Inhaltsverzeichnis
1 Einführung 2
2 Annäherung an den Begriff der Globalisierung 3
3 Konzepte der Sozialwissenschaften zur kulturellen Globalisierung 5
3.1 Konvergenz (Homogenisierung) 5
3.2 Divergenz (Heterogenisierung) 6
3.3 Hybridisierung/Kreolisierung 6
3.4 Standardisierung von Differenzen Konvergenz? 7
3.5 Eine kurze Kritik der Konzepte 8
4 Der Begriff der Kultur in der Anthropologie 9
4.1 Was ist Kultur? 9
4.2 Kulturelle Grenzen als Überlappungszonen 11
4.3 Kulturelle Begegnungen und kultureller Austausch 13
5 Annäherung an eine Definition - Kulturelle Globalisierung 14
6 Schlussbemerkung 15
7 Anhang 17
8 Quellenverzeichnis 18
9 Literaturverzeichnis 18
10 Verzeichnis der Abbildungen 20
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1 Einführung
„Wo die Universalisierungen florieren, braucht es - kompensatorisch - die Pluralisierungen; und je egalitärer und universalistischer die moderne Welt wird, desto
unvermeidlicher werden - als Replik darauf - die Pluralismen.“ 1 Diese Aussage Odo Marquards umfasst in einem einzigen Satz die verschiedenen Aussagen sozialwissenschaftlicher Konzepte zur kulturellen Globalisierung. So kontrovers die Diskussion ist, so zahlreich sind die angebotenen Entwürfe, so unüberschaubar die sie
repräsentierenden Schlagwörter: Vom „Ende der Geschichte“ 2 und von der „McDonaldisierung der Gesellschaft“ 3 über den „Clash of Civilisations“ 4 und „Jihad vs. McWorld“ 5 hin zur kulturellen Hybridisierung oder auch Kreolisierung 6 . Um dieser Diskussion den Hut aufzusetzen, wird noch schnell die „Standardisierung von
Differenzen“ 7 , eine „Struktur gemeinsamer Unterschiede“ 8 , in den wissenschaftlichen Debattentopf geworfen. Doch wie kann man sich dem schillernden Begriff der kulturellen Globalisierung konzeptuell nähern? Wie versuchen die sozialwissenschaftlichen Konzepte dieses Phänomen zu erklären? Wird es insgesamt oder nur in einigen Teilbereichen ausgeleuchtet? Was sagen die Konzepte im Einzelnen aus?
Diesen Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden. Dazu wird in einem ersten Schritt eine Definition von Globalisierung gegeben, die diese als einen Prozess auffasst. Gefolgt von der Darstellung der soziologischen Konzepte zur kulturellen Globalisierung wird dann - in einem dritten Schritt - sehr schnell deutlich, wie sehr die Konzepte auf einem
1 Falke, Gustav: Schöne Welt, wo bist du? Zum Achtzigsten des Philosophen Odo Marquard, in: FAZ Nr. 47, 25. Februar 2008, S. 39.
2 So der Buchtitel von Fukuyama, Francis: Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir?, München 1992.
3 So der Buchtitel von Ritzer, George: Die McDonaldisierung der Gesellschaft, Frankfurt am Main 2 1995.
4 Mit durchschlagendem Erfolg die Nennung im Buchtitel von Huntington, Samuel P.: Der Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert, München 5 2002. Zurückzuführen ist diese Formulierung jedoch auf Bernhard Lewis, der diese 1990 erstmals verwendete. Vgl. Thum, Bernd: Kulturelle Identitäten im Zeitalter der Globalisierung, in: Tröger, Jochen (Hrsg.): Streit der Kulturen, Heidelberg 2008, S. 41-65 [57].
5 Barber, Benjamin R.: Coca Cola und Heiliger Krieg. Wie Kapitalismus und Fundamentalismus Demokratie und Freiheit abschaffen, Bern u.a. 1996. Die englische Originalausgabe: Ders.: Jihad vs. McWorld, New York 1995. Vgl. hierzu auch den Aufsatz: Ders.: Dschihad versus McWorld - Globalisierung, Zivilgesellschaft und die Grenzen des Marktes, in: Lettre International, 36 (1997), S. 4-9.
