Freie Universität Berlin Otto-Suhr-Institut Fachbereich Politikwissenschaft
PS : Geschlechterbeziehung unter dem Einfluß nationalsozialistischer Diktatur Wintersemester 2002/2003
Inhalt
1. Einleitung Seite 3
2. Frauenwiderstand als Forschungsgebiet Seite 3
3. Kommunistischer Frauenwiderstand Seite 5
3.1. Liselotte Herrmann Seite 6
3.2. Lina Haag Seite 7
3.3. Lea Große Seite 9
4. Schlußbemerkung Seite 11
5. Literatur
2
1. Einleitung
Frauen gegen Hitler, Frauen jenseits von BDM-Mädel, Heldenmutter und Kriegerwitwe, Frauen im verborgenen, aber auch im offenen Widerstand gegen eine faschistische Diktatur, in der der Platz der Frau ideologisch vorbestimmt war, politisch aktive Frauen gar, die für ihre Überzeugungen ins Gefängnis, ins KZ, auf den Richtbock gehen mußten - die bundesdeutsche Geschichtsschreibung hat sie, ebenso wie die Täterinnengruppe, lange außer Acht gelassen.. Erst allmählich wird bewußt wahrgenommen, daß es sie gab: Arbeiterinnen, Angestellte, Hausfrauen, Bürgerliche, Christinnen, Jüdinnen, Sozialdemokratinnen, Kommunistinnen, die auf vielfältige Weise und aus unterschiedlichsten Motivationen heraus Widerstand leisteten, Flugblätter verteilten, Pässe fälschten, gar in den Reihen der Alliierten kämpften, Rüstungsprozesse sabotierten, Verfolgte versteckten, nicht wegschauten, wenn andere wegschauten.
Diese Arbeit will einen Blick werfen auf eine Gruppe Widerständiger, die in der bundesdeutschen Geschichtsschreibung gleich doppelt benachteiligt wurden: einerseits als Frauen, andererseits als überzeugte Kommunistinnen.
Exemplarisch soll in dieser Arbeit anhand von drei Frauenbiographien ein kleiner Ausschnitt des kommunistisch geprägten Widerstandes von Frauen im nationalsozialistischen Deutschland aufgezeigt werden. Es stellt sich die Frage, was ihre Renitenz von anderen unterschied, welcher Art ihr Widerstand war und welcher politische ‚Unterbau‘ ihm zugrunde lag. Wie weit waren sie politisiert und welche anderen, persönlichen Motive ließen sie aktiv werden?
2. Frauenwiderstand als Forschungsgebiet
Als Gerda Szepansky, Jahrgang 1925, Journalistin, Lehrerin, Schauspielerin und seit über zwei Jahrzehnten freie Autorin in Berlin, ihr erstmals 1983 bei Fischer in der Reihe Die Frau in der Gesellschaft erschienenes Buch „Frauen leisten Widerstand: 1933-1945“ schrieb, tat sie dies „zur Erinnerung an dieses Kapitel deutscher Geschichte und den Widerstand von Frauen, von dem bisher zu wenig die Rede war“ 1 , vor allem auch, weil sie „in den Geschichtsbüchern (...) immer nur die Geschichte der Männer vom 20. Juli '44“ 2 vorfand.
1 Gerda Szepansky: Frauen leisten Widerstand: 1933-1945; Frankfurt am Main 1983; Seite 5
2 So Gerda Szepansky wörtlich während einer Lesung des besprochenen Buches im Rahmen einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-
Stiftung Berlin im Freizeitforum Berlin-Marzahn (03. März 2002).
