitrhythmennvonnWissenschaftunddTechnikkmitdenenn der Bildung nicht mehr übereinstimmen.. Es ist anzunehmen,, dass sichh diese Entwicklungweiterfortsetzennbzw..nochhverstärkennwird..VomarbeitendennMenschenn wirddimmer häufiger undd immer rascher einn Um-,, Weiter- undd Neulernenn verlangt..Es entstehennvölligneueBerufsbilder..DerBedarfannBildungwächst.. Die Bildungsanbieter stehenn vor der Herausforderung,, ihre Bildungsinhalte kontinuierlichhanzupassennunddihreLehrmethodennweiterzuentwickeln..DerEinsatzvonn Multimediatechnikk im Zusammenhang mit Internet undd Intranet wirdd zur kosteneffizientenn undd schnellenn Aufbereitung,, Verbreitung undd Archivierung vonn
Wissenngebraucht. 9
• LebenslangesLernen
InnZukunftwerdenndasinnderErstausbildungerworbeneWissennundddieerlerntenn
5 Vgl.Issing(1996),S.62.
Vgl.Rüttgers(1997). 7 Vgl.BertelsmannStiftung/HeinzNixdorfStiftung(Hrsg.,1998),S.11.
8 Vgl.Klinger(1997),S.321.
9 Vgl.Klinger(1997),S.322.
Kapitel2:BedarfannvirtuellerHochschullehre 5
FähigkeitennnichtmehrfürdasganzeLebennausreichen..Studienngehenndavonnaus,,dass einn Arbeitnehmer im Verlaufe eines regelmäßigenn Berufslebens sichh nochh zwei- bis
dreimal denn Stoffumfang seiner Erstausbildung aneignenn muss. 10 Die Aus- undd Weiterbildung des Einzelnenn wirdd somit notwendigerweise zuu einem lebenslangenn Prozess,,derüberlebenswichtigist. Gründedafürsind:
- innderKindheitunddJugendderworbenesWissennveraltet
- VeränderungenninnderWeltgewinnennannGeschwindigkeitunddverlangenngesteigerte geistigeFähigkeitennunddvermehrtesozialeKompetenzen
- Verschärfung wirtschaftlicher,, politischer,, demographischer undd ökologischer Probleme
- erfolgreiches Agierenn inn der sogenanntenn „Wissensgesellschaft“ hängt vonn der
VerfügbarkeitneuennunddjeweilsrelevantennWissensab. 11 Eine innovative Bildungs- undd Lernkultur stellt die Vorraussetzung für die Anpassungsfähigkeit der Gesellschaft ann veränderte sozioökonomische
Rahmenbedingungenndar. 12 AlsKonsequenzergibtsichhdieNotwendigkeit,,einebreitere Wissens- undd Kompetenzentwicklung durchh lebenslanges Lernenn möglichst aller
BürgerunddBürgerinnennzuufördern. 13
DamitwirdddasbisherigeBildungskonzeptobsolet..DieBereicheArbeitennunddBildung
werdenn miteinander verschmelzen 14 ,, Lernenn währendd der Arbeitszeit bzw.. nebenn der Arbeit,, Fernstudien,, Teilzeitlernen,, Lernenn inn der Babypause undd währendd Phasenn der Nichtbeschäftigung wirdd zur Normalität werden.. Zuu solchenn Phasenn gehört nebenn Arbeitslosigkeit auchh die Zeit zwischenn verschiedenenn Projektenn oder Zeitverträgen,, geht mann davonn aus,, dass solche Arbeitsformenn inn der Zukunft dominierenn undd lebenslangeArbeitsverträgezurAusnahmewerden..DieHochschulennmüssennaufdiese Veränderung der Lebens- undd Arbeitsstrukturenn reagieren.. Weiterbildung wirdd zukünftig nebenn dem Erststudium eine gleichwertige Stellung innerhalbb der
Vgl.Krempl(o.J.b). 11 Vgl.BMBF(Hrsg.,1998b),S.10.
12 Vgl.Pohl/Zimmermann(1998),S.340.
13 Vgl.BMBF(Hrsg.,1998b),S.73f.
14 Vgl.Kraemer(1999),S.17.
Kapitel2:BedarfannvirtuellerHochschullehre 6
Hochschullehre innehaben.. Weiterbildende Lehre wirdd insbesondere für folgende GruppennvonnNutzernninteressant:
- individuelle Nutzer,, die auf eigene Kostenn vonn zuu Hause aus lernen,, um ihre beruflichennQualifikationennzuuaktualisieren,,zuuerweitern,,anzupassennodersichhneuu zuu orientieren.. Danebenn werdenn zunehmendd Kompetenzenn für private
Lebensbereicheerworben. 15
- Angestellte,, Selbständige oder inn freienn Berufenn tätige Personen,, die Qualifizierungsmaßnahmennwahrnehmen.
- ArbeitsloseodervonnArbeitslosigkeitBedrohtesowiePersonennmitunzureichender Qualifikation,, die selbständig vonn zuu Hause aus oder innerhalbb öffentlichh
geförderterBeschäftigungsverhältnisselernen. 16
• ZunahmederTeilzeitstudierenden
Erichsenn bezifferte denn Anteil der Teilzeitstudierendenn ann allenn Studierendenn inn Deutschlandd 19966 auf mehr als 255 % (nachh Untersuchungenn vonn HIS undd dem Bayerischenn Staatsinstitut für Hochschulforschung undd Hochschulplanung).. Er fügte hinzu,, dass die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nebenn dem Studium nicht nur aus NotwendigkeitdesGelderwerbsgeschieht,,sondernnauch,,weildieStudierendennbewusst
eineKombinationnvonnStudiumunddberuflicherTätigkeitwählen. 17 InndennUSAmachenn Teilzeitstudierendemittlerweilefast500%allerStudierendennaus. 18 "Withh adults over 255 now constituting the majority of college students inn the Unitedd States,,anddwithhincreasingdemandsbeingimposeddonnthemfortheirprofessionalandd personaltime,,onlineeducationnwilllikelybetheonlyinstructionalalternativeopenntoo
them." 19
Wills führt das Ergebnis einer Befragung inn Australienn an,, der zufolge die „Notwendigkeit,,sichhstärkeranndiegeändertennLebensumständederStudenten,,z..B..bei
Teilzeitstudium,,StudentennmitKindern,,größererMobilität,,anpassennzuumüssen“ 20 als das wichtigste Kriterium für die Entwicklung hinn zuu virtueller Lehre bewertet wurde..
SieheauchunterPunkt„ZunahmederFreizeit“. 16 Vgl.VHB(2000).
