Praktikumsbericht von Simon Leischner 13.05.2010
Gliederung
1. Einleitung 3
Der Betrieb 1
2. 3
2.1 Historie 3
2.2 Die Buchha ndlung Jürgensen heute 5
2.3 Marktauftritt - Produkte und Werbung 7
2.4 Belegschaft - Qualifikation und Perspektiven 8
3. Der Weg des Buches 9
3.1 Außerhalb des Betriebs 10
3.2 Innerhalb des Betriebs 13
4. Meine Arbeit im Betrieb 14
4.1 Einweisung in die Arbeitsprozesse 14
4.2 Beschreibung eines typischen Arbeitstages 19
4.3 Mein persönliches Fazit 21
5. Quellenangaben 23
Anzahl Zeichen, ohne Leerzeichen: 22914
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Praktikumsbericht von Simon Leischner 13.05.2010
1. Einleitung
Die Bücherei Jürgensen und insbesondere die Geschäftsführerin Frau Gesa Jürgensen sind mir schon seit langem durch zahlreiche Buchkäufe und spezieller Events, wie bspw. Buch-Nächte, aus Sicht des Konsumenten bekannt. Es bestand bei mir schon immer ein großes Interesse an Büchern und das Praktikum sollte mir einerseits den Weg des Buches von der Idee zum Endprodukt aufzeigen und anderseits die Möglichkeit bieten genauer zu erfahren, wie sich am Ende der Wertschöpfungskette der Verkauf des Produktes Buch darstellt.
Im Vorfeld des Praktikums hat es einige positive Abstimmungsgespräche bzgl. Arbeitszeit und betriebsüblicher Arbeitskleidung mit Frau Jürgensen gegeben, sodass ich meinen ersten Arbeitstag freudig erwartet habe.
Der Bericht beschreibt zunächst den Betrieb und persönliche Erfahrungen, bevor der beobachtete Vermarktungsprozess eines Buches dargestellt wird. Mein Arbeitstag und ein persönliches Fazit beenden diese Ausarbeitung.
2. Der Betrie b [1]
2.1 Historie
In den fünfziger Jahren befa nd sich in Wuppertal-Vohwinkel in der Rubensstraße als Vorläufer der heutigen Buchhandlung Jürgensen die private Leihbücherei Bergmann und Kopp. Zu dieser Zeit waren zwar staatliche Büchereien wie z. B. die Stadtbüchereien Elberfeld,
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Barmen oder Vohwinkel vorhanden, diese boten aber nur ein Sortiment von fachspezifischen Büchern an. D.h., die Bücher waren meist nur ve rstä ndlich, wenn der Leser ein hohes Maß an Wissen in den jeweiligen Fachbereichen besaß. In den privat betriebenen Leihbüchereien war es hingegen möglich, Bücher aus dem Segment Belletristik zu leihen. Diese Unterhaltungsliteratur umfasste neben Liebesgeschichten und Wildweststorys auch einfache erzählende Literatur , welche dementsprechend in den mittleren bis unteren Gesellschaftsschichten sehr beliebt waren und eine gute Einnahme Quelle für den Leihbüchereibesitzer boten.
Als im Jahre 1972 auf Veranlassung von Johannes Rau die Bergische Universität gegründet und mit dem Aufbau einer Universitätsbibliothek begonnen wurde, sah sich die Vohwinkeler Stadtbibliothek gezwungen ihr Programm zu erweitern und z. B. auch das Segment Belletristik einzubeziehen, um weiterhin eine Existenzberechtigung zu haben.
Diese neue Marktsituation bewegte den damaligen I nhaber der Leihbücherei dazu seinen Laden zu verkaufen, weil er aufgrund der nun quasi freizugänglichen Belletristik enorme Gewinneinbußen befürchtete. Die Käuferin, Christel Jürgensen, verfolgte eine neues Konzept und entwickelte den Betrieb nach und nach zu einer Buchhandlung . Aus dieser Zeit stammt auch der neue Name: Buc h-handlung Jürgensen. Nach dem Tod der Gründerin überna hmen erst der Mann und danach die Tochter, die
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heutige Geschäftsführerin Gesa Jürgensen, die G eschäfte. Das erfolgreiche Konzept erzwang eine E xpansion und führten 2006 schließlich zum Umzug in die größeren Geschäftsräume Vohwinkelerstr. 1 in Wuppertal-Vohwinkel. Eine Weiterung der Einzelunternehmung über Filialen hin zu einer Firmenkette ist derzeit nicht geplant.
