Inhaltsverzeichnis
1. Die Hanse- und Universitätsstadt Greifswald
1
1.1 Kurzer Abriss der Stadtgeschichte Greifswalds 1
1.2 Die Hanse- und Universitätsstadt heute 4
2. Die mittelalterliche Stadtbefestigung von Greifswald im
Zustand um 1500
5
2.1 Funktion und Geschichte der mittelalterlichen Stadtbefestigungen 6
2.2 Die Befestigungsanlagen und ihre naturgeographischen Voraussetzungen 8
2.3 Die Tore und Türme der Greifswalder Befestigungsanlage 10
3. Exkurs: Mauerverbände
13
4. Literaturverzeichnis
15
5. Bildverzeichnis
15
6. Anhang
17
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1. Die Hanse- und Universitätsstadt Greifswald
Die Universitäts- und Hansestadt Greifswald ist eine kreisfreie Stadt in Vorpommern, einer Region im Nordosten der Bundesrepublik Deutschland. Das Stadtgebiet liegt zwischen der Insel Rügen und der Insel Usedom direkt an der Mündung des Flusses Ryck, welcher in die Dänische Wiek, einer Bucht des Greifswalder Boddens, fließt. Zur Stadt gehören auch die Inseln Koos und Riems sowie ein Teil des Festlandes, welches sich gegenüber der Insel Riems befindet. Nach § 21 der Hauptsatzung vom 30. Juni 2008 ist Greifswald kommunalrechtlich in acht Stadtteile gegliedert: der kommunalrechtliche Ortsteil Innenstadt, zu dem die historischen Stadtteile Innenstadt, Steinbeckervorstadt, Fleischervorstadt, nördliche- und südliche Mühlenvorstadt, Obstbausiedlung, Stadtrandsiedlung und Industriegebiet besteht. Hinzu kommen die kommunalrechtlichen Stadtteile Schönwalde II, Schönwalde I und Südstadt, Ostseeviertel, Wieck, Eldena, Friedrichshagen und Riems. Der Name Greifswald (mnd.: Gripswold) lässt sich zurückführen auf das Wappentier, den Greifen, aus dem Wappen der pommerschen Herzöge, welcher im mittelniederdeutschen grip genannt wird, und die Wälder, welche man im Greifswalder Umfeld auch heute noch findet, die im Mittelniederdeutschen die Bezeichnung wold trugen. (Vgl. Abb. 1) Vor allem die Ernst-Moritz-Arndt-Universität ist charakteristisch für die Stadt, da sie einen erheblichen Beitrag zum Aufschwung der Stadt in der frühen Vergangenheit geleistet hat. Von den circa 54.000 Menschen, die heute in Greifswald leben, studieren etwa 12.000 an der Universität und weitere 5.000 stehen in einem universitären Arbeitsverhältnis. (Wernicke 2000: 3)
1.1 Kurzer Abriss der Stadtgeschichte Greifswalds
Der ursprüngliche Name der Siedlung, die sich später zur eigenständigen Stadt Greifswald entwickeln sollte, ist nicht überliefert. Die erste urkundliche Erwähnung des heutigen Namens findet sich in einer Bestätigungsurkunde Wartislaws III. aus dem Jahr 1248, in der dem Kloster Eldena das oppidum Gripheswald cum omnibus pertinentiis suis bestätigt wurde. (Wernicke 2000: 27)
Greifswalds Gründung in Pommern geht auf das Kloster Eldena zurück, zu dessen Gut es anfangs gehörte. Die Siedlung lag gegenüber den auf der anderen Ryckseite gelegenen Salzpfannen, die nachweislich seit spätestens 1193 bestanden. Sie entstand wahrscheinlich im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts als Siedlung der Arbeiter der Greifswalder Saline.