17 Vgl.Erichsen(1996),S.197.
18 Vgl.Kraemer(1999),S.18.
19 Phillips(1996).
20 Wills(1998),S.130.
Kapitel2:BedarfannvirtuellerHochschullehre 7
Als deutlichh weniger wichtig wirdd das Kriterium angesehen,, „dass die Industrie ihre eigenenn anerkanntenn Abschlüsse schaffenn wird,, wennn die Universitätenn denn Bedarf
nichtbefriedigen“ 21 .
• LearningonDemand
Das Anwachsenn des Wissens undd das Problem der Prognostizierbarkeit künftiger Qualifikationenn bringenn nochh eine weitere Veränderung mit sich.. Weiterbildung wirdd immer weniger planbar,, ann die Stelle des Lernens auf „Vorrat“ tritt das Learning onn demandd (Lernenn bei Bedarf).. Das Lernenn muss bei Auftretenn eines Lernbedarfs,, d.. h.. zumZeitpunktderAufgabendurchführungdirektamArbeitsplatzvorOrtmöglichhsein.. MitSeminarennunddWorkshopsistdieszeitlichhunddorganisatorischhkaumnochhmöglich,, dieBeschäftigtennbenötigennschnelleunddflexibleMöglichkeiten,,vomArbeitsplatzauf Lerninhaltezurückzugreifenn-virtuellesLernennbietetdieseMöglichkeit..
• VeränderteAnforderungenandieUniversität
Die Notwendigkeit des lebenslangenn Wissenserwerbb stellt die Universitätenn vor neuartigeAnforderungennunddhohennVeränderungsdruck..Insbesonderederweltweitann denn Universitätenn vorherrschende „Massenunterricht“ geht zunehmendd ann denn gesellschaftlichenn Erfordernissenn vorbei.. Inn immer mehr Berufsbereichenn werdenn aufgrunddderweiterennDifferenzierungderArbeitsteilungimmerspezialisiertere(wennn auchh gleichzeitig fachübergreifende) Qualifikationenn gefragt,, die ann der
Massenuniversität nicht gelehrt werdenn können. 22 Weitere Defizite der Massenuniversitätsind:
- mangelndeZugänglichkeitdesHochschulpersonals
- fehlenderpersönlicherDialogwegennGrößederSeminare
- SchwierigkeitennbeiKnüpfungsozialerKontakte
- mangelndeTransparenzderStudienangeboteunddLehrinhalte
- geringeinterdisziplinäreZusammenarbeit
- StarrheitderStudienordnungen
- zeitlicheBegrenzungderZugangsmöglichkeitennunddMaterialmangel
21 Wills(1998),S.130.
22 Vgl.Gottwald/Sprinkart(1998),S.86.
Kapitel2:BedarfannvirtuellerHochschullehre 8
- kleinere Probleme wie schlechte Öffnungszeitenn der Bibliotheken,, zuu späte
VeröffentlichungvonnVorlesungsverzeichnissennetc. 23
Die Hochschulenn müssenn nachh Wegenn suchen,, die es ermöglichen,, mehr Studierende auszubilden,, Qualität zurückzugewinnenn bzw.. aufzubauen,, ohne mehr Geldd
auszugeben. 24 Der Einsatz computerunterstützter Lehre lässt eine Verbesserung der SituationnanndennHochschulennerwartennunddLösungenndenkbarwerden.
• ProblemedesFrontalunterrichts
EbensoowiedieAusrichtungaufeinnLernennaufVorratistdasGrundmusterdesLehrens undd Unterrichtens im Frontalunterricht inn der Schule ebensoo wie inn der
BerufsausbildungunddderHochschulebisherselbstverständlich. 25 Mittlerweilewirddder Frontalunterricht als wenig geeignet zur Wissensvermittlung angesehen,, was durchh folgendeFaktorennbegründetwird:
- DieInteraktionnzwischenndemDozentennundddemLernendennbleibtnahezuueinseitig.
- Die Kursteilnehmer bleibenn beim Frontalunterricht sehr oft passiv.. Eine kritische AuseinandersetzungmitdemLernstofferfolgtselten.
- Dysfunktionenn des Frontalunterrichts: die Lernendenn sindd unmotiviert,, ihre KonzentrationnschwindetmeistbalddunddderStoffwirddschnellvergessen.
- DerEinflussdesLernendennaufdieGestaltungdesLernprozessesistgering..
- Für viele Lernende bildet eine große Gruppe vonn Zuhörernn eine
„Interaktionsbarriere“,,esfälltihnennschwersichhimUnterrichtzuuartikulieren. 26 Besonders kritischh betrachtet werdenn muss die Art der Wissensvermittlung angesichts der Erwartungenn ann Schul- undd Universitätsabgänger: „Die klassische Lehrform des Dozierens undd die Lernform des Repetierens erzieht denn Lernendenn zum passivenn Menschen,, währendd die Wirtschaft nachh kreativ,, vielseitig,, spontann undd
selbstverantwortlichhHandelndennverlangt.“ 27
Vgl.Lange(1996),S.10. 24 Vgl.Gottwald/Sprinkart(1998),S.86.
25 Vgl.Ballin(1996),S.31.
26 Vgl.Zürn(1994),S.2,ähnlichBallin(1996),S.31.
27 Gottwald/Sprinkart(1998),S.74.
Kapitel2:BedarfannvirtuellerHochschullehre 9
Insbesondere für das Lernenn vonn Erwachsenen sowie das Lernenn für eine berufliche
TätigkeitwerdenndaherneueAnforderungenngenannt: 28
- Lernenn ann Arbeitsaufgaben,, handlungsorientiertes Lernen: der Unterricht zielt auf dieBewältigungbestimmterHandlungssituationennab,,diesesinddAusgangssituationn und Unterrichtsgegenstand,, da sichh neue Erkenntnisse undd neue Kompetenzenn auf dieseWeiseambestennentwickeln.
- Selbstgesteuertes Lernen: der Lernende übernimmt die Initiative undd findet seine Lernziele,, sucht Hilfsmittel zur Bewältigung der Aufgaben,, entwickelt Strategien,, wendetdieseannunddbewertetdieErgebnisseseineseigenennLernprozesses-jeweils
mitoderohneHilfevonnanderen. 29
- Kooperatives Lernen: Lernsituationenn werdenn soo angelegt,, dass sie die Kooperations- undd Kommunikationsfähigkeit fördern,, indem sie es nötig machen,,
sichhannanderennzuuorientieren,,sichhabzusprechen,,anderezuuinformierennetc. 30
- Die Schaffung entsprechender Bedingungen,, die handlungsorientiertes,, selbstgesteuertesunddkooperativesLernennermöglichen,,anregennunddunterstützen. Gesucht werdenn daher alternative Wege der Wissensvermittlung.. Die neuenn Medienn
sindd „geradezuu prädestiniert“ 31 ,, obenn genannte Forderungenn zuu erfüllen.. Mit ihrenn vielfältigenn Präsentations-,, Interaktions-,, Simulations- undd Kooperationsmöglichkeitenn weckennsiedieErwartung,,dassLernenninnZukunftmotivierender,,interessanter,,aktiver
undd konstruktiver gestaltet werdenn kann. 32 Im Idealfall könntenn die neuenn Instrumente denn Studierendenn helfen,, sichh das Wissenn schneller undd effizienter anzueignen.. Die Professoren werdenn dannn Freiraum haben,, um zuu diskutieren,, zuu experimentieren,, zuu entwickelnn undd die Studierendenn zuu Denkprozessenn anzuregen,, bei denenn aus
InformationnWissennentsteht. 33
• Kosten
Trotz der erwähntenn höherenn Anforderungenn ann Hochschulbildung werdenn weniger Ressourcenn zur Verfügung stehen.. Im Gegenteil,, es wirdd erwartet,, dass durchh weitere