2.2 Die Buchhandlung Jürgensen heute
Die Buchhandlung ist ein Beispiel für einen kleineren Betrieb. Es handelt sich, was Belegschaft, Verkaufsfläche und Umsatz betrifft, um eine kleinere Buchhandlung. Insgesamt 8 Bedienstete arbeiten im Schichtbetrieb auf einer Verkaufsfläche von ca. 70m 2 . Ein Verkaufstresen trennt den Bürobereich vom Verkaufsbereich mit den Buchregalen ab. Das Lager befindet sich im Keller. Neben der Sta ndard-Büroausstattung gehören zur EDV-Ausstattung vier Computer mit speziellen Kommunikationsverbindungen und Programmen für die Bestellung.
Üblicherweise sind immer mindestens zwei Bedienstete im Laden. Es gilt das Prinzip: Der Kunde geht vor dem Tel efon. Aus diesem Grund ist ein Anrufbeantworter an das Telefon angeschlossen und es wird zurückgerufen, sobald die Arbeit es zulässt. Viele Bestellungen werden telefonisch abgegeben, sofern die Bestellung keine Beratung benötigt oder es sich aus Sicht der Kunden um eine „einfache“ Bestellung handelt. Eine „komplexe“ Bestellung mit Beratung in der Buchhandlung liegt z. B. dann vor, wenn der Kunde ein englischsprachiges oder ein sehr ausgefa llenes Buch kaufen möchte. Meistens ist es möglich, ein
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nicht vorrätiges Buch innerhalb von einem Tag liefern zu lassen.
Das PC-System basiert auf drei verschiedenen Compute rprogrammen:
? Libras: Dies ist die allgemeine Verwa ltungssoftware. Sie dient zur Kunden-, Rechnungs-, Bestands-, Bestellungs-und Kassenverwaltung und ist auf allen vier Rechnern installiert.
? Bibwin: Ein digitalisiertes Verzeichnis aller lieferbaren Bücher in Deutschland ist auf drei PCs insta lliert.
? Libri: Ein Verzeichnis der Bücher, die die Großhändler Könemann und Libri liefern können, ist auf drei Computern installiert.
Mit den vier Rechnern ist es möglich, mehrere Beste llungen gleichzeitig zu tätigen. Auch kann dem Kunden sofort mitgeteilt werden, in welchem Zeitrahmen die Ware ankommt. Normalerweise werden die Bestellungen zweimal täglich automatisch per Internetverbindung als sogenannter Bestelltopf versendet, d.h. bis zu einem bestimmten Zeitpunkt werden alle Bestellungen gesammelt und dann auf einmal abgeschickt. Dies ermöglicht das nachträgliche Revidieren oder V erändern von Bestellungen ohne den Verlag kontaktieren zu müssen. Außerdem wird so verhindert das der Bücherlieferdienst alle zwei Stunden anliefert, statt der wie heute üblich zwei Lieferungen pro Tag.
Die Buchhandlung selbst arbeitet nach einem Auffüllliste n-
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system, d.h. durch die Lagerhaltungssoftware ist jederzeit bekannt, wie viele Bücher sich im Lager, in der Bestellliste und im Abholfach befinden a . Um 12.00 Uhr und um 17.00 Uhr werden jeweils Auffülllisten gedruckt, die angeben, welche Waren innerhalb des Zeitraums seit der letzten ausgedruckten Auffüllliste verkauft wurden. Dadurch besteht die Möglichkeit des gezielten Auffüllens der Regale bzw. der Neubestellung bei einem Warenbestand von null. Im Detail ist auf dieser Liste verzeichnet: die Anzahl der verkauften Exemplare, der restliche Bestand im Lager, der Titel, der Autor, die 13-stellige ISBN b .
Durch dieses System ist es möglich immer genau zu wissen, welche Bücher sich unter den ca. 1.000 im Laden befinden und welche nachbestellt werden müssen.
