Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Ziel und Aufgabenstellung. 4
3 Methodologisches Vorgehen. 4
4 Theoretische Ausgangsposition. 5
4.1 Vorurteile 5
4.2 Probleme in den Sprachen 6
4.2.1 Sprachmischung. 6
4.2.2 Interferenz 7
4.2.3 Semilingualismus 8
4.2.4 Sprachverweigerung 9
4.2.5 Stottern 10
4.3 Die sechs Typen des Zweitspracherwerbs 11
4.4 Sprachförderung durch die Eltern. 13
5 Befragung bilingualer Personen oder deren Eltetern. 15
5.1 Ergebnisse der Befragung 16
6 Zusammenfassung der Ergebnisse. 21
7 Literaturverzeichnis. 24
8 Anhang. 25
8 25
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1 Einleitung
Die Welt wird immer kleiner. Innerhalb eines Tages kann man mittlerweile jedes beliebige Land der Welt bereisen. Entfernungen, die einem noch vor wenigen Jahren unüberwindbar erschienen, kann man heute beinahe problemlos hinter sich lassen. Studenten sammeln oft schon während des Studiums erste Auslandserfahrungen durch Praktika oder Austauschsemester und auch den Rest der deutschen Bevölkerung zieht es immer öfter ins Ausland.
„Wie das Statistische Bundesamt zum Weltmännertag am 3. November mitteilt, wur-
den im Jahr 2006 155 300 Fortzüge deutscher Staatsangehöriger (Frauen und Män-
ner zusammen) aus Deutschland registriert; das ist die höchste Zahl deutscher Aus-
1 wanderer seit dem Jahr 1954.“
Aber nicht nur die Abwanderung, sondern auch die Zuwanderung ist ein Thema in Deutschland.
„Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wies das Ausländerzentralregister
(AZR) am Jahresende 2009 insgesamt rund 6,69 Millionen Personen in Deutschland nach, die
2 ausschließlich eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen.“ Die Nationen und Kulturen vermischen und integrieren sich immer mehr und binationale Ehen und Partnerschaften sind in Deutschland keine Seltenheit mehr.
„Im Jahr 1999 […] war bereits jede sechste Eheschließung in Deutschland (Ost und
West) eine ‚von oder mit Ausländern‘, d.h. Mann oder beide waren ausländischer
Staatsangehörigkeit“ 3
Abgesehen von den kulturellen Unterschieden sind auch die verschiedenen Sprachen der Ehepartner ein wichtiges Thema in binationalen Partnerschaften. Spätestens nach der Geburt des ersten Kindes wird das Thema Sprache relevant. In welcher Sprache spreche ich mit meinem Kind? In meiner eigenen? In der des Vaters? In einer dritten? Oder gar in mehreren Sprachen?
1 Statistisches Bundesamt Deutschland, Zahl der Woche Nr. 43 vom 30.10.2007
2 Statistisches Bundesamt Deutschland, Pressemitteilung Nr.076 vom 04.03.2010
3 BECK-GERNSHEIM, Elisabeth: Deutschland ist bunter geworden - binationale Paare und ihre
Familien. In: Zeitschrift für Familienforschung 2/2001, S. 75
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2 Ziel- und Aufgabenstellung
Ziel- und Aufgabenstellung dieser Hausarbeit ist es, verschiedene Aspekte der bilingualen Erziehung näher zu beleuchten. Eltern, die ihre Kinder zweisprachig erziehen, sind oftmals vielen Vorurteilen ausgesetzt. Ihnen wird u.a. vorgeworfen, ihr Kind zu überfordern oder seiner Entwicklung durch die zweisprachige Erziehung entgegenzuwirken. Doch was stimmt denn eigentlich nun? Ist die zweisprachige Erziehung eine einmalige Chance, eine zweite Sprache auf muttersprachlichem Niveau zu erlernen oder ist es eine unzumutbare Überforderung, so dass das Kind am Ende keine der beiden Sprachen richtig spricht?
