Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Sabbioneta - die Erstgeborene Vespasiano Gonzagas 4
3. Zeichen bewusster Programmatiken und der Repräsentation 9
a) Straßensystem 9
b) Teilung der Stadt 10
c) Palazzo Ducale 12
d) Zweischichtigkeit der Stadt 15
e) Aeneaszyklus im Casino 17
4. Das Teatro all'Antica - ein Puppenhaus der Sehnsüchte 20
a) Der Typus und die Bezugnahme Vincenzo Scamozzis auf Sebastiano Serlio 20
b) Der unscheinbare Außenbau 21
c) Kalkuliertes Programm im Innenraum 23
d) Inszenierung par excellence - Analogien zwischen der Stadtanlage und dem
Teatro 26
5. Schluss 27
6. Bibliographie 30
7. Reisebericht 31
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1. Einleitung
Wie das Tor zu einer anderen Welt lockt die große weiße Porta Imperiale den Autofahrer von der Landstraße in die Stadt, die sich dahinter verbirgt. Die klaren Konturen des Mauergürtels grenzen die Häuser von den Feldern der Po-Ebene ab und lassen keine Verschmelzungen zwischen Natur und Mensch zu. Sabbioneta ist für die meisten Touristen wohl nur ein weiterer Ort, den sie auf dem Weg von Mantua nach Parma passieren und so schenken sie diesem lediglich auf der Landkarte Beachtung. Dabei wurde die Stadt im Jahr 2008 gemeinsam mit Mantua in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen und ist spätestens seit den 1960er Jahren ein zentraler Untersuchungsgegenstand, wenn es sich um die Problematik der Verwirklichung einer „Idealstadt“ im Kontext der Renaissance handelt. Der Fürst Vespasiano Gonzaga ließ zwischen 1554 und 1590 mit Sabbioneta eine Residenzstadt nach den humanistischen Vorstellungen seiner Zeit erbauen, die er wohl auch zu großen Teilen selbst plante. 1
Die ersten uns bekannten Auseinandersetzungen mit dieser Stadt konzentrieren sich noch stark auf die Person des Gründers, dazu zählt die Vita von Ireneo Affò (1780). Im Jahr 1898 erschienen in der französischen Zeitschrift „Gazette des Beaux-Arts“ drei Aufsätze von Charles Yriarte, welche der Auffassung untergeordnet sind, Sabbioneta ließe sich als „Petite Athènes“ bezeichnen. Yriarte gelangte zu dieser Position, indem er die Vollkommenheit der Institutionen in Sabbioneta mit dem antiken Athen verglich. Diese These wird jedoch in der heutigen Zeit von einigen Seiten kritisch betrachtet. 2 Vor ungefähr fünfzig Jahren erfuhr Sabbioneta eine Wiederentdeckung im Rahmen der kunsthistorischen und architektonischen Forschungen. Der Topos „Nea Roma“, den Kurt W. Forster in seinem Aufsatz „From ‚Rocca’ to ‚Civitas’: Urban Planning at Sabbioneta“ 1969 hervorbrachte, gilt als Meilenstein der
1 Siehe dazu Heinrich, Gisela: Sabbioneta. Eine Residenzstadt der Renaissance, Weimar 1999, 21: „Je mehr Idealstadtpläne jedoch herangezogen werden [...], desto eher ist anzunehmen, daß Vespasiano das Bauprogramm seiner Stadt weitgehend selbst bestimmte“.
Vgl. auch 2. Kapitel „Sabbioneta - die Erstgeborene Vespasiano Gonzagas“ in dieser Arbeit.
2 Siehe dazu Heinrich, Gisela: Sabbioneta. Eine Residenzstadt der Renaissance, Weimar 1999, 109: „Die von höfischen Chronisten geprägte Lobesformel ‚Klein-Athen’ ist jedoch zur Charakterisierung der Neugründung nicht angebracht“.
Vgl. Stallmann, Judith: Sabbioneta. Die Wiederentdeckung einer inszenierten Stadt, München 1997, 7-11.