28 Vgl.Bullinger(1997),S.55f,ebensoFriedrichu.a.(1997),S.4.
29 Vgl.Schäfer(2000),S.29ff.
Vgl.Ballin(1996),S.47. 31 Reinmann-Rothmeier/Mandl(1996),S.69.
32 Vgl.Reinmann-Rothmeier/Mandl(1996),S.66.
33 Vgl.Farrington(1998),S.67.
Kapitel2:BedarfannvirtuellerHochschullehre 10
Sparmaßnahmenn im staatlichenn Bildungsbereichh die bereitstehendenn Ressourcenn real
sinkenn werden. 34 Eine effizientere Ressourcennutzung undd Kosteneinsparungenn sindd daherdringenddnotwendig..DieNutzungderneuennMediennstellteinennWegdar,,dieszuu verwirklichen.. Grundlagen- undd Einführungsvorlesungenn mit Hundertenn Studierendenn im Hörsaal könntenn ohne Qualitätsverlust sicher durchh Online-Veranstaltungenn oder CD-ROMs ersetzt werden.. Die Möglichkeit,, im digitalenn Katalog der Bibliothekk nachzuschlagenn undd sichh Texte auf denn Bildschirm zuu holen,, würde nebenn der
BeseitigungvonnEngpässenndieAnschaffungsetatsderBibliothekennentlasten. 35 DennNutzernnderBildungsangebotewerdennebensoowenigzusätzlichefinanzielleMittel zur Verfügung stehen.. Der Trendd des permanentenn Lernens zwingt sie jedochh zur Wahrnehmung immer neuer Bildungsangebote.. Diese müssenn daher einem
zunehmendennPreisbewusstseinnstandhalten. 36
BeiBetrachtungderbetrieblichennWeiterbildungkannnnachheinerErhebungdesInstituts der deutschenn Wirtschaft Kölnn festgestellt werden,, dass kaum einn Betriebb auf die Weiterbildung seiner Mitarbeiter verzichtet.. Im Jahre 19988 wurde jeder zweite Mitarbeiter der befragtenn Unternehmenn vonn Weiterbildungsmaßnahmenn erfasst,, der Zeitaufwandd je Teilnehmer liegt im Durchschnitt bei 200 Stundenn (33 Arbeitstage).. Aufgrundd vonn Personalabbauu undd Arbeitszeitverkürzung ist die Freistellung vonn MitarbeiternninnjedemzweitennBetriebbzuueinemProblemgeworden..Ohnedieindirektenn Kostenn des Leistungsausfalls zuu berücksichtigen,, wurdenn vonn denn Unternehmenn je Mitarbeiter Weiterbildungskostenn vonn 2.2077 DEM investiert (direkte Kostenn wie Honorare,, Lehrgangsgebühren,, Reisekosten).. Trotz dieser enormenn Kostenn steht die TeilnahmeannexternennSeminarennunddLehrgängennnochhimmerannersterStelle;nur100
Prozent der Unternehmenn nutzenn auchh das Lernenn per Internet oder Intranet. 37 Eine Ausweitung der Online-Fortbildung könnte alsoo zuu Einsparungenn inn denn Unternehmen undddaherzuulangfristigennEffizienzsteigerungennführen. • GlobalerWettbewerbderBildungsanbieter
Bisher richtete sichh das Angebot der Hochschulenn vorrangig ann Studierende innerhalbb der Grenzenn des eigenenn Landes.. Das Angebot war ann denn Standort der Universität
Vgl.Winand/v.Kortzfleisch/Pohl(1996),S.17. 35 Vgl.Glotz(1998),S.21f.
36 Vgl.Gottwald/Sprinkart(1998),S.28.
37 Vgl.IWD(1999).
Kapitel2:BedarfannvirtuellerHochschullehre 11
gebunden..DieStudierendennmusstennzurUniversitätkommen,,umesnutzennzuukönnen.. Standortvorteile undd finanzielle Überlegungenn auf Seitenn der Studierendenn führtenn häufigzuuqualitätsunabhängigennPräferenzennderStudentennfürbestimmteHochschulenn oder hieltenn sie davonn ab,, ann einer ausländischenn Hochschule zuu studieren.. Inn Deutschlandd führte die Zuteilung der Studierendenn durchh die ZVS undd die bislang geringe Anerkennung im Auslandd erworbener akademischer Abschlüsse zuu einer weiterenn Einschränkung der Wahlmöglichkeiten,, inn denn USA warenn vor allem Kostengründevorherrschend..
VirtuelleUniversitätennwerdenneszukünftigmöglichhunddfinanzierbarmachen,,anneiner Universität der Wahl zuu studieren.. Auf Seitenn der Wirtschaft werdenn ausländische Abschlüsse,, insbesondere angelsächsische,, schonn längere Zeit akzeptiert.. Bildungsunternehmenn rundd um die Welt expandierenn deshalbb verstärkt jenseits ihrer nationalenn Grenzenn undd nutzenn alle Möglichkeiten,, sichh inn neuenn Märktenn zuu
platzieren. 38 Schonn heute richtenn sichh ganze Studienprogramme explizit ann internationale Studierende,, z.. B.. MBA-Programme undd die Angebote der Openn UniversityinnGroßbritannien..AmerikanischeUniversitätennhabenndennsüdostasiatischenn Bildungsmarkt längst entdeckt unddmitprofessionellemMarketingerobert..Australiens
UniversitätennhabennsichhdennerstennPlatzunterdennAnbieternninnIndonesienngesichert. 39 Der Einsatz moderner Informations- undd Kommunikationstechnologienn markiert denn
endgültigenn Durchbruchh hinn zuu einer Globalisierung der Bildungsmärkte. 40 Die Dienstleistung Bildung wirdd exportfähig,, die Konkurrenz wirdd auf globaler Ebene wachsen,, Anbieter einer qualitativv hochwertigenn Lehre mit weiterenn Wettbewerbsvorteilenn werdenn inn denn Vordergrundd treten.. Vorrangige Treiber für die Entstehung von Online-Programmenn sindd demnachh entweder die angenommenenn Marktchancenn für eine Hochschule (u.. a.. bei Phoenix Online,,StanforddOnline,,WGU) oder die Angst vor Risiken,, die sichh aus Konkurrenzangebotenn ergebenn (u.. a.. inn
Wharton). 41
Mit dieser Entwicklung unterscheidet sichh das Bildungswesenn nicht vonn anderenn Dienstleistungssektoren.. Dienstleistungenn entwickelnn eine zunehmende „Flüchtigkeit“,,
Vgl.Gottwald/Sprinkart(1998),S.24. 39 Vgl.Sommer(1998),S.199.