Daher liegt ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeit auf den sprachlichen Problemen der zweisprachigen Erziehung. Welche Probleme haben bilinguale Kinder in ihren Sprachen? Sprechen sie beide Sprachen auf muttersprachlichem Niveau oder sprechen sie eine Mischsprache? Weiterhin sollen mögliche Ursachen für Probleme in den Sprachen näher erläutert und ggf. Vorschläge gemacht werden, wie man als Eltern mit diesen sprachlichen Problemen umgehen kann.
Natürlich spielen in bilingualen Familien auch die kulturellen Aspekte eine große Rolle. Um den Rahmen der vorliegenden Arbeit aber nicht zu sprengen, soll sich lediglich auf die sprachlichen Aspekte der bilingualen Erziehung beschränkt werden.
3 Methodologisches Vorgehen
Die vorliegende Arbeit lässt sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil unterteilen. Im theoretischen Teil werden zunächst die vier Aspekte Vorurteile, Probleme in den Sprachen, Strategien und Sprachförderung durch die Eltern anhand der bereits vorhandenen Literatur näher beleuchtet. Überwiegend wird hierzu die Literatur von Kielhöfer und Jonekeit, Romaine, Montanari und Baker verwendet.
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Anhand der erarbeiteten theoretischen Ausgangsposition erstellte die Verfasserin dieser Hausarbeit einen Fragebogen, den sie an zweisprachig aufgewachsene Personen oder deren Eltern verteilte. Dieser Fragebogen wird im praktischen Teil der vorliegenden Arbeit ausgewertet und es soll geprüft werden, inwieweit die Theorie der bilingualen Erziehung mit der Praxis übereinstimmt.
Zum Schluss werden die erarbeiteten Ergebnisse zusammengefasst und die in der Ziel- und Aufgabenstellung gestellten Fragen beantwortet.
Der Hausarbeit werden die beantworteten Fragebögen als Anhang beigefügt.
4 Theoretische Ausgangsposition
4.1 Vorurteile
Wenn Eltern ihr Kind bilingual erziehen, werden sie nicht nur mit den Problemen und Schwierigkeiten der zweisprachigen Erziehung an sich konfrontiert, sondern sind auch oftmals vielen positiven und negativen Vorurteilen ausgesetzt. Diese haben sich in den Köpfen der Menschen festgesetzt, obwohl sie teilweise vollkommen unbegründet sind. Auf diese Vorurteile soll im Folgenden kurz eingegangen werden.
Die meisten negativen Vorurteile stammen aus der Zeit von vor 1960. Man war der Ansicht, dass Zweisprachigkeit sich negativ auf die Intelligenz auswirken müsse, denn die Speicherkapazitäten des Gehirns hätten weniger Platz für andere Dinge, da ja schon zwei Sprachen gespeichert werden müssten. (vgl. Kielhöfer; Jonekeit 1995, S. 9f.)
Dieses und auch weitere negative Vorurteile bestehen teilweise auch heute noch, wie z.B.:
1. Bilinguale Kinder sind überfordert
2. Bilinguale Kinder sind semilingual und sprechen keine Sprache richtig
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3. Bilinguale Kinder neigen zum Stottern
Ab den 1960er begann die Zeit der positiven Vorurteile. Die zuvor durchgeführten Studien wurden widerlegt und man begann die bilinguale Erziehung als vorteilhaft anzusehen.
4. Bilinguale Kinder sind toleranter und anpassungsfähiger
5. Bilinguale Kinder lernen beide Sprachen spielend ohne viel Mühe
6. Bilinguale Kinder lernen die Sprachen vollkommener
Doch sind all diese Aussagen wirklich nur Vorurteile oder besteht ein berechtigter Grund zur Sorge? Im Folgenden soll besonders auf die sprachlichen Aspekte eingegangen werden. Welche sprachlichen Probleme treten wirklich vermehrt bei bilingualen Kindern auf?
