Inhalt
1. Übersetzung 3
2. Textkritik 3
3. Literarkritik 5
3.1. Einzelvergleich 5
3.2. Kontextstellung 6
3.3. Quellenkritik 7
4. Formgeschichte 7
4.1. Gattungskritik 8
4.2. Überlieferungsgeschichte 9
4.3. Traditionsgeschichte 9
5. Redaktionsgeschichte 10
5.1. Redaktionskritische Analyse von Mk 14,3-9 10
5.2. Empfänger 11
5.3. Theologische Grundgedanken 11
5.4. Die Darstellung der Frau im Markusevangelium 12
Literaturverzeichnis 14
2
1. Übersetzung 3 Und als er in Betanien war, im Haus Simons des Aussätzigen, und er zu Tisch lag, kam eine Frau, die ein Alabastergefäß mit echtem, kostbarem Nardensalböl hatte, und sie zerbrach das Alabastergefäß und goss es hinab über seinen Kopf. 4 Einige aber sprachen ihren Unwillen einander gegenüber aus: Wozu diese Verschwendung des Salböls? 5 Man hätte diese Öl nämlich für über dreihundert Denare verkaufen und [das Geld] den Armen geben können. Und sie fuhren sie zornig an. 6 Jesus aber sagte: Lasst sie! Was verursacht ihr ihr Mühe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt jederzeit die Armen mit euch, mich aber habt ihr nicht jederzeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat meinen Körper im voraus für die Bestattung gesalbt. 9 Amen, ich sage euch aber: Wo auch immer das Evangelium verkündet wird auf der ganzen Welt, wird auch das gesagt werden, was diese getan hat, zu ihrem Gedächtnis.
2. Textkritik
Definition: Textkritik ist die Feststellung von Wortlaut und Schreibweise eines Textes, wie diese für den ursprünglichen Autor anzunehmen sind. Die Textkritik hat somit die Aufgabe, auf der Grundlage der Textzeugen den ältesten erreichbaren Text des Neuen Testaments zu rekonstruieren. 1
Als Grundlage für die Textkritik dient hier das Novum Testamentum Graece von Nestle-Aland in der 27. Auflage. Zur Bearbeitung habe ich zwei Varianten aus Mk 14,3.7 herausgesucht, die exemplarisch untersucht werden. 2 1. Variante (Mk 14,3) Äußere Bezeugung:
I αυτου τησ κεφαλησ lesen die Codizes 01 (Sinaiticus), B 03 (Vaticanus), C 04 (Ephraemi), L 019, W 032, ∆ 037 und, mit geringfügigen Abweichungen, Ψ 044; außerdem die Minuskelfamilie 1, die Minuskeln 28, 892, 2427 und 2542 sowie wenige andere Handschriften.
II Dagegen lesen die Codizes A 02 (Alexandrinus) und Ξ 038, die Minuskelfamilie 13, der Mehrheitstext (=die Codizes K 017, N 022, P 024, Q 026, Γ 036, die Minuskeln 33, 565, 700, 1010, 1241 und 1424) und die altlateinische Handschrift k αυτου κατα τησ κεφαλησ.
Die dritte Lesart ist zwar quantitativ gering, qualitativ jedoch durch einen Zeugen erster Kategorie bezeugt. Die Lesarten I und II sind von der äußeren Bezeugung her etwa gleichwertig; besonders bedeutend aufgrund ihres Alters sind jedoch die Codizes Sinaitucus und Vaticanus.
Da die äußere Bezeugung noch kein sicheres textkritisches Urteil zulässt, müssen innere Kriterien hinzugezogen werden.
1 Strecker/Schnelle, S. 27
2 Bei der Form der Textkritik stütze ich mich auf Strecker/Schnelle, S. 41-44.
3
Innere Bezeugung:
Da die erste Lesart durch das Fehlen einer Präposition sowohl die schwierigere als auch die kürzere darstellt, ist zu vermuten, dass die Präposition bei den anderen beiden Lesarten hinzugefügt wurden. Textkritisches Urteil:
αυτου τησ κεφαλησ ist sowohl die ‚lectio difficilor’ als auch die ‚lectio brevior’. Da diese Lesart auch äußerlich gut bezeugt ist, schließe ich mich hier dem Urteil von Nestle-Aland an. 2. Variante (Mk 14,7) Äußere Bezeugung:
I Die Codizes C 04 (Ephraemi), D 05 (Bezae Cantabrigiensis), W 032, Γ 036, ∆ 037 und Ψ 044, die Minuskelfamilien 1 und 13, die Minuskeln 565, 579 und 700 sowie andere Handschriften lesen αυτοισ.
II αυτουσ wird gelesen von den Codizes A 02 (Alexandrinus) und Ξ 038 sowie dem Mehrheitstext (=den Codizes K 017, N 022, P 024, Q 026, den Minuskeln 28, 33, 1010, 1424).
III Die Codizes B 03 (Vaticanus) und L 019, die Minuskeln 892 und, mit kleinen Abweichungen, 1241, sowie wenige andere Handschriften lesen αυτουσ παντοτε. IV Bei dem Codex 01 (Sinaiticus) des ursprünglichen Schreibers ist an dieser Stelle eine Auslassung.
Obwohl alle Lesarten von Zeugen erster bzw. zweiter Kategorie bezeugt werden, spricht die äußere Bezeugung für die erste Lesart als die ursprüngliche. Für ein sicheres textkritisches Urteil ist jedoch zu untersuchen, wie die Textgeschichte ausgesehen haben kann. Innere Bezeugung:
Da die dritte Lesart mit ihrem Zusatz παντοτε länger als die anderen Lesarten ist und auch keine bessere äußere Bezeugung aufweist, kommt diese nicht in Frage. Auch die vierte Lesart scheidet aus, da sie quantitativ gering bezeugt ist und die Auslassung als unbeabsichtigte Änderung gedeutet werden kann. Die Lesart II mit ihrem Akkusativ αυτουσ ist grammatikalisch falsch, und aufgrund ihrer geringen äußeren Bezeugung ist dem Dativ der ersten Lesart der Vorzug zu geben. Textkritisches Urteil:
Nach äußeren und inneren Kriterien halte ich αυτοισ für die ursprüngliche Lesart und schließe mich hiermit der Entscheidung von Nestle-Aland an. Schlussfolgerung
Da ich bei der Textkritik exemplarisch gearbeitet habe und das Ergebnis beider untersuchten Varianten mit dem von Nestle-Aland übereinstimmt, verallgemeinere ich dieses Ergebnis und gehe im Folgenden von Nestle-Aland als Textgrundlage aus.
4
Arbeit zitieren:
Christina Bendicks, 1996, Die Salbung in Betanien (Mk 14,3-9), München, GRIN Verlag GmbH
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