40 Vgl.Sommer(1998),S.200.
41 Vgl.Massey/Curry(1999),S.iii.
Kapitel2:BedarfannvirtuellerHochschullehre 12
d.. h.. sie sindd standorttolerant,, sindd inn ihrer Erstellung undd Lieferung nicht räumlich,,
personalodersachlichhgebundenn(vgl..Abbildung1). 42
Abbildung1:DienstleistungenundihredreiDimensionenderObjektgebundenheit 43
DasModellunterscheidetDienstleistungennnachhdemGraddihrerObjektgebundenheitinn
flüchtige undd gebundene Dienstleistungen. 44 Flüchtige Dienstleistungenn sindd weitestgehenddunabhängigvonnderPersonndesKunden,,bestimmtennGegenständennoder festenn Räumlichkeiten,, alsoo aller drei Dimensionenn der Objektgebundenheit.. Der Prozess der Erbringung vonn Bildungsdienstleistungenn wirdd zunehmendd frei gestaltbar unddistnichtmehrannStandortegebunden. • ZunahmederFreizeit
DasVolumennannfreierZeitnahminndennvergangenenn1000Jahrennstetigzu..Währendddie Freizeit inn denn Jahrenn der Erwerbstätigkeit 19877 45000 Stundenn betrug,, wirdd diese um
20300etwa5.2000Stundennbetragen. 45
Diese Freizeit könnte inn Zukunft zur Selbstverwirklichung genutzt werden.. Dazuu werdenneinerseitsBildungsprozessegehörennunddandererseitsHobbys,,diekomplizierter
43 InAnlehnunganReichwald/Möslein(1997),S.79.
44 Vgl.Reichwald/Möslein(1997),S.79.
45 Vgl.Deysson(1997),S.112.
Kapitel2:BedarfannvirtuellerHochschullehre 13
undd dadurchh wiederum lernintensiver werden. 46 Das lebenslange Freizeitlernenn stellt nachh Ansicht einiger Autorenn einenn potentiellenn Bildungsmarkt dar.. Vorstellbar sindd
KurseinnBereichennwieGeschichte,,Kunst,,LiteraturunddMusik. 47 • NachhaltigeEntwicklung
AbschließenddfürdiesesKapitelmöchteichhnochhaufdieMöglichkeitennhinweisen,,die die Virtuellenn Universitätenn für die Lösung drängender globaler Probleme bieten.. Bildungkannnauchhim21..JahrhundertnochhalsPrivilegbetrachtetwerden,,zuudemdie Bevölkerungsmehrheit der Erde keinenn Zugang hat.. Unter der Annahme,, dass die Informations- undd Kommunikationstechnikenn sichh weiter rasant ausbreitenn undd ihre Bereitstellung kostengünstiger wird,, könnte Bildung,, insbesondere die fehlende Hochschulbildung,, zunehmendd für Entwicklungsländer,, inn denenn die für Schulenn undd Universitätenn notwendigenn Ressourcenn undd Infrastrukturenn nur inn geringem Maße
vorhandennsind,,bereitgestelltwerden..DasProjektderAfricannVirtualUniversity 48 ,,vonn der Worldd Bankk unterstützt,, geht einenn Schritt inn diese Richtung.. Die sichh aus der Entwicklung der Informationstechnologie ergebendenn Möglichkeitenn für denn afrikanischennKontinentwerdennimJuli20000auchhaufderGhaCLAD20000Conference
innGhanathematisiert. 49
Die Bereitstellung vonn virtueller Bildung könnte somit idealerweise einenn Bausteinn innerhalbb vonn Lösungskonzeptenn für eine nachhaltige Weltwirtschafts- undd Sozialordnung darstellen.. Denkt mann daran,, dass - vereinfachendd dargestellt - mit höhererBildungeinnhöhererLebensstandarddundddamiteinnRückgangderGeburtenrate einhergeht,, wäre hier u.. a.. die Überbevölkerungsproblematikk mit ihrenn zahlreichenn ökologischennunddsozialennFolgeproblemennzuunennen..
DieChancen,,diedasInternetimRahmenneinernachhaltigennEntwicklungbietet,,sollenn damitnurangedeutetsein..
Vgl.Gottwald/Sprinkart(1998),S.32. 47 Vgl.Farrington(1998),S.63.
48 http://www.avumuk.ac.ug[Stand27.04.2000].
49 http//www.ghaclad.org/ghaclad2000/overview/index.htm[Stand23.01.2000].
Kapitel3:BegriffunddKonzepteinerVirtuellennUniversität 14
3. BegriffundKonzepteinerVirtuellenUniversität 3.1 Begriffsdefinition
InndennVeröffentlichungennzumThemaNeueMediennimBildungswesennwerdennhäufig Begriffe wie neue Medien,, Multimedia undd Virtuelle Universität genannt.. Leider liegt keinneinheitlichesVerständnisderBegriffevor,,siewerdennhäufiginnunterschiedlichenn Kontexten,, teilweise synonym undd ohne definitorische Abgrenzung gebraucht.. Vor allem der fast inflationäre Gebrauchh des Begriffes „Virtuelle Universität“ macht Recherchearbeitenn zuu diesem Thema umfangreich.. Soo findenn sichh Projekte,, vom Anbieter unter Marketinggesichtspunktenn als Virtuelle Universität bezeichnet,, die bei nähererBetrachtungderProjektbeschreibungimeinfachstennFallnurInformations-undd Kursmaterial über das Internet verbreitenn undd sichh damit leider ernüchterndd vonn der
VisionnderVirtuellennUniversitätabheben. 50 UmKlarheitderAussagenninndieserArbeit zuu gewährleisten,, sollenn ann dieser Stelle einige Begriffe definiert undd voneinander abgegrenztwerden..