(Scherer 1989: 5) Für die Siedlung, an der sich zwei alte Handelswege kreuzten, erhielt das Kloster 1241 sowohl vom rügenschen Fürst Wizlaw I. als auch vom Pommernherzog Wartislaw III. urkundlich das Marktrecht verliehen. (Wernicke 2000: 26) Im Juni 1249 konnte Wartislaw III. das Kloster dazu bringen, ihm die Marktsiedlung Greifswald als Lehen zu geben, und am 14. Mai 1250 verlieh er ihr das Lübische Stadtrecht 1 , wodurch Greifswald nun gegenüber den pommernschen Herzögen unabhängiger war. 1254 ernannte der Herzog dann die Ryckmündung zum Freihafen und versprach den Kaufleuten, die durch Seeräuber erlittenen Verluste zu ersetzen. Am 17. Mai 1264 erlaubte er der Stadt dann, sich selbst zu verteidigen und eine Schutzmauer zu errichten, woraufhin die Befestigungsanlagen entstanden. Neben der Altstadt entwickelte sich westlich die Neustadt mit dem heutigen Rubenowplatz als Marktplatz und der St.-Jacobi-Kirche als kirchlichem Mittelpunkt. Eine Verfügung Wartislaw III. von 1264, wonach es nur einen Markt, einen Vogt und ein Recht geben sollte, verhinderte jedoch, dass die Neustadt gegenüber der Altstadt Eigenständigkeit entwickelte. Im Jahr 1278 wurde Greifswald erstmals in einer Urkunde als Mitglied der Hanse genannt, womit die Stadt zum einflussreichen Wendischen Quartier gehörte. Bereits 1361 fand einer der ersten Hansetage in Greifswald statt. Allerdings genügte der Greifswalder Hafen schon ab dem 14. Jahrhundert den Anforderungen des Schiffsverkehrs nicht mehr, da er versandete. Dadurch fiel Greifswald gegenüber den anderen Hansestädten immer weiter zurück. (Wernicke 2000: 37 ff.)
Im Jahr 1296 befreite Landesherr Herzog Bogislaw IV. Greifswald von der Heerfolge. Das heißt, dass die Stadt die Herrschaft über das Kriegswesen hat. Trotzdessen gab es eine Heerfolge im Ersten Rügenschen Erbfolgekrieg (1326-1328) und im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) nach Aufruf des Herzogs Bogislaw IV. Als Herzog Wartislaw IV. 1326 starb und um seine noch unmündigen Kinder der Erste Rügensche Erbfolgekrieg mit Mecklenburg um die Herrschaftsfrage entbrannte, schloss sich Greifswald mit seinen Nachbarstädten Stralsund, Anklam und Demmin zu einem Landfriedensbündnis zusammen, um den pommerschen
1 Planitz (1973: 232) berichtet zur mittelalterlichen Einordnung von Städten und Dörfern folgendes: „Der Sachsenspiegel unterscheidet Städte, Burgen und Dörfer und nennt Städte alle, gleichgültig ob sie nur mit Planken oder auch mit Mauern befestigt sind. Der Mainzer Reichslandfriede von 1235 kennt Städte mit und ohne Mauer und behandelt beide Gruppen rechtlich gleich. […] Die wesentlichsten Bezeichnungen für die Stadt im 13. und 14. Jahrhundert sind oppidum und civitas. Die Bischofsstädte werden niemals oppida, sondern immer civitates genannt. Im späteren Mittelalter wurde die Ummauerung dann so häufig, daß es zu der Gleichung civitatis = ummauerte Stadt kam. Andere Bezeichnungen, wie forum, vicus, villa und burgum, traten im 13. Jahrhundert völlig zurück.“
Herzögen die Macht zu erhalten. Mit Hilfe des dänischen Königs konnten die Mecklenburger abgewiesen werden. (Kiel, Lissok, Wenghöfer 2008: 19 ff.)
Mit der Verleihung der Goldenen Privilegien durch den Pommernherzog Wartislaw IX. im Jahre 1452 erhielt Greifswald weitreichende Handelsrechte, die der Stadt zu wirtschaftlicher Macht und Wohlstand verhalfen. Nur 4 Jahre später folgte der Herzog der Initiative des Bürgermeisters Heinrich Rubenow und gründete die Universität, die im Jahr 2006 somit die 550 Jahre-Feier begehen konnte, als pommersche Landesuniversität. Mit dem Dreißigjährigen Krieg kamen Not und Elend in die Stadt. Befahl der Landesherr Bogislaw XIV. den Greifswaldern noch im Mai 1626 die teilweise baufällig gewordenen Befestigungsanlagen so gut wie möglich zu verbessern, so überließ der schwerkranke Herzog schon im November 1627 durch die Franzburger Kapitulation Pommern den kaiserlichen Truppen. Nur wenige Tage später zogen diese unter Wallenstein am 20. November 1627 in Greifswald ein und errichteten ein Schreckensregime, bei dem die Bevölkerung aufs Schlimmste ausgeplündert wurde. Wallenstein ließ zur Abwehr der schwedischen Truppen die Befestigungsanlagen verstärken. Dazu zog er die Bevölkerung zur Zwangsarbeit heran. Durch eine Pestepidemie halbierte sich die Einwohnerzahl etwa auf die Hälfte. Im Juni 1631 standen die Truppen von König Gustav Adolf II. vor der Stadt und nahmen sie nach kurzem Kampf ein. (Scherer 1989: 15)
Der nachfolgende Zeitabschnitt, die so genannte Schwedenzeit, dauerte 184 Jahre. Die Schweden waren bis zum Wiener Kongress im Jahr 1815 Herren über Vorpommern und damit auch für die Geschicke Greifswalds verantwortlich. Allerdings ließen sie die pommerschen Städte recht selbständig gewähren. Greifswald wurde aufgewertet, da es Sitz der obersten Gerichts- und Kirchenbehörden für Schwedisch-Pommern wurde. Mit der Verlegung des Obertribunals im Jahr 1803 wurde Greifswald zum Standort von drei Gerichtsinstanzen. Die Kriege des 18. Jahrhunderts belasteten die Stadt stark. So zogen während des Großen Nordischen Krieges dänische, sächsische und russische Truppen durch die Stadt, die versorgt werden mussten, 1758 im Siebenjährigen Krieg explodierte in der Stadt ein Pulvermagazin, das große Teile der Stadt zerstörte. Hinzu kamen die Großbrände 1713 und 1736, die Teile der Innenstadt in Schutt und Asche legten. (Kiel, Lissok, Wenghöfer 2008: 26 f.)