4.2 Probleme in den Sprachen
4.2.1 Sprachmischung
Ein häufig auftretendes Phänomen bei Kindern mit bilingualer Erziehung ist die Sprachmischung. Die Kinder nehmen Sätze, Satzteile oder auch nur Wörter einer Sprache und setzen diese wie Puzzleteile in die andere Sprache ein. Eine Sprache bleibt dabei die Grundsprache, die mit Teilen der anderen Sprache „angereichert“ wird. (vgl. Kielhöfer; Jonekeit 1995, S. 76)
Erwachsene benutzen Sprachmischungen häufig aus stilistischen Gründen. Kinder hingegen wollen durch das Mischen keine bestimmte „Botschaft“ übermitteln. (vgl. Kielhöfer; Jonekeit 1995, S.76)
Die Frequenz und die Art der Sprachmischung sind von Kind zu Kind unterschiedlich. Es lässt sich aber generell sagen, dass Kinder zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr am Häufigsten ihre Sprachen mischen. Gründe hierfür sind z.B. Sprachnot oder auch Bequemlichkeit. Kinder benutzen lieber das Wort, das sie schon länger kennen und setzen dies dann auch in der anderen Sprache ein. Auch wenn sie in einer Sprache ein Wort noch gar nicht kennen, greifen sie auf die andere Sprache zurück. (vgl. Kielhöfer; Jonekeit 1995, S.76)
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Ein weiterer Grund ist, dass sich Kinder einfach für ein Wort entscheiden. Auch einsprachige Kinder benutzen selten verschiedene Wörter, um denselben Gegenstand zu bezeichnen. Sie verwenden z.B. entweder den Begriff „Schnuller“ oder „Nuckel“, aber selten beide Begriffe abwechselnd. (vgl. Montanari 2000, S. 51)
Colin Baker hat die Sprachmischung im Laufe der Sprachentwicklung in drei Phasen unterteilt. (vgl. Baker 2000, S. 63)
• Die Phase der Amalgamation (zwischen null und zwei Jahren)
• Die Phase der Differenzierung (ab ca. zwei Jahren)
• Die Phase der Trennung (mit ca. drei Jahren)
Sprachmischungen bei Kleinkindern sind also durchaus normal und je mehr das Bewusstsein für die unterschiedlichen Sprachen zunimmt, desto seltener werden diese gemischt.
4.2.2 Interferenz
Im Gegensatz zur Sprachmischung werden bei Interferenzen keine Wörter oder Sätze aus der anderen Sprache übernommen, sondern es
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kommt zu einer Überlagerung der Strukturen und Regeln beider Sprachen, so dass es zu Fehlern kommt.
Interferenzen werden durch Ähnlichkeiten beider Sprachen ausgelöst. Diese Ähnlichkeiten sind allerdings subjektiv und unterscheiden sich von Kind zu Kind. Seltene Strukturen sind häufiger von Interferenzen betroffen und treten daher meist in der schwächeren Sprache auf.
Es gibt Interferenzen in unterschiedlichen Bereichen: Im Bereich der Aussprache ist von Interferenz die Rede, wenn das Kind die schwächere Sprache mit dem Akzent der stärkeren Sprache spricht. Grammatikalische Interferenzen führen zu grammatikalischen Fehlern. Es wird oftmals Wort für Wort aus der anderen Sprache übersetzt. So antworten spanische Muttersprachler auf die Frage „Wie geht es dir?“ oftmals mit „Gut, und du?“ (spanisch: ¿Cómo estás? - Bien, ¿y tú?). Zu lexikalischen Interferenzen kommt es häufig durch morphologische oder phonetische Ähnlichkeiten beider Sprachen z.B. zwischen dem deutschen Wort „Ampel“ und dem französischen Wort „ampoule“ (deutsch: Blase). (vgl. Kielhöfer; Jonekeit 1995, S. 77ff.)