Unter Neuen Medien werdenn Kommunikationsmittel zur Individual- undd Massenkommunikationn zusammengefasst,, die durchh die Entwicklung neuer Technologienn entstandenn sind,, z.. B.. Telefax,, Bildtelefon,, Kabel- undd
Satellitenfernsehen,,CD-ROMunddInternet. 51
Multimedia stellt technischh gesehenn eine Kombinationn vonn mehrerenn digitalisiertenn Medienn wie Ton,, Film,, Graphikk undd Text dar,, die interaktivv undd integriert genutzt werdenn können.. Je mehr Medienn einbezogenn sind,, umsoo höher ist der Gradd der Multimedialität.. Interaktivität bezieht sichh auf die Möglichkeit der Kommunikationn zwischenn Menschh und Computer.. Interaktionenn könnenn vom Programm ausgehenn undd eineAktionnoderReaktionndesNutzerserwartenn(z..B..Übungsaufgabe)odersiekönnenn vom Nutzer initiiert werdenn undd eine Reaktionn des Systems nachh sichh ziehenn (z.. B..
Rückfragen). 52
VieleAutorennsehenndieEntstehungvirtuellerLehrangebotealsWeiterentwicklungder jahrhundertealtennTraditionndesFernstudiums(DistanceLearning)..DieDefinitionndes
Vgl.BertelsmannStiftung/HeinzNixdorfStiftung(Hrsg.,1998),S.16. 51 Vgl.BrockhausMultimedia(2000).
52 Vgl.Zürn(1994),S.112.
Kapitel3:BegriffunddKonzepteinerVirtuellennUniversität 15
Americann Council onn Educationn beschreibt es als: “A system andd a process of
connectinglearnerswithhdistributeddlearningresources.” 53 Fernstudienkurse nutzenn inn erster Linie gedruckte Materialien.. Die Kommunikationsmöglichkeitenn zum Lehrendenn bestehenn inn Telefon,, Fax,, undd E-Mail,, zuu denn Mitstudierendenn hat mann keinenn Kontakt (zumindest ist dieser nicht zwingendd vorgesehen).. Im Gegensatz dazuu zeichnenn sichh virtuelle Lehrveranstaltungen (Online-Kurse) durchh Multimedialität,, umfassende Kommunikationsmöglichkeitenn
zwischenn Studierendenn undd Lehrenden,, Interaktivität undd Online-Verfügbarkeit aus. 54 Zusätzlichh benötigte Materialienn wie Bücher könnenn online angefordertwerden..Beide AngebotsartennenthaltennindividuellesStudiumdesLernendennsowie1:1-Interaktionnmit demLehrenden.
NatürlichhkönnenninneinemFernstudiumebensooneueMedienneingesetztwerden,,umdie Qualität weiterzuentwickeln.. Die Angebotsmengenn stellenn inn der Praxis keine disjunktennMengenndar..ZuuunterscheidennistderetwasandereAnsatz..Dietraditionelle FormdesFernstudiumswurdealsErsatzformderAusbildungangesehen,,umräumliche undd zeitliche Distanz zuu überbrücken,, auchh wennn die Kommunikationn starkk eingeschränkt war.. Die virtuellenn Lehrangebote verfolgenn das Ziel,, als
Substitutionsmöglichkeit einer traditionellenn Lehre angesehenn zuu werden. 55 Es sollenn alleMöglichkeitenneinertraditionellennUniversitätvonndennStudierendenngenutztwerdenn könnenn - bei nochh verstärkter Flexibilität bezüglichh Zeit undd Raum.. Zugleichh wirdd versucht,, bestehende Probleme der Lehre aufzugreifenn undd zuu lösenn undd damit eine qualitativeVerbesserungzuuerreichen.
Wesentliches Ziel undd Merkmal einer Virtuellenn Universität ist die zeitliche Unabhängigkeit.. Hierdurchh unterscheidet sichh eine Virtuelle Universität deutlichh vonn
der Idee des Teleteaching. 56 Als Teleteaching wirdd die synchrone Übertragung vonn LehrveranstaltungennvonnHörsaalzuuHörsaalannverschiedenennStandortennbezeichnet. 57 Das Ziel der zeitlichenn Flexibilität wirdd dabei nicht erreicht,, da die Veranstaltungenn nachhwievorzuufestennZeitennstattfinden..
Chute(1999),S.220. 54 Vgl.Schumann/Hagenhoff(1998),S.150.
55 Vgl.Krempl(o.J.,b).
Vgl.Schumann/Hagenhoff(1998),S.150. 57 Vgl.Kraemer(1999),S.19.
Kapitel3:BegriffunddKonzepteinerVirtuellennUniversität 16
DemBegriffderVirtuellennUniversitätkannnmannsichhauchhvonneineranderennRichtung annähern.. Seit mehrerenn Jahrenn werdenn innovative Organisationsformenn für UnternehmennunterdemBegriff„VirtuellesUnternehmen“diskutiert.. Virtuell bedeutet etwas nicht wirklich,, sondernn nur scheinbar,, der Möglichkeit nachh Vorhandenes trotz des Fehlens wesensbestimmender Merkmale.. Einn Virtuelles Unternehmenn liegt vor,, wennn ihm einige Strukturmerkmale wie Gebäude fehlen,, es inn
der Vorstellung eines Betrachters jedochh wie einn Unternehmenn funktioniert. 58 Der Ausdruckk „virtuell“ steht immer inn Bezug zuu einem konkretenn Objekt,, es gibt keine Virtualitätannsich,,sondernnnurvirtuelleProdukte,,virtuelleOrganisationnodervirtuelle Universitäten..
Einn Virtuelles Unternehmenn ist eine Kombinationn vonn Kernkompetenzenn freiwillig miteinander kooperierender,, inn der Regel rechtlichh selbstständiger Unternehmen.. Die Kooperationnistzeitlichhbegrenzt,,sieistanndieDauerderErreichungeinesbestimmtenn Geschäftszwecks gekoppelt.. Das Prinzipp der flexiblenn Einbindung benötigter Ressourcenn erlaubt eine markt- undd kundenorientierte Gestaltung vonn Leistungen.. Die Zusammenarbeit erfolgt unter Einsatz moderner Informations- undd Kommunikationstechniken.. Vonn außenn betrachtet tritt das Netzwerkk wie einn
einheitlichesUnternehmennauf. 59
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht werdenn Universitätenn als Dienstleistungsbetriebe
angesehen. 60 InndiesemDenkmodellistdieHochschuleProduzentvonnDienstleistungenn imBereichhvonnForschungunddLehre,,vonnTransfer,,WirtschaftsförderungoderKultur.. Siesteht national undd international innKonkurrenzzuuanderennHochschulen,,Bildungs-
unddForschungseinrichtungen. 61
Der Begriff Virtuelle Universität kannn demnachh vonn der Definitionn eines Virtuellenn Unternehmens abgeleitet werden.. Eine Zusammenfassung der bisherigenn Erkenntnisse führt zuu der folgendenn definitorischenn Umschreibung des Begriffs „Virtuelle Universität“:
Vgl.Zimmermann(o.J.). 59 ZurDefinitiondesBegriffesVirtuellesUnternehmensieheu.a.GablerWirtschaftslexikon(1997), Zimmermann(o.J.),Wüthrich/Philipp(1998)undPicot(1998).
