FREIARBEIT – EINE CHANCE FÜR DIE SEKUNDARSTUFE?
Seminararbeit im Rahmen der Erziehungswissenschaftlichen Ausbildung
(Zwischenprüfung) an der
Universität Potsdam
vorgelegt von:
Katharina Brehmer
Zossen, März 2002
Leitbild der Albert-Schweitzer-Schule Kassel (5/2000):
In der Albert-Schweitzer-Schule, die als Gymnasium die
Sekundarstufen I und II umfasst, haben wir die Chance, gemeinsam
den größten Teil der Schulzeit junger Menschen kontinuierlich zu
gestalten und ihr Heranwachsen zu erleben und zu begleiten.
Ihnen soll ermöglicht werden, ihre Individualität zu entwickeln sowie
Verantwortung für sich selbst und für andere zu übernehmen. Ziel
unserer Arbeit ist eine gründliche Vorbereitung auf ein
Hochschulstudium oder eine andere Berufsausbildung und die
Befähigung zu einer sinnvollen Lebensgestaltung in unserer
interkulturellen Gesellschaft. Uns allen ist daran gelegen,
Leistungsbereitschaft und Kreativität zu wecken, aber auch die
Respektierung unterschiedlicher Interessen sowie gegenseitige
Achtung und Kooperationsfähigkeit zu fördern. Selbstständige und
innovative Arbeitsformen sollen dazu führen, dass Lernen von allen
Beteiligten als ein lebensbegleitender Prozeß erfahren wird. Dabei ist
besonders die Öffnung der Schule anzustreben. Ferner sind
transparente Strukturen
und eine kommunikations- und aktivitätsfördemde Atmosphäre
unverzichtbar, damit wir nicht nur inhaltlich anspruchsvolle
Aufgabenstellungen bewältigen können, sondern auch auftretende
Konflikte. Bei all dem wollen wir die Lern- und Arbeitsbedingungen
sowie den Umgang miteinander so gestalten, dass neben der
notwendigen Anstrengung die Freude nicht zu kurz kommt.
(aus Moegling 2000 : 314)
0. Einleitung 2
0.1 Arbeitsplan 3
1. Zur Freiarbeit 4
Historische Ansätze - grundlegende Prinzipien / Reformkonzepte für weiterführende Lösungsmodelle - Zum Begriff - Übersicht verschiedener Reformpädagogen
2. Warum Freiarbeit? 9
Überlegungen zur Lebenswirklichkeit der Schüler - Das Gymnasium/Kritikansätze
3. Potenzen – Lernziele der Freiarbeit 13
Bildungs- und Erziehungsziele des Gymnasiums unter freiarbeitsrelevantem Aspekt - Sekundarstufe konkret: Sekundarstufe I und II
4. Anforderungen 18
Vorüberlegungen - Rahmenbedingungen: Das Material (20) - Das Raumangebot (21) - Die Zeit (22) - Die Regeln (24) - Überlegungen zur Umsetzung von Freiarbeit in der gängigen Schulpraxis (25)
5. Schlussbetrachtung 26
6. Literaturverzeichnis 27
7. Anhang 31
0. Einleitung
Nachdem ich mit der Problematik der Methodenvielfalt in dem Seminar „Methodenvielfalt im Unterricht“ vertraut gemacht wurde, möchte ich in dieser Arbeit den Begriff der Freiarbeit, als eine Möglichkeit des Offenen Unterrichts genauer betrachten. Wie bereits der Titel verrät, sollen im Zentrum meiner Überlegungen die Möglichkeiten und Potenzen der Realisierung von Freiarbeit in der Sekundarstufe, insbesondere am Gymnasium1, stehen.
Aus der zahlreichen Literatur, die sich mit der Freiarbeit auseinandersetzt, wurde mir deutlich, dass der Begriff des Freien Arbeitens bis vor einigen Jahren hauptsächlich im Zusammenhang mit der Grundschule verbunden wurde, wo es mittlerweile als Methode durchaus akzeptiert ist und verhältnismäßig häufig angewendet wird. Betrachtet man aber den Sekundarstufenbereich, muss man feststellen, dass dieser kaum Beachtung fand oder dass offenere Unterrichtsformen wie Freiarbeit hier weitaus weniger anerkannt waren. Offener Unterricht fand, wenn überhaupt, meist außerhalb des schulinternen Unterrichts statt, wie z.B. in Projektwochen oder Studienfahrten.2 Daran hat sich bis heute nicht wirklich viel geändert. Doch zeigt die neuere Literatur, dass es im Zuge der Reformbewegung immer wieder Bestrebungen gab und gibt, Freiarbeit auch in den Sekundarstufenbereich zu integrieren. Dazu sollen „Brückenschläge von der Grundschule her zu den weiterführenden Schulen hin“ (Groß 1992: 41) gezogen werden3, denn hier herrscht eine Kluft.