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Rezeptionsgeschichte. 3
Forster betrachtete als Erster die Architektur und Urbanistik Sabbionetas sowie spezifische Fresken vor dem Hintergrund konkreter ideologischer Programmatiken und stellte in diesem Zusammenhang eine Vielzahl von Entsprechungen zum antiken Rom fest. Da diese Problematik sehr komplex ist und in vielen Publikationen besprochen wird, werde ich im Verlauf dieser Arbeit an einigen Stellen darauf eingehen. Seit dem Beitrag von Forster ist eine große Anzahl an Literatur entstanden, die sich mit Sabbioneta beschäftigt. Als optimale Einstiegsliteratur eignen sich „Sabbioneta oder die schöne Kunst der Stadtgründung“ von Gerrit Confurius und „Sabbioneta. Eine Residenzstadt der Renaissance“ von Gisela Heinrich. Susanne Grötz filtert das Wissen um Sabbioneta und konzentriert sich auf drei wesentliche Orte, an denen die Selbstinszenierung Vespasiano Gonzagas stattfindet. Eine interessante Untersuchung stellt Judith Stallmann mit der Integration des Mediums Film in die Forschung an. Des Weiteren existieren Spezialbeiträge im Rahmen urbanistischer und architektonischer Fragestellungen, darunter der Beitrag von Jan Pieper in der Zeitschrift „Bauwelt“ und die Untersuchungen von Burkhard Rühling in „Stadtbaukunst der frühen Neuzeit. Kriegstechnik & Idealvorstellungen“.
Mit diesen Namen sind lediglich jene Publikationen erwähnt, welche ich in Vorbereitung zu dieser Arbeit herangezogen habe. Daneben existieren besonders viele italienischsprachige Beiträge zum Thema „Sabbioneta“.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die „Nea Roma“-These Forsters eine Bewegung in der Forschung in Gang setzte, nach der die städtebaulichen Elemente Sabbionetas immer wieder als sichtbare Zeichen eines spezifischen Programms betrachtet werden.
Die vorliegende Arbeit „Sabbioneta - Theater im Theater. Die doppelte Inszenierung fürstlicher Macht“ will unter der Fragestellung, welche Zeichen ideologischer und politischer Programmatiken sich in Sabbioneta wiederfinden, bereits vorhandenes Wissen zusammentragen, filtern und eine klar nachvollziehbare Übersicht geben. Zu Beginn der Untersuchung werden der zeitgeschichtliche Kontext des Sabbionetas der Renaissance sowie die Person Vespasiano Gonzaga näher beleuchtet. Besonders die Beschäftigung mit dem Herrscher selbst ist entscheidend, um in Folge eventuelle Motive
3 Vgl. Heinrich, Gisela: Sabbioneta. Eine Residenzstadt der Renaissance, Weimar 1999, 109.
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der Stadtgründung festzustellen. Des Weiteren soll ein kurzer Überblick über die Planung und Entstehung Sabbionetas gegeben werden.
Den Kern der Untersuchung bildet die Herausarbeitung der einzelnen städtebaulichen Elemente als Ausdrucksträger einer machtpolitischen Programmatik. Dabei werde ich insbesondere auf das Teatro all'Antica eingehen, da nach meiner Ansicht in diesem Gebäude alle Sehnsüchte, die Sabbioneta in sich trägt, gebündelt sind. Abschließend möchte ich erwähnen, dass die Auseinandersetzung mit Sabbioneta für mich zunächst rein theoretisch begann, indem ich mich mit der Literatur beschäftigte und dabei stets versuchte, ein Bild der Stadt gedanklich vor mir aufzubauen. Dies gelang mit der Zeit immer besser, jedoch stand dieses Prinzip in keinem Verhältnis zu den Eindrücken, welche ich vor Ort sammeln konnte. Das unmittelbare Erleben einer Stadt kann durch keine literarische Beschreibung ersetzt werden.
2. Sabbioneta - die Erstgeborene Vespasiano Gonzagas
Zwar ist das Stadtbild Sabbionetas von einer Morbidität gekennzeichnet, jedoch ist die Struktur der künstlich erschaffenen Stadt nicht wesentlich sichtbar überwuchert worden. Die Straßenzüge sind, abgesehen vom Durchbruch des Mauergürtels zugunsten weiterer Zufahrtswege und dem Abriss der Rocca, in der Art erhalten, wie sie Vespasiano Gonzaga im Cinquecento selbst sah. Sabbioneta scheint sich in einem ewigen Konservierungs-zustand zu befinden.