6 Zum Begriff der Hybridisierung vgl. Werbner, Pnina: Hybridity, in: Robertson, Roland/Scholte, Jan Art (Hrsg.): Encyclopedia of Globalization, Vol. II, F to M, New York/London 2007, S. 604-607 [605]. Zur Kreolisierung vgl. Hannerz, Ulf: Cultural Complexity. Studies in the Social Organization of Meaning, New York 1992.
7 Schwinn, Thomas: Konvergenz, Divergenz oder Hybridisierung? Voraussetzungen und Erscheinungsformen von Weltkultur, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 58/2 (2006), S. 201-233 [202 und 226f].
8 Ebd., S. 226. Breidenbach, Joana/Zukrigl, Ina: Tanz der Kulturen. Kulturelle Identitäten in einer globalisierten Welt, Hamburg 2000, S. 212. Zukrigl, Ina: Kulturelle Vielfalt und Identität in einer globalisierten Welt, in: Wagner, Bernd (Hrsg.): Kulturelle Globalisierung. Zwischen Weltkultur und kultureller Fragmentierung, Essen 2001, S. 50-61 [59].
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bestimmten Begriff von Kultur aufbauen, der dem Reflexionsgrad der modernen Anthropologie nicht mehr entspricht. Offenbaren sich hier die Ignoranz des Zeitgeistes und
eine historische Kurzatmigkeit der Soziologie? 9 Grundlegend ist für diese Arbeit daher die (Er-)Klärung des Kulturbegriffs. Hierbei wir auf die Bedeutung sowohl der Grenzen als auch der zahlreichen Formen interkulturellen Austausches für die Ausprägung und Entwicklung von Kulturen eingegangen. Ziel ist es letztlich, eine Definition kultureller Globalisierung herauszuarbeiten, die auch der Realität der kulturellen Globalisierung entsprechen kann - folglich alle widersprüchlichen Phänomene kultureller Globalisierung einfängt. Abschließend rundet ein Fazit die Ausführungen ab.
Anzumerken bleibt, dass es sich bei dieser Arbeit um eine theoretische Reflexion handelt, auf empirische Beispiele wird daher weitestgehend verzichtet. Für selbige sei, in ihrer Häufigkeit und auch ermüdenden Wiederholung, auf das in Fußnoten und im Literaturverzeichnis genannte Schrifttum verwiesen.
2 Annäherung an den Begriff der Globalisierung
Sowohl in den publizistischen und politischen als auch wissenschaftlichen Debatten wird
der Begriff Globalisierung inflationär ge- und gelegentlich auch missbraucht. 10 Die Wahrnehmung der Globalisierung changiert dabei zwischen Bedrohung und Chance. Ängste und Hoffnungen spiegeln sich darin wider und verweisen auf die Komplexität der mit dem Begriff Globalisierung in Verbindung gebrachten Vorgänge.
Globalisierung kann als ein dynamischer, realhistorischer Prozess 11 verstanden werden, der global, aber in seinen Ausprägungen in verschiedenen Weltregionen stark asymmetrisch verläuft. Er ist geprägt von einer quantitativen Zunahme, qualitativen Intensivierung und räumlichen Ausdehnung von Verbindungen und Aktivitäten zwischen verschiedenen
Gesellschaften und Problembereichen weltweit. 12 Die Vorstellung, in geschlossenen, abgrenzbaren Räumen von Nationalstaaten zu leben und zu handeln (Erosion des
Nationalstaates), gehört folglich der Vergangenheit an. 13
9 Wie etwa Ditmar Brock vermutet. Vgl. Brock, Ditmar: Kulturelle Globalisierung, in: Ders.: Globalisierung. Wirtschaft - Politik - Kultur - Gesellschaft, Wiesbaden 2008, S. 117-172 [118].
10 Vgl. Varwick, Johannes: Globalisierung, in: Woyke, Wichard (Hrsg.): Handwörterbuch der internationalen Politik, Opladen 11 2008, S. 166-177 [166]. Vgl. hierzu auch Fäßler, Peter E.: Globalisierung, Köln u.a. 2007, S. 29 und Wagner, Bernd: Kulturelle Globalisierung: Weltkultur, Glokalität und Hybridisierung, in: Ders. (Hrsg.): Kulturelle Globalisierung. Zwischen Weltkultur und kultureller Fragmentierung, Essen 2001, S. 9-38 [9].