2.3 Marktauftritt - Produkte und Werbung
Die heutige Produktpalette reicht von allen im Verzeichnis lieferbarer Bücher c aufgeführten Büchern, ü ber Lesezeichen bis hin zu CDs (Hörspiele, Musik), DVDs und Eintrittskarten zu lokalen Veranstaltungen (z.B. Aufführungen im Theater Rex). Zusätzliche Dienstleistungsangebote des Unternehmens sind: Autorenlesungen, Geschenkgut-
a DasAbholfach ist ein nach dem Alphabet sortiertes Regal, in dem die speziellen, von
Kunden getätigten Bestellungen bzw. Reservierungen aufbewahrt werden. Dieses
Regal ist unabhängig vom Lager.
b International Standard Book Number: Bestehend aus drei Zahlen um es als Buch zu
kennzeichnen: 978; dem Ländercode: 3 (für Deutschland); einem Verlagscode 551 (für
Carlsen); dem Buchcode: 35782 (für Biss zum Abendrot); und eine nach einer fes t-
gelegten Formel generierte Prüfziffer: 3; insgesamt also 978-3-551-35782-3.
c Verzeichnis lieferbarer Bücher des Marketing- und Verlagsservices des Buchhandels
GmbH, Großer Hirschgraben 17 - 21 Frankfurt am Main.
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scheine, Schulbuchservice, Geburtstagsliste d , antiquarische Recherche und das Christkind-Depot e .
Nach außen hin präsentiert sich das als Personengesellschaft f bei der IHK Wuppertal [ 2] eingetragene Unte rnehmen mit Werbung in Tages- bzw. Lokalzeitungen, einer eigenen Webpräsens [3] und Auftritten bei verschiedenen lokalen Veranstaltungen. Diese Werbung und das Produktangebot richten sich an alle Gesellschaftsschichten/Altersgruppen und ist somit universell.
Die Konkurrenzsituation ist in Wuppertal-Vohwinkel nicht stark ausgeprägt, sodass bei der Buchhandlung Jürgensen von einer in Vohwinkel dominierenden Rolle ausgegangen werden kann. Die nächsten größeren Buc h-handlungen sind in Elberfeld, Solingen und Düsseldorf zu finden. Stärkster Konkurrent im Buchmarkt dürfte für die Buchhandlung Jürgensen der Online-Buchhandel amazon.com sein.
2.4 Belegschaft - Qualifikation und Perspektiven
Es gibt bei der Buchhandlung Jürgensen keine grundsätzlichen Einstellungsbeschränkungen. Förderlich sind jedoch folgende persönliche Eigenschaften: Interesse am Lesen von Büchern, Freude im Umgang mit Kunden (Beratung
d Geburtstagskinder/-erwachsene können Listen anfertigen, von denen die Gäste die
Buchgeschenke dann kaufen können.
e Gekaufte Bücher können bis Weihnachten in der Buchhandlung gelagert bleiben, falls
kein „Versteck“ zu Hause vorhanden ist.
f Personengesellschaften besitzen zwar lediglich eingeschränkte Rechtsfähigkeit, sind
aber keine juristischen Personen. Im Gegensatz zu Kapitalgesellschaftern haften die
Personengesellschafter unbeschränkt mit dem Gesellschafts- und Privatvermögen.
(www.wikipedia.org/wiki/Personengesellschaften vom 12.03.2010)
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direkt wie auch telefonisch), eine schnelle Auffassungsgabe sowie die Beherrschung des Zehnfinger-Schreibsystems.
Obwohl die geschäftsüblichen Tätigkeiten (Recherche, Bestellung, Warenannahme, Regalbestückung etc.) auch von Männern erledigt werden können, fällt auf, dass 6 von 8 Personen der jungen Belegschaft weiblich sind. Vermutlich liegt das einerseits daran, dass der direkte Umgang mit Kunden Frauen leichter fällt als Männern (dabei will ich mich nicht auf Vorurteile berufen, sondern beziehe mich auf die von Frau Jürgensen mitgeteilten Erfahrung , vgl. [1]), sowie andererseits an der Tatsache dass Frauen mehr lesen als Männer (Analyse der TAZ [4]) und somit wahrscheinlich auch gezielter beraten können.
Bei größeren Buchhandlungen w ird in manchen Positionen, bspw. in leitender Funktion, eine Ausbildung zum Buchhändler vorausgesetzt. In einer kleineren Buchhandlung wie der von Frau Jürgensen stellt diese Ausbildung die einzige erreichbare Qualifikation da (die Buchha ndlung Jürgensen ist also ein Ausbildungsbetrieb).