In den Napoleonischen Kriegen wurde Greifswald 1807 bis 1810 sowie 1812/13 durch Truppen Frankreichs und seiner Verbündeten besetzt. Während des Wiener Kongresses kam Greifswald 1815 durch Abtretung des damals preußischen Herzogtums Lauenburg an Dänemark zu Preußen. Mit dem Anschluss an die Fernstraße Berlin-Stralsund 1836 und dem
Anschluss an das Eisenbahnnetz 1863 wurden Voraussetzungen geschaffen, dass sich in der vormaligen Ackerbürgerstadt eine Industrie entwickeln konnte. 1848 waren in Greifswald 53 Handelsschiffe beheimatet. Neben mehreren Maschinenbaubetrieben und Gießereien wurde die 1863 errichtete Eisenbahn-Hauptwerkstatt zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Zur Jahrhundertwende entstanden großzügig bebaute neue Straßen, in denen sich die zunehmende wohlhabende Bürgerschaft niederließ. So erhielt Greifswald 1912 den Status einer kreisfreien Stadt.
Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre machte sich in Greifswald besonders durch die Schließung der Eisenbahnwerkstatt bemerkbar. Im Allgemeinen gab es große Arbeitslosigkeit. Anlässlich der 1939 durchgeführten Gebietsreform wurden die Orte Wieck und Eldena eingemeindet. Damit stieg die Einwohnerzahl auf über 37.000 an. Die Schädigungen und Verluste wichtiger Teile der Bausubstanz der historisch wertvollen Altstadt sind auf Abriss sowie unterlassene Restaurierungen und Instandhaltungen in der DDR zurückzuführen. Durch Abrisse, zum Beispiel des klassizistischen Steinbeckertores im Jahr 1951, das auch Brandenburger Tor genannt wurde und vom Architekten Carl August Peter Menzel erbaut wurde, und historisierenden Plattenneubau im Norden der Altstadt ging zwischen 1945 bis 1990 etwa die Hälfte der historischen Bausubstanz verloren. Stattdessen wurden von etwa 1965 bis 1988 die großen Wohngebiete Schönwalde I/ Südstadt, Schönwalde II, Altes Ostseeviertel, Ostseeviertel/ Parkseite und Ostseeviertel/ Ryckseite im Süden und Osten in Plattenbauweise errichtet. (Wernicke 2000: 30)
1.2 Die Hanse- und Universitätsstadt heute
Die seit 1991 erfolgten Sanierungen des historischen Stadtkerns im Rahmen der Städtebauförderung haben mittlerweile die noch erhaltenen Teile der Altstadt wieder sehenswert gemacht. Insbesondere der Marktplatz mit seinem freistehenden Rathaus gilt als einer der schönsten in Norddeutschland. Greifswald ist Sitz einer Vielzahl von Gerichten: das Landesverfassungs-, das Oberverwaltungs- und das Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern sowie das Amtsgericht und das Verwaltungsgericht. Durch die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und diverse weitere
Forschungseinrichtungen hat Greifswald als Forschungsstandort einen Ruf, der weit über die Landesgrenzen hinausgeht. Heute ist die Universität, zusammen mit ihren angegliederten Forschungseinrichtungen und dem Universitätsklinikum Greifswald, der größte Arbeitgeber
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Rebecca Elisabeth Meyer, 2010, Die mittelalterliche Stadtbefestigung von Greifswald im Zustand um 1500, München, GRIN Verlag GmbH
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