Vgl.Krumbiegel(1997),S.22f. 61 Vgl.Müller-Böling(1997),S.304.
Kapitel3:BegriffunddKonzepteinerVirtuellennUniversität 17
InnAnalogiezuuobigennMerkmalsbeschreibungennsolluntereinerVirtuellennUniversität einn flexibles Netzwerkk vonn örtlichh getrenntenn Lehrstühlenn oder anderenn Bildungseinrichtungenn verstandenn werden,, die bei Forschungsprogrammenn oder zur Bereitstellung vonn Ausbildungsangebotenn miteinander kooperieren.. Diese Kooperationsbeziehungenn könnenn nur temporär angelegt sein,, z.. B.. solange die Nachfrage nachh einem bestimmtenn Studienprogramm besteht.. Denn Studierendenn undd Nachfragernn nachh Forschungsleistungenn gegenüber tritt die Virtuelle Universität als einheitlicheOrganisationnauf.
Die Virtuelle Universität verzichtet weitgehendd auf Gebäude,, Vorlesungsräume undd Seminarräume,, da die Kurse über das Internet verbreitet werden,, ihr fehlenn damit wesentliche Strukturmerkmale einer normalenn Universität.. Zur Distributionn der Bildungsangebote sowie zur Kommunikationn undd Kooperationn zwischenn denn Partnernn sowiezwischennderUniversitätunddderennKunden,,dennStudierenden,,werdennmoderne Informations- undd Kommunikationstechnikenn eingesetzt.. Dadurchh wirdd die ÜberbrückungzeitlicherunddräumlicherDistanzmöglich.
Dieeinzelnenn Partnerinstitutionenn bringennjeweilsihreKernkompetenzenninnFormvonn Lehrinhalten undd Forschungsergebnissenn sowie ihre Ressourcenn im Bereichh Lehre,, BeratungunddBetreuung,,Administrationnusw..inndennVerbunddein..Esistdanebennauchh denkbar,, dass spezifische Kompetenzenn neuu aufgebaut werdenn müssen,, z.. B.. inn der
Verwaltung. 62 Die Kompetenzenn undd Ressourcenn werdenn innerhalbb der Virtuellenn Universitätgemeinsamgenutzt..IhreBündelungführtzuuWettbewerbsvorteilen. Das Produktspektrum einer Virtuellenn Universität umfasst mehrere virtuelle Studienfächer/-gänge undd bietet nebenn denn Lehrinhaltenn Dienstleistungenn an,, die eine Betreuung undd Durchführung des Studiums gewährleisten.. Ann dieser Stelle grenzt die VirtuelleUniversitätsichhvonnBildungsangebotennvorallemaufdemprivatennSektorab,, die nur ausgewählte,, meist praxisnahe undd lukrative Studienfächer anbieten.. Sie versuchtdasgesamteFächerspektrumeinerUniversitätvirtuellanzubieten.. Einn virtuelles Unternehmenn besitzt die Möglichkeitenn undd Potentiale eines realenn Unternehmens,, das bedeutet,, der Begriff Virtuelle Hochschule rechtfertigt sichh nur,, wennn alle Funktionenn einer Hochschule virtuell abgebildet werden,, alsoo auchh
62 Vgl.Milius/Kraemer/Scheer(1998),S.189.
Kapitel3:BegriffunddKonzepteinerVirtuellennUniversität 18
VerwaltungunddZertifizierung. 63 DasZieleinesvirtuellennUnternehmensbestehtinndenn Möglichkeiten,, die Leistungenn markt- undd kundenorientierter anbietenn zuu können.. Für eine Virtuelle Universität bedeutet das nebenn einer erweitertenn Angebotspalette vor allemeineQualitätsverbesserungderLehresowieeineeffizientereRessourcennutzung.
3.2 FunktioneneinerHochschuleundderenUmsetzungsmöglichkeiten Geschäftszweckk einer Universität ist die Erbringung vonn Forschungs- undd Ausbildungsleistungen.. Krumbiegel erstellte einn Geschäftsprozessmodell einer
UniversitätmitHilfedesSemantischennObjektmodells(SOM). 64
Abbildung2:Gesamtmodell„Universität“(GeschäftsprozessmodellinderSOM-Methodik) 65
Unterschiedenn werdenn die Hauptprozesse Studium/Lehre undd Forschung.. Zur Unterstützung der Hauptprozesse existierenn Serviceprozesse wie z.. B.. die Mittelverwaltung durchh die Finanzabteilung,, die Betreuung der Mitarbeiter der Universität durchh die Personalabteilung undd die Beschaffung vonn Vorleistungenn durchh
Vgl.Bremer(o.J.). 64 Vgl.Krumbiegel(1997),S.119ff.DerModellierungsansatzunddieNotationdesSemantischen Objektmodells(SOM)kannbeiFerstl/Sinz(1998),S.176ffnachgelesenwerden.
65 Krumbiegel(1997),S.121.
Kapitel3:BegriffunddKonzepteinerVirtuellennUniversität 19
denn Einkauf.. Eine virtuelle unterscheidet sichh vonn einer traditionellenn Universität inn erster Linie bei der Durchführung der Hauptprozesse.. Die Serviceprozesse werdenn daher inn denn nachfolgendenn Kapitelnn vernachlässigt,, da diese größtenteils inn der gleichennWeisewieanneinerrealennUniversitätablaufen. Die Virtualisierung der Forschung ist nicht neu.. Das Worldd Wide Webb (WWW) beispielsweise wurde als Ergebnis eines Forschungsprojektes zur Verbesserung des Informationsaustausches zwischenn internationalenn Forschergruppenn des Bereiches
Hochenergiephysikk undd zur Erleichterung des Zugriffs auf Publikationenn entwickelt. 66 Die Ausführungenn inn dieser Arbeit werdenn sichh daher schwerpunktmäßig auf die VirtualisierungderuniversitärennAusbildungkonzentrieren.. DreiTypennakademischerAus-unddWeiterbildungkönnennunterschiedennwerden: 67
- Primärausbildung(„learningforlife“)alsGrundlage
- KontinuierlicheWeiterbildung(„lifelonglearning“)
- Aufgaben-oderproblembezogeneWeiterbildung(„learningonndemand“) SinnnunddZweckkeinesStudiumanneinerHochschuleistinnersterLiniederErwerbbvonn Kompetenz inn einem Fachgebiet.. Dazuu gehörenn die beidenn Teile Erwerbb vonn Problemlösewissenn (Sach- undd Handlungswissen) undd Aufbauu vonn Fähigkeitenn zur
Anwendung dieses Wissens. 68 Die zentralenn Aufgabenn der universitärenn Lehre sindd demnachh erstens die Vermittlung undd Bereitstellung vonn ausgewähltenn undd aufbereitetennInformationennunddzweitensdasAngebotvonnArbeitsformennwieÜbungenn unddSeminare,,diedieStudierendennbefähigen,,ausdennInformationennWissennzuubildenn undddiesesbeiBedarfanzuwenden..