3. Der Weg des Buches
Um die Beschreibung des Arbeitsplatzes in dem Praktikumsbetrieb an sich zu verstehen, ist es wichtig, zunächst die außerbetrieblichen Prozesse zu beschreiben, die über die Schnittstellen des Unternehmens mit seinem Umfeld auf die Buchhandlung einwirken und auch die Arbeitsprozesse im Inneren beeinflussen.
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3.1 Außerhalb des Betriebs
Entstehung
Der Weg des Buches, vgl. Abbildung 1, beginnt meistens mit der Idee und dem Schreiben eines Manuskript seitens eines Autors. Dieser schickt das Manuskript dann an ve rschiedene Verlage um zu erwirken dass diese die Kosten (für den Druck, das Lektorat, die äußere Gestaltung, die Werbung usw.) tragen. Wenn sich ein Verlag bereit erklärt ein Buch in sein Programm aufzunehmen, beginnen die verlagseigenen Lektoren, das Buch zu überprüfen bzw. an einigen Stellen Vorschläge zur Verbesserung zu machen.
Parallel dazu läuft die Layout Gestaltung an, dies wird meist von externen Mediengestaltern übernommen die darüber entscheiden in welcher Aufmachung das Buch erscheinen soll. Für Fortsetzungen bekannter Bücher wird meist auch noch eine Werbekampagne gestartet, welche z. B. Plakate, Radio/Fernseher Werbung sowie Leseproben (meist das erste Kapitel) beinhaltet.
Sobald diese drei separaten Aktionen - Redigieren, Layout, Werbekampagne - abgeschlossen sind, beginnt der Druck des Buches und dann dessen Auslieferung an die verschiedenen Großhändler g . Die einzelnen Buc h-handlungen entscheiden dann ob sie das Buch aus dem Angebot des Großhändlers ordern wollen oder nicht. Es kommt auch vor, dass Kommissionskäufe getätigt werden.
g Dazu zählen Händler wie bspw. Umbreit, Könemann oder Libri, die eine zentrale
Lagerstelle für Einzelhändler darstellen.
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Das heißt, die Buchhandlungen bekommen eine b estimmte Anzahl von Büchern gegen Bezahlung geliefert, können aber gegen Rückerstattung der Kosten eine Remission des nicht verkauften Anteils der Bücherlieferung durchführen.
Abbildung 1: Der Weg des Buches.
Bestellung und Lieferung
In den frühen Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es in Bayern einige private Kuriere im Dienst der Buc h-handlungen. Diese Kuriere holten für ihren jeweiligen Chef Pakete mit Büchern aus den Druckereien ab und lieferten einzelne Bücher bei den Kunden aus. Wenn sich zufällig zwei dieser Kuriere in einer Wirtschaft begegneten, so verglichen sie ihre Lieferlisten und rationalisierten ihre Arbeitsfeld, indem sie gezielt Pakete austauschten: Sie tauschten Päckchen so aus, dass nicht beide zur Buc h-
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handlung X mussten, sondern einer beide Päckchen für X nahm und der andere dafür alle Pakete zur Buchhandlung Y auslieferte. Allmählich fingen die Kuriere an sich weiter zu organisieren und bildeten nach und nach eine zwar noch lose aber dennoch professionelle Dienstleistungsgesellschaft.
Heute hat sich daran im Wesentlichen nichts geändert, außer dass dieser Lieferdienst heute national arbeitet und eine eigene Firma und kein Zusammenschluss von Angestellten mehr ist.
Mit dieser Technik ist es möglich jedes im Barsortiment eines Großhändlers verfügbare Buch innerhalb von 24h nach Bestellung, in seiner Buchhandlung abzuholen.
Mit der Lieferung von den Grossisten und der Regalbestückung steht das Buch im Laden und ist zum Kauf bereit.
Unternehmensumfeld
Die wesentlichen direkten Schnittstellen des Unte rnehmens sind der Kunde mit seinem Bedarf, seiner Nachfrage auf der einen Seite und der Großhändler / Lieferant mit seinem Angebot auf der anderen. Weitere zur Führung der Unternehmung wichtige direkte Nebenschnittstellen sind: Finanzamt, Industrie und Handwerkskammer, Kommunikations dienstleister, Werbeunternehmen etc. Darüber hinaus ist das Erfassen von Markttrends und Entwicklungen wichtig, sodass auch eine unternehmerische Pflicht zur Beobachtung von Buchmessen besteht.