Anfangs wurde oft versucht, Methoden der Grundschule auch in den Sekundarstufenbereich zu übernehmen. Doch mittlerweile gibt es immer mehr Literatur mit speziellen Handlungsanweisungen und -hilfen zum erfolgreichen Umgang mit Freiarbeit in der Sekundarstufe.
Einer der Autoren, der sich speziell mit diesem Thema beschäftigt hat, ist Claus C. Krieger. Er vertritt die Meinung, dass Freiarbeit sowohl in der Grundschule als auch in der Sekundarstufe absolut sinnvoll sei. Sie könne die bis heute „bestehende Kluft zwischen Schulwirklichkeit und schülerorientierten Intentionen der Bildungspläne“ schließen und sei ein wesentlicher Beitrag zur „Humanisierung der Schule“ (Krieger 1994: IX). Animiert durch erste Erfolgsmeldungen der schulpraktischen Anwendung von Freiarbeit in den Sekundarstufen, hat Krieger versucht, in seinem Buch eine sich von der primarstufenspezifischen Freiarbeit abgrenzende neue Form von Freiarbeit zu präsentieren, die sich den sekundarstufentypischen Bedingungen anpasst. „Warum sollte es nicht möglichsein, Aktivitäten, wie sie in den außerunterrichtlichen Angeboten üblich sind, in den „normalen“ Unterricht einzubinden?“ (Krieger 1994 : IX)
An diese Frage möchte ich anknüpfen und versuchen, mithilfe der verschiedenen Literatur aufzuzeigen, was Freiarbeit für die Sekundarstufe leisen kann, und welchen Anforderungen die Schule für eine erfolgreiche Durchführung gerecht werden sollte.
0.1 Arbeitsplan
Zu Beginn soll ein Einblick in die Ursprünge sowie einige Konzepte, Auffassungen bzw. Vorstellungen von Freiarbeit gegeben werden, um schließlich eine Definition des Begriffs zu finden, die den anschließenden Ausführungen zur Freiarbeit der Sekundarstufe als Grundlage dienen kann. Denn das weit auseinander gehende Verständnis von Freiarbeit ist nach Silke Traub (2000: 27) eine Ursache dafür, dass diese sich in der Sekundarstufe nur schwer durchsetzt und auch häufig als Spielerei für die Grundschule abqualifiziert wird. Um folglich die Chancen und Grenzen von Freiarbeit in den verschiedenen Schularten zu erkennen, ist es wichtig, ein sowohl für die Primär- als auch die Sekundarstufe gültiges Verständnis von Freiarbeit zu entwickeln.
Der Folgeteil II setzt sich mit der grundlegenden Frage Warum Freiarbeit? auseinander. Dazu möchte ich verschiedene Ansätze betrachten. Zuerst werden verschiedene Bereiche der heutigen Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen erörtert, denen die Lehrer und Lehrerinnen bei der Gestaltung ihres Unterrichts Beachtung schenken sollten. In diesem Zusammenhang wird auf die Diskussion aktueller Probleme der gymnasialen Bildung eingegangen und die Möglichkeiten der Freien Arbeit in den Sekundarstufen - insbesondere am Gymnasium - thematisiert. Welche Ansätze der Freiarbeit könnten zur Verbesserung der Bildungssituation in den Sekundarstufen beitragen? Grundlegende Hypothese sei nach Krieger (1994: 4) folgende: Der Mensch gelangt nur durch Selbsttätigkeit zur Selbständigkeit, wobei Erziehung nur als Aufforderung zur freien Selbsttätigkeit verstanden werden kann. Es folgt eine Darstellung der allgemeinen Bildungsziele im Hinblick auf konkrete Bildungsziele von Freiarbeit. Es sollen ihre Potenzen in Bezug auf die Sekundarstufe herausgearbeitet werden, wobei die Potenzen von Freiarbeit in Sekundarstufe I und II unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden.
[....]
1 Das Gymnasium findet in meinen Untersuchungen besondere Beachtung, da dieses über die Sek. I hinaus noch über einen zweiten Sekundarstufenbereich verfügt.
2 Siehe hierzu auch die Ausführungen von C.G. Krieger (1994 : IX)
3 „Von der Grundschule lernen“ heißt es bei Werner G. Mayer (1992: 14).
Arbeit zitieren:
Katharina Brehmer, 2002, Freiarbeit - Eine Chance für die Sekundarstufe?, München, GRIN Verlag GmbH
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