Heute leben circa 500 Menschen in der Stadt, von denen man nur sehr wenig in den Straßen sieht. Die Anzahl ist beachtenswert, gilt es doch zu bedenken, dass zur Zeit Gonzagas allein 2000 Personen in der jüdischen Gemeinde wohnten. Sabbioneta hat rein faktisch an Leben verloren, möglicherweise auch an Lebensgefühl?! Eine unangenehme Stille, die vor allem für Italien sehr ungewohnt ist, vermittelt den Eindruck, sich in einer Kulisse zu befinden.
Wäre Vespasiano Gonzaga mit diesem Bild seiner Stadt in Anbetracht der Idealvorstellungen des Cinquecento zufrieden?
Betrachtet man das fürstliche Leben an anderen Höfen in Italien zur Zeit der Renaissance, so wird man feststellen, dass ein permanenter Strom von Besuchern besonders in den angesehenen Häusern üblich war. „Galeazzo Maria Sforzas Hof zu Mailand [...] wimmelte
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nur so von Menschen aus fremden Territorien und aus der Provinz“. 4 Die Fürsten selbst orientierten sich an humanistischen Werten, die im Rahmen der Wiedergeburt der Antike und dem gleichzeitigen Abgrenzen vom Mittelalter als Maß allen Seins auflebten. Der neue Glanz spiegelte sich vor allem in der Architektur und der Malerei wider. So ist es nicht verwunderlich, dass vor allem die Protektion von Künstlern, die Eroberung einer Stadt und insbesondere das Erbauen von Stadtteilen oder sogar ganzen Städten den Ruhm eines Herrschers steigerten.
„[...] mit dem Wunsch nach Prestige ging die Hoffnung auf ein faßbares Überleben nach dem Tod einher, der Wunsch nach bleibender Leistung“. 5
Der Geist der Renaissance atmete wie berauscht das Wissen der Antike ein und dachte es weiter. Das Universalgenie Leon Battista Alberti 6 , erster Übersetzer des römischen Architekten Vitruv 7 , gab in seinen Traktaten 8 Richtlinien in vielen Bereichen des Lebens vor, an denen sich die Herrscher orientierten.
Mit Sicherheit hat auch Vespasiano Gonzaga die Schriften Albertis und dessen Entwurf eines Lebensraumes für glückliche Menschen, der sogenannten „città ideale“, rezipiert und seine Vorgaben mit in die Planung Sabbionetas einbezogen. Jedoch lassen sich zugleich auch stets Elemente eines individuell auf Vespasiano gerichteten ikonographischen Programms entdecken.
Somit erscheint es sinnvoll, die Person des Gründers und seine Beziehung zu Sabbioneta näher zu beleuchten.
Vespasiano Gonzaga wurde am 6. Dezember 1531 in Fondi als einziger Sohn Isabella Colonnas und Luigi Gonzagas, der auch „Il Rodomente“ genannt wurde, geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte Vespasiano in der Obhut seiner Tante Giulia Gonzaga, unter der er eine humanistische Erziehung genoss.
Bereits 1540 wurde Vespasiano zum Alleinerben von Sabbioneta bestimmt, da sein Großvater Ludovico gestorben war. Die Region um die Stadt wurde 1426 von Gianfrancesco Gonzaga als Condottieri für Venedig erobert, der in Folge mit Sabbioneta
4 Cole, Alison: Renaissance von Mailand bis Neapel. Die Kunst an den Höfen Italiens, Köln 1996, 9.
5 Confurius, Gerrit: Sabbioneta oder die schöne Kunst der Stadtgründung, Frankfurt am Main 1991, 15.
6 Leon Battista Aberti lebte von 1404 bis 1472 und war ein italienischer Humanist, Architekturtheoretiker, Schriftsteller und Mathematiker.
7 Marcus Vitruvius Pollio lebte im 1. Jahrhundert v. Chr. und war ein römischer Architekt, Schriftsteller und Ingenieur. Sein Werk „Zehn Bücher über Architektur“ stellte die erste Auseinandersetzung mit antiker Technik und Architektur dar. Diese Schrift wurde besonders in der Renaissance rezipiert und beeinflusste die in Folge entstehenden Architekturtraktate.
8 Darunter „De pictura“ (Über die Malkunst), „I libri della famiglia“ (Jura- und Erziehungstheorie) und „De re aedificatoria“ (Über die Baukunst).
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belohnt wurde. Daraufhin bewohnte eine Seitenlinie der Mantuaner Gonzaga-Dynastie die im Trecento erbaute Rocca.