Den Angestellten der Buchhandlung Jürgensen obliegen
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i. d. R. lediglich die Aufgaben im direkten Zusammenhang mit dem Produkt Buch.
3.2 Innerhalb des Betriebs
Bestellung
Im Wesentlichen gibt es, neben der direkten und langwierigen Bestellung bei Verlagen, innerhalb der Buc h-handlung zwei Möglichkeiten ein Buch bei den Großhändlern zu bestellen.
Die eine Möglichkeit ist, die Bücher über das “Lager“ der jeweiligen Händler zu bestellen, die Lieferung erfolgt dann in der Regel zwischen 2 und 4 Tagen. Der Vorteil dabei ist, dass bei größeren Bestellungen so genannte Rabattstaffeln angeboten werden. Wenn bspw. zehn Bücher bestellt werden, so werden in der ersten Rabattstufe zum selben Preis elf geliefert. Weitere Stufen sind : 23 für 20, 47 für 40 und so weiter.
Diese Art der Bestellweise ist besonders bei solchen Büchern geeignet, die in großen Mengen bestellt werden (Schulbuchbestellungen, Sammelbestellungen etc.), sie eignet sich jedoch nicht, wenn ein Buch schnell benötigt wird. Für solche Fälle gibt es die zweite Möglichkeit, die direkte Bestellung aus den Barsortimenten der Großhändler. Das Barsortiment ist quasi ein Zwischenlager bei dem Großhändler von schon versandfertigen Büchern. Das Barsortiment enthält im Wesentlichen die aktuell gefragtesten Titel sowie eine mittelgroße Auswahl weiterer Bücher.
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Die Aufnahme der Bestellungen, die Auswahl des Bestellweges und die Bestellung selbst erfolgen durch die Angestellten der Buchhandlung Jürgensen.
Lieferung und Lagerung
Der Eingang und die Kontrolle der Lieferung erfolgte ebenfalls durch die Angestellten. Dabei sind mögliche Fehllieferungen rückabzuwickeln bzw. nachzubestellen.
Die Bücher werden mit Namen des Kunden zwischengelagert oder, sofern sie für die Regalauslage vorgesehen sind, in den Regalen zur Auslage gebracht. Bei besonderen aktuellen Werken erfolgt eine exponiertere Auslage im Schaufenster oder bei einem Nachfrageboom die Buc hpräsentation und dessen Verkauf in der Form eines Themenevents, bspw. Twilight Nacht.
4. Meine Arbeit im Betrieb
4.1 Einweisung in die Arbeitsprozesse
Als ich am 22. Februar 2010 das erste Mal morgens in meinem Praktikumsbetrieb meinen Dienst begann, war Frau Jürgensen schon da. Nach der Begrüßung gab sie mir eine allgemeine Kurzübersicht über die Buchbranche sowie einen ersten Einblick in die Funktionsweise einer kleineren Buchhandlung wie der ihrigen.
In diesem Zusammenhang erläuterte sie mir die Buc hpreisbindung, welche dafür sorgt, dass die Buchpreise bei neuen Büchern unveränderlich und für alle Buchhändler gleich sind. Die Buchpreisbindung gewährleistet einen
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monopolfreien Markt. Große Buchhandelsketten können nicht mit Discountpreisen kleinere Buchhandlungen aus dem Markt verdrängen und dann die - meist höheren -Preise diktieren. Außerdem besteht bei Monopolisierung die Gefahr, dass eine zu starke Selektierung des Buc hangebots (Stichworte: Diktatur, Machtmissbrauch oder das Literatur, die nur wenige Leute interessiert, verschwindet) möglich ist. Kleinere Betriebe mit z. T. Nische nangeboten können also existieren und bereichern das A ngebot.
Nach der Kurzübersicht führte Frau Jürgensen mich durch den gesamten Laden, einschließlich des Lagers, das sich direkt unter der Verkaufsfläche befindet. Dann demonstrierte sie mir die Funktionsweisen des PC Systems und erklärte die verwendete Software am Beispiel einer Buc hbestellung bzw. einer Recherche nach einem bestimmten Buch in der Datenbank.