Interferenzen treten nicht nur bei zweisprachigen Kindern auf, sondern auch bei einsprachigen wurden ähnliche Abweichungen festgestellt. Bei zweisprachigen Kindern werden sie jedoch kritischer beäugt und immer der bilingualen Erziehung zugeschrieben.
Objektiv gesehen sind Interferenzen Fehler. Subjektiv betrachtet sind sie für das zweisprachige Kind eine Bereicherung, denn wenn es sich in der einen Sprache nicht mehr auszudrücken vermag, nimmt es die andere Sprache zu Hilfe. Somit bereichern Interferenzen in gewisser Weise das Ausdrucksvermögen zweisprachiger Kinder. (vgl. Kielhöfer; Jonekeit 1995, S. 87)
4.2.3 Semilingualismus
Ein weiteres Problem, welches bei der bilingualen Erziehung auftreten kann, ist der Semilingualismus. Dieser wird auch als doppelte Halbsprachigkeit bezeichnet und bedeutet, dass beide Sprachen auf einem schlechteren
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Niveau beherrscht werden, als es normalerweise bei gleichaltrigen Kindern der Fall ist. Ott definiert Semilingualismus wie folgt:
„Nach der Kompetenzdefinition bedeutet Semilingualismus, dass die Entwicklung in
beiden Sprachen nicht altersadäquat verläuft und u. U. keine Sprache vollständig er-
worben wird, wobei fehlende Kompetenzen sich auf ein tiefergehendes Sprachver-
ständnis beziehen.“ 4
Der Semilingualismus tritt häufig bei Migrantenkindern auf. Aus Mangel an Sprechgelegenheiten können sie die Kompetenzen in ihrer Muttersprache nicht genügend ausbauen, beherrschen allerdings die zweite Sprache auch noch nicht ausreichend. Dieser Zustand des Semilingualismus ist aber zumeist nur eine vorübergehende Schwäche, die sich im Laufe der Sprachentwicklung eines Kindes verliert. (vgl. Abdelilah-Bauer 2008, S. 154)
4.2.4 Sprachverweigerung
Es kommt immer wieder vor, dass bilinguale Kinder plötzlich eine der beiden Sprachen komplett verweigern. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Kielhöfer und Jonekeit unterscheiden zwischen drei verschiedenen Gründen: den emotionalen Gründen, den sozialen Gründen und der Sprachbeherrschung. (vgl. Kielhöfer; Jonekeit 1995, S. 70ff.)
Emotionale Gründe:
In diesem Bereich gibt es zwei Hauptursachen, die zur Sprachverweigerung führen können. Zum Einen kann ein gestörtes Verhältnis zu einem Elternteil der Grund für die Verweigerung der Sprache sein. Das Kind lehnt diesen Elternteil und somit auch dessen Sprache ab. Unter Umständen setzt das Kind die Sprachverweigerung auch ein, um diesen Elternteil zu bestrafen. Ein weiterer Grund könnte die ablehnende Haltung von Eltern oder der Gesellschaft gegenüber der Zweisprachigkeit sein. Die Kinder spüren, wenn ihre Eltern oder die Umgebung eine negative Einstellung zur Zweisprachigkeit des Kindes haben. Das Kind übernimmt dann diese Einstellung und verleugnet eine Sprache, indem es sich weigert diese zu sprechen. (vgl. Kielhöfer; Jonekeit 1995, S. 70)
4 OTT, Margarete: Entwicklung schriftlich-konzeptualer Fähigkeiten im mehrsprachigen
Kontext. In: BREDEL, Ursula u.a. (Hrsg.): Didaktik der deutschen Sprache. Band 2. Pa-
derborn u.a.: Schöningh, 2003, S. 193-207.
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Arbeit zitieren:
Sabine Veenker, 2010, Zweisprachige Erziehung – einmalige Chance oder unzumutbare Überforderung für das Kind?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
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