Mit vierzehn Jahren wurde der jugendliche Vespasiano an den spanischen Hof nach Valladolid geschickt, um als Ehrenpage des Infanten Philipps tätig zu sein. In den folgenden drei Jahren begleitete er den künftigen König auf zahlreichen Reisen und verkehrte in vornehmen Kreisen.
Nach seiner Rückkehr nach Italien vermählte er sich mit Diana di Cardona und bezog 1550 die Rocca in Sabbioneta. Die Bauarbeiten begannen vier Jahre später und dauerten bis zu seinem Tod 1591 an, demnach wurde zu Vespasianos Lebzeiten ununterbrochen in der kleinen Stadt gebaut.
Die erste Baumaßnahme stellte das Niederreißen der nahezu gesamten Bausubstanz dar, mit dem Ziel, ein ebenes Gebiet zu schaffen. Der alte Borgo musste einem strengen Planungskonzept weichen, bei dem nichts dem Zufall überlassen wurde. Insgesamt lassen sich die Arbeiten in drei Phasen einteilen, wobei im Laufe der Zeit eine klare Entwicklung hinsichtlich der Bauabsichten Vespasianos feststellbar ist. 9 In der ersten Errichtungsphase von 1556 bis 1567 entstand die Befestigungsanlage, deren Umriss ein verzogenes Hexagon ergibt. Der Mauergürtel war so konzipiert, dass man von jeder der sechs vorgeschobenen Bastionen die gesamte Anlage im Blick hatte. Zudem erbaute man in dieser Phase unter anderem auch den Palazzo Ducale 10 , die Piazza Maggiore (1554) und die Münze (1558).
1562 erließ Vespasiano ein Dekret, in dem alle Bewohner der Umgebung verpflichtet wurden, in die neue Stadt zu ziehen und sich an den Bauarbeiten zu beteiligen. Andernfalls würde man den Bewohnern sämtliche Bürgerrechte und Privilegien entziehen. 11 Eine weitere Anordnung sah vor, dass der Markt nur noch auf dem Platz vor dem Palast abgehalten werden durfte. 12
Im selben Jahr entstand auch das erste Stadttor, die Porta della Vittoria, auf deren Tafel über dem Eingang Vespasiano als derjenige glorifiziert wird, der Sabbioneta gegründet hat. 13
Diese beiden Ereignisse sind signifikant, um die Entwicklung des Vorgehens Vespasianos
9 Vgl. Grötz, Susanne: Sabbioneta. Die Selbstinszenierung eines Herrschers, Marburg 1993, 9.
10 Der Vorderbau entstand von 1554-1568, der von 1578-1586/90 umgestaltet und erweitert wurde.
11 Vgl. Stallmann, Judith: Sabbioneta. Die Wiederentdeckung einer inszenierten Stadt, München 1997, 20.
12 Vgl. Confurius, Gerrit: Sabbioneta oder die schöne Kunst der Stadtgründung, Frankfurt am Main 1991, 61.
13 Vgl. Heinrich, Gisela: Sabbioneta. Eine Residenzstadt der Renaissance, Weimar 1999, 123 (Fußnote 7).
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aufzuzeigen, das zunehmend die Demonstration seiner Macht zum Ziel hatte. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau 1559 heiratete er 1564 die Prinzessin Anna d'Aragon, die jedoch schon drei Jahre später ebenfalls verstarb. Aus dieser Verbindung entstanden die Kinder Isabella und Luigi. Von 1568 bis 1578 befand sich Vespasiano in Spanien und war als Vizekönig von Navarra und Valencia tätig. In dieser Zeit erlangte er zudem die Titel des Fürsten und Herzogs von Sabbioneta.
In einer zweiten Bauphase wurden der Gartenpalast (1578), die Porta Imperiale (1579), die Antikengalerie (1583/84) sowie ganze Straßenzüge errichtet. Anhand der Ausmalungen und Dekorationen dieser Gebäude lässt sich erkennen, mit welch zunehmender Intensität Vespasiano Gonzaga das Programm seiner Selbstdarstellung verfolgte. Erst in diesem Bauabschnitt entstanden, außer dem Kernbau des Palastes, die herzoglichen Gebäude. Der Tod seines einzigen Sohnes Luigi 1580 forcierte dieses Vorgehen umso mehr, da nun kein männlicher Erbe mehr existierte. Mit dem Bau der Chiesa dell'Incoronata (1586-1588), dem Teatro all'Antica (1588-1590) und dem Aufstellen einer Bronzestatue vor dem Palazzo Ducale 1588 erreichte die Selbstinszenierung Vespasianos ihren Höhepunkt. Der Herrscher starb am 27. Februar 1591 aufgrund eines Gehirntumors, seine Tochter erbte die territorial verkleinerte Residenz.