3
Noch immer werden Frauen in der Geschichtsforschung vernachlässigt, wird Geschichte scheinbar nur von Männern gemacht. Mit dem Forschungsfeld ‚Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur‘ sah es bis vor kurzem nicht viel anders aus: „Im "Lexikon des deutschen Widerstandes" von 1994 findet man folgerichtig zwar James von Moltke, nicht aber seine Frau Freya; gibt es einen Adolf Reichwein, seine Frau Rosemarie fehlt - von weniger Prominenten ganz zu schweigen“ 3 . Das Lexikon 4 kennt auch keine Lea und keinen Friedrich Große; auch Lina und Fred Haag sind ihm völlig unbekannt, Liselotte Herrmann hingegen wird zwar kurz erwähnt 5 , allerdings durchweg falsch-, d.h. nur mit einem ‚r‘, geschrieben. Das „Lexikon des Widerstandes 1933-1945“ 6 beschreibt zumindest Lilo Herrmann etwas ausführlicher 7 , kennt jedoch ebenfalls keine Lea sondern nur Fritz Große 8 , desweiteren weder Lina noch Fred Haag. Auch hier fehlen selbst „Prominente“ wie Freya von Moltke und Rosemarie Reichwein, obwohl die Umschlaggestaltung mit je zwei widerständigen Frauen (Lilo Herrmann und Sophie Scholl) bzw. Männern (Otto Hampel und Claus Schenk Graf von Stauffenberg) Gleichberechtigung signalisiert. In der Ausgabe „Deutscher Widerstand 1933-1945“ 9 der „Informationen zur politischen Bildung“ tauchen Frauen nur als Randpersonen (Ehefrau, Schwester), nicht jedoch als selbständig handelnde Akteure auf. In „Widerstand und Verweigerung in Deutschland 1933 bis 1945“ 10 kommen immerhin zwei Frauen - Berta Carola Karg als eine Vertreterin des kommunistischen Widerstandes und Freya von Moltke für den Kreisauer Kreis - persönlich zu Wort und dürfen auf insgesamt etwas mehr als elf Seiten 11 aus ihrer Sicht Bericht erstatten. Darüber hinaus sucht man in den Beiträgen fast vergeblich nach Widerstandskämpferinnen. Lilo Herrmann z.B. findet man dort, ebenso wie Buch des Niederländers Ger van Roon „Widerstand im Dritten Reich“ 12 , nicht.
3 Vera Hölzel: Frauen im Widerstand - Einführung; im Internet unter: http://www.papesch.de/Widerstand/Frauen/intro.html (zuletzt am
18.02.2003)
4 Wolfgang Benz, Walter H. Pehle (Hg.): Lexikon des deutschen Widerstandes; Frankfurt am Main 1994
5 Lilo wird lediglich als erste zum Tode verurteilte Frau erwähnt, erst in der Kurzbiographie erfährt man, daß sie Mitglied des KJVD war
(ihre Mitgliedschaft in der KPD wird ‚vergessen‘), nicht jedoch, warum sie von der Universität verwiesen, später verhaftet und verurteilt
wurde. Vgl. Wolfgang Benz, Walter H. Pehle (Hg.): Lexikon des deutschen Widerstandes; Frankfurt am Main 1994; S. 143, 357
6 Peter Steinbach, Johannes Tuchel (Hg.): Lexikon des Widerstandes 1933-1945; München 1994
7 in: Peter Steinbach, Johannes Tuchel (Hg.): Lexikon des Widerstandes 1933-1945; München 1994; S. 86
8 in: ebenda; S. 72
9 Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Informationen zur politischen Bildung, Nr. 243: Deutscher Widerstand 1933-1945; Bonn 1994
(Neudruck 2000)
10 Richard Löwenthal, Patrik von zur Mühlen: Widerstand und Verweigerung in Deutschland 1933 bis 1945; Bonn 1990
11 Insgesamt faßt die Ausgabe mehr als 300 Seiten.
12 Ger van Roon: Widerstand im Dritten Reich; München 1998
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Arbeit zitieren:
Anna Fehmel, 2003, Politischer Widerstand kommunistischer Frauen, München, GRIN Verlag GmbH
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