Die neuenn technischenn Möglichkeitenn sollenn undd werdenn diese Zielsetzung nicht verändern,,verändernnkönnennsichOrganisationnunddAblaufdesStudiumsunddsomitdie
BedingungennunddFormenndesWissenserwerbs. 69
Vgl.Milius/Kraemer/Scheer(1998),S.186. 67 Vgl.Bullinger/Braun(1999),S.28.
68 Vgl.Ferstl(1998),S.2.
69 Vgl.Hesse(1998),S.141.
Kapitel3:BegriffunddKonzepteinerVirtuellennUniversität 20
3.2.1 BereichLehre
• ModularerAufbau
Lehrangebote,, die sichh über mehrere Semester erstrecken,, lassenn sichh schwer mit der zunehmendennFlexibilisierungderArbeitszeitennsowieFamilien-unddFreizeitaktivitätenn inn Einklang bringen.. Daher werdenn inn der virtuellenn Lehre kurze,, auf konkrete Themenbereiche konzentrierte Lehrveranstaltungenn angeboten.. Betrachtet mann eine School,, alsoo einenn Fachbereichh der Universität,, soo kannn die Flexibilität durchh Modularisierungerhöhtwerden..EinnModulisteinnaustauschbarer,,komplexerTeileines
Gesamtsystems,,dereinegeschlosseneFunktionseinheitbildet. 70
Abbildung3:AufbauderStudienangebote 71
Statt vollständiger Studiengänge im herkömmlichenn Sinnn werdenn zunächst lernzielbezogene Kursbausteine undd themenbezogene Kurse entwickelt.. Inn diesenn werdenn Kreditpunkte vergeben.. Die Kursbausteine könnenn inn vorhandene traditionelle Vorlesungenn oder inn ebenfalls virtuell stattfindende Kurse eingebaut werden.. Die Zusammensetzung mehrerer Kurse stellt einn Studienmodul dar,, das vergleichbar mit einem Wahl- bzw.. Pflichtfachh im bisherigenn Studienangebot ist.. Aus verschiedenenn Studienmodulenn könnenn berufsfeldbezogene Studienprogramme geschaffenn werden..
70 Vgl.Ballin(1996),S.51.
71 InAnlehnunganFerstl(2000).
Kapitel3:BegriffunddKonzepteinerVirtuellennUniversität 21
Dieses Prinzipp schafft die Möglichkeit,, das Angebot sukzessive zuu erweitern,, bis hinn zumAngebotganzerStudiengänge(Erstausbildung)oderLehrgänge(Weiterbildung). Die Austauschbarkeit der Kursbausteine gestattet es,, leichter undd schneller auf Veränderungenn im Umfeldd des Systems zuu reagieren.. Einzelne Kurse oder Studienmodule könnenn jeweils nachh denn akutenn Bedürfnissenn der Studierendenn ausgewählt,, abgerufenn undd kombiniert werden.. Einn Kreditpunktesystem unterstützt
dieseFlexibilitätvonnAnfangan. 72 • Vorlesungen,,Kursmaterial
ZurVermittlung der Informationenn dienennannderrealennUniversitätinnersterLiniedie Vorlesungen.. Der Schwerpunkt einer Vorlesung liegt inn der Vermittlung vonn Grundlagen,,FaktennunddRegeln..
Lehrmaterialenn sindd traditionell textbasiert.. Sie könnenn durchh Animationen,, Videos,, Simulationenn ergänzt werden.. Alle Materialienn könnenn durchh denn Einsatz des Internet als Informationsträger bereitgestellt werdenn undd sindd damit leichter,, kostengünstiger undd ständig zugänglichh undd genügenn denn Anforderungenn bezüglichh Orts- undd Zeitflexibilität.. Die Studierendenn habenn die Möglichkeit,, die Materialienn online abzurufen,,aufdenneigenennRechnerzuuladennundddortzuuspeichern,,dieseauszudruckenn oderzuubearbeiten..
Eine weitere Möglichkeit der Bereitstellung des Kursmaterials bietenn CD-ROMs.. Sie bietenn heute denn Vorteil der höherenn Geschwindigkeit beim Zugang zuu großenn
Datenmengen.. Dieser wirdd jedochh inn einn paar Jahrenn keine Rolle mehr spielen. 73 DenkbaristnatürlichhauchhdieZustellungeinigerMaterialiennaufdemPostweg,,fallsdie Studierendenn das wünschen.. Online zugänglichh solltenn die Materialienn inn einer VirtuellennUniversitätjedochhaufjedennFallsein.
VorlesungennkönnennauchhsynchronnperVideokonferenzübertragennwerden,,wiedasinn mehrerennTeleteaching-Projektennversuchtwirddbzw..wurde,,beispielsweiseannderTele-Akademie der FH Furtwangen 74 oder im Projekt „Teleteaching Dresden-Freiberg“ 75 .. DieNachteilesinddaberoffensichtlich:DieVorlesungennwerdennzuueinervorgegebenenn
73 Vgl.Expertenkreis(1999),S.10.
74 SieheAnhangB.
75 http://telet.inf.tu-dresden.de[Stand27.04.2000].