Abschließend beantwortete sie mir noch meine ersten Fragen und stellte mich den anderen gegenwärtig im Laden befindlichen Mitarbeitern vor. Die weiteren Einweisungen in die Tätigkeiten während meines Praktikumaufenthaltes erfolgten dann durch die Mitarbeiter von Frau Jürgensen.
Übersicht über die Arbeitsabläufe
Im Folgenden will ich in Kurzform auf ein paar wesentliche Arbeitsabläufe eingehen, die den Mitarbeitern zugeordnet sind. Daneben gibt es noch spezielle, normative Arbeitsabläufe, die der Geschäftsführung vorbehalten sind und hier nicht erläutert werden: Kontakt zu Finanzamt, Aus-
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tausch mit Industrie und Handelskammer, Treffen mit Event-Veranstaltern, Geschäftsplanung, Neueinstellung etc. Von den Mitarbeitern und somit auch von mir während meines Praktikums sind / waren zu erledigen:
Buchsortierung: Die von den Kunden bestellten Bücher
müssen regelmäßig dem Alphabet nach geordnet in das Abholfach sortiert werden, damit - sobald der Kunde das Buch abholt - für jeden Mitarbeiter eine schnelle Z u-ordnung gewährleistet ist.
Abholzettelverwaltung: Es gibt für jedes bestellte Buch einen Abholzettel, auf dem alle wichtigen Daten über das Buch und den Besteller vermerkt sind. Dieser Zette l korrespondiert mit der o. g. Buchsortierung. Er muss ausgefüllt und abgelegt werden.
Kundeninformation: Falls ein Buch mit Verspätung an die Buchhandlung geliefert wird, muss der Kunde beim Eintreffen darüber informiert werden, dass sein Buch angekommen ist und zur Abholung bereitsteht.
Buchversendung : Auf besonderen Kundenwunsch wird ein Buch auch mit der Post an ihn versendet; Bedingung Vorkasse oder Bankeinzug.
Regale bestücken: Die neu gelieferten Bücher müssen in das Regal sortiert werden. Die Regale, auch die Kinderabteilung, sind nicht nur nach Themengebieten (Belletristik und Sachbüchern) sondern auch alphabetisch geordnet.
Umgang mit Kunden: Als für den Buchverkauf wesentliche Tätigkeit wurde ich in den Umgang mit Kunden einge-
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wiesen. Dabei wurde mir auch gezeigt, wie eine EC-Bezahlung durchgeführt wird. Bei dem ersten Verkaufs-und Bezahlvorgang war ich etwas nervös. Mit der Zeit fiel mir das Bedienen und Einpacken dann aber immer leichter und wurde während des Praktikums zur Routine.
Schreiben einer Remission: Hierbei ist zu beachten, dass
die Großhändler jeweils unterschiedliche Bedingungen bei der Remission haben. Im Allgemeinen gibt es zwei ve rschiedene Arten von Remissionen: einmal die Berechtigteremission und die Kulanzremissionen. Der Unte rschied dazwischen war für mich schnell ersichtlich und lässt sich am besten anhand von Beispielen erläutern.
Berechtigteremissionen sind u. a. beschädigte Exemplare oder zweimal gelieferte Bücher. Bei Kulanzremission nimmt der Großhändler Bücher zurück, die in einem bestimmten Zeitraum nicht verkauft wurden. Das geschieht aus einer “freundlichen“ Übereinkunft heraus, da er dazu nicht ve rpflichtet ist. Er erstattet deshalb auch nicht den vollen Kaufpreis sondern behält fünf Prozent ein. Das erscheint zunächs t nicht viel, doch bei einem Betrieb, der jährlich mehrere hundert Bücher „remittiert“, häuft sich das schon. Aus diesem Grund muss der jeweilige Ladeninhaber gut prognostizieren und planen, wie viele Exe mplare er schätzungsweise verkaufen wird und wie viele Bücher er ggf. zusätzlich vorhalten möchte. Das ist eine Sache der Übung und Erfahrung. Eine Orientierungshilfe bieten die Bestsellerlisten. Das sind Statistiken, die zeigen wie oft sich ein Buch in einem bestimmten Zeitraum ve r-
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kauft hat. Die bekannteste deutsche Liste ist die des Spiegels. Diese erscheint in zweifacher Ausfertigung jeden Mittwoch (für die gebundenen Bücher und die Tasche nbücher) in den Bereichen Belletristik und Sachbuch. In der Liste stehen jeweils die Hundert bestverkauften Bücher. Davon erwirbt die Buchhandlung Jürgensen lediglich die ersten 20 jeder der vier Kategorien, also insgesamt 80 Bücher.