Der „Blaubart der Gonzaga“ 14 galt als glorreicher Feldherr und gebildeter Mann, der stets darum bemüht war, Gelehrte an seinen Hof zu ziehen.
Es bleibt die Frage, welche Motivationen Vespasiano, der lediglich einer Seitenlinie der Mantuaner Gonzaga-Dynastie entstammte und dessen Macht sich nie in einem bedeutenden Maß erweiterte, in sich trug, eine Stadt komplett neu zu schöpfen. Bedenkt man das Verhältnis zwischen der monumentalen Befestigungsanlage und der kleinen Stadt, so lassen sich militärische Motive nicht ausschließen, nach denen Sabbioneta als Garnisonstadt konzipiert wurde. Gisela Heinrich bezieht diesen Grund zwar mit in Ihre Überlegungen ein, spricht ihm jedoch in der weiteren Entwicklung der Stadt keine bedeutende Rolle zu. 15
Als Hauptantriebskraft wird bei Gerrit Confurius, Judith Stallmann und Gisela Heinrich das Streben nach hohem Ansehen, welches für ewig erstrahlen sollte, vor dem Hintergrund eines Konkurrenzkampfes mit anderen Höfen, insbesondere Mantua, genannt. Rückblickend erscheint die Vision Vespasianos, sich auf derselben machtpolitischen Ebene
14 Confurius, Gerrit: Sabbioneta oder die schöne Kunst der Stadtgründung, Frankfurt am Main 1991, 86.
15 Vgl. Heinrich, Gisela: Sabbioneta. Eine Residenzstadt der Renaissance, Weimar 1999, 21, 22.
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wie Mantua zu befinden, fast größenwahnsinnig. Sabbioneta war wesentlich kleiner und lag zudem „[...] in den sumpfigen und sandigen Niederungen des Po [...]“. 16 Diese Nachteile sollten durch eine Förderung des kulturellen Lebens ausgeglichen werden. Der Herrscher versuchte durch ein bewusst konzipiertes Programm der Selbstinszenierung auf sich aufmerksam zu machen und seine Macht zu demonstrieren. Zwar stellten Repräsentation und Prunkentfaltung in der Renaissance eine gewisse gesellschaftliche Verpflichtung dar, 17 jedoch war in Sabbioneta die Glorifizierung Vespasiano Gonzagas derart übersteigert, dass sie in keinem Verhältnis zu seinen politischen Taten stand. Betrachtet man die Gebäude in Sabbioneta, so erhält man exakt denselben Eindruck. Die Proportionen der städtebaulichen Elemente stimmen nicht und besonders die monumentale Galerie erscheint, ohne jeglichen Zusammenhang zum Casino, wie eingefügt.
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, soll Vespasiano Gonzaga seine Stadt größtenteils selbst geplant haben. Dafür steht vor allem die Vermutung, dass er die Architekturtraktate seiner Zeit, welche die Auffassungen aus der Antike verhandelten und fortführten, rezipierte. Außerdem ist zu beachten, dass der Herrscher auf seinen Reisen Kenntnisse im Bereich der neuesten Fortifikationstechniken erwarb.
In der Tätigkeit des Beraters fielen bisher die Namen mehrerer Baumeister, deren Partizipation von einigen Seiten unterschiedlich bewertet wird. 18 Die Frage, warum Vespasiano Sabbioneta als seine „Erstgeborene“ bezeichnete, lässt sich angesichts der Persönlichkeit des Herzogs leicht beantworten. Sabbioneta war sein Kind, das er formen konnte und das nur ihn in jedem Moment ins Zentrum rückte.
16 Stallmann, Judith: Sabbioneta. Die Wiederentdeckung einer inszenierten Stadt, München 1997, 23.
17 Vgl. Confurius, Gerrit: Sabbioneta oder die schöne Kunst der Stadtgründung, Frankfurt am Main 1991, 12.
18 Vgl. Heinrich, Gisela: Sabbioneta. Eine Residenzstadt der Renaissance, Weimar 1999, 20, 21.
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