Kapitel3:BegriffunddKonzepteinerVirtuellennUniversität 22
Zeitangebotennunddeswirddfrontalunterrichtet..ErstereskannndurchhdieVerteilungder VideosoderBereitstellungalsDownloadd(Videooonndemand)ausgeglichennwerden. Die interessanteste Variante ist die Entwicklung multimedialer Online-Kurse,, die eine reale Lehrveranstaltung nicht nur vollständig ersetzen,, sondernn eine qualitative Verbesserung der Wissensvermittlung anstreben.. Im Idealfall erfolgt keine Umsetzung vorhandener Angebote,, die sichh inn denn meistenn Fällenn zumindest im Prinzipp der Vorgehensweise am Modell des Frontalunterrichts ausrichten,, sondernn eine Entwicklung vonn Materialienn nachh denn neuerenn pädagogischenn undd psychologischenn Erkenntnissenn über das Lernen.. Für die Darstellung des Wissensnetzes steht die gesamte Bandbreite multimedialer Objekte zur Verfügung: Texte,, Bilder,, Grafiken,, Animationen,, interaktive Videos,, Sprache,, Geräusche undd Musik.. Sie werdenn inn geeigneter Form eingesetzt,, beispielsweise Animationenn zum sukzessivenn Aufbauu vonn Schaubildernn oder die Visualisierung vonn Abläufen.. Erfolgreichh gelöste Aufgabenn könnenn mit Geräuschenn begleitet werden,, Musikk denn Lernendenn beim Programmstart
begrüßen,, historische Redenn im Original eingebundenn werdenn usw. 76 Aufgrundd der hypertextbasiertenn Struktur könnenn Querverweise zwischenn denn Wissenseinheitenn eingebundenn werden.. Zusätzlichh werdenn Möglichkeitenn der Interaktivität,, Kooperationn unddKommunikationnmethodischhsinnvollinndieLerneinheitennintegriert.. Entscheidendd für die Aufbereitung der Informationn sollte nicht die aktuell verfügbare Software oder Hardware sein,, sondernn die zuu lösende Aufgabe.. Methodische Aspekte miteinersorgfältigennAnalysederAufgabennundddieKonstruktionnderLösungmüssenn imVordergrunddstehen,,TechnikksollteMittelzumZweckksein. UmdieexistierendeMassederKursangeboteeinerVirtuellennUniversitäteinordnennzuu
können,,beschreibtMasonndreiverschiedeneModelle 77 : 1. Content+SupportModel:
DasContent + Support Model istdasamhäufigstenneingesetzteModell..Esberuht auf einer Trennung zwischenn dem Kursmaterial,, welches gedruckt wirdd oder als Kurs im WWW zugänglichh ist,, undd der tutoriellenn Unterstützung,, die per E-Mail oderalternativvperComputerkonferenzgegebennwird..DasKursmaterialbleibtüber
76
Vgl.Ferstl/Hahn/Schmitz(1999).
77 Vgl.Mason(1998).
Kapitel3:BegriffunddKonzepteinerVirtuellennUniversität 23
längereZeit(unddmehrereKurse)relativvunverändert,,diebegleitendeUnterstützung kannnauchvonnanderennPersonennalsdemAutordesMaterialsgegebennwerden..Die Online-Elemente umfassenn ca.. 20% des Kurses undd werdenn ann passendenn Stellenn eingefügt.. Das Modell eignet sichh vor allem für denn Einsatz bei Modulen,, die Grundlagenwissennvermitteln.
2. WrapArounddModel:
InndieserKategoriewirdddasbereitsvorhandeneKursmaterial(Bücher,,CD-ROMo.. ä.) durchh speziell ann denn Kurs angepasstes Material (Kurzvorlesungenn des Lehrenden) oder spezielle Aktivitäten,, Fallstudienn oder Diskussionenn ergänzt.. Die Rolle des Tutors ist umfangreicher als beim Content + Support Model,, da größere Anteile des Kurses währendd der Durchführung entwickelt werden.. Ungefähr 50% derKursaktivitätennwerdennüberdasInternetdurchgeführt.
3. IntegrateddModel:
Der Kernn eines solchenn Kurses besteht inn einer Online-Diskussion,, bei der Informationenn gefundenn undd bewertet werdenn sowie Aufgabenn gemeinsam ausgeführt werden.. Das gemeinschaftliche,, kooperative Lernenn steht im VordergrunddunddKursinhaltewerdennabhängigvonnderVorbildungunddKreativität derLerngemeinschaftfestgelegt..DasIntegrateddModelhebtdieTrennungzwischenn Kursmaterial undd Betreuung auf.. Die beidenn letztgenanntenn Modelle findenn vor allemAnwendungfürspezialisiertereModule.
• Kommunikationsmöglichkeiten
Innerhalbb eines jedenn Kurses stehenn asynchrone undd synchrone Kommunikationsmöglichkeitenn zur Verfügung.. Diese erlaubenn es dem Studierenden,, mitanderennLernenden,,ExpertennunddBeraternninnVerbindungzuutreten.. Da die virtuelle Universität einn zeitunabhängiges Studierenn ermöglicht,, spielt die
asynchroneKommunikationneineentscheidendeRolle. 78
78 Vgl.Buhrmann(1997),S.22.
Kapitel3:BegriffunddKonzepteinerVirtuellennUniversität 24
Abbildung4:BeispielefürKommunikationsmöglichkeitenräumlichverteilterPersonen
Asynchrone Kommunikationsformenn sindd E-Mail (1:1-Kommunikationn undd 1:n) undd Diskussionsforenn undd Newsgroups (1:n-Kommunikation).. Sie werdenn verwendet,, um Fragenn ann die Lehrendenn oder Betreuendenn im weiterenn Sinne (alsoo ebensoo Verwaltungspersonal,, technisches Personal) zuu stellen,, Aufgabenn einzureichen,, Dokumente zuu übermitteln,, Nachrichtenn ann andere Kommilitonenn zuu übermittelnn undd mit diesenn zuu diskutieren.. Farringtonn führt zuu diesem Punkt Studienn an,, die belegen,, dass der Einsatz vonn Diskussionsforenn im Netzwerkk die Kommunikationn inn einem Seminar erhöht undd Studierende sowie Lehrkräfte davonn befreit,, Höchstleistungenn zuu
vorgegebenennZeitennzuuerbringen. 79
Synchrone Kommunikationsformenn ergänzenn die asynchrone Kommunikation.. Soo könnenn vom Lehrenden Lehrveranstaltungen,, Online-Fragestundenn undd Diskussionenn angesetztwerden..InndiesennkönnennForscheroderBuchautorennzugeschaltetundddirekt
befragt werden. 80 Kommunikationsmittel dafür sindd Chat-Systeme (1:1- undd m:n-Kommunikation)undddAudio-oderVideokonferenzsysteme(m:n-Kommunikation).. Die Studierendenn nutzenn synchrone undd asynchrone Kommunikationsformen,, um Gespräche mit Kommilitonenn zuu führen,, bei Teamaufgabenn zusammenzuarbeiten,, sichh gegenseitigzuuhelfen.
Moderne Multi-Media-Konzeptionenn schließenn reale Kommunikationsmöglichkeitenn nicht aus (persönliche Treffen,, Telefonate).. Die Entscheidung darüber,, welche dieser Möglichkeitenn inn welchem Maße inn Anspruchh genommenn werden,, sollte aber jeweils
dennStudierendennselbstüberlassennbleiben. 81
Einige virtuelle Universitätenn unterstützenn die sozialenn Kontakte zwischenn denn StudierendennexplizitdurchhdieEinrichtungspeziellerForen,,dieausschließlichhfürdenn
Vgl.Farrington(1998),S.52. 80 EinBeispielfindetsichbeiDixon(1996),S.13.
81 Vgl.BMBF(Hrsg.,1998b),S.62.
Arbeit zitieren:
Silvia Friedrich, 2000, Virtuelle Universitäten - Erscheinungsformen und Angebote, München, GRIN Verlag GmbH
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