Der Mittwoch war demzufolge für mich jeweils ein sehr ereignisreicher Tag und unterschied sich deutlich von den „typischen“ h Arbeitstagen: Bestsellerliste kontrollieren; Be-stand abgleichen; Regale, in denen die sortierten Bestseller stehen einräumen; veranlassen, dass nicht vorhandenen Titel bzw. die Neulinge auf der Bestsellerliste bestellt werden und dann am Nachmittag in den Regalen zum Verkauf stehen.
Arbeitszeiten und Pausenregelung - Erfahrungen
Meine Arbeitszeit war wochentäglich (ohne den Samstag) von 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr und dann wieder von 15.00 Uhr bis 18.30 Uhr, plus eine viertel Stunde nach Ladenschluss, für Aufräumen und Kassenabschluss. Zuzüglich jeweils eine viertel Stunde Busfahrtzeit summierte sich der Arbeitstag auf 8 ¾ Stunden.
Eine wesentliche Feststellung ist, dass das “wirkliche Arbeiten“ die Freizeit enorm einschränkt, sodass andere wichtige Aktivitäten bzw. Verabredungen auf die Pause
h Vgl. Abschnitt 4.2
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oder den Feierabend verlegt werden müssen. Pausenve rabredungen waren ziemlich schwer zu realisieren, da viele meiner Freunde zu diesem Zeitpunkt meist noch in der Schule waren. Dafür hatte ich jedoch das komplette Wochenende frei, da keine Schularbeiten oder Arbeitsvo rbereitungen zu erledigen waren.
Interessant war auch die Feststellung, dass eine Umste llung der Gewohnheiten der Nahrungsaufnahme erfolgen musste. Es ist schwer durchführbar und unüblich im la ufenden Kundengeschäft eine Pause für das Essen einzulegen, sodass ich eine entsprechende Verlegung in die freie Zeit planen musste.
4.2 Beschreibung eines typischen Arbeitstages
Nach Arbeitsbeginn bearbeiten die Mitarbeiter unte rschiedliche Aufgaben, vgl. Abschnitt 4.1. Ich z.B. begann mit dem Kassieren. Die Mitarbeiter wechseln sich öfter ab, sodass ich nach ca. einer dreiviertel Stunde die Auffülllisten bearbeiten sollte. Das heißt, ich sollte die gerade verkauften Bücher in das Regal nachräumen bzw. aus dem Lager ho len und den aktuellen Bestand mit dem vom PC angezeigten vergleichen. Diese Prozedur wird täglich etwa zwei Mal gemacht, so das keine großen Lücken im Regal entstehen und Bücher ggf. nachbestellt werden können.
Die wichtigste Voraussetzung für diese Tätigkeit ist eigentlich die Übung. Desto öfter sie verrichtet wird, desto schneller werden die einzelnen Bücher bzw. Artikel ge-
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funden. Diese Tätigkeit nahm beim ersten Mal - inkl. Zeit für die Einweisung - etwa eine dreiviertel Stunde in Anspruch.
Nach Abschluss dieser Aufgabe sollte ich die Regale ausräumen, sauber wischen, abtrocknen und wieder einräumen. Dies war jedoch nichts, was ich alleine erledigen sollte, sondern eine Teamarbeit zu zweit. Der dritte Mitarbeiter bediente inzwischen die Kunden bzw. nahm Telefonanrufe an.
Am Ende eines Tages muss immer das benutzte Geschirr in der kleinen Kaffee-Küche gespült werden. Dazu habe ich mich freiwillig gemeldet. Nachdem ich die Sachen gesäubert, abgetrocknet und einsortiert hatte, war es bereits 18.30 Uhr und die Auslagen von draußen mussten hereingeholt werden. Das sind zwei Kartenständer und eine kleine Auslage mit Kreuzwort- und Sudokurätseln, die direkt unter der geschäftseigenen Markise aufgestellt sind.
