Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Hauptteil
2.1 Der Handlungsrahmen 3
2.2 Hautfarbe 4
2.3 Zeichen 5
2.4 Vertrauen 7
2.4.1 Mariane und Toni 8
2.4.2 Die Verlobung 9
2.4.3 Toni und Babekan 10
2.4.4 Toni und Gustav 10
2.5 Symbolik von Kopf und Brust 11
3 Zusammenfassung 12
4 Literaturverzeichnis 13
1
1 Einleitung
„ich hätte dir nicht mißtrauen sollen; denn du warst mir durch einen Eidschwur verlobt, obschon wir kein Wort darüber gewechselt hatten!“ 1
Im Folgenden wird versucht herauszufinden, warum die romantische Liebesgeschichte zwischen Toni und Gustav scheitert und wie Misstrauen bei den Protagonisten entsteht und zum Scheitern führt.
Offensichtliche Komponenten, die zum tragischen Ende führen, sind der von Kleist gewählte Ort der Handlung. Die kriegsähnlichen Zustände zwischen Schwarz und Weiß auf der Insel machen es fast unmöglich, dass sich feindlich gesinnte Personen annähern und umso schwerer ist es eine Liebesbeziehung zu führen und Vertrauen in sie zu setzen.
Durch die unterschiedlichen Hautfarben wird Toni und Gustav permanent vor Augen gehalten, wie groß die Differenzen zwischen ihnen sind.
Die komplexeren Probleme für die Beziehung ergeben sich nach der Liebesnacht. Die verbale Kommunikation ist auf ein Minimum beschränkt, da Toni und Gustav nach ihrer Verlobung nicht unter vier Augen sprechen können und sich ihrer Liebe versichern können.
Darum wird versucht die Körpersprache zu deuten. Doch sowohl der Leser, als auch die Protagonisten stellen fest, dass diese als unfehlbar gedachten Zeichen vieldeutig sind. Womit Kleist die Frage aufwirft, ob es überhaupt klar deutbare Zeichen gibt, in die absolutes Vertrauen gesetzt werden kann.
Zur Verunsicherung tragen darüber hinaus Geschichten aus der Vergangenheit bei, von denen die Protagonisten im Verlauf der Erzählung berichten. An ihnen wird sich orientiert und aus ihnen wird teilweise Vertrauen gezogen, aber größtenteils unterstützen sie das Misstrauen.
Die Verunsicherung herrscht nicht nur zwischen Toni und Gustav, sondern auch zwischen fast allen Handelnden der Novelle. Damit trägt sie dazu bei, dass die Orientierung in der Gesellschaft unmöglich wird, da man nie weiß, ob man einem Intrigenspiel erliegt , oder Vertrauen kann.
1 Kleist, Heinrich von: Die Verlobung in St. Domingo. In: Heinrich von Kleist sämtliche Werke und Briefe in vier Bänden. Hrsg. von Ilse-Marie Barth, Klaus Müller-Salget u.a.. Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag 1990 (=Bibliothek deutscher Klassiker 51). Bd. 3, S. 259.
2
Die textanalytische Untersuchung soll zeigen, wie es zum tragischen Ende in „Die Verlobung in St. Domingo“ kommt und ob man, wie es nahe zu liegen scheint Schuldzuweisungen machen kann, wie sie Gustav und Toni schließlich aussprechen.
Schon der Beginn der Novelle zeigt, dass die Ordnung von Werten und Normen bei der Gesellschaft auf der Insel völlig ins Wanken geraten ist. Der ehemalige Sklave Congo Hoango schlägt seinen Herren überraschenderweise tot, obwohl der ihn reich beschenkt hat.
Dies zeigt, dass in dem Konflikt, in dem die Schwarzen und die Weißen verstrickt sind keine moralischen Maßstäbe mehr vorhanden sind. In einer Gesellschaft herrschen unausgesprochene Übereinkünfte. So scheint es eigentlich selbstverständlich, dass man Dankbarkeit erwarten kann, wenn man etwas verschenkt oder, dass einem Loyalität entgegengebracht wird. Dies hatte wohl auch Herr Villeneuve erwartet, doch stattdessen wurde er ermordet.
Selbstverständlich kann man aus der Sicht der Schwarzen Gründe für eine solche Tat finden, aufgrund der jahrelangen Versklavung. Und trotzdem scheint es hier überaus grausam und unlogisch, weil Herr Villeneuve unendliche „Wohltaten“ 2 seinem Sklaven zukommen lassen hat. Dieser Fall zeigt exemplarisch, dass mit einem „Konsens der
Gesellschaftsmitglieder“ 3 nicht zu rechnen ist. Daher ist das Risiko, das man eingeht enorm groß, wenn man jemandem vertraut.
Was ebenfalls zu einer Abweichung von den gewöhnlichen Verhältnissen der damaligen Zeit beiträgt, ist die Vertauschung der Aufenthaltsorte der handelnden Personen. So befindet sich die bürgerliche schweizer Familie „in der Wildnis“ 4 an einem Weiher und der „Stamm der Neger“ 5 , in dem kein Kind dasselbe Elternpaar hat, ist im Besitz eines Anwesens, bei dem die Weißen Zuflucht suchen. Auch dies ist ebenfalls ein Mittel, um darzustellen, unter welchen widrigen Umständen Toni und Gustav zueinander finden.
2 Kleist, Heinrich von: Die Verlobung. S. 222.
3 Harnischfeger, Johannes: Liebe und Vertrauen in Kleists Verlobung in St. Domingo. In: Beiträge zur Kleistforschung 15 (2001). S. 99.
4 Kleist, Heinrich von: Die Verlobung. S. 227.
5 Kleist, Heinrich von: Die Verlobung. S. 233.
3
Arbeit zitieren:
Lea Diehn, 2003, Liebe und Misstrauen in Kleists Die Verlobung in St. Domingo, München, GRIN Verlag GmbH
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Heinrich von Kleist: Die Verlobung in St. Domingo
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