11 Varwick, Globalisierung (wie Anm. 10), S. 167.
12 Vgl. ebd. Vgl. hierzu auch Fäßler, Globalisierung (wie Anm. 10), S. 30.
13 Vgl. Varwick, Globalisierung, S. 167. Vgl. hierzu auch unter dem Stichwort Containertheorie: Fäßler, Globalisierung, S. 32.
4
Häufig wird Globalisierung jedoch über die Integration von Märkten, grenzüberschreitende Verdichtung ökonomischer Räume und damit als Entgrenzung wirtschaftlicher Prozesse
beschrieben. 14 Dieses eher ökonomische Verständnis von Globalisierung mag seine Berechtigung 15 haben, vernachlässigt jedoch politische, ökologische, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte der Globalisierung.
Von Bedeutung für diese Seminararbeit - wie sich noch zeigen wird - ist die von Peter E. Fäßler herausgearbeitete Begrifflichkeit. Globalisierung gilt ihm als ein „Prozeß […], in dessen Verlauf a. soziale Interaktionen immer weitere Räume erschließen (Expansion), b. zunehmend dichtere Interaktionsnetzwerke diese Räume durchziehen
(Netzwerkverdichtung), aus denen c. globale Wechselwirkungen (Reziprozität) erwachsen, welche d. den strukturellen Umbau (Transformation) einbezogener Gesellschaften
befördern.“ 16 Sie ist ein gesamtgesellschaftlicher Querschnittsprozess mit selbstverstärkenden Effekten. 17 . Permanent einem graduellen Wandlungsprozess unterworfen, stellt sich die Globalisierung als ein langfristiges historisches Kontinuum
dar. 18 Als treibende Kräfte der Globalisierung sind Individuen, Gruppen, Kulturen/ Gesellschaften und Herrschaftsformationen auszumachen, die bestrebt sind, ihre Handlungsräume zu erweitern. Religiöse Beweggründe, wissenschaftliche Neugier sowie die sozialen und wirtschaftlichen Wettbewerbssituationen gelten als die wesentlichen
Motivationsschübe. 19 Zuvörderst dürften als Triebkräfte jedoch anthropologische Dispositionen gelten, die häufig vernachlässigt werden. 20 Im Folgenden ist für das Erfassen des Phänomens der kulturellen Globalisierung aufzuzeigen, wie sich die verschiedenen sozialwissenschaftlichen Paradigmen konzeptuell den mit der Globalisierung eng verbundenen Phänomenen nähern.
14 Vgl. Schirm, Stefan A.: Analytischer Überblick: Stand und Perspektiven der Globalisierungsforschung, in: Ders. (Hrsg.): Globalisierung. Forschungsstand und Perspektiven, Baden-Baden 2006, S. 11-34 [13] und Spree, Reinhard: Globalisierungs-Diskurse - gestern und heute, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 2 (2003), S. 35-56 [35f].
15 Vgl. Schirm, Überblick (wie Anm. 14), S. 13-15; Varwick, Globalisierung, S. 169-171; Spree, Globalisierungs-Diskurse (wie Anm. 14), S. 136, Fäßler, Globalisierung, S. 30f.
16 Fäßler, Globalisierung, S. 30 (Hervorhebungen ebd.).
17 Vgl. ebd., S. 30f.
18 Vgl. ebd., S. 32 und Spree, Globalisierungs-Diskurse, S. 135;
19 Vgl. Fäßler, Globalisierung, S. 33f.
20 Intendiert auch Fäßler, Globalisierung, S. 33.
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3 Konzepte der Sozialwissenschaften zur kulturellen Globalisierung
Konvergenz (Homogenisierung 21 ) 3.1
Gemeinsam ist konvergenztheoretischen Positionen in der Debatte um die kulturelle Globalisierung die Vorstellung einer sich langfristig und einseitig in die Richtung westlicher Grundlagen entwickelnden globalen Kultur. Unterschiede existieren nur in der jeweiligen Konnotation der Thesen, positiv oder negativ.