Abschließend zählten wir den Inhalt der Kasse bzw. die Wechselgeldbestände im Safe und verglichen das Ergebnis mit den Computeraufzeichnungen. Das Prüfergebnis war ok, d.h. beides stimmte überein und so konnten wir alle entspannt in den Feierabend gehen.
Die meisten Tage - außer Mittwochs - meines Berufspraktikums verliefen nach diesem Schema. Anfangs fielen mir die Tätigkeiten schwerer als gegen Ende des Praktikums. Am Ende konnte ich sogar eine gewisse Routine bei mir beobachten.
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4.3 Mein persönliches Fazit
Ich persönlich hatte einen Einblick in das volle Spektrum der Arbeitsvielfalt in einer kleineren Buchhandlung. Ich habe alle die Tätigkeiten verrichtet, die jeder andere vollwertige Mitarbeiter auch erledigt, und bin mir bewusst, dass dies ein Vertrauen von Frau Jürgensen in meine Person darstellt und eine sehr wertvolle Erfahrung für mich ist. Ich hatte keine Probleme im Betrieb und wurde von allen Mitarbeitern akzeptiert und freundlich von ihnen aufgenommen bzw. sorgfältig in meine Arbeit eingeführt. Dies war jederzeit ein Vorteil, da ich immer auf Hilfe hoffen konnte, wenn ich etwas nicht verstanden oder Fragen zu beliebigen Themen hatte.
Das Einzige was mir am Anfang Schwierigkeiten bereitete, war das Einpacken von Geschenken. Dies besserte sich jedoch mit der Zeit - „Übung macht den Meister“. Auch die Gewöhnung an die Arbeitszeiten bzw. den neuen Ess-Rhythmus stellte n eine ungewöhnliche Aufgabe für mich dar. Im Ausgleich dazu stand “wirklich freie“ Freizeitkeine Aufgaben nach der Arbeit - und die Gelegenheit Vohwinkel auch mal am Tage und nicht nur am frühen Morgen oder am späten Nachmittag zu genießen.
Meine in der Einleitung fixierten Erwartungen sind also erfüllt worden, ich habe erfahren, wie der Buchverkauf in einer Buchhandlung erfolgt und habe Einblicke in den Weg eines Buches erhalten.
Wenn ich he ute ein Buch bestelle, muss ich an den Auf-wand denken, bis dieses Buch auf seinem Weg vom Autor
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in mein Regal kommt. Gegenwärtig sind jedoch schon Ebooks auf dem Markt bzw. in der Entwicklung, die diesen Aufwand erheblich reduzieren, da der Text nur noch im richtigen Format zum Download bereitgestellt werden muss. Das spart sowohl Layout- als auch Druckkosten und ist somit sehr attraktiv für Verlage. Diese Technologie bedroht vermutlich den materiellen Buchhandel und zwingt auch hier zu neuen Wegen. Unserer Gesellschaft bietet das aber auch neue Chancen, da so gigantische Mengen an Ressourcen (Öl, Holz, Wasser, Strom etc.) gespart werden können. Vor dem Hintergrund der Klimaveränderung erscheinen daher neue Wege also unumgänglich. Vermutlich werden aber Klassiker und besondere Werke auch weiterhin gedruckt vorliegen. Lediglich schnelllebige, vergängliche Literatur (Klamauk, Comics, etc.) dürfte aber schon bald (? 10 Jahre) nur noch im E-books-Format zu erhalten sein und den Buchmarkt erneut verändern, so wie der Übergang von der Leihbücherei zum Buchhandel vor 40 Jahren.
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5. Quellenangaben
1 Managementinterview:
Gespräche mit der Geschäftsführerin Frau Jürgens.
2 Internetseite besucht am 12.03.2010
www.lx-wup.ihk.de/ cgi-bin/fidifs1.sh?FID=113204&x=43&y=12
3 Internetseite besucht am 12.03.2010
www.buch-juergensen.de
4 Internetseite besucht am 12.03.2010
www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2005/10/19/a0086
Arbeit zitieren:
Simon Leischner, 2010, Bericht zum Berufspraktikum in einer Buchhandlung, München, GRIN Verlag GmbH
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