Francis Fukuyama sah nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus keine Alternative mehr zum Siegeszug des kapitalistischen Gesellschaftsmodells und der mit ihm korrespondierenden Kultur. Konsequent leitete er daraus seine These vom „Ende der
Geschichte“ 22 ab. 23 Jedoch haben eine Vielzahl neuer nationaler und ethnischer Konflikte gezeigt, dass die Geschichte immer noch weiter geht. 24 Schlagworte wie die der „McDonaldisierung“ 25 oder auch „Coca-Colonisation“ 26 kennzeichnen den eher negativen Blickwinkel auf die weltweite Ausbreitung des american-way-of-life im Schlepptau westlicher Großkonzerne vor allem auf konsum- und alltagskultureller Ebene. Lokale Kulturen könnten dieser schleichenden Übermacht nichts entgegensetzen. Bisher autochthone kulturelle Symbole und Lebensformen gleichen sich
zunehmend dem westlichen Muster, dem westlichen (Vor-)Bild an. 27 Neutral auf der Ebene der Institutionen untersucht die Forschungsgruppe
„Weltgesellschaft“ um John W. Meyer 28 in Stanford die Universalisierung okzidentaler Rationalitätsmuster, die über eine Vielzahl von internationalen Verträgen, Regimen und Organisationen sowie Rechtsnormen in die einzelnen Länder diffundiere und durch eine
21 Als Schlagwort auf David Levitt zurückzuführen. Auf der Annahme beruhend, daß eine weltweite Vernetzung und intensive Austauschbeziehungen zu einer einheitlichen Weltkultur führen würden. Vgl. Fäßler, Globalisierung, S. 19. Ebd. Anm. 9.
22 Fukuyama, Ende (wie Anm. 2).
23 Vgl. Schwinn, Konvergenz (wie Anm. 7), S. 204 und Meckel, Miriam: Kulturelle Konfrontation oder kommunikative Konvergenz in der Weltgesellschaft? Kommunikation im Zeitalter der Globalisierung, in: Rechtstheorie, 29 (1998), S. 425-440 [425].
24 Meckel, Kulturelle Konfrontation, S. 425f.
25 Ritzer, McDonaldisierung (wie Anm. 3). Ritzer versteht den globalen Homogenisierungsprozeß weniger als Ausbreitung von Fast-Food-Ketten, denn vielmehr als weltweite Ausbreitung der Prinzipien formaler Rationalität, die den mcdonaldisierten Konsumformen zu Grunde liegt. Vgl. Kumoll, Karsten: From the native’s point of view. Kulturelle Globalisierung nach Clifford Geertz und Pierre Bourdieu, Bielefeld 2005, S. 109. McDonalds als ein Ort der Rationalisierung und zugleich Ort der „Irrationalität des Rationalen“. Ritzer, McDonaldisierung, S. 205. „[E]in entmenschlichender Ort, ob man nun dort arbeitet oder die jeweiligen Dienstleistungen in Anspruch nimmt.“ Ebd., S. 47.
26 So der Buchtitel von Wagnleitner, Reinhold: Coca-Colonisation und Kalter Krieg. Die Kulturmission der USA in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg, Wien 1991.
27 Vgl. Schwinn, Konvergenz, S. 204; Fäßler, Globalisierung, S. 19; Zukrigl, Kulturelle Vielfalt (wie Anm. 8), S. 50 und Wagner, Kulturelle Globalisierung (wie Anm. 10), S. 11f.
28 Meyer, John W.: Weltkultur. Wie die westlichen Prinzipien die Welt durchdringen, Frankfurt am Main, 2005. Zum westlichen Modell der Rationalisierung vgl. ebd., S. 34; zum Zusammenspiel transnationaler Organisationen und lokaler Akteure vgl. ebd., S. 103 und zum Recht als „gedachte universelle Prinzipien“, ebd. S. 180.
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Matthias Rekow, 2006, Was ist kulturelle Globalisierung? - Sozialwissenschaftliche Konzepte auf dem Prüfstand, München, GRIN Verlag GmbH
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